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ABC-Projekt (27. KW): Gnadenbrot

Sonntag, 5. Juli 2009

 

Dieses Mal ist es kein lustiges oder niedliches Bildchen, sondern eher ein … tja, wie soll ich es nennen? Armutsbericht? Braunbärin Berti war in diesem Gehege bereits, als ich noch zur Schule ging. Das ist mittlerweile Jahrzehnte her. An dem Gehege war in all den Jahren bis zum Entstehen dieses Fotos nichts verändert, geschweige denn modernisiert worden.

Meine Mum hat, als ich gemeinsam mit meinen Eltern etwas fassungslos vor diesem Anblick stand, das Foto am 6.10.2007 gemacht. Drei Tage später, am 09.10.2007, ist Berti „erlöst“ worden. In einem so lieblosen Gehege wäre mir das auch lieber gewesen …

Berti-ZooHannover-061007

Mittlerweile entsteht auf diesem Gelände im Zoo Hannover eine neue Themenwelt.

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Keinesfalls möchte ich damit den Eindruck erwecken, dass sich der Zoo Hannover nicht um die Tiere und ihre Unterbringung bzw. Pflege kümmert! Dieses Erlebnis bildet die absolute Ausnahme. Normalerweise ist der Zoo äußerst liebevoll gepflegt, die Mitarbeiter ausnahmslos hilfs- und auskunftsbereit und die Tiere fühlen sich offen_sichtlich sehr wohl. Vielleicht gerade deshalb hat mich bzw. uns dieser Anblick so geschockt. Er passte einfach überhaupt nicht zum sonstigen Erleben im Zoo Hannover.

© skriptum

10 Kommentare

  1. Was ein ergreifendes Bild. Der Kerl scheint die ganze Verzweiflung und Resignation der Welt darzustellen. Aber wie das so ist in Zoos. Schön für die Menschen, oft schlimm für die Tiere. Auch wenn es anders scheint – offen_sichtlich. Ich habe einmal in einem „Vorbild-Zoo“ recherchiert für eine Geschichte. Nein, das war nicht schön. Es war Elend. Pur. Ein Armutsbericht.


  2. Der „Kerl“ war eine „Kerlin“ aber ansonsten hast Du das wiedergegeben, was ich bei diesem Anblick gefühlt habe. Vielleicht hat es mich auch umso tiefer getroffen, weil ich sie eben schon aus Kindertagen kannte. Und dann dieser Anblick … Das hat echt gesessen.

    Nur wie gesagt: Das ist die Ausnahme. Der Zoo kümmert sich wirklich exzellent um die Tiere und die Gehege. Da gibt es ansonsten wirklich rein gar nichts zu meckern.


  3. Es geht ja hier auch nicht um den Zoo, sondern um die Bärin bzw. um das Gefühl beim Ansehen des Bildes.

    Das G hast du mit dem BildWort jedenfalls gut umgesetzt.


  4. Das Bild dieser Bärin schneidet einem regelrecht ins Herz. Gut, daß sie über die Regenbogenbrücke gehen durfte.
    Liebe Grüße!


  5. Danke Wortman, „freut mich“ schreibe ich in diesem Zusammenhang lieber nicht. Du wirst verstehen, warum.

    „über die Regenbogenbrücke“ finde ich eine unglaublich schöne Umschreibung. Danke dafür, liebe freidenkerin!


  6. Verstehe ich voll und ganz :)


  7. Oh ehe ich meine Gefühle hier aktiviere und zulasse, möchte ich doch erst einmal wissen, was dieses Bild in der Realität tatsächlich darstellt?
    Ist die Bärin an den Eisenring angekettet? Dann ist es wirklich übel.
    Oder schubbert sich die Bärin gerade nur ihren Hals an dem Stamm, wo unnötigerweise ein Eisenring hängt.
    Eine Kette um den Hals der Bärin kann ich nicht erkennen und das unnötige triggern von Gefühle hasse ich wie die Pest.
    Ach so Du nennst eingegangen erlöst. Welch eine scheußliche und verwirrende Wortwahl für den Tod.
    Tierliebe ist bestimmt eine gute Sache, wenn das Tier nicht dem Menschen vorgezogenen wird, weil es ja keinen Widerspruch erregen kann.
    Ich schlage allerdings vor, einmal in das nächste Pflegeheim zu gehen. Dort können ähnliche aller Kraft beraubter Menschen angetroffen werden, wie diese Bärin. Menschen die brutal von einem schlimmen Schicksal getroffen sind und dort jetzt zum Sterben abgelegt sind.


  8. Mit Deinem Schlusssatz beantwortest Du, liebe rotegraefin, bereits Deine Eingangsfrage. Offensichtlich wurde die Bärin dort zum Sterben abgelegt. Nachdem das nicht von allein geschehen „wollte“, hat man sie erlöst. Eine Kette brauchte es nicht, um sie leiden zu fühlen. Nein, sie schubberte nicht fröhlich vor sich hin, sondern lag dort. Bewegungslos. So. Einfach nur so.

    Warum ist „erlöst“ für Dich „eine scheußliche und verwirrende Wortwahl für den Tod“? Kannst Du Dir nicht vorstellen, den Tod als Erlösung von Leiden zu sehen?

    Deine Formulierung „Tierliebe ist bestimmt eine gute Sache, wenn das Tier nicht dem Menschen vorgezogenen wird, weil es ja keinen Widerspruch erregen kann.“ irritiert mich einigermaßen. Wenn ich Deinen Blog richtig interpretiere, stellst Du Dich religiös, fast schon übermenschlich bis göttlich dar. Sollte es Dir dann nicht selbstverständlich sein, gerade den zu Schützenden besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen? Wenn ein Tier besonderer Pflege oder Zuwendung bedarf, werde ich sie ihm zukommen lassen, sofern es in meinen Möglichkeiten liegt. Gleiches gilt natürlich für Menschen. Nur weil ein Tier „nur ein Tier“ ist, ist es mir aber nicht weniger wert. Die Wertigkeit ansich ist zwangsläufig eine andere. Anders, ja. Nicht mehr und nicht weniger.

    Wenn Du jedoch nicht gewillt bist, Widerspruch zu dulden (sofern ich Deinen Satz richtig verstehe), dann darfst Du Dich weder mit Menschen noch mit Tieren beschäftigen. Beiden ist es gegeben, Widerspruch zu leisten. Nur die Art und Weise unterscheidet sich.


  9. Upps, wo habe ich geschrieben, dass ich keine Widerspruch dulde? Ach so, Du hast es so verstanden ;)
    Ich weiß, dass ich Widerspruch auslöse. Ursprünglich unbewusst und dann war ich immer ganz erschrocken. Mittlerweile ganz bewusst und es ist spannend was dabei heraus kommt.
    Das ist meine Beobachtung bei vielen Hundehaltern. Ich hatte noch heute morgen mit halben Ohr inWDR5 gehört, was für ein Schnickschnack alles für Hunde angeboten wird und das hat mich wohl noch untergründig gepiert und ist hier mit eingeflossen. Sorry ist in der Tat etwas verwirrend. Ich mag Tiere aber ich habe neun Jahre für Asylbewerbern gearbeitet und die hatten keinen lediglich einen Anspruch auf 5,06 qm pro Person. Jeder deutsche Schäferhund hat da mehr Rechte.

    Wie gesagt ich habe mir dieses Bild sehr genau angesehen und erst danach den Text gelesen. Von dem Bild geht sehr viel Frieden und Ruhe aus. Auch wenn die Bärin wie ich jetzt verstanden habe und mir dieses Bild noch einmal anschaue kann ich nur Ruhe und Frieden wahrnehmen. Eine Kreatur, die sich dem Lauf des Lebens ergeben hat. Es erschließt sich mir nicht ganz, warum sie „erlöst“ werden musste. Wer musste da von was erlöst werden? Die Besucher des Zoos von einem langsamen Sterben oder die Bärin vor tatsächlichen Schmerzen?
    Selbstverständlich bin ich nüchtern genug kranke und schwer leidende Menschen und zwar für alle Beteiligten kein zu langes Leiden zu wünschen. Anderseits bäume ich mich auf, wenn ich den Tod nur in meiner Umgebung spüre. Dann mache ich mal einen kurzen verbalen Rundumschlag und wer dann sich wieder aufrichten kann und noch Fragen hat, der hat dann gewonnen.


  10. Weißt Du, Frau Gräfin, wenn man etwas sieht und sich dazu seinen Teil denkt, ist das schon okay. Wenn man aber auf Basis absoluten Nichtwissens konstruiert und anschließend einfach mal unterstellt, ist das ein anderes Kaliber. Was mich „beunruhigt“ sind Deine mitunter recht schmutzig wirkenden Gedanken. Das gibt mir kein gutes Gefühl; vorsichtig ausgedrückt. Also möchte ich nicht mit Dir umgehen und bitte Dich, das zu respektieren.



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