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Im Nachgang zu meiner „Evakuierung“ nun das hier:

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Uwe war plötzlich und unerwartet da. Einfach so. Unüberhörbar.

Nachdem ich mich die halbe Nacht gequält hatte, um herauszufinden, was da mit Ohren betäubenden Geräuschen hin und her bewegt oder in sonstiger Form bearbeitet wurde, fiel mir ein, dass die Üstra (Betreiberin öffentlicher Transportgefährte mit jeweiligem Fahrgastraum) angekündigt hatte, in hörbarer Nähe Gleisbauarbeiten durchzuführen. Tag und Nacht, versteht sich. Scheiß auf Anwohner, die möglicherweise schlafen wollen. Diese Geräusche hielten mich bis in die Morgenstunden wach. Da ich aufgrund meiner Schlafschwierigkeiten gelernt habe, genügsam zu werden … sehr genügsam … konzentrierte ich mich also eher darauf, mal „vom Rücken“ zu sein, wenn es mit dem Schlafen schon nicht klappt. Doch irgendwann klappte wenigstens mein Bewusstsein, dankenswerter Weise ab, und ich schlief doch noch ein.

Bis …

Ja, bis Uwe kam.

Erst wusste ich natürlich nicht, dass es Uwe war. Woher auch? Bis heute früh kannte ich ihn ja gar nicht. Zunächst hörte ich nur irgendwelche neuen Geräusche, die ich ebenso wenig einzuordnen wusste, wie die nächtlichen. Es war nur klar, dass da etwas anderes passiert, als das nächtliche Verlegen der Bahngleise. Wie sich später heraus stellte, hatte Uwe das seit drei Wochen am Haus befindliche Gerüst, was bisher (abgesehen von einer einzigen Stunde vor fünf Tagen) noch keiner allzu hohen Frequentierung ausgesetzt war, erklommen und auf meinem Balkon Folien ausgelegt.

Mit dieser Aktion ist es ihm erfolgreich gelungen, diejenigen Pflanzen endgültig hinzurichten, die ich bis heute noch gerettet hatte. Nur pink farbige Geranien scheint er nicht zu mögen. Die hat er nicht mit der Folie erdrückt, sondern frei den Arbeiten, die mutmaßlicherweise irgendwas mit dem Verspritzen von Wasweißichs zu tun hatten, ausgesetzt. Wie lange es also diese Hübschheit noch schafft, am Leben zu bleiben, wird abzuwarten sein. Wie ich das Sprühzeux aus meiner Tischdecke heraus waschen kann, weiß ich auch noch nicht. Ob ich Uwe dazu befragen werde, wage ich zu bezweifeln.

Und als ob diese Lärmerei noch nicht genug gewesen wäre (wobei mir noch nicht klar ist, wie das Auslegen von Folien eine derartige Unruhe verursachen konnte), keifte plötzlich eine Frau von Irgendwo los:

Frau: „Uwäääääääääääääääääää??? Wo steckst Duuuu???“

Uwe: „Hier, direkt unter Dir!“

Öhm … wenn eine Frau DAS schon nicht mehr mitbekommt, dann gute Nacht!

Nachdem geklärt war, wo beide sind, entbrannte eine Diskussion darüber, dass die Arbeiten wohl bis mittags erledigt seien. Davon ging zumindest Frau Ichmerknixmehr aus. Uwe belehrte sie jedoch eines Besseren und teilte ihr mit, dass sie schon zusehen müssten, die Arbeiten bis 15 Uhr hinaus zu zögern, da sie anderenfalls noch auf eine andere Baustelle geschickt würden, was natürlich zu verhindern wäre.

Uwe teilte weiter mit, dass er kürzlich auf eine andere Baustelle gerufen wurde, weil sich dort nur polnische Arbeiter aufhielten und der Architekt darüber sehr verärgert war, da kein einziger Arbeiter Deutsch sprach [Anm. an dieser Stelle: Danke EU!] und dass er darauf keinen Bock habe.

Warum Uwe ungefähr eine Stunde lang meine Balkonstühle hin und her geschoben und damit zusätzlichen Lärm verursacht hat, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er seine Kollegin nur wortlos wissen lassen, wo genau er sich befindet, damit sie nicht wieder los keift. Insofern hat es Uwe vermutlich nur nett gemeint. Auch, wenn das gründlich in die Binsen gerasselt ist und ich für zukünftige Besuche auf meinem Balkon gern darum bitten würde, auf solcherlei Nettigkeiten zu verzichten.

Immerhin ist durch die heutigen „Arbeiten“ die Frequenz der Nutzung des an diesem Haus aufgestellten Gerüsts maßgeblich gesteigert worden: Eine Stunde vor fünf Tagen und heute nochmal anderthalb drauf, macht einen Nutzung von 2,5 Stunden in drei Wochen. Ich persönlich würde ja Effizienz anders definieren. Das mag jedoch daran liegen, dass ich inzwischen hochgradig genervt bin, wenn ich das Stichwort Gerüst in meinen Gedanken nicht verhindern kann. Genervt und unausgeschlafen. Unausgeschlafen und frustriert. Denn das Resümee der bisherigen Arbeiten ist echt bemerkenswert:

Seit drei Wochen ein um 100 Prozent erhöhtes Einbruchsrisiko, unter anderem Dank der auf jeder Gerüst-Ebene befindlichen Leitern, die es mühelos ermöglichen, bis in die dritte Etage zu klettern, ohne dass es jemand mitbekommt. Zudem ein Balkonkasten, dessen Inhalt bis vor drei Wochen in voller Blüte stand aber entfernt werden musste, damit nach zweieinhalb sinnlosen Stand-Wochen damit begonnen werden konnte, lächerliche insgesamt 2,5 Stunden irgendwelche Arbeiten auszuführen, die nicht nur mit völlig unnötigen Lärm kombiniert wurden, sondern auch noch die finale Schrottung meiner bis heute trotz Räumung geretteten Pflanzen zur Folge hatten.

Und da erzählt mir der Architekt irgendwas von bewohnerseitiger Mitwirkungspflicht. Ich lach’ mich tot! Über „Mitwürrrgungspflicht“ würde ich inzwischen mit mir verhandeln lassen. Mitwirkungspflicht … *tse

Obwohl … Totlachen wäre vielleicht die Lösung: Dann hätte ich endlich meine Ruhe und Uwe könnte machen was er will. Der ist mittlerweile weg. Vermutlich auf einer anderen Baustelle: Polnische Arbeiter dolmetschen oder so. Oder vielleicht in einer Gärtnerei: Blumen mit Folien erwürgen. Oder in einer Möbelhandlung: Stühle hin und her schieben. Oder wieder unter irgendeiner Frau, die es hoffentlich wenigstens merkt …

© skriptum
(19.10.09)

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Es begab sich zu einer Zeit, als ich eigentlich sehr gut drauf war …

Das könnte jetzt glatt ein Märchen werden. Wird es aber nicht. Im Gegenteil: Es ist die bittere Realität.

Während der Eigentümerversammlung im Jahr 2008 wurde beschlossen, die maroden Balkon-Kästen, die nach Aussage des Architekten zu damaligen (Bau)Zeiten durchaus den damaligen Standards entsprachen (hat er sie gebaut resp. daran mitgewirkt?), sanieren zu lassen. Sie zeigen mittlerweile so genannte Haarrisse, durch die Feuchtigkeit eindringen kann. Auch die Seitenverkleidungen sind an den Oberkanten alles andere als ansehnlich.

Also lautet der Beschluss, dass man da was tuen muss.

Angedacht wurden die Maßnahmen für Herbst 2008. Hilfsweise wurde das Frühjahr 2009 ins Auge gefasst.

Im Herbst 2008 passierte nix.

Im Frühjahr 2009 passierte nix.

Es könnte ja – rein theoretisch, versteht sich – sein, dass der eine oder andere Bewohner mit dem Gedanken spielt, diese verdammten Kästen zu bepflanzen. Dafür sind sie ja nun einmal da. Die meisten haben das auch gemacht, allerdings mit der gebotenen Vorsicht, falls binnen weniger Tage alles entfernt werden müsste. Denn die Balkonkästen sollten ja saniert werden.

Im Mai 2009 teilte der Verwalter dann mit, dass wir möglicherweise bereits bemerkt hätten, dass weder im Herbst 2008, noch im Frühjahr 2009 an den Balkonkästen etwas unternommen worden war.

Ach was!

Erneut erklärte der Architekt lang und breit, was genau gemacht werden müsse und aus welchen Gründen.

Ich liebe solche Veranstaltungen! *gähn

Der nächste Beschluss lautete also, dass im Herbst 2009 mit den Arbeiten begonnen werden würde. Natürlich nach rechtzeitiger Ankündigung, damit die Hausbewohner ihre Pflanzen zuvor in Sicherheit bringen können.

Nun ist ja die Umschreibung „rechtzeitig“ ein relativ dehnbarer Begriff. Ich persönlich empfinde es nicht als „rechtzeitig“, wenn aus heiterem Himmel ein höllisches Gepolter hinter dem Haus losgeht, ohne dass auch nur IRGENDein Hausbewohner weiß, was das soll. Das allein machte mich jedoch nicht einmal stutzig: So ruhig und harmonisch diese Wohngegend viele Jahre war, wird sie in den letzten Monaten, aus verschiedenen Gründen, immer lauter und ungemütlicher. Mir reicht es hier bald.

Erst als ein Hausbewohner die Arbeiter lautstark zum sofortigen Aufhören aufforderte, schoss ich auf den Balkon und wollte wissen, was da los ist. Könnte ja sein, dass Hilfe benötigt wird. Und was sah ich? Hinter dem Haus wurden Massen an Stangen, Leitern und Bohlen heran geschleppt. Offensichtlich wollte da jemand ein Gerüst aufbauen. Beziehungsweise mehrere. Der Hausbewohner hatte sich völlig zu recht aufgeregt, denn schließlich muss der Sockel des Gerüsts an diesem Haus auf seiner Terrasse stehen. Da er bei der Eigentümerversammlung nicht anwesend war, konnte er nicht wissen, was das überhaupt alles soll.

Mir schoss in dem Moment fast Dampf aus den Ohren! So sieht also rechtzeitig aus, ja?! Na, toll! Mein Balkonkasten stand auf ca. drei Metern noch voll in Blüte:

Ist es völlig unrealistisch, anzunehmen, dass der liebste Herr Verwalter nicht bei den Firmen, die einrüsten und malern, angerufen, den Auftrag erteilt und gefragt hat, wann sie anfangen, um zur Antwort zu bekommen „In drei Minuten geht es los“? Der hat doch wochenlang Zeit gehabt, uns zu informieren. Und das ist nicht zu schaffen?

Ach.

Irgendwann klingelte meine Nachbarin, die ihrerseits den Vorarbeiter ausfindig gemacht und gefragt hatte, was denn nun wohl geplant sei. Es handelte sich tatsächlich um den Gerüstbau zur Sanierung der Balkonkästen. Danke an die Hausverwaltung an dieser Stelle, für die „rechtzeitige“ Information, wann es losgeht. Meine Nachbarin teilte mir weiter mit, dass an diesem und dem nächsten Tag noch nichts an den Kästen gemacht würde, so dass wir am Folgetag Zeit hätten, um die Kästen zu räumen.

Kurz zuvor hatte ich – nicht wissend, wann es losgehen wird – noch neue Pflanzen gekauft und eingesetzt. Wer mir das bezahlt, wenn die Pflanzen jetzt nach Rücksetzung in kleine Pötte eingehen, weiß ich noch nicht. Dienstag habe ich mir händeringend drei Stunden abgequält und meine Arbeit liegen lassen (müssen), um den Balkonkasten zu leeren und meine Pflanzen zu evakuieren, weil es ja Mittwoch losgehen sollte. Wer mir das bezahlt, weiß ich auch noch nicht. Aber wen ich dafür „umbringen“ werde, wenn ich ihn erwische … ja, da habe ich schon eine leise Idee!

Das alles heißt aber natürlich keinesfalls, dass es am Mittwoch tatsächlich losging:

28.09.: Plötzlicher Gerüstaufbau
29.09.: Chance, die Pflanzen zu evakuieren
30.09.: geht’s los.

Geht es los? Denkste! Nüscht war! Kein Arbeiter zu sehen, folglich keine Arbeiten. Okay, nächste Chance:

01.10.: Geht’s endlich los?

Denkste (2)! Wieder nix. Kein Arbeiter, keine Arbeiten.

02.10.: Zum Wochenende Arbeits-Start?

Nein, natürlich nicht.

Auch habe ich den Hausverwalter noch nicht gesehen. Immerhin hat er es verpennt, uns rechtzeitig (…) zu informieren. Es könnte ja durchaus sein, dass der eine oder andere Bewohner im Urlaub ist und seinen Balkonkasten dem entsprechend gar nicht räumen kann. Also ist es doch wohl die Aufgabe des Hausverwalters, hier blitzartig anzutanzen, die Gerüste zu erklimmen und nachzusehen, ob bei insgesamt 24 Wohneinheiten in drei Häusern alle Pflanzen entfernt wurden, damit sie während der Arbeiten nicht geschrottet werden, oder?

ODER?

Mein Balkonkasten sieht so trostlos aus wie noch nie! Das ist der klägliche Rest, den ich nicht heraus nehmen konnte, weil sie dann garantiert eingehen. Tüten müssen reichen:

Inzwischen ist es Freitagnachmittag. Die Arbeiter sind nach wie vor nicht (mehr) zu sehen, mit den Arbeiten wurde nicht einmal begonnen. Stattdessen haben wir Dank längst aufgebauter Gerüste gar prächtige Hintereingänge. Es ist ein Leichtes, die erste Plattform zu erklimmen und dann mittels der auf jeder weiteren Plattform befindlichen Leiter bis ins oberste Stockwerk zu klettern. Zwischendurch kann man mal in aller Ruhe gucken, ob irgendwo eine Balkontür offen oder wenigstens auf kipp steht, die man dann aufbrechen kann, um die jeweilige Wohnung in Ruhe auszuräumen, falls die Bewohner beispielsweise im Urlaub sind und keine Ahnung davon haben, dass das Haus eingerüstet ist.

Im Moment ist es also sehr leicht, mich überraschenderweise zu besuchen:

Einfach bei Nacht, sogar ganz ohne Nebel, hinter das Haus gehen und hoch kommen. Die Leiter befindet sich sozusagen direkt vor meinem Schlafzimmerfenster, da dort auch der Balkon ist. Ich könnte natürlich, zur Vereinfachung des Einstiegs, zusätzlich mein Haar herunter lassen, damit die erste Plattform noch leichter erklommen werden kann. Aber wie gesagt: Es ist ja kein Märchen, sondern bittere Realität! Nur zu Rapunzel …

… ja, es könnte durchaus sein, dass ich dazu bald werde! *ARRRRGH!

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Dieser imposante Balkon ist gar keiner, sondern vielmehr Bestandteil eines weiteren Treppenaufganges bzw. einer von vier offenen Wendeltreppen, innerhalb der Empfangshalle des neuen Rathauses. In dieser Halle wurde im Jahr 1946 das Land Niedersachsen proklamiert. Die vier darin befindlichen Wendeltreppen sind durch umlaufende Galerien miteinander verbunden. Die 38 Meter Höhe der Halle gestatten es, diese Aufgänge recht luftig zu gestalten, so dass sie stets den gleichzeitigen Blick nach oben und unten und auf die am Grund befindlichen Modelle der Stadt freigeben. Bei diesem Aufgang handelt es sich also nur um einen von mehreren resp. verschiedenen. Auch die Halle wurden, wie das gesamte Gebäude, von den Architekten Eggert und Halmhuber gestaltet und mit den seinerzeit – unüblicherweise in bar – überreichten 10 Millionen Mark bezahlt. Die Architekten Eggert und Halmhuber hatten es sowieso faustdick hinter den Ohren. Und nicht nur da:

Georg Peter Hermann Eggert studierte an der Berliner Bauakademie und wurde so Architekt. 1875 bis 1889 war er Universitätsbaumeister in Straßburg. Anschließend wirkte er als „geheimer Oberbaurat“ im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeit in Berlin. Sein Schwerpunkt lag auf Entwurf und Umsetzung von Sakralbauten. Ab 1896 war Eggert im Bereich der bildenden Künste Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Ihm zu verdanken sind Bauwerke wie der Berliner Dom, die Kaiser-Wilhelm Universität und die Sternwarte sowie der Kaiserpalast in Straßburg, der Hauptbahnhof in Frankfurt am Main, der bis 1978 genutzte Hauptbahnhof in Hamburg-Altona und in Hannover, neben dem neuen Rathaus und dem Künstlerhaus, auch die vor dem zweiten Weltkrieg errichtete Tierärztliche Hochschule.

Der Hochschullehrer und Architekt Gustav Halmhuber ließ sich sein umfangreiches Wissen an der Technischen Hochschule und der Kunstakademie in Stuttgart sowie an der Kunstakademie in Berlin vermitteln. Später wurde er in Köln sowohl Direktor an der Kunstgewerbeschule als auch Lehrer an der Handelshochschule, die spätere Universität zu Köln. Seine Professur an der Technischen Hochschule Hannover folgte. Er war gleichermaßen Oberbaurat und Geheimer Regierungsrat; außerdem wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Er wirkte unter anderem beim Bau des Berliner Reichstages mit, am Mannheimer Wasserturm auf dem Friedrichsplatz, am Kaiser-Wilhelm Nationaldenkmal, das beim Berliner Stadtschloss zu bewundern ist, wie auch bei der Gestaltung der Siegesallee in Berlin Tiergarten.

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Offensichtlich führen in Hannover alle Wege nach oben, ohne den Blick auf die Basis zu verlieren. Zumindest könnte diese Form der Gestaltung der Rathaushalle durchaus so interpretiert werden. Und schlecht finde ich es nicht ;o)

© skriptum

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