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Posts Tagged ‘Atem’

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Ich frage mich, wie es wohl war …

In Deinen Armen einzuschlafen
Deinen Atem zu hören wenn Du schläfst
Dein leises Schnarchen zu genießen
Gemeinsam mit Dir aufzuwachen
Objekt des ersten Deiner Blicke zu sein

Wie es wohl war?

Ja, das frage ich mich …

… am Morgen davor!

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© skriptum

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Wie oft ich Herrn Marcel Reich-Ranicki bereits für seine Worte gedankt habe, mit denen er im Jahr 2008 die Annahme des Deutschen Fernsehpreises für sein Lebenswerk abgelehnt hat, weiß ich längst nicht mehr. Täglich einmal ist im Schnitt wohl nicht allzu unrealistisch geschätzt. Am Samstag-Abend wurde ich jedoch von der ARD durchaus überrascht. Gibt es ab und zu doch noch Qualität im Deutschen Fernsehen? Gibt es womöglich noch Wunder?

Mit dem Film „Kirschblüten – Hanami“ (Regie und Drehbuch: Doris Dörrie) haben mich einige Darsteller sehr beeindruckt. Am bemerkenswertesten fand ich jedoch Elmar Wepper. Dass er ein Großer des deutschen Films ist, dürfte unbestritten sein. Aber mit der Rolle des Rudi an der Seite seiner Trudi (Hannelore Elsner) und später als Team mit Yu (Aya Irizuki) hat er mir echt den Atem geraubt. Ich könnte aus dem Stand zwar einige Filme aufzählen, die mich sehr beeindruckt haben, aber dieser Film ist an Tiefe kaum zu überbieten.

Leider konnte ich keinerlei Informationen finden, wann dieses Meisterstück wiederholt wird. Wer sich jedoch für Filme, die tatsächlich nahe gehen, interessiert, sollte sich zumindest den Titel merken. Eine Kleenex-Box reicht übrigens. ;) Der Film hat es nicht nötig, übermäßig auf die Tränendrüsen zu drücken. Er überzeugt gerade dadurch, dass es zu keiner Zeit peinlich oder übermäßig gefühlsschwülstig wird.

Und, Herr Wepper?!: Chapeau! Mit Knix und Verbeugung. Nacheinander, versteht sich.

[21.11.2010]

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Aktualisierung: Der Film wird heute Abend ab 23:oo Uhr und nochmal ab 02:55 Uhr in der ARD wiederholt! Der obige Link funktioniert übrigens noch und liefert weitere, interessante Informationen!

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Meine Seele brennt,
wenn Deine Augen
Funken in mein Herz sprühen.

Deine Gedanken schweben,
wenn meine Worte
Dein Innerstes erreichen.

Unsere Lippen glühen,
wenn unser Atem
die Windstille besiegt.

Wir fliegen.

Miteinander.

Aufeinander zu.

Verfallen uns, um uns zu halten.
Halten uns, um uns zu verfallen.

Genießen augenblicklich der Augen Blicke.

Und wenn wir uns
auf dem Boden der Tatsachen
in den Himmel lieben
beschreiben wir gemeinsam schweigend …

… die Unbeschreiblichkeit wortlosen Verstehens.

© skriptum

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Die Lichter im Saal verdunkelten sich und Ruhe kehrte ein. Diese Ruhe, die trotz aller Bemühungen dennoch mit rascheln und diversen letzten Hustern in der vierten, siebzehnten und fünfunddreißigsten Reihe begleitet ist. Je Rang oder Seite, versteht sich. Die Augen des Publikums ruhen ganz und gar auf der Bühne. Das Orchester hat sich längst eingespielt und wartet auf seinen Einsatz. Der Dirigent steht vor den Musikern, doch er bewegt sich nicht. Noch ein paar gequält unterdrückt wirkende Huster, begleitet von Raschelgeräuschen. Dann müsste es doch endlich losgehen. Aber es passiert nichts. Die Bühne steht still, wie in einer Matrix, die jemand vergessen hat, abzuspulen. Die Blicke der Musiker sind auf den Dirigenten gerichtet, der mit dem Rücken zum Publikum einfach still steht. Die Blicke des Publikums wechseln zwischen einzelnen Musikern, dem Dirigenten und dem jeweiligen Sitznachbarn. Aber es passiert nichts.

Doch plötzlich … als wenn es noch vor dem Saal oder sogar auf der Straße wäre … erklingt etwas. Ein Lied. Ganz sanft; kaum wahrnehmbar. Viele leise Töne reihen sich aneinander. Die Köpfe im Publikum bewegen sich wie in Zeitlupe. Einer nach dem Anderen dreht sich suchend um. Ganz langsam, leise. Um bloß nicht den nächsten Ton zu stören. Die Klänge kommen näher. Schritt für Schritt werden sie mit ebenso viel Bedacht intoniert wie die Füße gesetzt. Eine Klarinette ist zu erkennen. Gespielt von einem Mann, der noch vor wenigen Jahrzehnten seines Lebens bei einem Auftritt nicht sicher gewesen wäre. Der in Deutschland beschämender Weise nicht einmal hätte auftreten dürfen. Ein Mann, der zu späterer Stunde erzählte von gegenseitiger Liebe und Respekt, vom Verzeihen und Miteinander. Von seiner Freude darüber, in dem Moment an diesem Ort zu stehen und für dieses Publikum zu spielen.

Die einzelnen Töne werden vernehmbarer, die Schritte jedoch nicht schneller. Das Husten im Publikum ist einer gespannten Stille gewichen. Einem Knistern, das unhörbar jeden Schritt dieses Mannes trägt, begleitet. Er erreicht die Bühne und spätestens jetzt erkennt jeder Gast im Saal, wie viel Macht und Lautstärke diese leisen Töne in sich tragen, ohne sie zu erkennen geben zu müssen. Der Mann hinter der Klarinette spielt Hava nagila und die Menschen vor ihm sind fasziniert. Von der Stille, der Zartheit und der Fähigkeit, mit fast unhörbaren Tönen Hunderte von Menschen zur Ruhe zu bringen. Der Dirigent steht weiterhin still, die Musiker warten. Das Publikum hält den Atem an. Und als die letzten Töne die Klarinette verlassen, wird die Stille wie das Losschießen einer plötzlich geöffneten Schleuse von tosendem Beifall abgelöst. Willkommen Giora Feidman! Der kleine große Mann steht auf der Bühne, senkt langsam seine Klarinette und lächelt.

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Er wirkte zunächst fast teilnahmslos, als wenn er mit all dem überhaupt nichts zu tun hätte. Ganz gleich, als wäre er zur Sekunde zufällig vorbei gekommen, würde einfach mal reinschauen und ein bisschen Musik machen. Er hat das Publikum von der ersten Sekunde in der Tasche. Und er weiß es, lächelnd. Das scheint für ihn jedoch keine Macht zu bedeuten. Vielmehr sprüht aus seinen Augen einfach die Freude darüber, dass es die Musik erneut schafft, Menschen unterschiedlichster Abstammung mit wenigen Atemzügen zu verbinden. Und dass er das Seinige dazu tun darf. Er stimmt Lieder an und überall im Publikum erheben sich Stimmen, die mit ihm singen. Er frotzelt und witzelt, taucht jeden Zuhörer von einer Sekunde zur nächsten in unterschiedlichste Gefühle.

Sein Zusammenspiel mit dem Dirigenten, Enrique Ugarte, ist beeindruckend und die Einbeziehung eines jeden Musikers des Orchesters zeigt, wie wichtig diesem Mann die Einheit der Menschen ist; egal woher sie kommen. Das Konzert geht dem Ende zu. Bis dahin hat es dieser großartige kleine Mann vermocht, sich völlig unterzuordnen und Sekunden später den gesamten Saal samt allen Musikern durch sein Instrument mit Raffinesse und Lautstärke zu dominieren. Ein Wechselbad jedweden Gefühls hat eine Reise um die Welt unternommen und ist schlussendlich wieder im Konzertsaal angekommen. Mit einer fast unwirklichen Selbstverständlichkeit vereint Giora Feidman mit seiner Klarinette die israelische und deutsche Nationalhymne in einem Titel. ***

Der letzte Applaus erklingt, obgleich noch ein weiterer Titel folgen wird. Doch vor diesem bittet er darum, anschließend nicht zu applaudieren. Das Lied hat weltweit und auch für ihn eine so große Bedeutung, dass er es gern nachklingen wissen möchte, ohne die damit einher gehende Ruhe zur Klatschen zu stören. Und wieder leise, sehr leise, beginnt er das Ave Maria zu spielen. Unwirklich als Schlusstitel eines Konzertes und doch hätte es kein passenderes Stück sein können. Der letzte Ton verklingt, die Musiker verlassen die Bühne und niemand im Publikum hat es wohl gewagt, die Hände auch nur aneinander zu reiben. Geschweige denn zu klatschen, als die Lichter im Saal wieder angingen.

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*** Ich wage kaum die Behauptung, dass noch eine dritte Hymne mit einigen Takten enthalten war. Da ich es leider nicht genau herausfinden konnte, stelle ich jedem anheim, es bei Interesse und Gelegenheit selbst zu ergründen.

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Wer dieses Ereignis wenigstens noch einmal im Radio erleben möchte, dem sei Giora Feidmans Hinweis auf seiner Webseite ans Herz gelegt: „Am 21. Januar 2011 sendet NDR Kultur den Live-Mitschnitt vom Konzert am 26.11.2010 aus dem Großen Sendesaal des NDR in Hannover. Giora Feidman spielt mit dem NDR Pops Orchestra unter Leitung des Dirigenten Enrique Ugarte

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Sorry für das weniger als besch***eidene youtube-Video. Besser habe ich es leider nirgendwo finden können. Aber für einen Eindruck dürfte es reichen, oder? Es handelt sich dabei jedoch nicht um die Veranstaltung beim NDR!

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> Alle Teile im Überblick <

Die Wunde am Bein war schnell versorgt und Mario machte sich an Annis Stirnwunde zu schaffen, die ja zum Glück seit langem aufgehört hatte zu bluten. Seine Hände waren so vorsichtig, dass sein Tun kaum Schmerzen verursachte. Anni sah während dessen in seine Augen und glaubte fast, in ihnen zu versinken. Sein Gesicht war so nah vor ihrem, dass Anni seinen Atem spürte. Das brachte sie nun fast endgültig zum Durchdrehen. Mario schien zu wissen was in Anni vorging und nahm etwas Abstand. Mit einem Pflaster an der Seite ihrer Stirn war sie dann auch gut versorgt. „Wo ist eigentlich meine Handtasche“ fragte sie Mario, der wie von der Tarantel gestochen aufsprang und mit den Worten „die muss noch im Auto liegen“ verschwand. 

Anni sah sich im Wohnzimmer etwas um und versuchte erneut aufzustehen. Diesmal hatte sie mehr Glück und konnte sich – zwar mit Schmerzen aber immerhin – auf den Beinen halten. Nur in ihrem Kopf drehte es sich und sie konnte nicht genau einordnen, ob es am Wein lag oder an der Verletzung. 

Mario kam bald zurück und brachte die Handtasche mit. „Ich muss furchtbar aussehen“ nuschelte Anni als sie nach dem Badezimmer fragte. „Nein, Du nicht, aber die Couch…“ entfuhr es Mario, der sich etwas ungläubig ansah, was sich ihm dort als Bild zeigte. Nicht nur die Blutspuren zeugten davon, dass diese Couch dringend eine Reinigung braucht, sondern auch die Abdrücke von Annis nasser und durch den Asphalt doch eher als schmutzig zu bezeichnender Kleidung. 

„Oh je, kriegt man das je wieder sauber oder muss ich jetzt immer darauf liegen, um das zu verdecken?“ fragte Anni frech und diesmal war es Mario, der einfach nur noch loslachte. „Was hältst Du davon, wenn Du Dich im Bad etwas frisch machst und ich schaue nach, ob ich etwas finde, was Du anstelle Deiner nassen Klamotten anziehen kannst?“ fragte er und schob sie sanft in Richtung Badezimmer. „Ach weißt Du, ich hatte eigentlich nur noch vor, ein Bad zu nehmen und mir ein Glas Rotwein zu gönnen, sobald ich zuhause bin. Rotwein, und den sogar fast vor dem Kamin, hatte ich schon. Also fehlt nur noch das Bad. Wenn Du mir etwas raussuchen könntest, was ich mir anschließend überziehen kann, wäre das klasse!“ „Wird gemacht!“ grinste Mario „nur das mit dem Bad wird schwierig, da ich nur eine Dusche habe“ antwortete er kurz, schob Anni lachend ins Badezimmer und schloss hinter ihr die Tür. 

Anni stand Sekunden später unter der Dusche und genoss das heiße Wasser auf ihrer Haut. Das Bein müsste zwar anschließend neu verbunden werden aber das war ihr im Moment völlig egal. Sie sah aus, als wäre sie von einem Schlachthof getürmt. Ihre blonden Locken blutverschmiert und von Make-Up war nicht einmal mehr etwas zu ahnen. Der Regen und die Verletzung hatten alles zunichte gemacht. Der kurze Blick in den Spiegel hatten ihr alle Illusionen geraubt, dass sie optisch noch irgendwas Attraktives erkennen lassen könnte. Nun die heiße Dusche und anschließend … 

– Fortsetzung folgt – 

© marmonemi [04/03] / skriptum

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Hoffentlich nicht!

[Anmerkung vorweg: Die folgende Erzählung ist bereits einige Jahre her, jedoch nach wie vor präsent.]

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Der Morgen war wie immer … Verschlafen, Chaos im Badezimmer. Die Dusche erst zu kalt und dann zu heiß. Der Kaffee schneller auf dem Tisch als ich mit der Tasse hinterher kam. Dann schminken, anziehen … Anziehen … Verdammt! Jeden Morgen das gleiche Theater vor dem Kleiderschrank. Meine Wahl fiel auf eine helle Jeans. Dazu ein cremefarbener Pulli. Nicht zu figurbetont, weil ich ja schließlich ins Office musste. Beige Pumps dazu, Jeansjacke überziehen und ab.

Die erste Hürde des Tages war somit geschafft. Der Job lief zwar relativ ruhig aber dennoch mit viel Gebrassel verbunden. Mal wieder ohne Mittagspause machte ich wie fast immer später als sonst Feierabend und steuerte die U-Bahn an. Dort ließ ich mich auf einen freien Sitz fallen, nahm meine Zeitung aus der Tasche und fing an zu lesen. Nervös machte mich etwas, dass mich der Typ, der sich schräg gegenüber von mir hingesetzt hatte, ständig regelrecht anglotzte. Na ja, machte ja nix. Ich vertiefte mich einfach noch ein wenig mehr in meine Zeitung und ignorierte ihn.

An der nächsten Haltestelle leerte sich der Platz neben mir und blieb auch erstmal unbesetzt. Zwei Haltestellen weiter setzte sich der Typ von dem Platz schräg gegenüber plötzlich neben mich. Grundsätzlich betrachtet auch noch kein Grund, um unruhig zu werden. Auch dass er immer näher an mich ran rückte, machte mir zunächst nichts aus. Zunächst …

Der Typ stank. Nicht alkoholisiert, sondern schmutzig und durchgeschwitzt. Wenn er noch nach Alkohol gestunken hätte, hätte es die Sache allerdings auch nicht besser oder schlechter gemacht. Sein heller Trench war zu beiden Seiten aufgefallen und er rückte immer näher an mich ran. Die auf halbem Weg zwischen meinen Beinen und meinem Gesicht befindliche Zeitung klappte ich immer weiter zusammen und machte mich selber immer schmaler, um dem Typen irgendwie zu entgehen. Doch zwecklos. Ich war längst an der Wand der U-Bahn angekommen und er rückte immer näher. In mir machte sich Hilflosigkeit breit und die Frage, wie ich darauf reagieren soll. Ich sah ihn kurz an und bemerkte, dass er mich noch immer voll anstarrte. Er tat das also ganz bewusst.

Noch relativ ruhig forderte ich ihn auf, zurück auf seinen eigenen Sitz zu rutschen und mich in Ruhe zu lassen. Aber dazu machte er keinerlei Anstalten und fing stattdessen an, mir irgendwas Unverständliches ins Ohr zu flüstern. Gleichzeitig legte er eine seiner Hände auf mein Knie. Ich forderte ihn – diesmal lauter und für die andere Fahrgäste klar vernehmlich – auf, mich nicht anzufassen aber er murmelte weiter und seine Hand glitt langsam höher. In mir stieg Ekel auf und ich sah mich Hilfe suchend nach anderen Fahrgästen um. Es war späterer Feierabendverkehr und die Bahn war gut gefüllt.

Das – bisher für mich – Unglaubliche passierte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die anderen Fahrgäste gestarrt und gespannt verfolgt, was passieren würde. Klar ersichtlich war garantiert, dass er und ich kein Paar sein konnten. Doch in dem Moment, als ich meine die Blicke schweifen ließ, flogen die Köpfe herum und die Leute drehten sich weg. Alle. Ich sah plötzlich nur noch Rücken und Hinterköpfe.

Wie in einem Alptraum. Das konnte doch nicht wahr sein. Der Typ wanderte immer höher mit seiner Hand und ich schrie ihn an, dass er sofort seine Hände von mir nehmen und mich in Ruhe lassen solle.

Nicht ein einziger anderer Fahrgast machte auch nur die geringsten Anstalten, wenigstens mal auf diese Szene zuzukommen, um Präsenz zu signalisieren. Ich fühlte mich, als wäre ich mit dem Typen alleine auf der Welt. Er drängte sich immer mehr an/auf mich und sein Atem verschlug mir inzwischen den meinen. Unvermittelt sprang ich auf, brüllte ihn an, dass er sich von mir fern halten solle und es wäre auch kein Problem für mich, mit meinem Handy die Polizei zu rufen, wenn ihm meine Worte allein nicht deutlich genug sein sollte. Der Typ murmelte etwas von „wie kann man nur so böse sein“ und als die Bahn gerade in diesem Moment an der nächsten Haltestelle die Türen öffnete verschwand er ungehindert. Ich fiel auf den Sitz gegenüber und war platt.

Betretenes Schweigen in der Bahn …

Niemand sagte etwas …

Zunächst …

Plötzlich fing eine der Frauen an, laut loszupredigen, dass das ja wohl unglaublich gewesen sei … Keiner der Männer wäre eingeschritten und die arme junge Frau (ich wohl) musste sich ganz alleine wehren etc. etc. etc. Andere Frauen stimmten in das geheuchelte Klagelied lauthals ein, die in diesem Wagenteil befindlichen Männer drehten sich allesamt weg oder verließen an der nächsten Haltestelle die Bahn.

Ich sagte kein Wort mehr dazu. Nur die Überlegung in mir, was ich nun ekelhafter fand: Den Typen oder diese – nach meinem momentanen Empfinden – aufgespielte Empörung einiger Frauen, die ebenso untätig zugesehen hatten, hielt mich davon ab, vor Wut loszuheulen. Ich sah einfach nur aus dem Fenster und hoffte, bald an meiner Haltestelle zu sein, um diese Bahn zu verlassen.

Was wäre geschehen, wenn nicht ich, sondern eine Frau mit nicht so großer Klappe sein Opfer gewesen wäre … eine Frau mit weniger Selbstbewusstsein? Ich war weder aufreizend gekleidet, noch süße 12, 15 oder 17 Jahre alt. Daran konnte es also auch nicht gelegen haben. Und dennoch hat es ihn von nichts abgehalten. Hätte das geneigte Publikum – ja, das IST Sarkassmus! – auch einfach tatenlos zugesehen, wenn er mich direkt in der Bahn „richtig“ vergewaltigt hätte? Oh Gott, was muss, wenn ich mir mein momentanes, emotionales Chaos betrachte, erst in Frauen vorgehen, die „richtig“ vergewaltigt wurden? Mir graut vor dem Gedanken …

An meiner Haltestelle angekommen verließ ich fluchtartig die Bahn und rannte fast nach Hause. Ich wollte nur noch dringend mit jemandem reden, dem ich vertrauen konnte. Auf den Schritten zu meiner Wohnung quälte mich mehr und mehr der Gedanke, dass ich nichts getan habe, um den Typen der Polizei zu übergeben. Ich fühlte mich angeekelt, schmutzig und hilflos. Und je mehr ich über eine Personenbeschreibung nachdachte, desto weniger fiel mir dazu ein. Er hatte großlockige dunkle Haare und stank. Reichte das? Wohl kaum. Er trug einen hellen Trench und eine dunkle, irgendwie gemusterte Hose. Aber das war’s dann auch schon, was ich zur Person sagen könnte. Die großen, starrenden Augen sehe ich noch immer vor mir aber ich könnte nicht einmal sagen, welche Farbe sie hatten. Und Fingerabdrücke von einer Jeans? Keine Ahnung, ob das geht …

Ich bin auch, Stunden später, während des Schreibens, nicht in der Lage, den Typen genauer zu beschreiben. Deshalb hatte ich ursprünglich angefangen zu schreiben … eine BE-schreibung hinkriegen … die Polizei anrufen … Zwei Bahnen fahren bis zu mir. Ich weiß nicht einmal mehr, welche der beiden es war. Jede diesbezügliche Angabe wäre reine Spekulation und eine genaue Uhrzeit könnte ich auch nicht nennen. Was also sollte ich der Polizei sagen? Was ist das bloß für ein Chaos in mir? Ich heule mir die Augen aus dem Kopf vor Wut und Ekel, fühle mich einfach nur hundselend. Meine Mom hatte ich telefonisch erreicht und das Gespräch mit ihr tat sehr gut … hatte mich etwas beruhigt.

Ein derartiges Verhalten, sich anderen Menschen dergestalt aufzudrängen, halte ich persönlich schlichtweg für Veranlagung. Mir graut bei dem Gedanken, dass er von niemandem, auch von mir nicht, am Verschwinden gehindert wurde und ich hoffe inständig, morgen der Tagespresse nicht entnehmen zu müssen, dass ich zwar davon gekommen bin, es dafür aber jemand anderen erwischt hat …

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P.S. Zwei Bemerkungen seien mir dazu gestattet.

An eventuell beobachtende Frauen:

Auch wenn Frauen einem Mann, was die körperliche Kraft betrifft, sicher in vielen Fällen unterlegen sind, sind sie dennoch gemeinsam stark. Es hätte mit Sicherheit ausgereicht, wenn ein oder zwei Frauen sich mir einfach zur Seite gestellt hätten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Typ dann weiter an mir herum gegrabbelt und sich mir, durch seinen an mich gedrängten Körper mit Stimme, Atem und Gestank noch zusätzlich, aufgezwungen hätte.

An eventuell so veranlagte Männer:

Nein! Das ist nicht schmeichelhaft. Es ist einfach nur widerlich und zum Kotzen. Es hat nichts mit Angebot zu tun und ist auch in keiner Weise entschuldbar. Es ist einfach nur verdammte Scheiße!

© marmonemi [08/02] / skriptum

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Vom Sinn und Unsinn, einen Menschen halten zu wollen, wenn er unbedingt fallen will …

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Sie war glücklich mit ihm. In diesem Mann hatte sie die Liebe ihres Lebens gefunden. Sie überschüttete ihn teilweise mit ehrlichen Liebeserklärungen, weil sie ahnte, dass er es nicht wirklich glauben konnte, dass sie ihn so liebte.

Einige Monate war ihr dieser Mann in ihrem Leben vergönnt. Es war nicht immer einfach. Viele Streitigkeiten begleiteten diesen relativ kurzen Weg. Es war schwierig, weil sie sich – wenn überhaupt – nur an den Wochenenden sehen konnten. Viele Pläne, mal mehr als 24 Stunden miteinander zu verbringen, scheiterten irgendwann sogar an oft abwendbaren Gründen. Und dennoch … sie war glücklich mit ihm. Sie wollte ihn, wie niemals einen Mann zuvor.

Bis sie ihn kennen gelernt hatte, wollte sie keine Beziehung. Absolut nicht. Dann kreuzte er ihren Weg und sie wollte … absolut … ausschließlich … ihn! Dass sie sich aufgrund der Entfernung nur an den Wochenenden sehen konnten, kam ihr einerseits sehr entgegen, da sie während der Woche genug mit ihrem Job etc. um die Ohren hatte. Andererseits war es ihr nicht genug, ihn nur 24 Stunden pro Woche genießen zu können. Sie wurde ungeduldig …

Gleich am Anfang schmiedeten beide Pläne, dass er in ihre Stadt ziehen würde. Er versprach, sich zu bewerben und sie schickte ihm Adressen und Ansprechpartner, entwickelte endlos Ideen, um ihm die Suche zu erleichtern. Die anfängliche Euphorie ließ sehr schnell nach und so wurde sie immer enttäuschter, dass aus den Plänen, im Sommer bereits ein gemeinsames Nest zu bauen, inzwischen sicher nichts mehr würde. Sie wurde ungeduldiger …

Anfänglich wurden die Jobs vernachlässigt, um den gerade gefundenen Partner so oft wie möglich genießen zu können. Dann nahmen die Jobs zwangsläufig wieder einen höheren Stellenwert ein. Irgendwann war es so weit, dass Jobs vorgeschoben wurden, so dass gar nicht mehr so viel Zeit miteinander verbracht werden konnte. Sie enttäuschte das sehr. Doch was sollte sie tun? Das Argument Job konnte sie nicht entkräften. Ihre Ungeduld wuchs …

Sie hätte sich so sehr ein Ziel gewünscht. Einfach ein Ziel, das ihr die Möglichkeit gegeben hätte, sich auf Tag X zu freuen, wenn es zwischendurch mal wieder unmöglich war, sich zu sehen. Tag X, der bedeutet hätte, endlich mit dem geliebten Menschen in der gleichen Stadt leben zu können. Einfach Tag X … selbst wenn er noch Monate auf sich hätte warten lassen. Doch dieser Tag wurde nicht definiert. Ihre Ungeduld eskalierte …

Sie versuchte, ihm ihre Gefühle, ihre Bedürfnisse und ihre Ängste zu erklären. Doch sie fand nicht die richtigen Worte. Liebe in ruhig formulierte Ungeduld gebettet kam als Angriff und Unter-Druck-Setzen bei ihm an. Als Provokation und Sarkasmus. Sie hatte es nie verletzend gemeint. Sie wollte einfach nur bekunden, dass sie ihn liebte und ihn mehr in ihrem Leben wissen wollte, als 24 Stunden pro Woche. Doch ihre wahre Message verhallte ungehört. Viele Worte – gesagt oder geschrieben – nahmen einen Weg, der sie beim Empfänger nicht im Entferntesten so ankommen ließen, wie sie tatsächlich gemeint waren … Voller Liebe … Voller Begehren … Voller … Ungeduld …

Um sich vor ihren Gefühle schützen zu können, wählte er den Weg des Ignorierens… den Weg des Ausschweigens… Der Blick seiner Augen – wenn er sie ansah – wurde leerer … die Küsse wurden kälter … der Sex wurde pflichtbewusster … seine Hände auf ihrer Haut brachten sie noch immer zum Beben doch sein Atem streichelte sie nicht mehr … er peitschte auf ihrer Haut.

Die Beziehung hatte sich trotz ihrer ehrlichen Liebe aufgrund der unterschiedlichen Intensität der Gefühle zu Tode geliebt. So konnte sie einfach nicht mehr weiter … nicht ohne ihn … aber auch nicht

mit ihm!

Forgive me, Baby, and good luck!

© skriptum

[21.05.2002]

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