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Posts Tagged ‘Bahn’

Kurz nach halb Elf passierte es: Dunkel. Zack. Alles aus. Der Fernseher machte zum Abschied noch kurz Pling, der Rechner kam nicht einmal mehr dazu. Vorsichtig tastete ich nach links, wo diverse Teelichte stehen. Nachdem das erste brannte, arbeitete ich mich systematisch durchs Wohnzimmer, wo überall Teelichte stehen. Anschließend kramte ich die beiden Bewegungsmelder heraus, die ich vor langer Zeit einmal angeschafft hatte, als nächtlich auf meinem Balkon immer mal wieder recht putzwunderliche Geräusche zu hören waren.

Die Batterien fand ich dieses Mal sehr schnell und bestückte beide. Dann hatte ich wieder Licht. Nicht taghell aber man muss ja auch mal Kompromisse machen. Internet gab es natürlich nicht aber mein Laptop hatte noch Saft auf dem Akku, so dass ich erstmal weiter arbeiten konnte. Geht. Es geht (fast) alles. Plötzlich überlegte ich, was wäre, wenn die Pumpen des Wasserwerks nicht mehr funktionieren würden. Also befüllte ich im Bad einen Eimer mit Wasser und in der Küche einen riesigen Topf. Mineralwasser in Flaschen habe ich sowieso immer.

Die nächste Überlegung galt der Ursache. Kann es sein, dass die Atom-Mächtigen ihre Schikane nun noch weiter ausspielen? Ich meine … hat es vor dem Beschluss, aus der Atomenergie auszusteigen, jemals eine Situation gegeben, in der alle Atomkraftwerke eines Betreibers auf einmal ausgeschaltet werden „mussten“? Angeblich zu Wartungszwecken. Meines Wissens nicht. Direkt nach Verkündung des Ausstiegs kam es zu einem solchen Szenario, was jedoch keinen Blackout zur Folge hatte. Obwohl er doch als Möglichkeit so großspurig angekündigt worden war.

Aber mit Ankündigung ist sowas ja auch langweilig. Dann ärgert sich das schnöde Wahlvieh ja nicht. Für gestern Abend gab es keine Ankündigung. Aktuell wird von 20 Minuten Stromausfall gefaselt. Hier waren es knapp anderthalb Stunden. Kurz nachdem die Stadt im Dunkeln lag, krähte irgendein weibliches Wesen hinter meinem Haus „Die hat aber Strom!“ woraufhin ihr Begleiter etwas leiser zur Kenntnis gab, dass es sich wohl nur um Kerzen handelt. Röchtöööch! Daraus folgt jedoch die weitere Erkenntnis: Je dunkler es ist, desto lauter scheinen Stimmen zu sein.

Nach heutigen Berichten sollen spezielle Stadtbewohner besonders pfiffig gewesen sein und räumten im nicht nur sprichwörtlichen Handumdrehen Supermärkte und weitere Läden aus. Ein weiteres Argument dafür, Plünderer auf der Stelle zu erschießen? Die Bahn fuhr munter weiter und über das Handy war nur noch Notruf möglich. Der wurde offensichtlich notgedrungen eifrig genutzt. Denn Martinshorn hörte man allerorts. Vermutlich auch, um Intensiv-Patienten zu verlegen. Bleibt zu wünschen, dass Plünderer und Verursacher solcher Blackouts auch irgendwann mal … verlegt werden müssen.

Dass tatsächlich ein kleiner defekter Stromkasten dafür verantwortlich war, dass gestern Abend in ganz Hannover für bis zu knapp anderthalb Stunden kein Strom mehr floss, glaubt wohl nur, wer sich die Hose noch mit dem Bagger anzieht. Ich fand es jedenfalls relativ gemütlich mit den vielen Kerzen. Und wenn es jemand auf zu blöde Weise darauf anlegt, mich zu ärgern, hat das bis heute nur ausgesprochen selten Erfolg gehabt. Mich ärgert man nicht so schnell, MICH NICHT!

;o)

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Im Anschluss an die Kommentare zu meinem Beitrag „Sitzplätze? Immer gern genommen!“ fiel mir eine weitere Begebenheit von vor ein paar Jahren ein, die ich auch recht bemerkenswert fand:

~~~

Feierabend. Ich saß in der U-Bahn und wollte, total erledigt, nur noch nach Hause! Da ich derzeit im Anzeiger Hochhaus gearbeitet hatte, was mitten in der Innenstadt liegt, füllte sich die Bahn immer recht schnell. Ich stieg in den Zug und fand sogar noch einen freien Sitzplatz. Nachdem ich geplatzt war, schloss ich die Augen und hoffte einfach, so schnell wie möglich an meiner Ziel-Haltestelle anzukommen. Plötzliches Gemotze ließ mich jedoch meine Augen wieder öffnen und kurz prüfen, wer es für wichtig hielt, seinem Unmut in so lauter und anmaßender Weise Luft zu machen. Die Umschreibung „kurz“ war dann allerdings relativ. Es ging mal wieder um einen Sitzplatz. Klar; worum sonst?!

Eine ältere Dame hatte sich schräg gegenüber von mir vor einem jungen Mann aufgebaut, der auf einem als solchem ausgewiesenen Behindertenplatz saß. Der junge Mann hatte auf seinem Körper alles aufbringen lassen, was im Zusammenhang mit Piercings und Tattoos genannt werden kann. Sozusagen ein wandelndes Bilderbuch mit Nadelkissen-Flair. Geschmackssache. Ich mag zahlreiche Tattoos, wenn sie gut gemacht sind. Piercings mag ich nur bedingt. Bis heute fehlt mir jedwedes Verständnis dafür, wie man auf die Idee kommen kann, sich sein Gesicht an Brauen, Lippen, Nase oder sonst wo freiwillig verstümmeln zu lassen. Aber ich muss es ja zum Glück weder tun noch verstehen.

Die ältere Frau bekam sich gar nicht mehr ein. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr die Beleidigungen und Anmaßungen kaum auszugehen schienen, die allesamt den jungen Mann auf „ihrem“ Platz zum Ziel hatten, war es schwer, den Eindruck zu bekommen, dass es sich um ein ältliches hilfloses Mütterchen handeln könnte. Der junge Mann kommentierte keine der ihn bombardierenden Gemeinheiten, was die ältere Dame nur noch mehr in Fahrt brachte. Sie hatte längst den Behinderten-Platz mir gegenüber eingenommen, hielt aber nach wie vor nicht damit hinterm sprichwörtlichen Berg, um was für ein Dreckspack es sich bei dem jungen Mann handeln würde. Es wäre der Gipfel der Unverschämtheit, dass er einer gebrechlichen alten Dame nicht sofort seinen Platz zur Verfügung stellte, obgleich er auf einem Behindertenplatz sitzen würde.

Der junge Mann schwieg weiterhin und ich begann ihn zu bewundern. Ab irgendeinem Punkt hätte ich diese Tiraden nicht mehr über mich ergehen lassen und mich zumindest mit unmissverständlichem Gesichtsausdruck vor der älteren Dame aufgebaut. Aber er blieb ganz ruhig sitzen und kommentierte lange Zeit keine einzige der ihn treffenden Bemerkungen. Ich weiß nicht mehr, welche der unsäglichen Beleidigungen es seitens der alten Dame war, die den Bilderbuch-Mann dann doch dazu verleitete, in die Innentasche seiner Jacke zu fassen. [Klammheimlich hatte ich gehofft, dass er eine Knarre zieht, aber das würde ich hier natürlich niemals schreiben! ;)]

Ganz ruhig, ganz sachte, zog er etwas heraus, stöberte kurz darin und beugte sich dann in Richtung der älteren Dame mit den sinngemäßen Worten

„Hier ist mein Behindertenausweis. Seit einem Unfall bin ich zu X % schwerbehindert und ich darf nicht nur, sondern ich muss auf diesem Platz sitzen. Darf ich jetzt bitte mal Ihren Behindertenausweis sehen?“

Die ältere Dame war nicht nur blitzartig still, sondern erbleichte zudem in einer Geschwindigkeit, die mich gedanklich bereits nach meinem Handy suchen ließ, um den Notarzt zu rufen. Die erneut, höflich und sehr ruhig vorgebrachte Bitte des jungen Mannes, den Behindertenausweis der alten Dame sehen zu möchten, quittierte diese mit einer schnippischen „Kopp in Nacken“-Geste und dem schweigend-starren Blick aus dem Fenster. In der U-Bahn. Allzu aufregend kann das, was sie da gesehen hat, nicht gewesen sein. Aber immerhin hatte sich mal wieder jemand in der Öffentlichkeit nicht nur bis auf die Knochen blamiert, sondern dafür gesorgt, dass es immer weniger Freude bereitet, einem anderen Menschen den Platz anzubieten. Es ist doch ZU interessant, was alles passieren kann, wenn man es nicht tut.

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P.S. Selbstverständlich räume ich meinen Platz nicht nur weiterhin, sondern auch sofort, wenn ein Mensch, der gebrechlicher wirkt als ich, die Bahn betritt! Aber: Freiwillig; und dann auch gern! Als mal ein junges Mädchen mit Gipsbein und sehr unglücklichem Gesichtsausdruck einstieg, habe ich mir auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, als ich ihr meinen Platz überließ. Wenn mir aber jemand unverschämt kommt, dann bleibe ich garantiert sitzen. Denn beim Räumen eines Sitzplatzes handelt es sich um eine Höflichkeit bis Gefälligkeit, nicht um eine Verpflichtung. Jeder, der ein reguläres Ticket besitzt, hat Anspruch auf einen Sitzplatz, sofern einer frei ist. Und zwar in jedem Alter!

P.S.2 Natürlich handelt es sich bei der beschriebenen „Dame“ um eine Ausnahme! Üblicherweise wissen sich Menschen zu benehmen. Und Hannoveraner sind sowieso per se höflich und zuvorkommend; klar doch. Die da oben muss von außerhalb gekommen sein! ;) Das sind dann aber meist genau diejenigen, die sich am lautesten darüber aufregen, dass die heutigen Jugendlichen kein Benehmen haben. Aber wie auch, wenn manche der heutigen Älterlichen mit solchen „Beispielen“ voran gehen …

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Wo trifft man putzwunderlichste Menschen? Genau: In öffentlichen Verkehrsmitteln. Letztens suchte ich mir in der U-Bahn einen Sitzplatz. Soweit war auch alles in trockenen Tüchern: Plan gefasst und erfolgreich durchgeführt. Sitzplätze in den hiesigen Bahnen sind meist im Viererblock angeordnet, so dass man zwangsläufig einen Nachbarn und zwei gegenüber Sitzende vorfindet. Zumindest in voll besetzten Bahnen. Auf der anderen Seite sind dann noch zwei gegenüber liegende Sitzplätze. Die Lady neben mir fing mit der ihr bis dahin unbekannten, ihr gegenüber sitzenden, Dame eine Unterhaltung an. Die Eröffnung ergoss sich in der Aufregung darüber, dass Kinder heutzutage schlecht erzogen sind, da sie nicht freiwillig beim Erblicken irgendeines Erwachsenen sofort nahezu panisch vom Sitz springen, um älteren Menschen ebenjenen anzubieten resp. zumindest freizumachen. Die elendig gleiche Diskussion wie so oft, wenn man sich in „Öffis“ fortbewegt. Ich verdrehte also hinter meiner wohl wissend aufgesetzten Sonnenbrille leicht amüsiert die Augen und sah aus dem Fenster.

Nun kann man sich ja eines solchen Dialoges kaum entziehen, wenn man nicht gerade den MP3-Player auf volle Lautstärke stellt, was bei nicht allzu guten Ohrstöpseln natürlich sofort die nächste Diskussion solcher Gesprächspartnerinnen provoziert. Meine Taschen-Mucke hatte ich allerdings nicht bei mir, so dass meine Ohren der vollen Lautstärke dieses zumindest für die Damen ach so interessanten Gespräches ausgesetzt waren. Da spielt es auch keine maßgebliche Rolle, dass meine Ohrstöpsel so gut sind, dass höchstens ich mir die Ohren breche, wenn die Musik auf volle Lautstärke gestellt ist. Den Damen reichte es aber nicht etwa, alle Kinder über einen sprichwörtlichen Kamm zu scheren, mitnichten. Ein auf der anderen Seite der Bahn sitzender Mann, der offensichtlich direkt aus dem Job kam und ziemlich fertig aussah, mischte sich irgendwann ein und kommentierte das Gehörte missbilligend. Es verwundert nicht wirklich, dass er sich sofort eine Kelle dahingehend einfing, ebenso rücksichtslos zu sein, wie die heutige Jugend, da ja auch er der Dame mir schräg gegenüber nicht seinen Platz angeboten habe. Überhaupt seien alle Männer rücksichtslos und unverschämt und es sei ja kein Wunder, dass Kinder heute nicht mehr wüssten, wie sie sich zu benehmen hätten, wenn ihnen ihre Väter solche „Vorbilder“ seien. Kollektives Stutzen ringsherum. Seine fast schon entschuldigende Antwort, dass er den ganzen Tag gearbeitet habe, einfach fix und fertig sei und nur noch nach Hause wolle, ging in dem lautstarken Geschimpfe der beiden Grazien völlig unter.

Die Zahl derer, die ihre Köpfe breit grinsend von den Damen wegdrehten, stieg sekündlich. Auch ich wusste kaum noch, wohin ich meinen Kopf drehen sollte, ohne dass sich, unter Ausschluss meiner Sonnenbrillen geschützten Augen, doch zumindest der Rest meines vor lachen kaum noch zu beherrschenden Gesichts verraten würde. Ins Kreuzfeuer dieser Damen wollte ich nun wirklich nicht geraten. Auch wenn ich weder zur heutigen undankbaren Jugend noch zur Gattung der unverschämten Männer hätte gezählt werden können. Doch so in Fahrt wie diese beiden Ladies waren, hätten sie ganz sicher sofort die nächste „Kategorie Mensch“ in ihre lautstarken Beschwerden über die Menschheit an sich und im Allgemeinen, selbstredend mit Ausnahme älterer Damen, hinzugezogen. Also ließ ich es zu, dass sich meine Fußnägel nach oben rollten, meine Nackenhaare hoch gingen (was bei einer geschätzten Länge von 60 cm möglicherweise recht seltsam aussieht), um nicht einfach laut loszulachen.

Meine mit Vehemenz praktizierte Sturheit, nicht nach außen zeigen zu wollen, wonach mir in erster Linie zumute war, wurde jedoch hart auf die Probe gestellt, als eine der Damen – natürlich zunächst vorsichtig abschätzend, wie ihre Gegenüber darauf zu reagieren gewillt sein würde – die Diskussion darüber eröffnet, dass es die jungen Männer von heute ja auch nicht leicht haben, weil die Frauen von heute nicht mehr das seien, was sie früher mal waren. Sie stieß damit jedoch durchaus auf weit geöffnete Ohren. Dumbo wäre vermutlich vor Neid dumpf umgefallen. In mir machte sich spontan Erleichterung breit, endlich mal im richtigen Moment die Klappe gehalten zu haben. Bei dem armen Kerl auf der anderen Seite der Bahn, der nach dem vorherigen Anpfiff auf halbe Körpergröße geschrumpft in seinem Sitz versunken war, machten sich jedoch erste Lebenszeichen bemerkbar. Anfänglich hatte ich ihn auf ca. 190 cm Körperhöhe bei 100 Kilo Lebendgewicht geschätzt. Davon war inzwischen nicht mehr allzu viel zu sehen. Jetzt jedoch atmete er spontan tief ein. Fast hätte ich versucht sein können anzunehmen, dass er etwas dazu sagen wollen würde. Wenn ja, verkniff er sich das aber und wartete stattdessen gespannt ab, was die Damen als nächstes ausführen würden, was nicht lange auf sich warten ließ:

Die heutigen Frauen seien überhaupt nicht mehr in der Lage, einem richtigen Mann das zu geben was er braucht. Ein schönes Heim, warmes Essen wenn er nachhause kommt und sich um die ordentliche Erziehung von Kindern zu kümmern (hier kam ein kurzer Verweis auf den Anfang des Gesprächs, der hier jedoch aufgrund seiner Wiederholung vernachlässigt werden kann). Heutzutage wären die Frauen egoistisch und würden die Männer nur ausnutzen. Familie würde ihnen überhaupt nichts mehr bedeuten und sie dächten nur noch an ihre Karriere und daran, ihren eigenen Spaß zu haben. Eine wie die Andere. Es gäbe keine Frauen mehr, denen man den eigenen Sohn anvertrauen könne, da man als Mutter ja nie wissen könne, wie lange das hält und wann der Junge lieber wieder zurück wolle. Es spräche natürlich nichts dagegen, wenn ein junger Mann eine Frau kennen lernt. Aber zusammenziehen käme ja nun gar nicht in Frage. Dann müsse sich ja der Junge um alles selbst kümmern, denn die heutigen Frauen würden das ja nicht mehr tun. Die Erzählerin wisse das, denn ihr Sohn lebe schließlich noch bei ihr und sie hätte das oft genug mitbekommen.

Wie viele weit (!) geöffnete Ohren sich exakt in dem Abteil befanden, als Madame gegenüber die Frage stellte „Wie alt ist denn Ihr Sohn?“ habe ich nicht gezählt. Hätte ich auch gar nicht können, da meine eigenen Ohren den Blick auf alles Weitere sich in der Bahn Abspielende versperrten. Als die Antwort „Mein Junge ist 36“ durch die ratternde U-Bahn schallte war jedoch alles aus: Ich prustete einfach nur noch hochgradig befreit los. Eine andere Frau drehte sich blitzartig in Richtung Ausgang und dem Zucken ihrer Schultern war zu entnehmen, dass sie entweder einen akuten Atemstillstand hatte, kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand oder sich vor lachen gleich in die Hose machte. Der zuvor gebeutelte Mann schlug sich die Hände vor sein Gesicht und vibrierte wie ein durchgeknallter Rasenmäher. Der mir gegenüber sitzende, mutmaßlich arabisch stämmige Mann schüttelte fassungslos den Kopf und andere Mitfahrende lachten einfach laut los oder ergriffen fluchtartig die Möglichkeit, sich ans andere Ende des Wagens zu begeben. Die beiden Damen saßen irritiert und wortlos in ihren Sitzen und verstanden wohl nicht so ganz, was sich gerade ereignete.

Davon abgesehen, dass ich vor lachen vermutlich eh kein einziges verständliches Wort herausbekommen hätte, verkniff ich mir die Bemerkung, ihr Sohn könne möglicherweise allein schon aufgrund der ihm anhängenden Mutter und der Tatsache, mit 36 Jahren noch bei Mami zu wohnen, auch in Zukunft keine Frau finden. Ebenso wie die Frage, warum die beiden Damen unbedingt während des Haupt-Berufsverkehrs fahren müssen, wenn sämtliche Busse und Bahnen garantiert gerappelt voll sind, und sie selbst doch (was man dem Gespräch durchaus entnehmen konnte) offensichtlich den ganzen Tag Zeit haben, sich von A nach B zu bewegen. Die Ladies rutschten immer unruhiger werdend auf ihren ihnen offensichtlich per Definition gemeint zustehenden Sitzen hin und her. Ich weiß nicht, ob sie wussten, was das alles zu bedeuten hatte, sah aber, dass sie die Reaktionen der Umstehenden nicht unbedingt als Zustimmung auffassten. Was ja immerhin ein erster Schritt sein könnte. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass das zwischen den beiden spontan verabredete Kaffeetrinken nebst Parkbesuch auch nur annähernd andere Themen haben würde, als diese eben gehörten. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wann sie sich wo treffen würden, da ich aussteigen musste. Dass die beiden mir nach draußen folgten, war ich zunächst versucht als Drohung aufzufassen. Meine Anschlussverbindung stand jedoch schon bereit und wer weiß, vor was mich der Sprung ins nächste Gefährt so alles bewahrt bis gerettet hat, als ich mich erleichtert in einen der in dem Fall unzähligen freien Sitzplätze fallen ließ …

© skriptum/marmonemi [10/07]

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„Mama, wie hießen die heiligen drei Könige?“ Mein Kopf drehte sich langsam in Richtung dieser Kinderstimme. Ein kleiner Junge, der seine Mutter erwartungsvoll ansah. Sie wusste keine Antwort; der Lütte schon und so informierte er sie grinsend mit „Mönsch Mama, das waren doch Caspar, Melchior und Balthasar!“ Die Mutter war mehr erleichtert als begeistert, dass die Antwort so prompt gekommen war. Auf die Frage, ob sie selbst bereits gelebt habe, als Jesus geboren wurde, antwortete sie somit locker-flockig mit „nein“, klamüserte ihm kurzweilig auseinander, dass wir nun im Jahr 2010 sind und seit Jesus Geburt gezählt würde. Also wäre im nächsten Jahr das Jahr 2011 nach Jesus. Danach lehnte sie sich entspannt lächelnd zurück.

Aber der Lütte legte sofort nach mit der Frage, warum Jesus ans Kreuz genagelt wurde …

Stille. Keiner der umsitzenden Fahrgäste in dieser, aufgrund der Feierabendzeit eher an einen Schlafwagen denn an Entertainment pur erinnernden, Bahn sagte auch nur irgendwas. Auf mindestens jedem zweiten Platz verkniff sich jemand ein Grinsen bis lautes Lachen aber sagen sagte keiner was. Der auf dieser Mutter in dem Moment lastende Druck muss unerträglich gewesen sein. Denn sie wusste die Antwort nicht.

Ich war versucht einzuspringen mit der Bemerkung, dass Jesus die Schuld aller Menschen auf sich genommen hat und er deshalb gekreuzigt wurde, war mir aber nicht völlig sicher, dass es so war und hatte außerdem schlicht Angst vor dem sich erfahrungsgemäß obligatorisch anschließenden „Warum?“ des Jungen. Denn darauf hätte ich dann garantiert überhaupt keine Antwort gehabt.

Es folgten einige Fragen auf die ich zwar Ideen aber keine sicheren Antworten hatte und der Wunsch, selbst Mutter zu werden zeigte plötzlich seine ganz natürlichen Grenzen des Wollens. Ich beneidete diese Mutter nicht!

Der Knirps drehte und wendete in seinen Händen eine kleine Box. Etwas größer als eine Streichholz-Schachtel aber gleiches Prinzip. Sie war außen braun angemalt und die Lade war etwas heraus gezogen. Aus dieser Öffnung lugte eine kleine Styropor-Kugel, die mittels zweier Punkte und Striche zu einem Gesicht mutiert war. „Mama?! Sie zuckte nur noch. „Mama, sag doch mal!“ Sie drehte etwas ängstlich ihr Gesicht in Richtung Junior und fragte ihn nach dem „Was?“

„Mama, wie findest Du meinen Jesus?“ Sie fand ihn toll. Natürlich. Punkte machen war wohl in dieser Situation die einzige, wirkliche Chance, die sie überhaupt hatte. „Wirklich GANZ, GANZ toll hast Du das gemacht!“ log sie … offensichtlich. Denn ihr Blick auf die Zuhörer verriet die Entschuldigung für diese Antwort. Somit schien Jesus auch abgehakt.

Nun beschäftigte den Jungen die Frage nach Josef und Maria. Ich muss gestehen, dass in mir die Spannung zum Zerbersten wuchs. In der Mutter offensichtlich auch. Sie versuchte, ihren Sohn mit allen möglichen Themen abzulenken doch er blieb stur. Als er wissen wollte, warum es „Jungfrau Maria“ heißt, lehnte ICH mich in gespannter Entspanntheit lächelnd zurück und harrte. Doch leider, leider: In dem Moment stiegen beide aus.

AUSGERECHNET IN DIESEM MOMENT?

Die Antwort … oder überhaupt eine Reaktion darauf … hätte ich zu gern mitbekommen. Immerhin ist der Lütte schätzungsweise im Vorschul- oder Schulalter. Somit dürfte in absehbarer Zeit das Thema „Blümchen und Bienchen“ abgehakt sein um sinnvoller Weise durch echte Aufklärung abgelöst zu werden. Und wie sinnig ist es, einem Kind in diesem Alter noch zu erklären, dass die Bibel behauptet, eine Jungfrau habe Jesus geboren?

Mensch, ich war so gespannt. DIE Antwort hätte ich zu gern noch gehört!

© skriptum


Allen meinen hiesigen Lieben wünsche ich einen verzaubert schönen Heiligabend! Den nicht Hiesigen wünsche ich ihn nachher persönlich! ;o)

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> Alle Teile im Überblick <

Den ganzen Tag goss es bereits in Strömen. Ihre Angst vor Gewitter hatte Anni nie überwinden können. Sie hatte gnadenlose Stunden im Job hinter sich und war froh, nun endlich nach Hause fahren zu können. Der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen, als sie bereits im Dunkeln die Straße betrat. Anni wollte sich ein Taxi heran rufen aber bei dem Wetter war das völlig illusorisch. Sie hasste Regenschirme. Also ging sie mit fliegenden Schritten die paar Meter zur U-Bahn. Als sie dort angekommen war, gab es jedoch nichts mehr an ihr, was man als trocken hätte bezeichnen können. 

Anni stieg in die Bahn und überstand die Zeit bis zur Ankunft an ihrer Haltestelle mit der Lektüre ihrer Tageszeitung. Die Fahrt dauerte nur 15 Minuten und doch hatte sie Mühe, die Augen offen zu halten. Völlig abgeschossen vom Tag trieb sie nur noch der Gedanke an ein heißes Bad, ein Glas Rotwein und ihr Bett. Eigentlich war längst Frühling aber bei diesem Wetter fiel es schwer, das zu glauben. Ihr war eher nach Glühwein und dem Knistern von Kaminfeuer. 

Endlich fuhr die Bahn in ihre Haltestelle ein. Anni verließ den Zug und eilte, so gut das in ihren total durchnässten Pumps noch ging, nach Hause. Der Regen prasselte auf sie nieder. Bei jedem Donnern fuhr sie vor Schreck zusammen. Ihre langen Haare hingen klitschnass in ihr Gesicht und klebten auf ihrer Lederjacke. Es war egal. Gleich würde sie ein heißes Bad nehmen und es sich gut gehen lassen. 

Sie sah bereits die letzte Kurve. Mit wenigen hundert Metern würde sie ihr Haus in dieser sonst so ruhigen und trotz der noch so gar nicht frühlingshaften Jahreszeit schon grünen Wohnanlage erreicht haben. Unvermutet hörte sie das Quietschen von Reifen und fühlte einen dumpfen Aufprall. Sie fiel zu Boden und schlug mit dem Kopf hart auf den Asphalt. Dann wurde es dunkel. 

Plötzlich fühlte sie, wie jemand eine Decke über sie breitete und hörte die leise aber hektisch fluchende Stimme eines ihr unbekannten Mannes. Es konnten nur wenige Augenblicke vergangen sein. Sie rappelte sich auf. Wollte nur nach Hause. Doch ihre Beine versagten und die Stimme forderte sie zum Liegenbleiben auf. Ihr Kopf blutete stark und der Regen spülte ihr die rötliche Flüssigkeit in die Augen. So schloss sie sie wieder und versuchte, ihre Kräfte zu sammeln. 

Anni versuchte erneut aufzustehen. Doch fast schon unsanft drückten sie zwei starke Arme zurück auf den nassen Asphalt. „Ich will nach Hause“ hörte sie ihre eigene Stimme wie aus einer anderen Welt leise sagen. „Sie sind verletzt. Ich habe sie angefahren. Sie können so nicht nach Hause gehen. Ich kümmere mich um sie.“ drang diese männliche Stimme an ihr Ohr. „Sie haben sich offensichtlich schon genug um mich gekümmert. Mehr verkrafte ich nicht. Bitte lassen sie mich jetzt gehen.“ bettelte sie nun schon fast. 

Seine warmen Hände umfassten ihren Kopf und hoben ihn behutsam an. Er kniete neben ihr auf der Straße und beugte sich mit seinem Gesicht nah über das ihre. „Es tut mir leid! Ich hatte sie nicht gesehen. Der Regen … sie wissen ja selbst. Und ehe ich bremsen konnte hatte ich sie erwischt. Bitte gestatten sie, dass ich sie mit zu mir nehme. Ich kümmere mich um sie. So kann ich sie unmöglich nach Hause gehen lassen.“ flüsterte er, während er sich ihre Kopfverletzung ansah. Noch bevor sie die nächsten Worte formen konnte hob er sie vorsichtig hoch, setzte sie auf den Beifahrersitz seines Wagens und fuhr los. 

– Fortsetzung folgt – 

© marmonemi [04/03] / skriptum

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Hoffentlich nicht!

[Anmerkung vorweg: Die folgende Erzählung ist bereits einige Jahre her, jedoch nach wie vor präsent.]

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Der Morgen war wie immer … Verschlafen, Chaos im Badezimmer. Die Dusche erst zu kalt und dann zu heiß. Der Kaffee schneller auf dem Tisch als ich mit der Tasse hinterher kam. Dann schminken, anziehen … Anziehen … Verdammt! Jeden Morgen das gleiche Theater vor dem Kleiderschrank. Meine Wahl fiel auf eine helle Jeans. Dazu ein cremefarbener Pulli. Nicht zu figurbetont, weil ich ja schließlich ins Office musste. Beige Pumps dazu, Jeansjacke überziehen und ab.

Die erste Hürde des Tages war somit geschafft. Der Job lief zwar relativ ruhig aber dennoch mit viel Gebrassel verbunden. Mal wieder ohne Mittagspause machte ich wie fast immer später als sonst Feierabend und steuerte die U-Bahn an. Dort ließ ich mich auf einen freien Sitz fallen, nahm meine Zeitung aus der Tasche und fing an zu lesen. Nervös machte mich etwas, dass mich der Typ, der sich schräg gegenüber von mir hingesetzt hatte, ständig regelrecht anglotzte. Na ja, machte ja nix. Ich vertiefte mich einfach noch ein wenig mehr in meine Zeitung und ignorierte ihn.

An der nächsten Haltestelle leerte sich der Platz neben mir und blieb auch erstmal unbesetzt. Zwei Haltestellen weiter setzte sich der Typ von dem Platz schräg gegenüber plötzlich neben mich. Grundsätzlich betrachtet auch noch kein Grund, um unruhig zu werden. Auch dass er immer näher an mich ran rückte, machte mir zunächst nichts aus. Zunächst …

Der Typ stank. Nicht alkoholisiert, sondern schmutzig und durchgeschwitzt. Wenn er noch nach Alkohol gestunken hätte, hätte es die Sache allerdings auch nicht besser oder schlechter gemacht. Sein heller Trench war zu beiden Seiten aufgefallen und er rückte immer näher an mich ran. Die auf halbem Weg zwischen meinen Beinen und meinem Gesicht befindliche Zeitung klappte ich immer weiter zusammen und machte mich selber immer schmaler, um dem Typen irgendwie zu entgehen. Doch zwecklos. Ich war längst an der Wand der U-Bahn angekommen und er rückte immer näher. In mir machte sich Hilflosigkeit breit und die Frage, wie ich darauf reagieren soll. Ich sah ihn kurz an und bemerkte, dass er mich noch immer voll anstarrte. Er tat das also ganz bewusst.

Noch relativ ruhig forderte ich ihn auf, zurück auf seinen eigenen Sitz zu rutschen und mich in Ruhe zu lassen. Aber dazu machte er keinerlei Anstalten und fing stattdessen an, mir irgendwas Unverständliches ins Ohr zu flüstern. Gleichzeitig legte er eine seiner Hände auf mein Knie. Ich forderte ihn – diesmal lauter und für die andere Fahrgäste klar vernehmlich – auf, mich nicht anzufassen aber er murmelte weiter und seine Hand glitt langsam höher. In mir stieg Ekel auf und ich sah mich Hilfe suchend nach anderen Fahrgästen um. Es war späterer Feierabendverkehr und die Bahn war gut gefüllt.

Das – bisher für mich – Unglaubliche passierte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die anderen Fahrgäste gestarrt und gespannt verfolgt, was passieren würde. Klar ersichtlich war garantiert, dass er und ich kein Paar sein konnten. Doch in dem Moment, als ich meine die Blicke schweifen ließ, flogen die Köpfe herum und die Leute drehten sich weg. Alle. Ich sah plötzlich nur noch Rücken und Hinterköpfe.

Wie in einem Alptraum. Das konnte doch nicht wahr sein. Der Typ wanderte immer höher mit seiner Hand und ich schrie ihn an, dass er sofort seine Hände von mir nehmen und mich in Ruhe lassen solle.

Nicht ein einziger anderer Fahrgast machte auch nur die geringsten Anstalten, wenigstens mal auf diese Szene zuzukommen, um Präsenz zu signalisieren. Ich fühlte mich, als wäre ich mit dem Typen alleine auf der Welt. Er drängte sich immer mehr an/auf mich und sein Atem verschlug mir inzwischen den meinen. Unvermittelt sprang ich auf, brüllte ihn an, dass er sich von mir fern halten solle und es wäre auch kein Problem für mich, mit meinem Handy die Polizei zu rufen, wenn ihm meine Worte allein nicht deutlich genug sein sollte. Der Typ murmelte etwas von „wie kann man nur so böse sein“ und als die Bahn gerade in diesem Moment an der nächsten Haltestelle die Türen öffnete verschwand er ungehindert. Ich fiel auf den Sitz gegenüber und war platt.

Betretenes Schweigen in der Bahn …

Niemand sagte etwas …

Zunächst …

Plötzlich fing eine der Frauen an, laut loszupredigen, dass das ja wohl unglaublich gewesen sei … Keiner der Männer wäre eingeschritten und die arme junge Frau (ich wohl) musste sich ganz alleine wehren etc. etc. etc. Andere Frauen stimmten in das geheuchelte Klagelied lauthals ein, die in diesem Wagenteil befindlichen Männer drehten sich allesamt weg oder verließen an der nächsten Haltestelle die Bahn.

Ich sagte kein Wort mehr dazu. Nur die Überlegung in mir, was ich nun ekelhafter fand: Den Typen oder diese – nach meinem momentanen Empfinden – aufgespielte Empörung einiger Frauen, die ebenso untätig zugesehen hatten, hielt mich davon ab, vor Wut loszuheulen. Ich sah einfach nur aus dem Fenster und hoffte, bald an meiner Haltestelle zu sein, um diese Bahn zu verlassen.

Was wäre geschehen, wenn nicht ich, sondern eine Frau mit nicht so großer Klappe sein Opfer gewesen wäre … eine Frau mit weniger Selbstbewusstsein? Ich war weder aufreizend gekleidet, noch süße 12, 15 oder 17 Jahre alt. Daran konnte es also auch nicht gelegen haben. Und dennoch hat es ihn von nichts abgehalten. Hätte das geneigte Publikum – ja, das IST Sarkassmus! – auch einfach tatenlos zugesehen, wenn er mich direkt in der Bahn „richtig“ vergewaltigt hätte? Oh Gott, was muss, wenn ich mir mein momentanes, emotionales Chaos betrachte, erst in Frauen vorgehen, die „richtig“ vergewaltigt wurden? Mir graut vor dem Gedanken …

An meiner Haltestelle angekommen verließ ich fluchtartig die Bahn und rannte fast nach Hause. Ich wollte nur noch dringend mit jemandem reden, dem ich vertrauen konnte. Auf den Schritten zu meiner Wohnung quälte mich mehr und mehr der Gedanke, dass ich nichts getan habe, um den Typen der Polizei zu übergeben. Ich fühlte mich angeekelt, schmutzig und hilflos. Und je mehr ich über eine Personenbeschreibung nachdachte, desto weniger fiel mir dazu ein. Er hatte großlockige dunkle Haare und stank. Reichte das? Wohl kaum. Er trug einen hellen Trench und eine dunkle, irgendwie gemusterte Hose. Aber das war’s dann auch schon, was ich zur Person sagen könnte. Die großen, starrenden Augen sehe ich noch immer vor mir aber ich könnte nicht einmal sagen, welche Farbe sie hatten. Und Fingerabdrücke von einer Jeans? Keine Ahnung, ob das geht …

Ich bin auch, Stunden später, während des Schreibens, nicht in der Lage, den Typen genauer zu beschreiben. Deshalb hatte ich ursprünglich angefangen zu schreiben … eine BE-schreibung hinkriegen … die Polizei anrufen … Zwei Bahnen fahren bis zu mir. Ich weiß nicht einmal mehr, welche der beiden es war. Jede diesbezügliche Angabe wäre reine Spekulation und eine genaue Uhrzeit könnte ich auch nicht nennen. Was also sollte ich der Polizei sagen? Was ist das bloß für ein Chaos in mir? Ich heule mir die Augen aus dem Kopf vor Wut und Ekel, fühle mich einfach nur hundselend. Meine Mom hatte ich telefonisch erreicht und das Gespräch mit ihr tat sehr gut … hatte mich etwas beruhigt.

Ein derartiges Verhalten, sich anderen Menschen dergestalt aufzudrängen, halte ich persönlich schlichtweg für Veranlagung. Mir graut bei dem Gedanken, dass er von niemandem, auch von mir nicht, am Verschwinden gehindert wurde und ich hoffe inständig, morgen der Tagespresse nicht entnehmen zu müssen, dass ich zwar davon gekommen bin, es dafür aber jemand anderen erwischt hat …

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P.S. Zwei Bemerkungen seien mir dazu gestattet.

An eventuell beobachtende Frauen:

Auch wenn Frauen einem Mann, was die körperliche Kraft betrifft, sicher in vielen Fällen unterlegen sind, sind sie dennoch gemeinsam stark. Es hätte mit Sicherheit ausgereicht, wenn ein oder zwei Frauen sich mir einfach zur Seite gestellt hätten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Typ dann weiter an mir herum gegrabbelt und sich mir, durch seinen an mich gedrängten Körper mit Stimme, Atem und Gestank noch zusätzlich, aufgezwungen hätte.

An eventuell so veranlagte Männer:

Nein! Das ist nicht schmeichelhaft. Es ist einfach nur widerlich und zum Kotzen. Es hat nichts mit Angebot zu tun und ist auch in keiner Weise entschuldbar. Es ist einfach nur verdammte Scheiße!

© marmonemi [08/02] / skriptum

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Es gibt so Tage, die ich spontan gewillt wäre, aus meinem Kalender zu streichen. Nein, nicht zu streichen, sondern rauszureißen, und zwar aus allen Kalendern, die sich freiwillig zeigen!

Da ich mit den so genannten Öffis nicht allzu oft unterwegs bin, löse ich für einzelne Fahrten eine Fahrkarte. Immer. Allein schon die Peinlichkeit, vor allen Mitfahrern des Schwarzfahrens überführt zu werden (man weiß ja auch nie wer einen kennt der einen kennt der einen selbst kennt), würde ich mir niemals freiwillig, schon gar nicht bewusst geben wollen. Und auch wenn in lange U-Bahn-Wagen immer nur zwei, drei Kontrolleure einsteigen, schaffen sie es ja doch meist, den gesamten Wagen abzugrasen, bevor die Bahn an der nächsten Haltestelle stoppt. Es sei denn, sie erwischen jemanden. Dann haben sie ihre Provision und suchen nicht weiter.

Als ich kürzlich in die U-Bahn stieg löste ich also (wie immer!) eine Fahrkarte. Nach der Abfahrt kam prompt ein Kontrolleur und wollte die vor Sekunden von mir gelöste Fahrkarte sehen. Soweit so gut. Ich fand sie nur leider nicht mehr. Wo gibt es diesen verflixten Schalter, den man einfach umlegt, wenn einem etwas hochnot peinlich ist und man sich am liebsten einfach nur ganz schnell in Luft auflösen will? Es muss ihn geben. Menschen fliegen zum Mond und besiegen mittlerweile sogar schon ein paar Krebsarten, sie forschen und finden, erfinden durch Klonen neu, was es längst gibt und stellen es einfach her, wenn es gerade genehm ist. Wie ein Stück Butter, das in erschreckend absehbarer Zeit vermutlich schon fertig verpackt aus der Kuh fällt, wenn man die Wissenschaft nur frei genug weiter werkeln lässt. Nur diesen Schalter … diesen verdammten kleinen Schalter … erfindet einfach keiner!

Schrillionentausendprozentig wusste ich, dass ich diese verdammte Fahrkarte Sekunden vorher in meine rechte Jackentasche gesteckt hatte. Hätte mir ein Freund davon erzählt, wie er daraufhin vom Kontrolleur vor allen Mitfahrenden aus der Bahn auf den Bahnsteig gelotst und dabei natürlich (wie ich es selbst ja auch mache, wenn ich nicht betroffen bin) von den Umsitzenden streng beäugt wurde, wäre ich vermutlich vor Lachen in Tränen ausgebrochen. Mir jedoch war es nur furchtschrecklich peinlich und ich hoffte, der Boden möge sich öffnen und mich einfach verschlucken. Der Kontrolleur machte mich völlig wuschig. Riss mir alte Fahrkarten, die ich selbstredend in Massen aus der Jackentasche zog, regelrecht aus der Hand (hoffte er etwa mit mir, dass ich meine gültige Fahrkarte raus krame?), fand aber auch nichts, was sich als gültig hätte bezeichnen lassen.

In solchen Situationen sind Jackentaschen innen ja eindeutig größer als außen! Warum finde ich nie so eine Handtasche? Nachdem ich also, peinlichst berührt auf dem Bahnsteig stehend und zusehend, wie die nächsten drei Bahnen ohne mich weiter fuhren, meinen fünfeinhalb Wochen Vorrat an Keksen, Bonbons und Schokoladen-Täfelchen, zwei Lippenstiften (ja, eine Frau braucht IMMER zwei Lippenstifte!), Taschentüchern, Mentos, Kaugummis, ungefähr 17 weitere (alte, abgelaufene Fahrkarten, versteht sich!) und sonstigen Kleinkram aus meinen Jackentaschen gekippt und der Kontrolleur zum geschätzt drölfzigsten Mal seinen Block mit dem Tipp gezückt hatte, ich solle mal ausmisten (kam zu spät …:) fand ich endlich, plötzlich und inzwischen gänzlich unerwartet meine gültige (!) Fahrkarte. Daraufhin entschuldigte sich der Kontrolleur bei mir, mich aus der Bahn geholt zu haben. Er bei mir! Ich war zu dusselig, meine (gültige) Fahrkarte zu finden und er entschuldigte sich bei mir! Sachen gibt’s! Das muss ich mir unbedingt groß in meinen Kalender schreiben! Sobald ich mir in der Stadt einen neuen besorgt habe …

© skriptum
[15.02.07]

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