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Posts Tagged ‘Decke’

Ein endloser Tag. Die Nacht noch länger. Wie lange ich gearbeitet hatte, wusste ich nicht. Dem entsprechend blieb mir verborgen, wie spät es war, als ich endlich zu Bett ging. Nur, dass der nächste Tag im Haus bereits zu beginnen schien, konnte ich nicht überhören.

Ich suchte Schlaf und glaubte, ihn in den nächsten Sekunden finden zu dürfen. Doch Türen wurden geöffnet und verschlossen. Schritte, die in Eile die Stufen hinunter liefen, hallten durch das Treppenhaus. Auf dem Garagen-Hof wurden Tore geöffnet, Autos angelassen und auf die Straße gefahren. Leise Fluche, die sich wohl auf das Wetter zu beziehen wagten, erreichten meine Ohren. Und auch die über meinen Kopf gezogene Decke ließ die Schallwellen kein Hindernis finden.

Dann wurde es ruhiger. Doch Millisekunden vor dem Einschlafen war es soweit: Ich musste auf Toilette. Also wühlte ich mich aus meiner Decke und suchte mit geschlossenen Augen den Weg ins Bad. Über mir wurde die Dusche angestellt und unter mir erneut und lautstark versucht, den seit Jahren schief hängenden Haussegen gerade zu brüllen. Am Waschbecken lehnend wusch ich mir die Hände und tauchte mein Gesicht in warmes Wasser. Trank einen Schluck aus der Leitung und wollte zurück ins Bett.

Müde, ich war so müde … „Schlafen! Nur noch schlafen“ kroch durch meinen Kopf. Doch es ging nicht. Zahlen und Buchstaben lieferten sich in meinen Gedanken ein Duell. Bilder, die darauf warteten, welche zu werden. Keiner war bereit, nachzugeben. Auch ich nicht. So verließ ich das Bad und schlich planlos ins Wohnzimmer. Ruhe … oder wenigstens etwas Ablenkung von dem, was in meinem Kopf keine Ruhe zu geben bereit war. „Wie schön wäre das …“.

Ich ging zur Fensterfront. Der Himmel schüttete, wie so oft in den letzten Tagen, alles aus sich heraus. Regen peitschte gegen meine frisch geputzten Fenster. „Danke, Wetter“. Es stürmte beängstigend. Die Böen verfingen sich auf meinem Balkon und wirbelten leere Blumentöpfe umher. Ein widerliches Geräusch. Doch um rauszugehen und die Töpfe zu sichern fehlte mir jedwede Form von Energie. So sah ich dem Spiel ein wenig zu und hoffte, dass der dadurch produzierte Lärm andere Hausbewohner nicht allzu sehr verärgern würde.

Kurz danach fand ich mich in meinem Schaukelstuhl wieder. „Strickzeug und Katze fehlen“ lächelte ich in mich hinein und schaukelte vor mich hin. Mein Blick verfing sich im Dunkel vor meinen Fenstern. Der Regen regierte Hand in Hand mit dem immer heftiger werdenden Sturm die Natur. Und das Wasser lief inzwischen nur noch an den Scheiben herunter. Unheimlich. Fast wie der bedrückende Augenblick in einer Waschanlage. Die Bäume hinter dem Haus waren kaum noch zu erkennen. Nur das Licht der Laternen verriet die Bewegungen. Durch den Sturm hervor gerufen.

Das Heulen wurde lauter. Die Geräusche im Haus leiser. Ich schaukelte und wünschte mir Schlaf. Die Uhren im Zimmer tickten monoton vor sich hin. Ob ich den Fernseher anschalten sollte? Was würde laufen? Kinderprogramm? Das musste ich auch nicht haben.

Ich schaukelte und schaukelte. Irgendwann schlief ich ein. Als ich erwachte hatten weder Sturm noch Regen auch nur einen Deut nachgelassen. Das Heulen war ebenso heftig wie in der letzten Nacht. Oder war es noch die gleiche Nacht?

Es wurde dunkel …

© skriptum [2009]

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LampenSchatten1-800

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Mitunter reicht schon ein Schritt zur Seite,

damit sich rätselhafte Ansichten klären!

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LampenSchatten2-800

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Okay, okay: Aufgrund heftiger Nachfragen und weil es seit heute neues „Material“ gibt, kommt nun eine kurze Fortsetzung zu Immer diese Entscheidungen.

Als die morgendliche Dämmerung so gerade herein brach, wachte ich mit brennenden Kopfschmerzen auf. Ich verkrümelte mich unter meine Decke und hoffte, dass sich mit ein wenig mehr Schlaf die Inanspruchnahme der Pharmaindustrie verhindern lassen würde. Das hätte klappen können, wenn nicht kurze Zeit später ein elendes Geräusch jeden Gedanken an das Weiterschlafen direkt ad absurdum geführt hätte.

Da war er wieder: Der Schlagbohrer. Und „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“! Allerdings weiß ich seit heute, dass „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ ebenfalls laut brüllen kann, nämlich nach „DEEEENIIIIIII!!!!!!!!!!“. Ich nehme an, da gehört bei ordentlicher Aussprache noch ein „s“ dran. Da „DEEEENIIIIIII!!!!!!!!!!“ aber, im groben Gegensatz zu mir, Ohrenschützer zu tragen scheint, bleibt kaum etwas anderes als gellende Pfiffe, sobald „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ von „DEEEENIIIIIII!!!!!!!!!!“ irgendwas will. Der hört nämlich nicht auf seinen Namen. Jedenfalls nicht beim ersten Mal.

Natürlich habe ich für Euch Fotomaterial gesichert:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es gibt also für Tarzan ein geknotetes Seil zum Hochklettern und für etwas sportlichere Interessenten oder für Jane noch zwei glatte Seile. Aber nicht, dass jetzt jemand von Euch anfängt zu weinen: Selbstverständlich ist auch noch eine Leiter vorhanden. Rolli-Fahrer können einfach an den beiden Seilen hochgezogen werden. Wenn schon, mal wieder ohne jede Ankündigung, ein unerwünschter Hintereingang zu meiner Wohnung geschaffen wird, dann doch bitte für ausnahmslos jeden, nöch?! Ich möchte gar nicht wissen, was hier stattgefunden hat, als ich im Urlaub war …

Tja, was gibt es heute sonst noch?

Das braune Würstchen postet aktuell unter dem Pseudonym „Polizei Hamburg“. Die Polizei ist telefonisch und per Screenshot informiert.

Ein Fake ist längst aufgeflogen, merkt es offensichtlich nicht einmal und blamiert sich munter weiter.

Trotz zwei Paar übereinander getragener Socken habe ich kalte Füße.

Was mir von all dem am meisten Kopfschmerzen bereitet, werde ich möglicherweise im Laufe des Tages entscheiden.

Euch wünsche ich einen entspannten, würstchen- und fake-freien Tag, ohne unerwünschte Hintertüren und ständige in-die-Wohnung-Gucker!

Ob ich Make Up auflegen sollte?

;o)

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Im Panoptikum der Eitelkeiten
fallen die Hüllen
um schutzlos der Betrachtung
ausgesetzt zu sein.

Lug und Trug schwinden leise
und ein Luftzug
nimmt mit sich was das Wahre
zu verschleiern suchte.

So lass uns gemeinsam zweisam
unter einer Decke
die pure Ehrlichkeit finden
um zu erkennen.

In einer Welt des nackten Vertrauens
ist kein Platz
für trügerische Einfältigkeiten
schon gar nicht

… wegeneinander.

Einander-Wegeneinander

© skriptum

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Natürlich ist mir durchaus bewusst, dass die nächtlichen Außentemperaturen aktuell noch alles andere als warm sind. Zumindest muss man schon reichlich quer drauf sein, um sie so zu bezeichnen. Mache ich auch gar nicht. Dennoch ziehe ich es vor, immer wenn es irgendwie auszuhalten ist, bei offenem Fenster zu schlafen. Das geht auch ganz gut, da sich vor meinem Schlafzimmer-Fenster mein Balkon befindet, der das Fenster soweit schützt, dass der Wind nicht direkt drauf steht.

Soweit so gut.

Nun hat ja ein offenes Fenster die blöde Angewohnheit, sämtliche Geräusche, die sich in Hörweite befinden, ungefiltert durchzulassen. Bei säuselndem Wind oder zwitschernden Vögeln ist das auch ganz angenehm. Ja, mehr noch: Sogar Schlaf fördernd. Allerdings erst ab einer gewissen Uhrzeit. Also ungefähr dann, wenn „man“ normalerweise aufsteht. Dazu sage ich jetzt lieber nichts weiter.

Letzte Nacht war aber nix mit Windsäuseln oder Vögelzwitschern. Dafür war es auch noch zu früh. Ja, staunt ruhig! ;o) Ne, eher hörte es sich an wie ein *krrrrsch* … *bumm*. Als ich gerade noch so vor mich hin stutzte, folgte noch ein *brrrrrrrrst* … *wusch*. Und schon war ich wieder wach. Müßig zu erwähnen, ich weiß. Ich lauschte also noch etwas, a) hoffend, dass nun Ruhe ist und b) davon ausgehend, dass ich endlich schlafen kann.

Dem war nicht so.

Als sich gerade ein *klock* mit einem *sssssssipp* ablöste war meine Geduld am Ende. Denn wenn sich diese Geräusche auf meinem Balkon abspielen sollten, könnte ich sie ändern und damit nicht nur allen anderen Bewohnern des Hauses Nacht-RUHE gönnen, sondern vor allem auch mir. Also stakste ich mitten in der Nacht, gerade mal bekleidet mit einem Sleepshirt und Socken auf den Balkon. Es erübrigt sich vermutlich, zu erwähnen, dass eine Außentemperatur von gefühlten minus 83 °C herrschte. Ich möchte es aber dennoch los werden. Danke!

Der vermutete Nachtterrorist war eine Gießkanne, von der ich annahm, dass sie bei dem Wind hin und her kippte und dabei seltsame Geräusche verursachte. Also schnappte ich mir das in dem Moment höchst verhasste Teil und stellte es vom Regal auf den Boden. Sicher, dass nun Ruhe ist, ging ich zurück ins Bett. Dass ich schlaftrunken die Socken angelassen hatte, war vermutlich so eine Art Vorahnung. Denn keine dreißig Sekunden später vernahm ich, inzwischen ziemlich dicht daran, meine Beherrschung zu verlieren, ein krächtzendes *brööööök*, dicht gefolgt von einem *tock*, letztendlich aber doch gerade noch vor Zieleinlauf überholendem *tschack*.

Ich schlug die Decke zurück, stampfte wütend erneut auf den eiskalten Balkon, lief zurück und holte meine Scharfmacher (je nach Tageszeit Kontaktlinsen oder Brille, hier: Brille), stakste erneut auf den Balkon und suchte.

Und suchte.

Und lauschte.

Aber:

Nix.

Kein Geräusch.

Totenstille, sozusagen.

Als ich jedoch gerade die Balkontür geschlossen hatte, um wieder klarschonwas, und gerade mal zwei Schritte Richtung Bett unterwegs war, riss mich ein etwas seltsam anmutendes Keineahnungwas direkt wieder zurück. Also zog ich die Tür nochmal auf, fragte mich, ab wann Körperteile oder der Mensch im Ganzen als tiefgefroren gelten und wie viel Geduld ein einzelner Mensch um diese Uhrzeit wohl durchschnittlich aufbringen kann. Anschließend fand ich eine Styropor-Platte, die sich lustig im Wind hin und her schlug. Genau zwischen Regal und Holzkübel. *tacka* … *ditsch* … *tacka* … whoppa* … *tacka* … *klock*. Nachdem ich das Teil gesichert (man könnte auch sagen „zerlegt“) hatte, war Ruhe.

Dachte ich.

Bis ich wieder im Bett und gerade gemütlich eingemummelt war.

Ob der Uhrzeit verzichtete ich darauf, laut loszubrüllen, als irgendwas auf dem Balkon anfing zu rascheln. Und das in einer Lautstärke, bei der einem nachts, wenn normalerweise (*ggggr) alles ruhig ist, die Ohren wegfliegen.

Siegessicher hatte ich die Socken inzwischen ausgezogen. Also return und wieder raus. Dieses Mal handelte es sich um eine Plane, mit der ich meine Sonnenliege über den Winter abgedeckt habe. Hatte; Entschuldigung. Denn diese wehte lustig im Wind. Natürlich nur teilweise, damit sie nicht weg wehte, sondern mich am Standort verweilend um den letzten Nerv bringen konnte. Ich riss das Teil von der Liege, knallte die Balkontür mit einer Wucht zu, dass man es vermutlich noch drei Stadtteile weiter gehört hat, schmiss die verdammte Plane mitten ins Wohnzimmer und ging zurück ins Bett.

Mit Socken!

Heute Abend werde ich mit Sweat-Shirt, Jeans und Boots ins Bett gehen, ich schwör’s!

Oder einfach das Fenster zu machen …

;o)

© skriptum

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Intensivismus

 

[Hinweis: Die Geschehnisse liegen vier Jahre zurück]

~~~

Nachdem ich plötzlich und unerwartet aufgrund mehrfacher Lebensgefahr (Ja, ja … was ich mache, mache ich richtig!) auf einer der städtischen Intensiv-Stationen flachgelegt und über Tage voll verkabelt worden war, beschlich mich einfach nur ein endloses Gefühl der Erleichterung, diese nach einigen Tagen wieder verlassen zu dürfen, um auf normal-Station verlegt zu werden. Die Bilder der Intensiv-Zeit waren noch viel zu verschwommen, als dass ich bereits irgendwas Neues hätte aufnehmen können. So ging es wohl auch der mich anschließend beherbergenden Krankenstation, die mich nicht etwa durch eine ausgebildete Fachkraft, sondern durch eine Schwestern-Schülerin „aufnahm“. Sie stellte mir unzählige Fragen (ich war schon froh, meinen Namen wieder zu wissen) und füllte die erforderlichen Aufnahmebögen aus. Mit meinem Allergieausweis konnte sie rein gar nichts anfangen und notierte sich einfach nur „Quecksilber“. Ich überlegte kurz, ob ich früher möglicherweise an zu vielen Fieber-Thermometern geknabbert habe, verwarf den Gedanken aber gleich wieder. Klar war mir nur, dass bei „Allergien“ die pure Angabe „Quecksilber“ definitiv falsch war. Meinen Vorschlag, für die Unterlagen eine Kopie des Ausweises zu machen, verwarf die Schülerin mit dem Hinweis, wenn der Doc eine Kopie braucht, kann er sie sich ja machen.

Da hätte mir eigentlich schon schwanen können bis müssen, dass ich mich auf dem direktest möglichen Weg befinde, vom Regen unter Umgehung der Traufe in der Scheiße *sorry* zu landen …

Wegen diverser Flüssigkeiten, die nach wie vor in mich rein flossen, hing ich am Tropf. Der einzige im Zimmer. Dieser durfte keinesfalls erst ganz leer laufen, sondern die Flaschen mussten grundsätzlich spätestens kurz vor Ende gegen volle ausgetauscht werden. Auch weil ein bis zum Herz geführter Katheter nach wie vor angelegt war und selbstredend freibleiben musste. Ich wusste das. Die Schülerinnen und Pfleger offensichtlich nicht; einen Arzt hatte ich noch immer nicht zu sehen bekommen. Es war nicht etwa so, dass ich da locker vor mich hin pfeifend in Bermuda-Shorts reinspaziert bin, sondern ich wurde mit einem sog. qualifizierten Krankentransport in diese Klinik verlegt und auf der Trage bis ans Bett gefahren. Obwohl ich ja solche Show-Effekte eigentlich gar nicht mag. Aber anders ging es zu dem Zeitpunkt nicht. Massen von Schülern und Pflegern kamen und gingen aber niemand bemerkte, dass sich der Tropf rapide dem Ende näherte. Irgendwann klingelte ich und zwei Schülerinnen kamen zu mir um sich zu erkundigen, was ich wolle. Auf den inzwischen nahezu ganz leer gelaufenen Tropf aufmerksam gemacht stellten sie beratend fest, dass sie da als Schülerinnen wohl nichts unternehmen dürften. Nach weiterer minutenlanger Beratung (inzwischen staubte der Tropf) beschlossen sie einvernehmlich, einen Pfleger hinzuzuholen. Nebenbei bemerkt: Unter anderem hing ich am Tropf wegen drohender Austrocknung. Hätte mal jemand meine aus der Intensiv-Station mitgelieferten Unterlagen zumindest angesehen, wäre das möglicherweise irgendjemandem aufgefallen. Nachdem der Pfleger weitere Minuten später eingetroffen war, versuchte er, mir einen Vorwurf daraus zu machen, dass ich nicht aufgepasst hätte und der Tropf niemals leer laufen dürfe. Das war das erste Mal in diesen Tagen, dass ich wieder Schimpfworte benutzte und sie sogar sinnvoll anordnen konnte. Glaube ich. Er war dann so gütig, sogar mit einer gewissen Eile neue Flüssigkeiten anzuhängen.

Nachdem ich bereits einige Stunden auf Station lag, kam zum ersten Mal eine Ärztin, blätterte wie wild in meiner Akte hin und her, hinterfragte aber z. B. keinesfalls den Punkt „Allergien“. Immerhin notierte sie meine Bitte, mir nach inzwischen mehreren gefühlt komplett schlaflosen Nächten abends ein Schlafmittel zu verabreichen.

Zur Abendbrot-Zeit kam ein Pfleger, dessen wild abstehender Bart länger war als meine Haare, verteilte zunächst Medikamente und an die Mitpatientinnen Essen. Ich bekam außer meinen Medikamenten (die ich ohne Essen nicht einnehmen darf) nichts. Auf meine Nachfrage hieß es, dass ich nichts zum Essen bekäme, weil ich es ja mit dem Magen hätte. Immerhin fast getroffen: Akut ging es um die Bauchspeicheldrüse. Aber die ist ja ganz in der Nähe … Mein weiterer Hinweis darauf, dass ich auf der Intensiv-Station bereits drei Mahlzeiten am Tag bekommen habe, wurde lächelnd ignoriert und schon war er wieder entschwunden. Einige Minuten später klingelte ich und fragte die dann reinschneiende Schülerin erneut nach Essen. Daraufhin kam ein anderer Pfleger und erklärte mir, dass in meiner Akte angeblich stünde, dass ich nichts essen dürfe. Ich fing – soweit ich es eben schon konnte – an zu rebellieren, woraufhin mir der Gute erklärte, dass es sich hier nicht um eine Intensiv-Station handele, sondern um eine Normalstation und die hätte nur einen einzigen Bereitschaftsarzt für alle und der hätte keine Zeit, sich um mich zu kümmern, nur weil ich etwas gegessen habe, was ich nicht vertrage. Der Spruch hat sogar mir spontan jedwede Kampfbereitschaft genommen. Meine Mitliegerinnen sahen nur erst sich und dann ihn völlig geschockt an. Immerhin quälte ich mir noch raus, er möge sich bitte auf der Intensiv-Station erkundigen, was und vor allem dass ich essen dürfe und mir dann pronto was zum Essen bringen. Er setzte allerdings noch ein, zwei drauf und erklärte lautstark, dass es ihm persönlich völlig egal wäre was mit mir ist, er müsse allerdings haften wenn was passiert und dafür wäre er nicht gut genug versichert. Außerdem wäre die Küche auf fettfreie Kost nicht eingerichtet. Es ging um die Krankenhausküche; nicht etwa um die Pommesbude an der nächsten Ecke! Aber immerhin zog er dann ab und „schon“ eine halbe Stunde später bekam ich acht (ACHT!) Zwieback auf einem Teller mit Häubchen angerichtet (wozu das Häubchen? Hoffte der „Koch“, dass ich sie dann nicht finde?). Eine Auszeichnung für vertrauensbildende Maßnahmen wird dieser Pfleger vermutlich nie bekommen.

Gegen 20 Uhr kam die Nachtschwester und verteilte weitere Medikamente. Ich bekam nichts. Meine Frage nach dem verordneten Schlafmittel wurde beantwortet mit „Kriegen sie nicht“. Ich bestand darauf mit dem Hinweis, dass es die Ärztin in der Akte notiert habe. „Hat sie nicht“ entgegnete die Nachtschwester knapp und ich knappte zurück „Hat sie doch, ich hab’s gesehen!“. Daraufhin erhielt ich einige Zeit später zwei … Zuckerperlen? …, die jedoch keinerlei Wirkung zeigten und Madame entschwand in das Dunkel der Nacht. Ich nicht. Stattdessen lag ich bis viertel vor elf hell wach, bis ich die Nachtschwester heran klingelte. Mit einem vermutlich sogar Tote aufweckenden „WAS?!?“ schlug sie die Tür auf. Ich fragte, ob wir nun aufhören könnten mit Spaßmachen und ich endlich ein Schlafmittel bekommen würde. „Nicht ohne ärztliche Anweisung“ bestritt sie erneut die Anordnung meiner Ärztin. Ich wurde etwas massiver und sie versprach, den Bereitschaftsarzt zu rufen, der solle das dann entscheiden. Eine weitere halbe Stunde später raffelte ich mich mit Infusionsständer und noch immer getragenem, (hinten offenen) OP-Hemdchen auf den Flur, um die Nachtschwester zu suchen, zu finden und möglicherweise direkt umzubringen. Meine erneute Nachfrage quittierte sie mit der lapidaren Bemerkung, ich hätte doch schon was bekommen und nun müsse ich eben Geduld haben. Dass das inzwischen über drei Stunden her sei und keinerlei Wirkung gezeigt habe, würdigte sie nicht als ausreichenden Geduldsbeweis. Meine augenscheinliche Kampfansage (mir fehlten weitere Worte) entwich sie mit dem Hinweis, auf den Arzt zu warten. Ich postierte mich lauernd an ihrer Theke und wartete, mit der einen Hand gestützt an dem Infusionsständer, mit der anderen Hand dieses unsägliche Hemdchen hinten zumindest etwas zuhaltend. Nie hätte ich gedacht, dass in Krankenhäusern nachts so viele Männer über die Flure flitzen. Nur ein Arzt war leider nicht dabei. Und das Krankenhaus war nicht so groß, dass der Arzt, der ja angeblich schon vor einer halben Stunde von der Schwester gerufen worden war, oder eben doch nicht, zwischenzeitlich noch nicht hätte angekommen sein können. Es musste also bald soweit sein und das wollte ich inzwischen stoisch aussitzen bzw. stehen. Nach einer weiteren viertel Stunde forderte mich die Schwester auf, ruhig wieder ins Bett zu gehen, sie würde sich kümmern. „Ja, das merke ich. Darüber haben wir schon gelacht; jetzt will ich ’ne Pille!“ blitzte ich sie an und dann doch schon (…) griff sie zum Telefon und erkundigte sich bei dem Diensthabenden, ob sie mir ein Schlafmittel geben dürfe. Ich bekam dann das zweite Mal ein Placebo und lag bis zum Frühstück wach. Die x-te Nacht in Folge, allein im Krankenhaus. Zuvor zuhause hatte ich auch schon vor Schmerzen nächtelang nicht schlafen können.

Mit dem Wecken rollten zwei Pfleger (oder Praktikanten? Schüler? Pförtner? Putzkräfte?) den Wagen mit den Patientenakten ins Zimmer, nahmen uns Mädels Blut ab, maßen Fieber und Blutdruck und den ganzen Klimbim. Mein linker Arm war stichunfähig, weil inzwischen bereits komplett zerbombt. Am rechten Arm hatte ich wie gesagt nach wie vor den Drei-Wege-Zugang, durch den auch jederzeit Blut abgenommen werden konnte. Man musste wirklich nur einen Hahn aufdrehen, nachdem man die Kanüle angesetzt hat und schon floss mein Herzblut notfalls in Strömen. Aber der Pfleger (???) bestand darauf, meinen linken Arm erneut anzustechen. Angeblich dürfe er an den rechten nicht ran, weil ich ja da eine Infusion dran hängen habe. Dass es sich dabei inzwischen nur noch um Flüssigkeit handelte, um die Leitung frei zu halten, eben UM jederzeit Blut abnehmen zu können, bestritt er und wuchtete mir erneut eine Nadel in den linken Arm. Wie oft ich in diesen Tagen bei ausreichendem Kräfte- und Überwältigungspotential bereit gewesen wäre, einen Mord zu begehen ohne an die Konsequenzen zu denken oder diese zumindest sehr bereitwillig in Kauf zu nehmen, weiß ich nicht mehr. Aber es war sehr oft! Seinen Irrtum klärten wir dann später im Beisein der Ärztin, die über seine Vorgehensweise nur wortlos-loyal mit dem Kopf schüttelte und die Augen verdrehte.

Bei diesem morgendlichen Überfall wurde von den zwei Weißkitteln festgestellt, dass es zwei auf mich lautende Patientenakten gab. In der einen waren alle Intensiv-Unterlagen (mit Angaben zum Essen, Medikamenten, bisherige Versorgung etc.), angelegt einen Tag vor meiner Ankunft und offensichtlich mit allen notwendigen Unterlagen und Angaben ergänzt, und in der anderen lediglich die von der Schülerin ausgefüllten Fragebögen, natürlich auch ohne Schlafmittel-Vermerk, angelegt am Tag meiner Ankunft. Davon abgesehen, dass ich es als desaströs empfinde, dass niemandem aufgefallen ist, dass über eine von der Intensiv-Station kommende Patientin keine Informationen in der (falschen) Akte sind, finde ich es bodenlos, dass es nicht einmal jemand für nötig gehalten hat, sich dafür bei mir zu entschuldigen. Es wurde einfach totgeschwiegen und gut war’s. Aber seit dem bekam ich immerhin – zwar außerordentlich unkreativ aber dennoch – regelmäßig etwas zum Essen. Allerdings geht jeder, der es wagen sollte, mir bis an mein Lebensende zum Abendessen Weißbrot mit Marmelade anzubieten, in direkte Lebensgefahr über! Zum Running-Gag entwickelte sich immerhin bei jedweder zweifelhaften Äußerung oder mitgeteilten Entscheidung die Frage unter uns Mädels, ob das nach Aktenlage entschieden wurde und wenn ja, nach welcher …

Mein OP-Hemdchen war nach Tagen noch immer nicht gewechselt worden, so dass mir eine Zimmerkollegin half, mir etwas anderes aus meinem eigenen Fundus anzuziehen, was jedoch mit all den Schläuchen etc. nicht wirklich als einfach zu bezeichnen war. Das Hemd hängten wir über den Fußteil meines Bettes. Von dort wurde es dann nach zwei Tagen mit der offensichtlich ernst gemeinten Frage „Oder wollen Sie das nochmal anziehen?“ und meinem fassungslosen Kopfschütteln entfernt.

Wir wollten das Krankenhauspersonal aber nicht unnötig mit potentiellen Hilfsanfragen belästigen. Sie waren mutmaßlich sehr überfordert. Eine Mitliegerin bat nach diversen Einläufen um etwas Salbe, weil sie inzwischen nicht mehr nur nicht sitzen, sondern auch nicht mehr liegen konnte. Eine Schwester kam ins Zimmer und teilte ihr mit, da sie ja mit dem Essen fertig sei, solle sie ihr Tablett selbst raus bringen und dann bekäme sie auch Salbe. Anschließend verließ die Schwester mit leeren Händen das Zimmer wieder.

Gleich stark überfordert waren aber auch die Reinigungskräfte. In den vier Tagen, die ich in diesem Zimmer lag, habe ich es nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass die Toilette mal geputzt worden wäre. Auch das Wischen des Zimmers gestaltete sich anders, als ich es bisher in Krankenhäusern gesehen hatte: Die Lady kam mit dem angefeuchteten Wischding bereits ins Zimmer geschoben und ohne es auch nur ein einziges Mal auszuspülen, schredderte sie damit den gesamten Boden. Vorzugsweise, während wir gegessen haben. Der (vermutlich) Joghurt, der bereits bei meiner Einlieferung neben meinem Bett breit getreten war, hatte sich in den vier Tagen immerhin soweit verteilt, dass er fast dem Muster im Linoleum entsprach und nicht mehr ganz so deutlich auffiel. Allerdings hatte da ein Pfleger mal getrickst, als mein Tropf nicht lief: Er löste den Schlauch, ließ einfach so auf den Boden (über den Joghurt) etwas von der Infusion ablaufen, steckte alles wieder zusammen, grinste mich an mit „Na also, läuft doch!“ und entschwand. Ein bereits bei meiner Ankunft dort auf dem Boden lungerndes Plastikteil lag jedoch noch immer im Zimmer rum, als ich meine Sachen packte und inzwischen wirklich alles in Kauf nehmend nur noch da raus, vorzugsweise nach Hause, wollte. Wetten, wie weit „sie“ es wohl am jeweiligen Morgen beim „Reinigen“ des Bodens weiter schieben würde, gewannen wir immer. Bis ins Bad hat sie es nur ab und zu geschafft und auch dann nicht bis in jede Ecke, was aber nicht weiter schlimm war: Wenn morgens eine von uns geduscht hatte, stand die Nasszelle Dank der dusseligen und für diese Zwecke – natürlich nur nach meinem ganz subjektiven Empfinden höchst unsinnigen – Duschen-Konstruktion den ganzen Tag unter Wasser. Schade, dass es nicht wenigstens einen Wischer gab, mit dem wir Patienten das Wasser selbst zurück in die Dusche hätten schieben können. Aber so hatten wir alle immer frisch gewaschene (zumindest gewässerte) Füße. Ist ja auch was. Auch das Blatt Toilettenpapier, das tagelang ca. 30 Zentimeter neben der Toilette lag, befand sich dort noch immer, als ich das Krankenhaus verließ. Vielleicht war es aber auch inzwischen aufgrund der ständigen Wasserüberschwappung mit den Fliesen fest verbunden. Das habe ich nicht geprüft. So brennend interessierte mich das dann alles nicht mehr.

Bevor ein Bett, und somit natürlich auch ein Schrank, neu belegt wurden, ließ man den Schränken keinerlei Form von Reinigung angedeihen. Einer nimmt seine Klamotten raus, der nächste packt seine rein und durch mit das. Betten waren noch warm, bevor sie neu belegt wurden. Egal wer noch Minuten zuvor mit welcher Erkrankung in die Decke gehustet, ins Kissen geschwitzt hat oder in die Matratze ge … weiter mag ich darüber gar nicht nachdenken! Es wurde nur schnell frische Bettwäsche (immerhin) aufgezogen und *zack* lag der nächste Patient drin. Davon, dass die Patienten selbst aufpassen mussten, ob sie morgens ihre oder die Medikamente des Nachbarn auf dem Tablett hatten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Und wenn es für all das nicht mehrere Zeugen gäbe, hätte vermutlich nicht einmal ich mich getraut, das alles niederzuschreiben. Unglaublich finde ich auch, dass Besucher mit Parkgebühren abgezockt werden! Was kommt als nächstes? Eintrittskartenverkauf vor den Krankenzimmern? Würfelspiele um die Mahlzeiten? Doppelt oder nix: Wer gewinnt darf bei Intensiv-Patienten nach Melodiewunsch die Geräte neu einstellen?

In drei bis vier Monaten muss ich erneut ins Krankenhaus, um eine Folge-OP durchführen zu lassen. Wenn es sein muss werde ich meinen Hausarzt am Montag auf Knien anbetteln, nicht noch einmal in dieses KRANKen-Haus zu müssen. Aber die OP kommt ja dann zum Glück nicht plötzlich und unerwartet, vorzugsweise oder auch nur der Abwechslung halber auch nicht unter Lebensgefahr. Wobei sich mir durchaus die Frage stellt, welche Gefahren bei Niederlegung in einem solchen Krankenhaus überwiegen …

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Vor allem scheint mir qualifiziertes Personal (gut ausgebildete Schwestern, Pfleger) zu fehlen. Nicht, dass es grundsätzlich nicht da wäre, es ist aber m. E. nicht in ausreichendem Maße vorhanden/eingestellt.

Und ohne für mich persönlich nun eine ganz besonders hoch gehängte Latte anbringen zu wollen: Ich kam direkt von der Intensiv-Station, nachdem ich gerade eine dreifache Lebensgefahr (Bauchspeicheldrüse, Lungenentzündung und Austrocknung) überstanden hatte. Mir erscheint es nicht nur logisch, sondern auch dringend geboten, dass solche Patienten mit ganz besonders sorgfältiger Aufmerksamkeit in eine andere Station aufgenommen werden. Stattdessen wurde z. B. aufgrund des Akten-Chaos‘ übersehen, dass ich noch Antibiotikum benötige, was dann am Montag einfach mal vergessen wurde. Ab Dienstag (nachdem die „richtige“ Akte von irgendjemandem entdeckt worden war) bekam ich es dann wieder. Am letzten Tag auf Station hatte ich plötzlich ein Medikament auf dem Tablett, was ich zuvor nicht bekommen hatte, dafür fehlte das inzwischen in Tablettenform verabreichte Antibiotikum. Meine Nachfrage, was das denn sei, wurde mit „Ihre Darmtablette“ beantwortet, die ich überhaupt nicht bekommen sollte/durfte. Meine nächste Frage, wo denn mein Antibiotikum ist, wurde beantwortet mit einem stutzenden Blick und der sich selbst gestellten Frage „Ähm, wo ist das denn jetzt gelandet?“. Sowas darf m. E. einfach nicht passieren!

Ohne Ironie, Sarkasmus bis hin zum Zynismus kann man eine solche Situation wohl kaum überstehen. Bezeichnend finde ich es auch, dass ich z. B. seit dem ich zuhause bin, jede Nacht acht bis neun Stunden wie ein Baby geschlafen habe, und zwar ohne jedwedes Hilfsmittel. Im KH war das absolut unmöglich, weil ich mich nur unglaublich unwohl bis fast schon angeekelt gefühlt habe.

[© skriptum/marmonemi 03.03.2007]

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An dieser Stelle einen wirklich und ehrlich von Herzen kommenden Dank an die liebe Synapse und viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die mir aufgrund dessen, wie sie mit diesen Themen und vor allem mit Patienten umgehen, immer wieder zeigen, dass „das da oben“ wirklich und wahrhaftig nicht der Normalfall ist bzw. sein muss!

 

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Wie kann man nur so müde sein? Kein Satz von ihm, der nicht von einem Gähnen zumindest begleitet wurde. Die hundemüde Antwort auf meine lächelnde Frage, ob ich ihn langweile, quittierte er mit einem erneuten Gähnen und so gingen wir schlafen.

In dieser Nacht dauerte es nicht lange, bis er anfing zu schnarchen. Das ist für mich immer wieder das schönst mögliche Signal, mich jetzt auch meinen Träumen hinzugeben. Wohliger kann ich kaum einschlafen, als sein Schnorcheln ganz nah bei mir zu hören. Und so müde wie er war, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht damit gerechnet, dass dies die Nacht des blanken Terrors werden würde. Kaum war ich Millisekunden vor dem Einschlafen ging’s los:

Sein Arm, in den ich mich gekuschelt hatte, zuckte. Ich dachte, dass er ihn vielleicht gern zurück hätte und wollte ihn frei geben. Doch plötzlich lag er wieder ganz ruhig da und so versuchte ich erneut, einzuschlafen. Doch warum zuckte er plötzlich mit den Füßen? Ich ignorierte es einfach und entschwand ins Reich der Träume.

Es muss kurz danach gewesen sein, als er wieder nervös zuckte. Meine Frage, ob das heute noch was mit Schlafen wird, beantwortete er mit einer wilden Kratzorgie – irgendwo in Richtung Fußbereich. Auch das Knie und der Kopf kamen bei dieser Aktion nicht zu kurz. Lag ich mit einem Affen in Bett oder was?

Plötzlich wieder Ruhe. Ich war gerade dabei einzunicken, als ich glaubte, skalpiert zu werden. Ja, kann’s denn wahr sein? Dieser Knispel. Was hat er denn jetzt schon wieder? Na klasse, seine Uhr … in meinen Haaren … Könnte er jetzt bitte mal aufhören, an meinem Kopf rumzuziehen? Wenn ich nicht so dermaßen müde wäre, würde ich jetzt was sagen. Aber meine Stimme versagt mir einfach den Dienst. Versuche ich eben einfach nooochmal, einzuschlafen.

Und was zuckt ER jetzt hier nervös rum? ICH bin gerade skalpiert worden. Zucke ich? Nein. Ich will jetzt nur endlich SCHLAFEN!!! Hallo? Was soll DAS denn nun? Warum dreht er wie ein Irrer seinen Kopf im Kissen hin und her? Träumt er vom Tennis oder was? Ja ganz toll … Jetzt kommen von seinem Rumgezappel auch noch 100 cm Kuscheltier auf mich zuge … ah! Abgefangen … Man gut, dass er noch wach war. Nein! WAS WAR DAS DENN??? Ach ja, die Weingläser. Na danke. Bis morgen früh dürfte sich der Rotwein mit dem Teppich vereinigt haben. Schön, morgens aufzustehen und als erstes in etwas Nasses zu treten! Na ja, vielleicht ist das Ansporn genug, dass er sich nun endlich um die längst versprochenen Nachttische kümmert.

So, war‘s das jetzt für diese Nacht mit Special-Effects oder was? Langsam reicht es echt. Boah! Und mein Kopf tut weh. Er hat mich echt skalpiert … Na warte!

Das dürfte es ja wohl jetzt gewesen sein, oder? Vorhin war nicht ein einziger Satz möglich, ohne dass er mich breit angegähnt hat. Langsam dürfte doch wohl seine Energie, mich mitten in meinem Urlaub neurotisch vom Schlafen abzuhalten, erschöpft sein.

WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER? Was nestelt er denn nun noch an der Bettdecke rum? Kann jetzt endlich mal Ruhe sein? Nö, wohl nicht. Was will er denn jetzt noch? Warum schubbert er mit seinem Fuß an meinem Bein rum? „AUTSCH! MANN! Willst Du Deine Fußnägel eigentlich so lange wachsen lassen, bis das Guinness-Buch einen Antrag auf Rekord-Veröffentlichung stellt? Oder was?“ Gleich werde ich echt sauer. Okay, letzter Schlaf-Versuch, bevor ich ihn einfach umbringe …

Oh man, und ständig dieses Krachen lassen seiner Knochen. Toll! Kopfkratzen, Decke wenden. Jetzt bleibt ja wohl kaum noch was, um mich vom Schlafen abzuhalten, oder? Also Ruhe jetzt und guuuuute Nacht! Mal sehen, ob er nun endlich still liegen wird. Ein letzter Versuch, mich bei ihm anzukuscheln …

Nein. Nein, nein, nein, nein, NEIN! WAS IST JETZT NOCH? Ich gebe es auf. Wo will er denn jetzt hin? Warum steht er nicht einfach auf? Wäre wohl zu einfach. Stattdessen kriecht er wie eine Schnecke im Bett rum. Letztendlich wird er doch sowieso aufstehen. Warum nicht kurz und schmerzlos? AUTSCH! Nicht schmerzvoll … oh man, mein Bein. Er hasst mich … er MUSS mich hassen. Warum sonst sollte er versuchen, mich durch Schlafentzug zu töten und mich im Rahmen des Abschlusses dieses Vorhabens vollends zu verstümmeln? Warum sonst?

Entschuldigung … ja toll. Das hilft mir jetzt auch nicht so ganz direkt weiter. Darf ich jetzt bitte endlich schlafen, ja? Danke! Oh nein, ist er jetzt auch noch in die Scherben der Weingläser getreten? Kann nicht wahr sein. Kann wirklich nicht wahr sein. Wie kann ein einzelner Mensch so paddelig sein? WIE? Ich fasse es nicht! Aber: Respekt. Ich glaube, ICH hätte gefiept oder so. Er trägt es wie ein Mann. Na endlich, er geht ins Badezimmer. Ruhe! Ich darf endlich schlafen … darf ich?

Nein! Natürlich nicht. Was randaliert er denn nun noch im Badezimmer rum? Oh je … das Regal. DAS fehlt jetzt noch. Wehe, wenn er in seiner diesnächtlichen Paddeligkeit auch noch das Regal umschmeißt. Wie ruhig kann Frau eigentlich in einer solchen Nacht bleiben? Stehe ich auf und sehe nach, was er angestellt hat? Nö! Das soll er mal schön selber in Ordnung bringen. Was war denn DAS für ein Geräusch? Doch noch irgendwas umgefallen? Egal, ich will jetzt endlich einfach schlafen. Mal sehen, ob ich seiner Geräusch-Kulisse mittels meiner Bettdecke über meinem Kopf entgehen kann.

Gut, dass ich ausschlafen kann. Ist ja wenigstens eine reelle Chance, den Tag zur Nacht zu machen. Ich muss mir nur noch was einfallen lassen, wie ich ihn wenigstens für ein paar Stunden aus dem Haus bekomme. Und dann schlafen … nur noch und endlich schlaaaafen!

Der Wecker … ich bringe ihn um! Warum stellt er diesen verdammten Wecker? Wo ist das Mistding? Da. Na warte … komm DU mir in die Nähe des Bettes! Und jetzt auch noch … oh nein … Das Regal … das WAR das Regal … Wo ist … DA ist er. Mal sehen, ob er fangen kann … Na klasse! Jetzt hängt die Steckdose auch noch am Kabel. Tja Babe, hättest sie vielleicht doch mal reparieren sollen. Gleich lach ich mich kaputt … Oh verdammt, warum weicht er denn aus? Nein! Der Fernseher … Wecker in Fernseher … merken: Kommt nicht gut! Na ja, im Wohnzimmer haben wir ja noch einen zweiten.

Mist! Das war jetzt wohl mein Fehler. Ich versuch’s mal einfach mit Decke über den Kopf ziehen. Es soll ja zwischen Himmel und Erde möglich sein, irgendwann einfach vor Erschöpfung einzuschlafen … Ich tu‘ einfach so, als hätte ich es nicht bemerkt. Hauptsache, er gibt jetzt endlich Ruhe!

Warum. Warum zum Henker riecht es hier nach meinem Parfum? Ist er jetzt völlig durchgedreht? Ich glaube, damit hätte ich dann ein wirklich ernstes Problem. ER mit MEINEM Parfum? Och nö … bitte nicht. Egal. Ich bin hundemüde. Ich MUSS jetzt schlafen! Hoffentlich gibt er jetzt endlich Ruhe!

Er zieht sich an … er zieht sich tatsächlich an. Es gibt DOCH einen Gott! Er geht weg. Wo will er bloß heute um diese Zeit hin? Und warum stöhnt er so rum? Poh, kann er abends seine Klamotten nicht in den Wäschekorb schmeißen? Jetzt zieht er die gleichen Plünnen nochmal an … Na ja, wem’s gefällt. Boah! WASCHEN, Babe. Waschen ist meist ein trefflicher Trick, um den Deo-Verbrauch nicht ins Unermessliche zu steigern. Igitt! Stinkt das … Wie soll ich dabei bloß schlafen?

Die Tür. Ich glaub’s ja nicht. Er hat die Tür zugezogen. Hat er überhaupt seine Schlüssel mitgenommen? Honey, glaub bloß nicht, dass ich Dich freiwillig jemals wieder ins Haus lasse.

Ruhe … wow, ist das ein schöne Geräusch … KEIN Geräusch. Er ist echt weggegangen. Ich kann schlafen. Kann ich? Klasse, jetzt bin ich wach. Okay, Kaffee trinken und erstmal durchatmen. Wie spät ist es eigentlich? WAS? Erst halb sieben?

Ha! Ich lach mich kaputt. Da liegt sein Hausschlüssel, Autoschlüssel, Handy, Ziggis … er hat alles vergessen! Ist er auf der Flucht? Was will er draußen schon so früh? Und vor allem: Warum am Sonntag?

© skriptum
(05/2003)

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