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WTC-Danach

Bildquelle: pgtech.com

Dienstag, 11. September 2001

 

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Dienstag.
 
 



Das war’s dann eigentlich auch schon. Halt, stop: Es hätte natürlich auch November sein können. Oder Juli, aber das war ein ganz anderes Thema. Der November jedenfalls, der voll bis halb im Auge des Betrachters brütete, um möglicherweise irgendwann als Skorpion zu returnieren, machte es sich unglaublich frech bequem. Freiwillig und desolat. Nicht zu verwechseln mit devot, was ja bekanntlich nichts damit zu tun hat. Zumindest wenn es das Andere ist. Sofern es das Eine wäre, würde sich die Situation jedoch abrupt ändern. Letzteres soll ja bekanntlich beruhigende Wirkung haben, was der Katze im Schlafrock allerdings relativ egal war, da sie längst keine Zähne mehr hatte. Ihre Krallen bohrte sie vorzugsweise in diese Kissen aus Plüsch, die am Rande des Wahnsinns fein drappiert darauf warteten, auf den Mond geschossen zu werden. Ohne Krallen natürlich.

Vollkornbrot war gerade aus. Der Apotheker hatte aber sowieso längst die Kanzlei verbarrikadiert, um das Kaninchen in den Hut zu schmeißen, bevor er seiner Liebsten die Stöckelschuhe absägte. Die Absätze brauchte er, um sich drauf zu setzen, bis der Wind sich beruhigt hatte. Ob das weh tut? Nein, das Sitzen nicht. Der Gedanke daran schon. Was allerdings nichts auslöste, das man als besonders hätte einstufen können. Es war eben so. Wie so vieles andere auch. Aber das wissen ja sowieso alle. Bis hin zu den Geiern, die vor Lachen vom Mast gesprungen waren, als das schwarze kleine Auto voll gegen einen Baum raste und die Reifen wegflogen. In jede Himmelsrichtung einer. Alles andere hätte sowieso keinen Sinn gemacht, da die wirren Wuschelköpfe sowieso immer das letzte Wort einforderten. Das Dach blieb übrigens liegen. Reglos.

Tja, was noch?





Eigentlich nichts. Oder doch, Moment: Da war ja noch der Zirkus in der Stadt, der, seit dem er seine Pforten zu Gattern umfunktioniert hatte, die Gäste zu Gruppen á 7,9 Beinen ins Portal des Grand Hotels am Ende der Straße trieb. Die Bar war sowieso immer übervoll, so dass die paar mehr Finger, die sich langsam in Richtung Flaschen bohrten, keine entscheidende Rolle spielten. Die Musik war viel zu laut und Tante Else schon wieder besoffen vom vielen Vermouth. Billiger Fusel um Kopf schnell Macke zu machen. Else war’s recht. Kassandra stand lauernd in der Ecke, um Elses Glas zu fangen, sobald diese vom Stuhl fiel. Kassandra, nicht Else. Wie jeden Abend: Lauern, fallen, fangen. Anschließend natürlich austrinken, abwaschen, polieren. Das Zurückstellen ins Regal übernahm meist einer der Gäste. Wortlos natürlich, ohne nähere Wegbeschreibung.

Nichts Neues also zwischen den hölzernen Hochstühlen und der veredelten Bretterwand. Nur die Klofrau gähnte heute auffallend breit. Aktuell allerdings ohne Besen zwischen den viel zu vielen Zähnen, die ihr etwas Vampir-haftes gaben. Der Schraubenzieher war auch invakant, so dass ihr nur übrig blieb, die Strümpfe hochzuziehen und laut „Carrramba“ zu brüllen. Schon rollte das Trinkgeld. Dummerweise unter die Toiletten, die als Hochspüler tiefgestapelt an der Wand klebten. Die Betonung liegt hier natürlich auf „klebten“. Das wusste die Queen of wastes ganz genau. Dennoch kümmerte es sie nicht. Die Strümpfe rutschten erneut und sie kam in Wallung Richtung Ausgang. Ohne Gewänder natürlich. Die blieben an der Türklinke hängen und unterhielten sich fortan mit dem Klopapier. Schwarz, blickdicht, handfest. Das Klopapier natürlich. Die Gewänder waren grün. Giftgrün. Wie immer.

Was bleibt ist …





… die Spannung auf Donnerstag. Oder Samstag. Was letztendlich jedoch egal ist, da beide Tage nicht im Dezember liegen. Im Februar wäre das natürlich etwas anderes aber darum geht es hier nicht. Außerdem flogen die Elefanten nach wie vor durch die U-Bahn. Die Kassiererinnen schaffen es einfach nicht, sich ihrer habhaft zu machen, um das Gemüseregal etwas aufzupeppen. So eine U-Bahn am Rande der Radischen machte sich bekanntlich immer gut. Man müsste nur die Langnasen ablenken, was der Marktschreier übernehmen würde. Zwar nur, wenn man ihm dafür die Absolution erteilte, aber das wäre schon durchzusetzen. Oder zu legen, wenn es nun gar nicht anders gehen sollte. Spätestens wenn der Sonntag endlich vorbei ist. Im April, versteht sich. Jeder andere Mittwoch wäre schlicht inakzeptabel.

Aber bleiben wir zunächst einmal bei Dienstag:

© skriptum

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Es begab sich zu einer Zeit, als ich eigentlich sehr gut drauf war …

Das könnte jetzt glatt ein Märchen werden. Wird es aber nicht. Im Gegenteil: Es ist die bittere Realität.

Während der Eigentümerversammlung im Jahr 2008 wurde beschlossen, die maroden Balkon-Kästen, die nach Aussage des Architekten zu damaligen (Bau)Zeiten durchaus den damaligen Standards entsprachen (hat er sie gebaut resp. daran mitgewirkt?), sanieren zu lassen. Sie zeigen mittlerweile so genannte Haarrisse, durch die Feuchtigkeit eindringen kann. Auch die Seitenverkleidungen sind an den Oberkanten alles andere als ansehnlich.

Also lautet der Beschluss, dass man da was tuen muss.

Angedacht wurden die Maßnahmen für Herbst 2008. Hilfsweise wurde das Frühjahr 2009 ins Auge gefasst.

Im Herbst 2008 passierte nix.

Im Frühjahr 2009 passierte nix.

Es könnte ja – rein theoretisch, versteht sich – sein, dass der eine oder andere Bewohner mit dem Gedanken spielt, diese verdammten Kästen zu bepflanzen. Dafür sind sie ja nun einmal da. Die meisten haben das auch gemacht, allerdings mit der gebotenen Vorsicht, falls binnen weniger Tage alles entfernt werden müsste. Denn die Balkonkästen sollten ja saniert werden.

Im Mai 2009 teilte der Verwalter dann mit, dass wir möglicherweise bereits bemerkt hätten, dass weder im Herbst 2008, noch im Frühjahr 2009 an den Balkonkästen etwas unternommen worden war.

Ach was!

Erneut erklärte der Architekt lang und breit, was genau gemacht werden müsse und aus welchen Gründen.

Ich liebe solche Veranstaltungen! *gähn

Der nächste Beschluss lautete also, dass im Herbst 2009 mit den Arbeiten begonnen werden würde. Natürlich nach rechtzeitiger Ankündigung, damit die Hausbewohner ihre Pflanzen zuvor in Sicherheit bringen können.

Nun ist ja die Umschreibung „rechtzeitig“ ein relativ dehnbarer Begriff. Ich persönlich empfinde es nicht als „rechtzeitig“, wenn aus heiterem Himmel ein höllisches Gepolter hinter dem Haus losgeht, ohne dass auch nur IRGENDein Hausbewohner weiß, was das soll. Das allein machte mich jedoch nicht einmal stutzig: So ruhig und harmonisch diese Wohngegend viele Jahre war, wird sie in den letzten Monaten, aus verschiedenen Gründen, immer lauter und ungemütlicher. Mir reicht es hier bald.

Erst als ein Hausbewohner die Arbeiter lautstark zum sofortigen Aufhören aufforderte, schoss ich auf den Balkon und wollte wissen, was da los ist. Könnte ja sein, dass Hilfe benötigt wird. Und was sah ich? Hinter dem Haus wurden Massen an Stangen, Leitern und Bohlen heran geschleppt. Offensichtlich wollte da jemand ein Gerüst aufbauen. Beziehungsweise mehrere. Der Hausbewohner hatte sich völlig zu recht aufgeregt, denn schließlich muss der Sockel des Gerüsts an diesem Haus auf seiner Terrasse stehen. Da er bei der Eigentümerversammlung nicht anwesend war, konnte er nicht wissen, was das überhaupt alles soll.

Mir schoss in dem Moment fast Dampf aus den Ohren! So sieht also rechtzeitig aus, ja?! Na, toll! Mein Balkonkasten stand auf ca. drei Metern noch voll in Blüte:

Ist es völlig unrealistisch, anzunehmen, dass der liebste Herr Verwalter nicht bei den Firmen, die einrüsten und malern, angerufen, den Auftrag erteilt und gefragt hat, wann sie anfangen, um zur Antwort zu bekommen „In drei Minuten geht es los“? Der hat doch wochenlang Zeit gehabt, uns zu informieren. Und das ist nicht zu schaffen?

Ach.

Irgendwann klingelte meine Nachbarin, die ihrerseits den Vorarbeiter ausfindig gemacht und gefragt hatte, was denn nun wohl geplant sei. Es handelte sich tatsächlich um den Gerüstbau zur Sanierung der Balkonkästen. Danke an die Hausverwaltung an dieser Stelle, für die „rechtzeitige“ Information, wann es losgeht. Meine Nachbarin teilte mir weiter mit, dass an diesem und dem nächsten Tag noch nichts an den Kästen gemacht würde, so dass wir am Folgetag Zeit hätten, um die Kästen zu räumen.

Kurz zuvor hatte ich – nicht wissend, wann es losgehen wird – noch neue Pflanzen gekauft und eingesetzt. Wer mir das bezahlt, wenn die Pflanzen jetzt nach Rücksetzung in kleine Pötte eingehen, weiß ich noch nicht. Dienstag habe ich mir händeringend drei Stunden abgequält und meine Arbeit liegen lassen (müssen), um den Balkonkasten zu leeren und meine Pflanzen zu evakuieren, weil es ja Mittwoch losgehen sollte. Wer mir das bezahlt, weiß ich auch noch nicht. Aber wen ich dafür „umbringen“ werde, wenn ich ihn erwische … ja, da habe ich schon eine leise Idee!

Das alles heißt aber natürlich keinesfalls, dass es am Mittwoch tatsächlich losging:

28.09.: Plötzlicher Gerüstaufbau
29.09.: Chance, die Pflanzen zu evakuieren
30.09.: geht’s los.

Geht es los? Denkste! Nüscht war! Kein Arbeiter zu sehen, folglich keine Arbeiten. Okay, nächste Chance:

01.10.: Geht’s endlich los?

Denkste (2)! Wieder nix. Kein Arbeiter, keine Arbeiten.

02.10.: Zum Wochenende Arbeits-Start?

Nein, natürlich nicht.

Auch habe ich den Hausverwalter noch nicht gesehen. Immerhin hat er es verpennt, uns rechtzeitig (…) zu informieren. Es könnte ja durchaus sein, dass der eine oder andere Bewohner im Urlaub ist und seinen Balkonkasten dem entsprechend gar nicht räumen kann. Also ist es doch wohl die Aufgabe des Hausverwalters, hier blitzartig anzutanzen, die Gerüste zu erklimmen und nachzusehen, ob bei insgesamt 24 Wohneinheiten in drei Häusern alle Pflanzen entfernt wurden, damit sie während der Arbeiten nicht geschrottet werden, oder?

ODER?

Mein Balkonkasten sieht so trostlos aus wie noch nie! Das ist der klägliche Rest, den ich nicht heraus nehmen konnte, weil sie dann garantiert eingehen. Tüten müssen reichen:

Inzwischen ist es Freitagnachmittag. Die Arbeiter sind nach wie vor nicht (mehr) zu sehen, mit den Arbeiten wurde nicht einmal begonnen. Stattdessen haben wir Dank längst aufgebauter Gerüste gar prächtige Hintereingänge. Es ist ein Leichtes, die erste Plattform zu erklimmen und dann mittels der auf jeder weiteren Plattform befindlichen Leiter bis ins oberste Stockwerk zu klettern. Zwischendurch kann man mal in aller Ruhe gucken, ob irgendwo eine Balkontür offen oder wenigstens auf kipp steht, die man dann aufbrechen kann, um die jeweilige Wohnung in Ruhe auszuräumen, falls die Bewohner beispielsweise im Urlaub sind und keine Ahnung davon haben, dass das Haus eingerüstet ist.

Im Moment ist es also sehr leicht, mich überraschenderweise zu besuchen:

Einfach bei Nacht, sogar ganz ohne Nebel, hinter das Haus gehen und hoch kommen. Die Leiter befindet sich sozusagen direkt vor meinem Schlafzimmerfenster, da dort auch der Balkon ist. Ich könnte natürlich, zur Vereinfachung des Einstiegs, zusätzlich mein Haar herunter lassen, damit die erste Plattform noch leichter erklommen werden kann. Aber wie gesagt: Es ist ja kein Märchen, sondern bittere Realität! Nur zu Rapunzel …

… ja, es könnte durchaus sein, dass ich dazu bald werde! *ARRRRGH!

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