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Posts Tagged ‘Eindruck’

Ob es sich bei den beiden tatsächlich jemals um Freunde handelte, lasse ich lieber dahingestellt. Fakt ist, dass mich Machstedanngleich und Guckstedannmal permanent begleiten. Im Grunde weiß ich schon, dass es nix wird, wenn einer von beiden oder sogar beide gemeinsam auftauchen.

Leider ziehen sie mich manchmal voll in ihren Bann. Da lese ich auf einem Blog einen tollen Beitrag, den ich unbedingt kommentieren möchte. Doch während ich noch denke „machstedanngleich“, klicke ich das Fenster schon wieder weg, weil irgendwas erst noch dringend erledigt werden muss.

Ach ja: Erstnoch … das ist auch so ein Mistkerl! Manchmal habe ich den Eindruck, dass er „guckstedannmal“ und „machstedanngleich“ auf mich angesetzt hat. Ich könnte wetten, dass es eigentlich Erstnoch ist, der die Fäden im Hintergrund zieht. Beweisen kann ich das natürlich nicht.

Wenn es hart auf hart kommt, wird es mitunter noch schlimmer. Sofern ich lediglich Zeit habe, die Überschrift Eurer Beiträge zu lesen, kommt Guckstedannmal ins Spiel. Mein guter Vorsatz ist da, ich schwöre es. Aber Guckstedannmal im Zusammenspiel mit Erstnoch … ich bitte Euch! Was soll ich denn machen?

Besonders hart war es in den letzten Wochen des alten Jahres. So oft habe ich daran gedacht, dass ich weihnachtliche Grüße an einige von Euch verschicken möchte. Weihnachtskarten und die eine oder andere Kleinigkeit hatte ich längst besorgt. Weihnachten kam immer näher und ich dachte jeden Tag mindestens einmal „machstedanngleich“.

Vermutlich hat sich Erstnoch jedes Mal kaputt gelacht. Dann trudelten fast täglich so liebevoll gestaltete Grüße und Gaben von Euch bei mir ein, dass mein schlechtes Gewissen immer präsenter wurde. Also nahm ich mir fest vor, es Guckstedannmal und Machstedanngleich zu zeigen. Aber Erstnoch war immer schneller und machte mir einen fetten Strich durch die Planung.

Weihnachten war vorüber und ich hatte keinen einzigen Gruß verschickt. Jetzt schämte ich mich echt und nahm mir felsenfest vor, die drei aus meinem Leben zu schmeißen, damit ich wenigstens zum Jahreswechsel noch ein paar Grüße versende. Und? Wie viele von Euch haben von mir einen Gruß „zwischen den Tagen“ bekommen? Genau. Und es tut mir furchtbar leid!

Ich brauche hier dringend Verstärkung! Einer von Euch muss mir bitte Guckstedannmal abnehmen. Dann brauche ich noch jemanden, der mir Machstedanngleich von den Hacken hält. Für Erstnoch müssen vermutlich zwei von Euch ran, den schafft keiner alleine. Denn Erstnoch ist stark, sehr stark! Also am besten zwei starke Männer oder Frauen mit Ringer-Lizenz und ohne Skrupel vor Gewalt.

Und? Gibt es Freiwillige?

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Ja, die Zeiten ändern sich.

Früher, ach früher …

… war es so, dass das Internet, Foren und Blogs, einen kleinen Teil der Freizeitgestaltung ausgemacht haben. Es sollte einfach Spaß machen und ein wenig zusätzliche Abwechslung in den Alltag bringen. Heutzutage beschleicht mich immer häufiger der Eindruck, dass einige gar nichts anderes mehr haben, als ihre Rappelkiste. Jeder Mist wird sofort proklamiert.

… war es so, dass man Menschen, die man nicht mochte, einfach links liegen ließ. Heute muss man es sie auf allen Wegen wissen lassen. Bei anderen, die nicht schnell genug auf einen Baum kommen, wird hinterrücks Überzeugungsarbeit geleistet, WIE scheiße derjenige doch ist. Wie viel unglaublich unsinnige Arbeit wegen jemandem, den man doch angeblich doof findet …

… war es so, dass man an Aktionen, die das eigene Interesse nicht berührten, einfach nicht teilgenommen hat. Heute muss man lang und breit erklären, wie blöd man das und alle die es tun findet. Dass man selbst allerdings genau das tut, was man bei anderen ach so blöd findet, ist okay. Das Knallen kommt übrigens möglicherweise vom Schuss ins eigene Knie.

… war es so, dass man sich einfach gefreut hat, wenn ein kleines Geschenk oder ein privater Gruß in der Post war. Man bedankte sich beim Schenker und gut war’s. Heute muss man groß und breit plakatieren, wer einem wann und warum was geschickt hat; bitte unbedingt mit Foto! Die ganze Welt muss schließlich wissen, wie sehr man sich darüber demonstrativ freut.

… war es so, dass man es einfach getan hat, wenn man jemandem mit einer Aufmerksamkeit eine Freude bereiten wollte. Heute muss man auf seinem Blog wochenlang zelebrieren, wie anstrengend die Vorbereitungen sind und wie viel (doch wohl freiwillige?!) Arbeit und Zeit darin steckt. Womit sich der Kreis zum vorherigen Punkt wieder schließt.

… war es so, dass man einfach auf Toilette ging, wenn man diesen Drang verspürte, oder andere – rein private Angelegenheiten – eben für sich erledigte. Heute muss man es vorher öffentlich ankündigen und den genauen Verlauf beschreiben. Nicht vergessend, irgendwelche Auffälligkeiten genau zu definieren. Vorzugsweise natürlich auch hier mit Foto.

… war es so, dass es niemandem aufgefallen ist, wenn bei schönerem Wetter die Aktivitäten im Internet stark eingeschränkt wurden. Heutzutage wird gemotzt, geschmollt und mit Blogschließung gedroht, nur weil an herrlichen Sommertagen die Klicks oder Kommentarzahlen zurückgehen. Wenn einem sowas den Tag versaut, dürfte wohl irgendwas vollkommen falsch laufen.

… war es so, dass gegenseitige Akzeptanz selbstverständlich war. Wenn man jemanden ablehnte, war das so. Deshalb musste nicht die ganze Welt diese Ablehnung teilen. Mit Sympathie verhielt es sich genauso. Heutzutage begibt man sich mitunter auf verdammt dünnes Eis, wenn man jemanden mag (und das auch zeigt), den andere Blogger doof finden. Und umgekehrt.

… war es so, dass man unliebsame Beiträge einfach weggeklickt hat. Heute muss man sie studieren und anderenorts samt Verfasser in der Luft zerreißen, statt einfach sein Missfallen direkt unter dem Beitrag mittels Kommentar kundzutun oder die Finger still zu halten. (Ob ich die Kommentare hinter diesem Beitrag sperren sollte? *g).

… war es so, dass Menschen, die andere ständig provoziert und hinterrücks gehetzt haben, bestenfalls ausgelacht wurden, wenn sie aufgrund des schärfer werdenden Gegenwindes losheulten. Heutzutage finden solche Wesen durch geheuchelte Integrität sogar eine kleine Schar von Anhängern, die allerdings üblicherweise sowieso ihre Fähnchen in jeden Wind hängen. Und diejenige, die am lautesten nach Offenheit und Ehrlichkeit krähen, agieren selbst mit geschlossenem Visier.

… war es so, dass man sich sein Urteil durch mindestens zweiseitige Informationen gebildet hat und frühestens anschließend urteilte oder die Konsequenzen zog. Heutzutage werden Menschen bereits abgeurteilt, ohne dass sie überhaupt Stellung beziehen konnten. Die Ankläger müssen nur infam, perfide und laut genug krähen, damit ein Ahnungsloser zum Schuldigen wird.

… war es so, dass Menschen sich sinnvoller beschäftigen konnten, als permanent Aufzeichnung über anderer zu sichern. Es wurde nicht jahrelang protokolliert, wer wann mit wem was über wen gesagt, gemacht oder geschrieben hat. Klardaten waren vertraulich und blieben es. Geschehnisse, die mehr als ein paar Monate her waren, galten als veraltet. Heutzutage muss man damit rechnen, dass sogar Jahrzehnt alte Äußerungen über irgendeinen Fliegenschiss als Beweis für irgendwas herangezogen und ohne Hintergrundwissen bewertet werden. Nicht vergessend, sich über Kamele aufzuregen, die gerade gewachsenes Gras wieder wegfressen. Die Sta‘Si scheint gegen einige Internet-Protokollanten echt ein kleiner Scheißdreck gewesen zu sein!

… war es so, dass man sein Wort öffentlich führen konnte, u. a. weil Fairness noch groß geschrieben wurde. Wer heutzutage mit seiner Hetze öffentlich nicht mehr weiter kommt, schließt die Öffentlichkeit aus und lädt sich sein Gefolge auf den geschützten Blog. Nicht berücksichtigend, dass die Möglichkeit der Weiterleitung aller Aufwiegelungen an die Verunglimpften mit jedem weiteren Teilnehmer wächst.

… war es so, dass es Menschlichkeit und Miteinander gab. Vor allem, wenn jemand Schwächen zeigte. Heute muss derjenige damit rechnen, dass Schwächen bei nächster Gelegenheit ausgeschlachtet werden. Begriffe wie Anstand, Moral, Höflichkeit und Meinungsfreiheit bleiben dabei völlig auf der Strecke, werden überstrapaziert oder nur für sich in Anspruch genommen.

… war es so, dass man technische Möglichkeiten nutzen konnte, wie man es selbst für sinnvoll erachtet hat. Heutzutage muss man sich rechtfertigen, wenn man beispielsweise alle Kommentare vor Veröffentlichung sehen möchte, um beispielsweise dem hirnlosen Gequatsche von braunen Würstchen und sonstigem Pöbel keine Chance zu geben.

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Mich irritiert das etwas. Denn wenn ich jemanden doof finde, lasse ich ihn nach wie vor links (wahlweise auch mal rechts oder sonst wo) liegen; zumindest solange er/sie mich lässt. Beiträge, die (oder deren Verfasser) mich nicht interessieren, klicke ich weg oder meide sie vornehmlich ganz. Ich unterlasse Aktivitäten kommentarlos, zu denen ich keine Lust habe und genieße Post und Geschenke als das was sie sind: Private Gaben. Auf gleichem Wege bedanke ich mich üblicherweise auch. Ausnahmen mögen mitunter diese Regel bestätigen.

Wenn ich etwas verschenken möchte, tue ich es einfach, ohne dem Beschenkten bereits im Vorfeld ein schlechtes Gewissen wegen meiner vielen Mühen zu machen. Informationen über mein Privatleben, die die Welt nicht braucht, behalte ich für mich. Auch überlege ich sehr genau, was ich bereit bin, „der Welt“ auf meinen Blogs über mich mitzuteilen. Nur wer mich privat kennt, hat tatsächliche Informationen über mich. Zu dem, was ich öffentlich schreibe, kann ich jederzeit Auge in Auge stehen.

Ich lebe mein Privatleben real und das Bloggen spielt darin zu maximal fünf Prozent eine Rolle; oftmals noch weniger. Nur der Umfang an Bloggerei im Internet, der mich bereichert, ist freiwillig Teil meines Privatlebens. Wenn das Wetter schön ist, fällt es mir kaum auf, wenn auf meinen beiden Blogs weniger „Traffic“ herrscht, weil ich selbst nicht online bin. Wenn doch, freue ich mich, dass es außer mir noch weitere Menschen gibt, die das reale Leben dem Internet vorziehen.

Sympathie und Antipathie pflege ich unabhängig vom „Mainstream“. Wenn ich jemanden mag oder ablehne, ist es mir egal, ob andere genauso empfinden. Nichtmögen muss ich nicht täglich thematisieren; in meinem Leben gibt es Schöneres. Auch ist es mir egal, ob andere meine Einstellung teilen. Bei einigen scheinen Überzeugungen sowieso flexibler zu sein, als Windsäcke. Blogger, die sich (vermeintlich geschützt/hinterrücks) über mich oder mir nahe stehende Blogger das Maul zerreißen, möchte ich auf meinen Blogs nicht mehr sehen. Anfragen, wo ihre Kommentare geblieben sind, erübrigen sich dem entsprechend.

Wenn jemand mir gegenüber über Abwesende herziehen will, bin ich dafür ein denkbar schlechtes Publikum. Üblicherweise bedienen sich solche Charaktere immer gleicher Machenschaften und ziehen stets denjenigen durch den Dreck, der gerade abwesend ist. Wenn ich nur einseitige Informationen habe, bilde ich mir daraus kein Urteil. Das kann nur falsch, bestenfalls unvollständig sein. Und wer mir nicht mit offenem Visier begegnen kann oder will, sollte nicht mich, sondern den Mondschein wählen.

Wenn ich Informationen über jemanden habe, behandele ich diese grundsätzlich vertraulich. Also genau so, wie ich es im umgekehrten Fall ebenfalls erwarte. Ich habe genügend eigenes Leben, als dass ich mich über Freud und Leid anderer Menschen wichtig oder interessant machen müsste. Privat ist privat und bleibt privat. Gleiches gilt für Persönliches.

Wenn ich etwas über jemanden zu sagen habe, kann ich das offen tun und muss mich dazu nicht verstecken. Auf Menschen, die bereits am Boden liegen, trampele ich nicht noch herum. Entweder versuche ich sie zu stützen oder ich lasse sie in Ruhe. Rechte, die ich für mich in Anspruch nehme, gestehe ich anderen genauso zu. Wenn jemand entscheidet, die ihm zur Verfügung stehenden, technischen Möglichkeiten zu nutzen, ist das für mich eine Tatsache, keine Diskussionseröffnung.

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Tja, alles in allem muss ich feststellen: „Irgendwas stimmt nicht mit Hasi“ … Ob es gegen Fossilität etwas von Ratioschmarrn gibt?

 

 

;o)

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Als ehemalige Turnier-Tänzerin und -Trainerin (Standard/Latein) sehe ich mir recht gern „Let’s dance“ an. Gestern nun also das Finale. Teilweise war es mir etwas anstrengend, diese Staffel durchzuhalten. Nicht wegen der TänzerInnen, sondern wegen der Moderation. So süß und witzig, wie ich Sylvie van der Vaart noch vor ein paar Jahren fand, so unerträglich albern finde ich sie inzwischen. Dieses permanente grenz-debile Gackern ist mir dermaßen auf den Puffer gegangen, dass ich einige Male versucht war, völlig genervt wegzuschalten.

Immerhin wurde ihr dümmliches „Busen hier“ und „Busen da“-Gelaber während der ersten Folgen offensichtlich irgendwann von irgendwem gestoppt. Dennoch war mir oftmals danach, einfach auszuschalten. Wenn nicht jemand dabei gewesen wäre, die mich schon einige Male mächtig beeindruckt hat: Maite Kelly! Diese Frau finde ich absolut unglaublich; unglaublich gut! Und wenn ich auch nur marginalst „auf Frauen gepolt“ wäre, hätte ich mich sowas von reinverliebt in sie! ;))

Oftmals schien es, dass sie ihre Rollen, die mit den einzelnen Tänzen verbunden waren, richtiggehend lebte. Die Mimik und Gestik, jede einzelne Bewegung und überhaupt der gesamte Eindruck inklusive Kleid und Make Up waren wirklich atemberaubend. In der gestrigen Show tanzte sie nach Wahl der Jury erneut den Quickstep nach „Bei mir biste scheen“ und es wirkte noch einmal, als wenn man sie aus einem Film ausgeschnitten hätte. Besser können es Profis auch nicht bringen! Es mag schwülstig wirken, wenn man liest, dass Harald Glööckler anmerkte, nicht Maite gehöre nach Hollywood, sondern Hollywood könne sich ein Beispiel an Maite nehmen. Schwülstig ja, aber nicht unzutreffend.

Anschließend tanzte sie mit ihrem Partner Christian Polanc den Paso Doble und es passierte etwas, das mir – insbesondere beim deutschen Fernsehprogramm – so gut wie nie passiert: Mir kullerten einfach die Tränen vor Begeisterung. Das war soooowas von schön! Für mich war bereits in dem Moment klar, dass sie damit den Sieg in der Tasche hat. Das war nicht zu toppen. Dachte ich. Aber, Irrtum: Es war noch zu toppen! Mit dem dritten Teil, Freestyle, brachen bei mir echt alle Dämme.

Herr Joachim Llambi als Wertungsrichter konnte sich zwar leider keine 10 als höchste Bewertung abringen, aber so ist er nun einmal. Ich bin bis heute dankbar dafür, dass ich mich nie seinem Urteil stellen musste! Das bitte ich allerdings nicht falsch zu verstehen: Ich halte sehr viel von ihm, schätze ihn und seinen Bewertungen. Er ist hart aber gerecht. Aber: Oftmals denke ich, Llambi ist sowas wie Bohlen für Vornehme! ;) Was er sagt, kann ich sehr oft bestätigen. Nur WIE er es sagt, finde ich häufig unangemessen. Aber nun denn.

In den letzten Jahren habe ich beobachtet, wie der Tanzsport immer mehr zum „Schlepp mich, dann gewinnen wir vielleicht“ mutiert. Bestes Beispiel dafür ist Isabel Edvardsson, die sich mittlerweile wohl fast nur noch, zumindest aber in jedem Tanz ein gefühltes Viertel der Zeit, von ihrem Tanzgerät über die Fläche tragen lässt. Das hat für mich nichts mit Tanzen zu tun. Zum Glück wurde es in dieser Staffel von „Let’s dance“ direkt mit einem Rausschmiss quittiert. Danke dafür. Was bleibt, und zwar unabhängig von jedweder Wertung der Jury, ist eine hochklassige Leistung von Maite Kelly!

Liebe Maite, was Du da abgeliefert hast, war für den klassischen Tanzsport und somit für die m. E. schönste Form des Turniertanzes, ein riesiges Kompliment! Von Deiner Leistung kann sich so mancher Profi, der im Gegensatz zu Dir mitunter monatelang Zeit hat, Tänze und Choreographien einzustudieren, eine richtig dicke Scheibe abschneiden!

*chapeau!

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Wer sich dafür interessiert oder meine Behauptungen unbedingt überprüfen will ;) kann sich in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0:30 Uhr auf RTL in der Wiederholung des Finales von „Let’s dance“ gern selbst überzeugen. Vielleicht ist es ratsam, die Sendung aufzunehmen. Dann kann man die Einlagen von Frau van der Vaart wenigstens vorspulen! ;)

 

P.S. Einige der Tanz-Auftritte sind auf der RTL-Seite abrufbar.

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Im Anschluss an die Kommentare zu meinem Beitrag „Sitzplätze? Immer gern genommen!“ fiel mir eine weitere Begebenheit von vor ein paar Jahren ein, die ich auch recht bemerkenswert fand:

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Feierabend. Ich saß in der U-Bahn und wollte, total erledigt, nur noch nach Hause! Da ich derzeit im Anzeiger Hochhaus gearbeitet hatte, was mitten in der Innenstadt liegt, füllte sich die Bahn immer recht schnell. Ich stieg in den Zug und fand sogar noch einen freien Sitzplatz. Nachdem ich geplatzt war, schloss ich die Augen und hoffte einfach, so schnell wie möglich an meiner Ziel-Haltestelle anzukommen. Plötzliches Gemotze ließ mich jedoch meine Augen wieder öffnen und kurz prüfen, wer es für wichtig hielt, seinem Unmut in so lauter und anmaßender Weise Luft zu machen. Die Umschreibung „kurz“ war dann allerdings relativ. Es ging mal wieder um einen Sitzplatz. Klar; worum sonst?!

Eine ältere Dame hatte sich schräg gegenüber von mir vor einem jungen Mann aufgebaut, der auf einem als solchem ausgewiesenen Behindertenplatz saß. Der junge Mann hatte auf seinem Körper alles aufbringen lassen, was im Zusammenhang mit Piercings und Tattoos genannt werden kann. Sozusagen ein wandelndes Bilderbuch mit Nadelkissen-Flair. Geschmackssache. Ich mag zahlreiche Tattoos, wenn sie gut gemacht sind. Piercings mag ich nur bedingt. Bis heute fehlt mir jedwedes Verständnis dafür, wie man auf die Idee kommen kann, sich sein Gesicht an Brauen, Lippen, Nase oder sonst wo freiwillig verstümmeln zu lassen. Aber ich muss es ja zum Glück weder tun noch verstehen.

Die ältere Frau bekam sich gar nicht mehr ein. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr die Beleidigungen und Anmaßungen kaum auszugehen schienen, die allesamt den jungen Mann auf „ihrem“ Platz zum Ziel hatten, war es schwer, den Eindruck zu bekommen, dass es sich um ein ältliches hilfloses Mütterchen handeln könnte. Der junge Mann kommentierte keine der ihn bombardierenden Gemeinheiten, was die ältere Dame nur noch mehr in Fahrt brachte. Sie hatte längst den Behinderten-Platz mir gegenüber eingenommen, hielt aber nach wie vor nicht damit hinterm sprichwörtlichen Berg, um was für ein Dreckspack es sich bei dem jungen Mann handeln würde. Es wäre der Gipfel der Unverschämtheit, dass er einer gebrechlichen alten Dame nicht sofort seinen Platz zur Verfügung stellte, obgleich er auf einem Behindertenplatz sitzen würde.

Der junge Mann schwieg weiterhin und ich begann ihn zu bewundern. Ab irgendeinem Punkt hätte ich diese Tiraden nicht mehr über mich ergehen lassen und mich zumindest mit unmissverständlichem Gesichtsausdruck vor der älteren Dame aufgebaut. Aber er blieb ganz ruhig sitzen und kommentierte lange Zeit keine einzige der ihn treffenden Bemerkungen. Ich weiß nicht mehr, welche der unsäglichen Beleidigungen es seitens der alten Dame war, die den Bilderbuch-Mann dann doch dazu verleitete, in die Innentasche seiner Jacke zu fassen. [Klammheimlich hatte ich gehofft, dass er eine Knarre zieht, aber das würde ich hier natürlich niemals schreiben! ;)]

Ganz ruhig, ganz sachte, zog er etwas heraus, stöberte kurz darin und beugte sich dann in Richtung der älteren Dame mit den sinngemäßen Worten

„Hier ist mein Behindertenausweis. Seit einem Unfall bin ich zu X % schwerbehindert und ich darf nicht nur, sondern ich muss auf diesem Platz sitzen. Darf ich jetzt bitte mal Ihren Behindertenausweis sehen?“

Die ältere Dame war nicht nur blitzartig still, sondern erbleichte zudem in einer Geschwindigkeit, die mich gedanklich bereits nach meinem Handy suchen ließ, um den Notarzt zu rufen. Die erneut, höflich und sehr ruhig vorgebrachte Bitte des jungen Mannes, den Behindertenausweis der alten Dame sehen zu möchten, quittierte diese mit einer schnippischen „Kopp in Nacken“-Geste und dem schweigend-starren Blick aus dem Fenster. In der U-Bahn. Allzu aufregend kann das, was sie da gesehen hat, nicht gewesen sein. Aber immerhin hatte sich mal wieder jemand in der Öffentlichkeit nicht nur bis auf die Knochen blamiert, sondern dafür gesorgt, dass es immer weniger Freude bereitet, einem anderen Menschen den Platz anzubieten. Es ist doch ZU interessant, was alles passieren kann, wenn man es nicht tut.

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P.S. Selbstverständlich räume ich meinen Platz nicht nur weiterhin, sondern auch sofort, wenn ein Mensch, der gebrechlicher wirkt als ich, die Bahn betritt! Aber: Freiwillig; und dann auch gern! Als mal ein junges Mädchen mit Gipsbein und sehr unglücklichem Gesichtsausdruck einstieg, habe ich mir auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, als ich ihr meinen Platz überließ. Wenn mir aber jemand unverschämt kommt, dann bleibe ich garantiert sitzen. Denn beim Räumen eines Sitzplatzes handelt es sich um eine Höflichkeit bis Gefälligkeit, nicht um eine Verpflichtung. Jeder, der ein reguläres Ticket besitzt, hat Anspruch auf einen Sitzplatz, sofern einer frei ist. Und zwar in jedem Alter!

P.S.2 Natürlich handelt es sich bei der beschriebenen „Dame“ um eine Ausnahme! Üblicherweise wissen sich Menschen zu benehmen. Und Hannoveraner sind sowieso per se höflich und zuvorkommend; klar doch. Die da oben muss von außerhalb gekommen sein! ;) Das sind dann aber meist genau diejenigen, die sich am lautesten darüber aufregen, dass die heutigen Jugendlichen kein Benehmen haben. Aber wie auch, wenn manche der heutigen Älterlichen mit solchen „Beispielen“ voran gehen …

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Längst hatte sie es aufgegeben, ihre Sucht zu verheimlichen. Wozu auch? Es würde nichts ändern. Sie hatte sich einen Ruf aufgebaut und den galt es zu bestätigen. Mit allen Mitteln, wenn es sein musste. Den um sie kursierenden Mythos würde sie aufrechterhalten. Das war sie ihrem Publikum schuldig. Ihr Kopf brannte. Mal wieder. Es war kein Wunder. Wusste sie doch, dass sie aufgrund der Medikation, die einige Ärzte für sinnvoll hielten, eben in dem Rahmen, den die Kasse bezahlte, keinesfalls Alkohol zu sich nehmen durfte. Selbst kleinste Mengen schossen ihr direkt den Kopf weg. Es war ihr egal. Hauptsache, sie konnte das, was man von ihr hielt, aufrechterhalten. Und das ging eben mit benebelten Sinnen am besten. Keiner derjenigen, von denen sie sich nur allzu gern anbeten ließ, hatte sie jemals persönlich gesehen. Aber gerade das machte den Reiz aus. Sie konnte behaupten was sie wollte, man glaubte es ihr. Mehr noch: Als sie anfänglich noch ab und zu versuchte, das von ihr virtuell gezeichnete Bild der Realität etwas anzunähern, glaubte es ihr niemand. Sie war die Grande Dame, ob sie wollte oder nicht. Mittlerweile wollte sie. Und sie genoss es.

Wie einfach es doch war, die Massen zu manipulieren. Ein irgendwo geklautes Bild mit Highheels als eigenes ausgeben und veröffentlichen; schon war sie die vornehme Madame, die nur auf hochhackigen Nobelschuhen ihren traumhaften Lebensweg beschritt. Dass sie überwiegend in flachen, abgewetzten Tretern, deren beste Zeiten seit Jahren vorbei waren, durch ihr ärmliches Leben trottete, vor allem, wenn der Rechner ausgeschaltet war, wusste ja niemand. Ihre mickrige Behausung hatte nicht einmal Schränke. In Kartons stapelten sich ihre paar Habseligkeiten, Dank derer sie wenigstens behaupten konnte, überhaupt etwas ihr Eigen zu nennen. Der gebrauchte Kühlschrank, den ein Bekannter ihr, vermutlich aus Mitleid, zur Verfügung gestellt hatte, kühlte ihr Abendessen: Eine Flasche Irgendwas; Hauptsache es knallt. Aber allein ein paar Worte über die große weite Welt in Geschichten, die sie irgendwo gelesen und als Inspiration genutzt hatte, verhalfen ihr zu dem Ruf, als weltgewandte Superfrau in einem wundervollen Appartement zu leben, sofern sie überhaupt gerade mal im Lande war. Dabei wäre es so einfach gewesen, ihr Spiel zu durchschauen: Nie hatte sie etwas von Freunden zu berichten oder von privaten Aktivitäten; eben irgendwas Realem. Wie auch? Natürlich musste sie tunlichst darauf achten, dass niemand hinter ihr Geheimnis kam. Ein intensiverer Kontakt und ihre angeblich so perfekte Welt wäre nur noch Geschichte.

Ihr Hilfsjob in einer sehr renommierten Firma verhalf ihr Dank des Firmennamens zu der Annahme, sie wäre wichtig. Darin sonnte sie sich. Warum auch hätte sie diesen Eindruck zerstören sollen? Allein die Herausgabe ihrer dienstlichen Telefonnummer machte mächtigen Eindruck bei manchen Menschen. Sie hörten auf zu denken, wenn man ihnen etwas richtig verkaufen konnte. Und das konnte sie. Dafür brauchte sie nicht einmal etwas Eigenes zu schaffen oder zu haben. Es genügte, den Eindruck zu erwecken, dass es so sein könnte, wie es andere sehen wollten. Wie andere sie sehen wollten. Warum sollte sie ihnen den Spaß nehmen. Hatte sie selbst doch das größte Vergnügen daran, zu erleben, wie blind und willig manche Menschen das, was man ihnen zum Fraße vor die Füße wirft, bereitwillig in sich hinein schlingen. Im richtigen Moment wohl dosiert, jedoch nur scheinbar, tiefstapeln und schon war alles wieder genau so, wie sie es haben wollte. Berichtete sie von einem Ausflug ans Wasser, wurde daraus eine luxuriöse Kreuzfahrt konstruiert. Sie selbst brauchte kaum noch etwas zu tun, um als Jetsetterin zu gelten. Und das Internet war voll mit Material, das sie stichwortartig unter’s willfährige Volk schmeißen konnte. Sie wurde bejubelt und auf Sockel gehievt. Anfänglich hatte sie sich noch etwas geziert, mittlerweile war es ihr recht. Vielmehr hatte sie ja eh nicht.

Nur dieser verdammte Alkohol … sie konnte einfach nicht damit aufhören. Viel zu abhängig war sie mittlerweile davon. Und das, obwohl sie wusste, dass unter anderem er sie umbringen würde. Geschichten von noblen Genussschuppen und sonstigen Etablissements, die sich die meisten ihrer Fans eh nie leisten könnten, versüßten ihr den Gedanken daran, es gerade mal wieder geschafft zu haben, genügend Geld zusammen zu kratzen, um sich in irgendeinem billigen Discounter eine Flasche Fusel zu besorgen. Nur so war es ihr möglich, mal wieder einen Abend zu überstehen. Der alte Rechner, der in ihrer Behausung stand und seit langem damit drohte, den Geist endgültig aufzugeben, wurde zur technisch neuesten Innovation des Laptop-Marktes, wenn sie ihn hochfuhr. Nur noch einloggen und ein bisschen Präsenz zeigen. Anfütterung der Massen. Es funktionierte immer. Sie kam und der Pulk johlte. Es war ein herrliches Gefühl. Wenn sie wüssten … Aber sie wissen es nicht und sie werden es nie erfahren. Ihren 60. Geburtstag wird sie sowieso nicht mehr erleben. Kurz davor wird sie ihre glamouröse Scheinwelt verlassen. Doch eines wird bleiben: Die Illusion der ewig jungen Grande Dame; die wird sie für einige immer bleiben. Wenigstens dafür hatte sie ausreichend Vorsorge getroffen.

© skriptum ’08

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Lange schon hatte ich den Eindruck, dass ziemlich systematisch alles aus dem symbolischen Feld geräumt wird, was möglicherweise als Alternative für das Amt des Bundeskanzlers in Frage kommen könnte. Da wurden Volks(ver)treter aus ihren Ämtern gemobbt oder auf andere Weise so lange traktiert, bis sie fast ganz freiwillig ihre Posten geräumt hatten. Hauptsache, sie kamen für eine potentielle Kandidatur gegen die uns aller aufgedingsten Kundesbanzlerin nicht mehr in Frage. Welche alternative Veranlassung könnte es geben, einen Herrn Wuff zum Pundesbräsidenten zu machen?

Aber dann kam blöder, blöder Weise Herr zu Guttenberg und machte sich in der Bevölkerung mächtig beliebt. Es mag daran gelegen haben, dass er seinen eigenen Kopf hat. Vielleicht ist es durch die Tatsache begründet, dass er sich nicht ständig und sofort zu irgendwelchen Äußerungen und Mutmaßungen hinreißen ließ, nur weil die landeseigene Journaille unbedingt eine dufte Schlagzeile für die nächstmorgendliche Schlacht am kalten Kiosk braucht. Ein Minister, der zunächst Fakten sammelt, um sich selbst ein Urteil zu bilden, bevor er an die Öffentlichkeit geht, ist natürlich zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Klar doch!

Erschwerend dazu kommt, dass er eine Frau an seiner Seite hat, die nicht mal mit Gewalt in die Weibchen-Schublade passt. Beide sind m. E. absolute Sympathieträger, und das sogar unabhängig voneinander. Schlimmer geht es ja kaum, wenn unbedingt vermieden werden soll, dass sich eine akzeptable Konkurrenz zu der politische Spitze dieses Landes öffentlich etablieren und verhängnisvoller Weise beim schnöden Wahlvieh auch noch beliebt machen könnte.

Insofern war für mich schon seit längerem klar, dass rein zufällig irgendwas passieren würde, vorzugsweise natürlich rechtzeitig vor den nächsten Wahlen, um Herrn zu Guttenberg aus dem Amt zu hebeln. Die Frage war im Grunde nur noch: Was?! Tja … nun wissen wir es.

Was ich von Plagiaten halte und ganz generell davon, sich an fremdem Eigentum zu bedienen, dürfte außer Frage stehen. Es ist schon in meinem ureigenen Interesse, dass es sowas wie das Urheberrecht nebst Persönlichkeits- und Verwertungsrecht gibt. Durch diese Rechtsgebiete muss niemand durchsteigen, der etwas veröffentlichen will. Es reicht, sich einfach mal folgendes vorzustellen:

„Du“ schreibst eine Geschichte und findest sie so rrrrichtig gut. Also veröffentlichst Du sie auf Deinem Blog. Weil Du nicht der einzige Mensch bist, der sie gut findet, kommt jemand, kopiert sich Deine Geschichte und veröffentlicht sie auf seinem Blog. Nicht nur, dass er Dich nicht gefragt hat, ob er das überhaupt darf. Nein, er behauptet auch noch, dass er sie selbst geschrieben hat. Allein der Verzicht auf eine ordentliche Quellenangabe suggeriert ja bereits, dass der Veröffentlicher auch der Urheber ist. Also heimst er für die von ihm geklaute Geschichte, die ja Deine ist und an der Du alle Rechte besitzt, mit stolz geschwellter Brust das Lob ein, das Dir zustehen würde.

Frage: Wie findest Du das?

Wer sich diese Frage ehrlich beantwortet, dürfte in Zukunft ganz freiwillig darauf verzichten, sich an fremdem Eigentum zu bedienen und damit schlicht und ergreifend Diebstahl zu begehen. Es sei denn, er ist gestern erst vom Baum gefallen und völlig merkbefreit. Davon abgesehen wird m. W. niemand dazu gezwungen, Texte oder Bilder zu veröffentlichen. Wer also keine eigenen Ideen hat, tut möglicherweise gut daran, einfach gar nichts zu veröffentlichen. Moralisch und rechtlich ist das dann sicher die bessere Alternative.

Inwieweit nun die Plagiats-Vorwürfe gegen Herrn zu Guttenberg zutreffend sind oder nur dazu dienen, möglichst viel Wind um einen lauen Pups zu machen, weiß ich (noch) nicht. Langsam habe ich den Eindruck, dass ihm bereits die Verwendung des Alphabets zum Schreiben seiner Dissertation als Plagiat ausgelegt wird. Soweit ich weiß ist es jedoch innerhalb solcher Werke nicht zulässig, nur Bilder zu malen. Man muss schon Worte verwenden. Dazu kommt die Frage, ab wann etwas als Plagiat gilt. Wenn zwei, drei Wörter in Folge bereits irgendwann auf dieser Welt einmal so formuliert wurden? Zählen „der“, „die“ und „das“ dazu oder gehen die extra?

Wenn er tatsächlich ganze Absätze oder sogar komplette Artikel abgekupfert hat, ohne die entsprechenden Quellen klar zu nennen, dann hat er es sich redlich verdient, richtig auf die Glocke zu kriegen. Keine Frage! Und dann muss ihm sein Dr.-Titel auch aberkannt werden. In der Folge hieße das tatsächlich, dass seine Glaubwürdigkeit für die Tonne ist und er selbst als Minister untragbar. Einige werden dann möglicherweise aufschreien „Ziel erreicht!“. Andere sich fragen, wie sie ihm jemals glauben konnten.

Aktuell stellt sich für mich die Situation jedoch so dar, dass er machen kann was er will: Es wird ihm sowieso als falsch ausgelegt. Er wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Diese hat er am Freitagvormittag abgegeben. Fragen hat er anschließend nicht zugelassen. Das ist m. E. nicht überraschend; er bleibt lediglich seinem bereits lange gezeigten Stil treu und diskutiert nichts, worüber es aktuell nichts zu diskutieren gibt. Insofern finde ich das weder unangemessen noch verwunderlich.

Wenn man es mal rechtlich betrachtet, steht es jedem Beschuldigten zu, die Aussage zu verweigern. Ein Beschuldigter muss nicht seine Unschuld beweisen, sondern der Beschuldigende muss die Schuld des Beschuldigten nachweisen. Das ist vor jedem deutschen Gericht so und gilt gleichermaßen für Minister. Okay: Frau Kundesbanzlerin scheint das noch nicht verstanden zu haben und hat sich aufgrund dieses vermeintlichen Nichtwissens vor ein paar Jahren in ihrer Rede vor der UN-Vollversammlung bis auf die nackten Knochen blamiert. Auch verzichtet sie gern mal darauf, die Urheber von Zitaten, die sie in ihren Reden verwendet, kenntlich zu machen. Aber das alles ist ja zum Glück nicht bei jedem die Regel.

Mittlerweile schießen im Internet Seiten aus den Sphären, auf denen Zitat-Stellen veröffentlicht werden, die „nachweisen“, dass zu Guttenberg sich anderer Quellen bedient hat. Was für ein zum Himmel schreiender Schwachsinn! Da das völlig legitim ist und sich diese Frage gar nicht stellt, wünsche ich mir für diejenigen, die ihre Zeit mit derartigem Unsinn verplempern müssen, etwas mehr eigenes Leben oder wenigstens ein aufregendes Hobby. Backsteinweitwurf und Wettklöppeln sollen ja groß im Kommen sein. Worum es lediglich geht ist, ob zu Guttenberg die von ihm frequentierten Quellen im Quellenverzeichnis ordnungsgemäß genannt hat. Soweit nachzuforschen … dafür reicht es dann jedoch bei zahlreichen, übereifrigen Jägern und Sammlern leider nicht.

Festzuhalten bleibt aktuell nur: Es steht ein Vorwurf gegen Herrn zu Guttenberg im Raum, der nicht ganz unerhebliche Folgen haben könnte, sofern er sich tatsächlich bestätigen sollte. Dieser Vorwurf wird aktuell geprüft und der Beschuldigte muss bis zum Abschluss dieser Prüfung rein gar nichts dazu sagen. Geschweige denn diskutieren oder zur Diskussion stellen oder sich selbst dazu einer Diskussion stellen. Ob das der Journaille passt oder nicht, ist völlig irrelevant. Sofern sich die Vorwürfe tatsächlich bewahrheiten sollten, würde ich das nicht nur sehr schade finden, sondern als wirklichen Verlust in der deutschen Politik-Szene. Herr zu Guttenberg stellt für mich endlich einmal wieder einen Menschen dar, den ich gewillt wäre, ohne Verschwurbelungen als Volksvertreter zu bezeichnen. Darauf habe ich inzwischen wirklich verdammt lange gewartet.

Aber dass sich diese Kampagne in Wohlgefallen auflösen wird … damit ist wohl leider nicht (mehr) zu rechnen.

 

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Manche Übernachtungen hinterlassen Erinnerungen, die man lieber aus seinem Gedächtnis streichen würde. So geschehen während eines Skiurlaubs in Österreich:

Die Wetterverhältnisse ließen ein Überqueren des Passes mit einem Porsche, der ansonsten seinen Dienst wirklich absolut einwandfrei versehen hatte (!), bei den plötzlich eingetretenen Schneeverhältnissen dann aber doch die sprichwörtlichen Segel streichen musste, einfach nicht zu. Also mussten wir für den nächstmorgendlichen Autozug einchecken und uns eine Unterkunft für die Nacht suchen. Da es sich um einen sehr kleinen Ort handelte, gab es nicht allzu viele Hotels oder Pensionen und die die es gab, waren überwiegend ausgebucht. Schließlich fanden wir doch noch ein … Gemäuer … das von außen schon so gruselig aussah, dass ich da freiwillig nie eingecheckt hätte. Aber was blieb uns übrig?

Der Weg zu unserem Zimmer führte durch das gesamte Gebäude. Mindestens. Hoch, runter, links, rechts, kreuz und quer. Circa 10 Minuten vor Erreichen unseres Zimmers hatte ich das Gefühl, dass wir inzwischen den Ort längst verlassen haben müssten, wenn wir uns nicht noch immer im gleichen Gebäude befänden. Das Zimmer ansich war recht ordentlich. Eben so burg-like eingerichtet: Riesiges Bett, eine Waschgelegenheit (Toilette irgendwo auf dem Flur), dicke (sehr dicke!) Teppiche und darunter unheimlich knarrende Holzdielen, wie auch schon im gesamten Flur- und Treppenhaus-Bereich.

Nach Abstellen unserer Klamotten fanden wir tatsächlich den Weg zurück zur Rezeption und damit zum Restaurant. Oder das, was dort „Restaurant“ genannt wurde … Spelunke hätte es möglicherweise besser getroffen. Das Essen war anständig, der Wirt offensichtlich ein Bruder von Frankenstein (oder sogar er selbst?) und die weiteren Gäste schienen alle schon lange in diesem Haus zu wohnen oder gar dort (hergestellt worden oder) geboren zu sein. Wir fühlten uns wie Außerirdische und wurden auch genau so angestarrt.

Auf unsere Frage, ob man uns gegen fünf Uhr wecken könne, weil wir unbedingt den Autozug bekommen müssten (und keinen Wecker dabei hatten), bekamen wir samt der ungefragt gebrachten Rechnung ein knappes „Wecken ist nicht!“ auf den Tisch geklatscht. Das war’s. Entsprechend unruhig war die Nacht:

Wenn ich befürchte zu verschlafen, kann ich überhaupt keinen Schlaf finden. Also lag ich die ganze Nacht wach und wippte ungeduldig mit den Füßen, unruhig auf den Morgen wartend und mir einen ansich dringend notwendigen Toiletten-Besuch schmerzhaft verkneifend. Mich hätten keine 10 Pferde alleine aus dem Zimmer bekommen! Eine solche Situation hat bekanntermaßen zur Folge, dass man jedes Geräusch, was des nächtens durch Räumlichkeiten hallt, wesentlich intensiver hört, als es einem lieb sein kann. Mir zumindest.

Die Zimmertür konnten wir nur mit einem riesigen Schlüssel „verschließen“. Um die Tür mit einer Scheckkarte zu öffnen, hätte man sie nicht durch den Türrahmen schieben, sondern schlicht im Schloss drehen müssen. Einen allzu sicheren Eindruck machte das also nicht. Im Bett liegend konnte ich dem entsprechend durch das Schlüsselloch auf den Flur gucken. Jeder vorbei huschende Schatten drängte mir den Gedanken auf, dass wir gleich nicht mehr allein wären. Ein unheimliches Gefühl und nicht zwingend dazu geeignet, sich zu entspannen und einzuschlafen.

Was ich aber noch viel schlimmer fand war, dass ich ja wusste, dass die Holzdielen ausnahmslos bei jedem Schritt sehr knarrten, wenn man darüber ging. Die nächtlichen Schatten vor der Tür machten aber keine Knarrgeräusche, was mir wiederum die Vermutung aufdrängte, dass ich entweder inzwischen halluzinierte oder es sich um fliegende Geister handeln musste. Vermutlich durch Schritte hervor gerufenes Knarren war nur dann zu hören, wenn keine Schatten vor der Tür sichtbar waren. Das alles war eher weniger dazu geeignet, mich in Ruhe Schlaf finden zu lassen. Da half nicht einmal das selige Schnarchen meines Bettnachbarn.

Wie wir am nächsten Morgen aufgewacht sind, ob ich überhaupt geschlafen habe und ob wir frühstückten, erinnere ich nicht mehr. Auch ist mir der Name des Ortes und des Hotels entgegen meiner sonstigen Merkfähigkeiten völlig entfallen. Und die Tatsache, dass nach ca. 20 Metern auf der absolut (!) geraden Straße zum Bahnhof beim Zurückblicken das Hotel nicht mehr zu sehen war, beunruhigt mich inzwischen nicht mehr. Ich habe es mittlerweile so zur Kenntnis genommen und gehe davon aus, dass ich da vermutlich eh nie wieder hinfahren werde …

© skriptum
[03.04.2006]

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