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Nah am Wahnsinn aus Liebe zueinander und Sekunden dauern Jahre

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     Es war schön. Es war einfach nur endlos schön.
     Doch sie konnten es beide nicht so richtig fassen.
     Wo sollte das noch hinführen?

Sie schrieben sich Tag und Nacht SMS und Mails. Telefonierten. Schickten sich Fotos. Hatten nicht enden wollendes Verlangen nacheinander. Geplant war, dass sie sich am nächsten Wochenende wieder sehen würden. Doch eine Woche mit fünf ganzen Arbeitstagen war so schrecklich lang.

Zu ändern war es nicht. Sie hatten beide ihre Jobs. Wollten und konnten nicht riskieren, irgendwann ihre Gehälter mit Schleifchen zu bekommen. Also blieb nichts anderes, als sich die Woche über zu gedulden. Und es war die Hölle auf Erden.

     Es war so schön. Alles so unglaublich schön.
     Und es war kaum zu fassen.
     Es tat schon weh.

Sobald sie getrennt waren, zergingen sie vor Sehnsucht nacheinander. Und auch das Runterzählen der Stunden bis zum nächsten Wiedersehen brachte ihnen nicht wirklich Erleichterung.

Plötzlich war klar, dass sie sich nicht mehr bis zum Wochenende gedulden konnten. Er änderte Termine und schlug vor, bereits am Donnerstag zu ihr zu kommen. Nach dieser Nachricht war sie völlig aus den Häuschen. Sie freute sich so unbändig. Und sie wusste, dass dieser eine Mann in ihrem Leben besser war, als jede Woche irgendeinen Jackpot zu knacken.

Donnerstag wachte sie früh auf. Eigentlich spielten sich beim ersten Läuten eines ihrer Wecker immer Dramen ab. Vier Wecker hatte sie inzwischen um ihr Bett stehen, damit sie es überhaupt schaffte, sich morgens aus den Federn zu quälen. Aber an diesem Morgen war sie bereits vor dem ersten Läuten wach. Sie sprang aus dem Bett und als erstes fuhr sie ihren PC hoch.

Ganz sicher war über Nacht eine Email von ihm gekommen. Gespannt wartete sie, bis sich die Seiten aufgebaut hatten. Und tatsächlich. Mitten in der Nacht hatte er ihr noch einen lieben Gruß geschickt, um sie mit einem Lächeln den neuen Tag beginnen zu lassen. Und das tat sie ganz sicher. Das wusste auch er genau.

Danach ging sie lächelnd duschen, trank ihren Kaffee und dann ab in den Job. Es war Donnerstag. Abends hätten sie sich endlich wieder. Zwei Tage vor dem ersehnten Wiedersehen würden sie sich nun schon in die Arme fallen können. Warum war sie so ungeduldig. Der Tag wollte einfach nicht zu Ende gehen. Bis zum Abend waren es noch so viele Stunden. Stunden die vergehen würden, doch es schien ihr schier endlos zu dauern.

     Es war so schön. Alles so unglaublich schön.
     Und es war kaum zu fassen, was da in beiden vor sich ging.
     Es tat schon weh.
     Und selbst Sekunden schienen plötzlich wochenlang zu dauern.

Endlich Feierabend. Sie fuhr nach Hause. Auf dem Weg kaufte sie noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen ein. Zuhause angekommen bereitete sie alles soweit vor.

Es waren noch immer ein paar Stunden. Sie legte sich auf die Couch und wollte noch ein wenig schlafen. Die Nacht würde sicher deutlich kürzer, als sie es eigentlich brauchte, um am nächsten Tag fit zu sein. Außerdem wollte sie auf ihn nicht total abgehetzt wirken.

Sie lag im Wohnzimmer und starrte an die Decke. Sie schloss die Augen, sah ihn in Gedanken vor sich und geriet sofort ins Träumen. Er war auf dem Weg zu ihr. Kam immer näher. Sie lächelte. Spürte ihren Herzschlag wie ein Beben im ganzen Körper. Konnte IHN schon fast spüren. Seine weiche Haut. Seine Lippen. Seinen Atem. An Schlaf war gar nicht zu denken. Sie war viel zu nervös.

Er hatte verständlicher Weise noch Schwierigkeiten, den Weg durch die Stadt zu ihr zu finden. Deshalb meldete er sich bisher immer telefonisch, so dass sie ihn die letzten Meter lotsen konnte. Also wusste sie auch an diesem Abend, dass sie noch Zeit hatte. Bisher war er noch fast zweihundert Kilometer entfernt. Sie stand wieder von der Couch auf. Ordnete ein paar Dinge in der Wohnung und ging dann ins Bad.

In aller Ruhe genoss sie das heiße Wasser der Dusche auf ihrer Haut. Er kam näher. Sie spürte es ganz deutlich. Aber noch hatte das Telefon nicht geklingelt. Also musste es noch einige Zeit dauern. Diese Zeit ließ sie sich auch im Bad. Legte in aller Ruhe etwas Make-Up auf. Zog sich einfach erst mal nur ein Negligé über. Sie hatte keine Ahnung, was sie später tragen wollte. Alles was zählte war, dass er bald bei ihr war.

Als sie noch in alle Ruhe völlig gedankenverloren vor dem Spiegel stand, klingelte es plötzlich an der Tür. Sie erschrak furchtbar und sah zum ersten Mal seit Stunden auf die Uhr. Außer ihm konnte das niemand sein. Das Telefon hatte nicht geklingelt. Ihre Gedanken liefen Amok als sie den Türöffner betätigte. Wie sah sie aus. War in der Wohnung alles okay? Kerzen angezündet? Nein, natürlich nicht! Sie fluchte innerlich. Wie konnte sie so die Zeit vergessen …

Er kam strahlend die Treppe hinauf. Sie fragte nur ironisch und gespielt lässig ob er den Weg tatsächlich inzwischen alleine findet. Er grinste sie an, antwortete aber nicht. Stellte nur seine Tasche ab und sie fielen sich in die Arme. Seine Küsse waren so fordernd, als hätte sie sich seit Wochen nicht mehr gesehen. Die Welt um sie herum schien völlig aus der Laufbahn zu geraten. Und wenn sie es tatsächlich getan hätte … sie hätten es nicht registriert.

     Es war so schön. Alles war so phantastisch schön.
     Es war nicht zu fassen, was da mit beiden passierte.
     In diesem Moment tat es nicht weh.
     Es war einfach nur wundervoll.

Sie hielten sich in den Armen. Küssten sich um gleich wieder fest umschlungen in ihren Armen zu versinken. Keiner von beiden wollte sich lösen. Minutenlang standen sie so, bis die Nässe seines Mantels ihr dünnes Negligé durchdrungen hatte. Sie lösten sich. Nur ungern. Keiner ließ den anderen aus den Augen. Keiner ging am anderen vorbei, ohne ihn wenigstens kurz zu küssen. Sie hatten sich wieder. Nach endlos scheinenden 96 Stunden konnten sie sich endlich wieder sehen. Fühlen.

Wie 12-jährige Backfische führten sie sich auf. Alberten durch die Wohnung. Sahen sich stumm an. Fielen sich wieder und wieder in die Arme. Küssten sich als wäre es das erste Mal. Küssten, als wäre es das letzte Mal. Sie gingen zum Esstisch und stießen miteinander an. Aßen ein wenig. Genossen es einfach pur, den anderen endlich wieder bei sich zu haben.

Sie unterhielten sich zwar doch keiner von beiden hatte die Ruhe, sich auf irgendein Gespräch zu konzentrieren. Zu groß war das grenzenlose Verlangen nach einander. Sie sahen sich in die Augen. Hörten fast auf zu atmen. Endlich wieder vereint. Endlich wieder den Menschen bei sich, den man so sehr vermisst hatte. Den Menschen, der in so kurzer Zeit zum Ein und Alles geworden war. Den Menschen, der alles Verlangen, jede Begierde weckte und erhielt.

Die Spannung war nicht mehr zu ertragen. Ihre Lippen fanden sich und das Spiel, was dann einfach nur noch losbrach hatte keine Regeln. Passierte einfach. Wie alles zwischen ihnen einfach passierte. Jede Berührung. Jeder Kuss. Jeder Blick. Jeder Atemzug der den Körper des anderen streifte um augenblicklich Beben auszulösen, die mit nichts auf der Welt vergleichbar waren. Fallen lassen. Den Kopf ausschalten. Einfach pur genießen. Wissen, was auch immer passiert, passiert mit DEM Menschen. Und es ist gut. Es ist einfach endlich gut.

     Es war so traumhaft. Alles war unwirklich real. Unfassbar.

Nichts könnte ihnen jemals wirklich wehtun, solange sie füreinander da waren. Sie versanken einfach ineinander. Er wollte einfach nur noch sie. Und

sie ihn!

© skriptum
[27.01.2002]

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Vom Sinn und Unsinn der Partnersuche und was passiert wenn’s passiert …


    Sie war glücklich so wie sie lebte. Sie hatte alles, was sie wollte und die paar Situationen, in denen sie sich nach Nähe und Wärme sehnte, bekam sie auch so ganz gut in den Griff.

Ein paar Jahre hatte sie in einer Beziehung gesteckt, die ihr schlussendlich nur einen bitteren Nachgeschmack ließ. Nachdem sie dieses Fiasko beendet hatte, konzentrierte sie sich auf ihren Job, ihre Freunde und ihr ureigenes Leben … ein Leben ohne den Störfaktor Mann. Und sie war glücklich.

Ein paar kleinere oder auch mal etwas intensivere Affären waren da schon aber nichts, was sie wirklich nachhaltig beeindruckt hätte. Sie wollte ja auch nicht. Sie suchte nicht und vom Finden-Lassen hielt sie auch nichts. Wenn sie wollte, wäre es kein Problem. Doch meist war sie ganz froh, wenn sie einfach wieder ihre Ruhe hatte.

Ihr Job nahm sie Tag und Nacht in Anspruch. Klar hätte sie das ändern können. Wenn sie nach Hause kam, einfach mal den Kopf abschalten und Feierabend machen. Aber wozu? Es störte ja keinen. Da war ja niemand, der an sie den Anspruch stellte, gehört, registriert, geliebt zu werden. Und das war ja auch sehr okay.

Sie empfand es als angenehm, abends einfach mit einem Buch zu versacken. Auch wenn sie nach langem Lesen oft genug feststellte, nicht zu wissen, um was es in dem Buch eigentlich ging, da ihre Gedanken die ganze Zeit abschweiften. Aber das machte ja nichts; sie konnte es ja irgendwann nochmal lesen.

Sie kochte auch gern stundenlang. Es war ihr zwar verhasst alleine zu essen aber das machte ja nichts. Wenn sie den Eindruck hatte, sie müsse mal wieder in Gesellschaft essen, rief sie eben eine Freundin an oder ging mit irgend jemandem zum Essen. Außerdem war es doch so praktisch: ausgiebig kochen mit allen möglichen Raffinessen, während dessen die Gedanken baumeln lassen und danach das Kunstwerk allein vor dem PC verdrücken. Es war ja niemand da, der an sie den Anspruch an einen gedeckten Tisch gestellt hätte. Wozu also?

Es gab Phasen in ihrem Leben, in denen sie jedes Wochenende, ja fast jeden Abend, unterwegs war. Freunde, Familie besuchen oder auch besucht werden. Dann wieder Phasen, in denen sie sich total einigelte und – neben ihrem Job – einfach nur ihre Ruhe haben wollte. Das ging ja auch einfach so. Sie war ja niemandem Rechenschaft schuldig und konnte somit tun und lassen was sie gerade wollte.

Sie wuselte mitunter im Internet rum … Mailen, chatten, engagieren … Die Vielzahl von Kontakten, die sie über dieses Medium pflegte, verhinderte oft genug, sich wirklich auf die einzelnen Personen zu konzentrieren. Meist reichte ihr dieser oberflächliche Umgang. Immerhin wollte sie ja nicht jeden einzelnen heiraten. Sie wollte diese Form von Kontakten auch gar nicht wirklich intensivieren. Ihr Freundeskreis war so schon groß genug, um ihr das Gefühl zu geben, ihren – zumindest moralischen – Verpflichtungen kaum noch nachkommen zu können. Sie wollte sich, wenn sie im Internet war, abends einfach noch ein bisschen ablenken und das klappte auf diese Weise ganz gut.

    Denn: sie war glücklich so wie sie lebte. Sie hatte alles, was sie wollte und die paar Situationen, in denen sie sich nach Nähe und Wärme sehnte, bekam sie auch so ganz gut in den Griff. Sie liebte ihre Unabhängigkeit sehr.

Sie wollte ja nicht. Doch plötzlich passierte etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Ihr Herz raste, sobald sie seinen Namen las. Sie schrieb ihm aber seine Reaktionen waren mehr als dürftig. Also schrieb sie nicht mehr. Zog sich zurück und dachte doch ständig an ihn. Schrieb ihm wieder. Wartete auf Antwort. Oft genug vergeblich. Plötzlich reagierte er doch. Sie schrieben hin und her. Von bla-bla-bla über mal-ganz-nett-mailen bis hin zu heißesten Wortgefechten, die sie fast wahnsinnig machten. Sie wollte ja nicht aber dieser Mann löste in ihr ein Verlangen aus, das kaum noch zu beschreiben war.

Es dauerte nicht allzu lange, bis sie das was beide sich schrieben wirklich erleben wollte … musste! Sie wollte ihn sehen. Worte die per mails und Telefon hin und her geflogen war erleben. Mit ihm. Unbedingt. Sie verabredeten sich. Sie trafen sich. Small Talk und Wahnsinn auf einer Stufe. Körperliches Verlangen in ihr ohne Ende. Ihn zu sehen war für sie die Hölle. Sie wollte mehr.

Plötzlich stand er vor ihr und sah sie an. Sie zitterte am ganzen Körper und wollte nur noch eines: ihn. Er kam näher. Sah sie an. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Lippen die sie küssen wollte, Lippen die sie küssen wollten. Langsam nahm er ihren Kopf in seine Hände und zog sie sanft an sich. Erst da bemerkte sie, daß auch er zitterte. Genauso aufgeregt war wie sie. Der erste Kuss. Ihr Herz raste. Sie versank regelrecht in diesem Kuss. Sie versank in ihm. Er in ihr.

Seine Hände auf ihrer Haut. So sehr hatte sie sich das gewünscht. Sie genoss jede kleinste Berührung von ihm. War unersättlich. Wollte jeden Zentimeter seines Körpers spüren. Wieder und wieder. Mehr und mehr. Jeder Hauch seines Atems auf ihrer Haut löste in ihr Beben aus. Ihn zu spüren. Bei sich. An sich. In sich. Sie war kurz davor durchzudrehen. Viel zu lange hatte sie so etwas schönes nicht mehr erlebt. Gar nicht zugelassen. Fast vergessen wie es ist vor Genuss und Verlagen zu zergehen.

    Sicher: sie war glücklich so wie sie lebte. Sie hatte alles, was sie wollte und die paar Situationen, in denen sie sich nach Nähe und Wärme sehnte, bekam sie auch so ganz gut in den Griff. Aber das was sie nun gerade erlebte wollte sie nicht mehr hergeben.

Irgendwann ging er. Sie blieb zurück. Mit ihren Gedanken. Mit ihren Sehnsüchten. Mit ihrem nicht erloschenen Verlangen nach ihm. Mit seinem Duft auf ihrer Haut.

Sie hatte nichts gesucht und etwas wundervolles gefunden. Etwas gefunden was sie nicht wollte. Und das was sie nicht wollte vermisste sie schon in der Sekunde, als sich die Tür hinter ihm schloss.

    Klar war sie glücklich so wie sie lebte. Schließlich hatte sie alles was sie brauchte und die Situationen, in denen sie sich nach Nähe und Wärme sehnte, könnte sie auch irgendwie in den Griff bekommen. Doch plötzlich würde sie sehr gern abends nach Hause kommen, auch im Kopf Feierabend machen, den Tisch decken und all die Dinge tun, die sie längst kaum noch tat.

Mit ihm!

© skriptum

[15.01.02]

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Müde. Im Moment bin ich einfach nur endlos müde. Ich schlafe soviel wie noch nie und doch ist da immer diese bleierne Müdigkeit. Liegt’s am Wetter? Habe ich zuviel um die Ohren? Werde ich alt? Zu letzterem bitte keine Bemerkungen!

Müßig zu erwähnen, dass ich heute früh verschlafen habe.

Macht aber nichts; meine Chefin kommt eh immer deutlich später als ich.

Also mal wieder im Schnelldurchlauf den Morgen hinter mich bringen. Klamotten raus suchen, reinschmeißen, rausschmeißen, duschen, Zähne putzen, wieder in die Klamotten reinschmeißen, drin bleiben, Tasche schnappen und los zur Bahn. Sauwetter.

Müßig zu erwähnen, dass ich einen großen Schirm vergessen hatte, mitzunehmen.

Macht aber nichts; ich habe ja immer meinen kleinen Schirm in der Tasche.

Doch, doch, heute tatsächlich. Also frickelte ich ihn zwischen Stechschritt und Eiltempo aus der Tasche, achtete dabei nur leider nicht so genau auf den Weg. Und ZACK … umgeknickt. Das war mir letzte Woche schon einmal passiert und logischerweise hatte ich mir dabei einen Absatz abgebrochen. Die letztwöchigen Schuhe Modell „abgebrochener Absatz“ waren beim Schuster und müssten inzwischen repariert sein.

Müßig zu erwähnen, dass mir an diesem Morgen selbstredend wieder ein Absatz abgebrochen ist.

Macht aber nichts; ich wollte eh die anderen Schuhe vom Schuster abholen.

Also weiter zur Haltestelle. In strömendem Regen. Humpelnd. Versteht sich. Füße nass weil Schuhe offen. Und kaputt. Der Eine zumindest. Der Andere nicht. Nur dass mir das in dem Moment nicht zwingend weiter half. An der Haltestelle angekommen war ich total groggy.

Müßig zu erwähnen, dass an diesem Morgen und bei diesem Wetter mindestens drei Bahnen ausfielen.

Macht aber nichts; ich musste ob meiner doch recht eigentümlichen Gehweise eh erst mal in Ruhe durchatmen.

Auf dem Weg zwischen Haltestelle und Sender überlegte ich, ob ich mir vom Bäcker was mitnehme. Im Büro-Kühlschrank habe ich eigentlich immer Aufschnitt und Butter. Also entschied ich mich für drei einfache Brötchen.

Müßig zu erwähnen, dass es in der Kasse mal wieder keinerlei Kleingeld gab.

Macht aber nichts; ich wollte meine 75 Centstücke eh irgendwann mal loswerden.

Im Sender angekommen war ich einfach nur froh, endlich im Trockenen zu sein und steuerte, nachdem ich mir die morgendliche Post geschnappt hatte und inzwischen mit Tasche, klatschnassem Regenschirm, Brötchentüte und Post reichlich bepackt war, humpelnd mein Office an.

Müßig zu erwähnen, dass ich meinen Büroschlüssel zuhause vergessen hatte.

Macht aber nichts; der Generalschlüssel war nicht auffindbar und meine Chefin kam nur knapp eine Stunde später.

In der Zwischenzeit hatte ich mir überlegt, dass mir ein Brötchen neue Kräfte verleihen könnte. Also holte ich mir aus der Teeküche siegessicher einen Teller und ein Messer. Zurück am Kühlschrank, in dem ich meine Lebensmittel aufbewahre, lud ich alles ab und öffnete die Kühlschranktür.

Müßig zu erwähnen, dass ich doch keinen Aufschnitt mehr dort hatte.

Macht aber nichts; die Butter war auch alle.

Trockene Brötchen mag ich ja nun nicht unbedingt. Zumindest nicht so gern, dass ich mich darum prügeln würde. Musste ich aber auch nicht. Außer mir wollte sie sonst auch niemand. Also mümmelte ich aus Langeweile wenigstens eines der (trockenen) Brötchen in mich hinein. Nachdem mein Office seine wundersame Öffnung erfahren hatte, legte ich zunächst los. Gegen Mittag humpelte ich dann siegessicher zum Schuster, um die inzwischen reparierten Schuhe abzuholen und die heute verunglückten gleich dort zu lassen.

Müßig zu erwähnen, dass ich letzte Woche nur den kaputten Schuh dort gelassen hatte. Den Verletzten. Der Unverletzte stand zu Hause.

Macht aber nichts; ich wollte eh mal nach neuen Schuhen gucken.

Das von mir – okay: inzwischen ein wenig genervt – angesteuerte Schuhgeschäft hatte wirklich so rein gar nichts im Angebot, von dem ich auch nur annähernd hätte behaupten können, dass es mir gefällt. Na ja, der Verkäufer war ganz nett aber ich wollte ja keinen Kerl, sondern Schuhe. Also kaufte ich irgendwas in meiner Größe, zog „es“ an und ging zurück zum Schuster, um die kaputten Schuhe endgültig dort abzugeben.

Müßig zu erwähnen, dass ich die gerade erstandenen „Etwasse“ schon sch**** fand, als ich in ihnen den Schuhladen gerade mal ein paar Schritte verlassen hatte.

Macht aber nichts; irgendwie ist das anscheinend eh ein gebrauchter Tag.

Zurück im Office war es relativ ruhig, so dass ich tatsächlich das aushäusige Wetter zeitlich wahrzunehmen im Stande war. Es wechselte im dreiviertel Takt. Unglaublich. So viele Wetter an einem Tag … das hat schon was! Als ich den Feierabend in Angriff nahm, war der Himmel bedeckt. Also schob ich meine Sonnenbrille ins Etui und verbuddelte dieses in der Tasche, nachdem ich den Schirm heraus gezogen hatte. So gerüstet verließ ich den Sender.

Müßig zu erwähnen, dass die Sonne regelrecht knallte, als ich auf die Straße kam und sich kein einziger … aber auch wirklich absolut gar kein einziger … Regentropfen blicken ließ.

Macht aber nichts; Regen hatten wir heute ja eh schon genug.

Endlich in der Bahn sitzend öffnete ich also meine Tasche, kramte das Brillen-Etui von ganz unten (wie es da so schnell hingekommen ist, bleibt mir ein Rätsel) nach oben, fischte meine Sonnenbrille raus, klemmte sie mir in den Ausschnitt, frickelte den Schirm zurück in seine – logischerweise viel zu enge, also alles wie immer – Hülle, stopfte den Schirm (in der Hülle) in die Tasche und machte es mir gemütlich.

Müßig zu erwähnen, dass es, als das Gefährt von U-Bahn wieder zu Straßenbahn wurde und wir das Tageslicht erreichten, wie aus Eimern schüttete und von Sonne wirklich rein gar nie nix zu sehen war.

Macht aber nichts; ich hatte ja einen Schirm bei mir.

Also Kommando zurück und den Schirm wieder raus … Brille rein … und hoffen, dass die Bahn unbeschadet über die werweißwietief in Regenwasser stehenden Straßen/Schienen meine Haltestelle findet. Angekommen und raus. Ich wollte nur noch nach Hause. Also erneuter Stechschritt. Das Wiesenstück, was vielen als willkommene Abkürzung dient, war überwiegend, aber eben nicht überall, ziemlich aufgeweicht.

Müßig zu erwähnen, dass ich bei diesem Unterfangen auf den nagelneuen Schuhen umknickte und mir das Fußgelenk verknackste.

Macht aber nichts; ich war ja bald zuhause und dann konnte ich mich ganz gepflegt einem jetzt doch langsam fälligen, mittelschweren hysterischen Anfall widmen.

*ARRRRRGH!*

© skriptum
[28.08.04]

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Der Termin ist geschafft. Stunden später, als ich gedacht hatte. Endlich falle ich aus dem Haus auf die Straße und der Schnee über mich her. Einen Schirm will ich nicht öffnen; genieße das Fallen der Flocken auf meine offenen Augen. Es ist kalt und der Atem gefriert. Meinen Weg kenne ich. Der Großstadtlärm hält mich wach. Ich biege um die Ecke und …

… da stehst Du. Die letzten 21 Jahre übernehmen für Millisekunden die Macht über meine Gedanken. 21 Jahre. Die ersten zwei mit Dir.

Was haben wir für Spaß miteinander gehabt. Mehr gelacht als geweint. Mehr genossen als zerstört. Wir waren so glücklich. Zwei Jahre. Und doch war uns eine Zukunft nicht vergönnt.

„Wir fliegen nach Rio“ hast Du damals so oft gesagt und ich nickte lächelnd. Beide wussten wir genau, dass wir niemals nach Rio fliegen würden. Deine Frau hätte sicher etwas dagegen gehabt.

Ich hasse Fremdgehen. Will es nicht. Dulde es nicht. Möchte nicht Instrument dessen sein. Seit diesen zwei Jahren mehr als jemals zuvor. All die Lügen, die niemand will und die doch täglich ausgesprochen werden, um das zu halten, was einem gar nicht vergönnt ist.

Vielleicht musste ich durch diese zweijährige Glamour-Hölle gehen, um zu begreifen wie es ist, zu betrügen. Betrogen zu werden obgleich man selbst diejenige ist, die dazu beiträgt. Du liebtest Deine Frau… und mich. Ich Dich? Ja, ich glaube, dass ich Dich liebte. Irgendwie. Eingestehen wollte ich es mir nie. Konnte ich mir nicht. Du warst verheiratet.

Irgendwann hielt ich die Situation nicht mehr aus. Du sprachst davon, Dich scheiden zu lassen. Klar. Usus, wenn die Geliebte sagt, dass sie geht. Ich wollte keine Scheidung meinetwegen. Und Du konntest es gar nicht. Zu sehr warst Du mit Deiner Frau in all Euren gemeinsamen Jahren verschmolzen. Euer gemeinsames Kind ging noch nicht einmal zur Schule. Du musstest – und wolltest wohl auch – bei Deiner Frau bleiben. Aber mich gehen lassen wolltest Du auch nicht.

Wir trennten uns und es ging mir besser. Keine Tränen; nur ein Zurückblicken mit lächelnden Augen. Es war okay.

Dann vor ein paar Jahren hast Du mich mitten in der Stadt fast buchstäblich umgefahren. Unsere Wege sollten sich erneut kreuzen. Warum musste das passieren? Wieder waren wir uns in Sekunden verfallen. Wieder sind wir bei nächst bester Gelegenheit über einander hergefallen. Wieder war es schön. Doch noch immer warst Du verheiratet.

Wir versuchten es.

Mit Geschenken, die ich nicht wollte, hast Du mich überhäuft. Mit Aufmerksamkeit, der ich nicht gerecht werden konnte, hast Du mich bedacht. Mit Zeit, die ich Dir nicht geben konnte, hast Du mich gelockt.

Ja, wir versuchten es noch einmal. Eine kurze Zeit. Und plötzlich wachte ich auf aus diesem kleinen Traum. Ich höre noch immer Deine Worte, als Du mich anlächeltest und sagtest „Es ist noch immer wie damals. Alles ist wie damals.“ „Ja, das ist es“ begriff ich in Worte gekleidet, dass Du noch immer verheiratet warst.

Ich drehte mich weg und bat Dich zu gehen. Die Tür fiel zu und nun war ich sicher, dass ich Dich nie wieder sehen würden.

Doch nun stehst Du vor mir. Strahlst mich an. Fällst mir um den Hals und freust Dich so offensichtlich, mich zu sehen, dass es mich fast erschlägt. Wir stehen uns gegenüber. So nah, dass unser Atmen fast zu einem Zopf gefriert.

Ich sehe Dich an und frage gespielt zufällig, wie es Deiner Frau geht. Noch indem Du anfängst zu antworten „Es geht ihr gut und unsere Große…“ sehe ich Dich ein letztes Mal lächelnd an und gehe.

Und der Schnee fällt …

… doch nicht in Rio.

© skriptum

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Das Wochenende war alles andere als ruhig und der gemeine Montagsjob stand dem routiniert in nichts nach. Zuhause angekommen war ich froh, diesen Tag überstanden zu haben und inzwischen dabei, mich mental auf einen gemütlichen Feierabend einzuschießen. Eigentlich …

Nun kann man mir nicht unbedingt nachsagen, dass ich mich manieriert-gelangweilt durch meine Wohnung bewege; ein gewisses Tempo lege ich dabei meist vor und da ich diese Kemenate seit vielen Jahren bewohne, darf ich wohl behaupten, mich hier notfalls auch blind auszukennen.

Dem war an diesem Abend nicht so … nicht ganz … Mein Schreibtisch, der mir immer wirklich Freund war und mit dem mich eine Zeit verbindet, die jene in dieser Wohnung durchaus deutlich übersteigt, zeigte sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Obwohl … die Seite kannte ich wohl! Nur noch nicht die Intensität, mit der sie in der Lage war, mich in Bruchteilen von Sekunden Demut und Bewegungslosigkeit zu lehren.

Ich frage mich auch nach wie vor, ob er immer so hier stand oder sich am Montag Abend zum ersten Mal in seinem langen Leben bewegt haben könnte. Denn dass ich mich nach all den Jahren dann doch um pummelige drei Zentimeter verschätze, die mich fast meine Kniescheibe nebst zugehöriger Kapsel und anwohnendem Meniskus kosten, bin ich noch immer nicht zu glauben bereit. Vielleicht lag es auch einfach nur an der Geschwindigkeit des Aufpralls. Zumindest war all das dazu geeignet, mich mit meinem Schreibtisch deutlich auseinander zu harmoniesieren.

Was soll’s? Shit happens …

Ich kühle und salbte, ich schonte und humpelte, ich ruhte und fluchte. Das war auch alles ganz witzig doch geholfen hat es rein gar nichts. Also machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, jemanden aufzusuchen, der sich durch Studium und Approbation Doc nennen darf. Er war auch sehr nett. Lächelte sogar. Bat mich bereits nach wenigen Worten darum, meine Kleidung abzulegen … Es hätte also durchaus ein netter Tag werden können. Dem war aber dann doch nicht ganz so.

Ihm zur Seite stand eine Assistenzärztin der hier nahestehenden Hochschule. Was er an Griffen nicht drauf hatte, holte sie prompt nach. Und ich muss gestehen … sie wusste offensichtlich ganz genau was sie tat. Denn jeder Griff von ihr forderte mit diverse mir A-, O-, U- und sonstige vokalisierte Laute ab, die bis heute nicht einmal ein Mann in der Lage gewesen war, mir zu entlocken … und nun eine Frau … Ich denke noch immer darauf rum, ob mir das irgendetwas sagen soll. Eine fundierte Entscheidung habe ich allerdings zunächst auf später verschoben.

Die Diagnose war niederschmetternd und verbunden mit diversen Ansagen. So muss das Knie zwar bewegt, darf aber auf gar keinen Fall belastet werden. Wie ich linksseitig fliegen und rechts gehen soll, vergaß ich zu fragen. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob das eine praktikable Lösung ist. Doch versuchen werde ich es natürlich … notgedrungen.

Neben weiterer, verordneter Salbungen und oral zu konsumierender Heilmittel ist Treppensteigen ab sofort so was von verboten, wie es nur sein kann. Da ich im zweiten Stock, natürlich ohne Fahrstuhl, wohne fragte ich ihn, wie ich denn bitte meine Wohnung erreichen solle und dass die außenseitig am Haus befestigten Dachrinnen nicht allzu haltbar erscheinen. Den doktorischen Vorwurf, diese Treppen ja dann wohl bereits herab gestiegen zu sein, um zum ihm zu kommen, quittierte ich mit der Äußerung, dass ein aus dem Fenster Springen doch wohl wahrlich schwerwiegendere Folgen gehabt hätte als das, was ich ihm nun in der Lage bin zu präsentieren.

Er hatte anfänglich so nett gelächelt.

Müßig zu erwähnen, dass die Praxis des Arztes im dritten Stockwerk ist und in dem Haus ebenfalls kein Fahrstuhl zur Verfügung steht. Damit hatte ich im aufwärts Treppensteigen klar eine Etage vorsprung. Und runter musste ich ja erst noch. Aber das sagte ich ihm natürlich alles nicht. Nein, nein. Nicht, dass er mich doch noch aus dem Fenster geschmissen hätte …

Dieses Gespräch desasterte in der klaren Ansage des Arztes, meine Wohnung frühestens am Montag oder höchst ausnahmsmäßiger Weise vorher, falls ich anderenfalls verhungern müsse, wieder zu verlassen. Natürlich nicht den Hinweis vergessend, dass ein Mensch durchaus in der Lage ist, einige Tage nur mit Wasser zu überleben.

Na ja … zumindest wird mein nächstes Wochenende deutlich ruhiger als geplant und dass ein Montagsjob aufgrund widrigen Aufpralls auf den Schreibtisch dem anderen direkt folgt ist ja auch eher selten. Bleibt nur zu hoffen, dass, für den Fall, irgendwann mal umzuziehen, ein anderes Haus einen Fahrstuhl als generelle Einrichtung vorzuweisen hat … möglichst mit fließendem Wasser, dann dürfen die Regenrinnen auch gern klapprig sein.

Und wen interessieren schon Vokale?

© skriptum

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