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Posts Tagged ‘Freundin’

Bei der Freidenkerin fand ich soeben ein Stöckchen, das mir Lust gemacht hat. Also los:

1. Was wolltest du werden, wenn du groß bist?

Tänzerin. Das habe ich auch jahrelang im Hochleistungssport semi-professionell (Standart/Latein) verwirklicht. Später wollte ich Schriftstellerin werden. Et voilà! ;o)

2. Wen wolltest du heiraten?

Mark Harmon. Hilfsweise Robert Redfort. Heutzutage würde ich möglicherweise mit mir verhandeln lassen, wenn Simon Baker verfügbar wäre! ;o)

3. Was war deine Lieblings-Eissorte?

Noggar Shoc … oder wie das Ding mit dem harten Ding in der Mitte hieß.

4. Dein Lieblingsspielzeug?

Als ich in der Grundschule war, waren es meine Puppen. Ab und zu entschied ich, meine Schulbücher zuhause lassen zu wollen und stattdessen eine meiner Puppen im Tornister mitzunehmen. Meine Eltern waren da irgendwie anderer Meinung. Immer wieder; voll fies! Irgendwann später fing ich an, Bären zu sammeln. Das gehört nach wie vor zu meinen Leidenschaften. Mittlerweile könnte ich locker eine Ausstellung bestücken.

5. Wovor hattest du Angst?

Davor, über Tage/Wochen ausgeschwiegen und/oder geschlagen zu werden. Wenn ein großer Mensch einen kleinen Menschen verprügelt oder dafür sorgt, dass es geschieht, ist das in meinen Augen das Mieseste, was man einem Kind antun oder antun lassen kann! Ein Kind über Tage oder Wochen keines einzigen Wortes zu würdigen ist meines Erachtens allerdings auch eine ganz besonders miese Form der Misshandlung.

6. Wer war deine beste Freundin?

Von dem Begriff „beste Freundin“ habe ich noch nie etwas gehalten. Ich liebe alle meine Freunde (m/w). Jede/n anders aber nicht weniger intensiv. Sie in beste und nicht so beste zu unterscheiden, würde ihnen nicht gerecht werden. Ihnen nicht und vor allem nicht meinen Gefühlen für sie.

7. Was war dein Lieblingsschulfach?

Gibt es sowas? Hmm … Ich glaube, das hat sich regelmäßig abgewechselt. Je nachdem, welcher Lehrer (m/w) ein Fach unterrichtet hat.

8. Was war dein schlimmstes Schulfach?

Mathe! Der Lehrer (lieben Gruß an dieser Stelle an Dr. Winter) hatte immer recht. Wisst Ihr eigentlich, wie grausam sowas ist? Aber er hat maßgeblich meine zynische Ader geprägt und es genauso gehalten wie ich: Den Finger mit Salz beschmiert in eine Wunde zu ditschen ist okay, solange das Motiv nicht darin besteht, persönlich verletzend sein zu wollen.

9. Was war dein Lieblingsbuch?

„Susanne Barden“ von Helen Dore Boylston. Drei dicke, fette Romane. Hach … Keine Ahnung, wie oft ich die verschlungen habe. Und „Die Kinder von Arden“ von Edith Nesbit stand auch ganz hoch im Kurs. Außerdem „Animal Farm“ von George Orwell und alle „Küsschen“ von Roald Dahl. Sämtliche Bücher habe ich nach wie vor. Sollte ich mich jemals von Druckwerken trennen; diese werden nicht darunter sein!

10. Was wolltest du nie sein, wenn du erwachsen geworden bist?

Geprügelte Ehefrau und ein Mensch, der so winzig ist, dass er sich rücksichtslos verschafft muss, was er will, weil er es durch eigene Leistung und mit Fairness nicht erreichen kann.

***

Wer gern mitstöckeln möchte: Büddö! *schmeiß hoch

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Mit Geld ist das ja so eine Sache: Mal hat man es und mal eben nicht, auch wenn man es hat, nur nicht bekommt …

Kürzlich traf ich mich mit einer Freundin. Auf dem Weg zu unserem verabredeten Treffpunkt ging ich an einen Geldautomaten, um noch schnell meine Barschaft etwas aufzufrischen. Doch der Automat zeigte mir an, dass ich das sowohl als Kontokarte wie auch als Geldkarte nutzungsfähige Plastikteil zwar be- und entladen könne, verweigerte mir aber den sonstigen Zugriff auf mein Konto. Also ging ich in die Räumlichkeiten des Kreditinstituts und versuchte mein Glück dort. Statt Bargeld bekam ich allerdings die gleiche Auskunft zum Be- bzw. Entladen und eine Menge mürrischer Gesichter zu sehen. Also schlussfolgerte ich, dass vermutlich alle Automaten momentan eine Macke haben. Der Kassenschalter fiel ob der Uhrzeit aus, so dass ich beschloss, mir den erhofften Geldsegen bei einem anderen Institut in der Nähe des Treffpunkts mit meiner Freundin zu verschaffen. Das versuchte ich, bekam aber wieder nur die Auskunft, dass ich be- oder entladen könne, jedoch keine Option, Geld von meinem Konto zu ziehen. Meine Freundin führte ihre Karte ein und siehe da: Es wäre gegangen. Erneut schoben wir meine Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz und … ich sagte es ja bereits. Plötzlich starrte meine Freundin grinsend auf meine Karte und deutete auf das Datum der Betriebserlaubnis: Gültig bis 12/06. Na, prächtig! Sowas Blondes passiert mir ja zum Glück selten aber wenn dann richtig.

So stand ich da mit keinerlei nennenswertem Barvermögen und musste mir von meiner Freundin erstmal Geld leihen. Wenn sich jemand von mir in einer solchen Situation Geld leiht (Bonität vorausgesetzt *g), finde ich daran nichts Schlimmes. Wenn ich mir jedoch von jemandem Geld leihen muss, könnte ich vor Scham in den Boden versinken. Tat ich aber nicht und wir gingen statt dessen etwas trinken. Sie bezahlte; ich war ja klamm … Guter Trick übrigens; muss ich mir merken! Unsere Unterhaltung war zwar wie immer angeregt und interessant, dennoch quälte mich die ganze Zeit der Gedanke, wo denn wohl meine ab Jahreswechsel gültige Karte sein könnte. Hatte ich sie überhaupt bekommen? Oder hatte ich die Zusendung (diese Briefumschläge tragen ja keinen Absender) für Werbung gehalten und somit ohne reinzusehen zerrissen und weggeschmissen? Wann hatte ich zuletzt die Bewegungen auf meinem Konto genau überprüft? Und wer könnte in Besitz meiner Karte sein, wenn nicht ich? Und wenn doch ich, wo war sie? Normalerweise stecke ich das Teil sofort unterschrieben ganz hinten in mein Portemonnaie, wenn ich es bekommen habe. Auch wenn der Gültigkeitszeitraum meist noch zwei, drei Monate hin ist. Aber dann habe ich sie auf jeden Fall bei mir, sobald die alte Karte abgelaufen ist. Das war in diesem Fall nicht so. Ganz offensichtlich. Ich kramte nach Erreichen der Location, auf die wir uns geeinigt hatten, und Belegung gemütlicher Plätze fast schon panisch sowohl in meinem Portemonnaie wie auch insgesamt in meiner Handtasche, um die möglicherweise doch darin irgendwo verstaute Karte hoffentlich zu finden. Ich fand aber nicht. Natürlich nicht. Das wäre ja auch zu einfach gewesen. Die quälende Frage, wo sich meine verdammte Kontokarte befindet überschattete leider jedes Wort unserer mutmaßlich wie immer sehr interessanten Unterhaltung, so dass ich das Treffen relativ schnell beendete und nachhause fuhr, um dort alles durchzuwühlen, bis ich hoffentlich meine Karte finden würde.

Vermutlich muss ich nicht unbedingt erwähnen, dass das alles an einem Freitagabend stattfand und ich somit über das Wochenende ohne Geld dagestanden hätte, abgesehen von den not-Euros, die mir meine Freundin geliehen hatte. Auch konnte ich meinen Banker erst am Montagmorgen wieder erreichen, um eine neue Karte zu beantragen. Man kann mir ja möglicherweise einiges nachsagen aber sicher nicht, dass ich das was ich mache nicht mit aller Gründlichkeit tue … Wenn schon *ARRRGH!* dann richtig!

Zuhause angekommen fand ich natürlich (… öhm …) beim ersten Öffnen der einzig und allein in Frage kommenden Schublade, in der sich die neue Karte befinden konnte, wenn ich sie denn dann überhaupt bekommen und den betreffenden Umschlag nicht mit Werbung verwechselnd einfach zerrissen und weggeschmissen hatte, das ersehnte Stück. Die Erleichterung und wie hoch ich in dem Moment gesprungen bin, muss ich vermutlich nicht explizit ausführen. Ich war einfach nur froh, dass ich sie doch hatte. Auch wenn die Verabredung deutlich früher zuende war als geplant und mir die Karte in diesem Moment auch nicht mehr wirklich nutzte. Manchmal ist es jedoch einfach nur wichtig zu wissen, dass man etwas Bestimmtes hat; egal ob man es gerade braucht oder nicht.

Seit dem öffne ich jeden Mist, der meinen Briefkasten zumüllt. Zumüllt in ca. 80 Prozent aller Papierberge, die tatsächlich nur zerrissen und von mir ins Altpapier entsorgt werden. Und fast finde ich es schon rührend, wie viele Bankinstitute – wie ich inzwischen feststellen musste – mir Kredite an meinen richtigen Namen mit korrekter Anschrift versehen anbieten, bei denen ich noch nie im Leben ein Konto hatte. Es lebe der Datenschutz! Das aber nur am Rande. Da biedert sich eine Frankfurter Bank an, mein Konto mit bis zu 75.000 Euro zu füllen, und zwar zugesagt mit nächsttägiger Gutschrift. Wie nett! Woher wollen die wissen, dass das meine Bonität nicht bei weitem überschreitet? Tut es natürlich nicht aber könnte ja. Ein Münchener Institut ist da mit bis zu 50.000 Euros etwas knickriger, was aber durch andere Kreditinstitute, die mir locker aus dem Stand ein Haus finanzieren würden glatt wett gemacht wird. Vielleicht sollte ich mal, sofern sie alle garantieren, dass das Geld am nächsten Tag auf meinem Konto gutgeschrieben wird, sämtliche Angebote gleichzeitig annehmen. Danach spontan ab durch die Mitte … in die Karibik oder so. Scheiß auf irgend welche Gültigkeiten von Kontokarten! Meine Freundin würde ganz sicher mitkommen und dann bezahle ich an einem sehr, sehr langen Abend die Drinks, jawoll!

© skriptum
[01/2007]

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Gerade wenn man Jugendliche be“hört“, die sich über Altersfragen unterhalten, kommen dabei mitunter putzwunderlichste Erkenntnisse zutage. Das Aussehen von Menschen ist längst irrelevant. Das musste ich auch mal am eigenen Körper, und das im wahrsten Sinne des Wortes, feststellen: Als ich mit Mitte 30 bei einer Kosmetikerin war, erzählte sie während der Behandlung … und erzählte … und erzählte. Immer wieder erwähnte sie, dass ich, wenn ich denn erst auf die 30 zugehe, diese und jene Pflege benötigen würde. Ich stutzte zwar, ließ sie aber – natürlich – weiter reden. Nach Abschluss der Behandlung bat sie um meine privaten Daten inklusive Geburtsdatum für ihre Kartei. Als ich meinen Jahrgang 1965 erwähnte, stutzte sie. Räusperte sich. Stutzte erneut. Sah mich prüfend an. Dann stellte sie ganz trocken fest, dass ich dann ja wohl doch schon die 30 überschritten hätte.

Da ich starke Raucherin bin, auch damals schon war, schiebe ich ihren Irrtum mal nicht auf mein überdurchschnittlich jugendliches, locker ein Jahrzehnt vertäuschendes Aussehen, sondern vielmehr auf ihre Inkompetenz. Diese zeigte sich auch, als ich nach der Behandlung eine Freundin traf, und sie mich aufgrund des von der Kosmetikerin aufgelegten „Tages-MakeUps“ vorsichtig in den Arm nahm und fragte, ob es mir nicht gut geht. Ein MakeUp war das eher nicht, sondern vielmehr eine Art Totenmaske. Es sah fürchterlich aus: Ein viel zu hell grundiertes Gesicht und dazu einen Lippenstift, der so grell war, dass ich bei genauerem Betrachten zu erblinden drohte. Meine Augen sahen dagegen Dank fehlender Betonung aus, als wäre ich sterbenskrank. Das alles konnte ich in ihrem „Institut“ mangels dafür ausgelegten Lichts nicht erkennen. Bei Tageslicht sah ich aus wie ein Zombie.

Aber wie gesagt: Das Aussehen gibt ja heutzutage längst keinen Aufschluss mehr darüber, wie jung oder alt ein Mensch ist. Nein, es ist etwas ganz anderes: Die Musik! Sage mir, welche Musik Du hörst und ich sage Dir, wie alt Du bist? Jugendliche scheinen so zu denken. Wer Toto, Eagles oder möglicherweise sogar Klassik hört, muss scheintot sein. Mindestens, wenn nicht noch doller. Wenn ich allerdings in meinem MediaPlayer stöbere, packt mich eine gewisse Ratlosigkeit. Klar: Sowas wie Lady Gaga oder Bushido findet sich darin nicht. Das könnte bereits ein Indiz dafür sein, dass ich keine 20 mehr bin. Aber sonst …

Playlist

Und das hier ist nur eine Playlist von mehreren. Wenn ich die Liste der Titel, die ich auf meinem MP3-Player habe, hier veröffentlichen würde, wäre die Verwirrung komplett. Und anhand dieser Playlist … hmm … Ich vermute mal, dass ich irgendwas zwischen Mitte 30 und Mitte 60 bin. Mal sehen, ob ich meinen Ausweis irgendwo ausbuddeln kann. Dann weiß ich es bestimmt genau.

Vielleicht.

Oder so.

© skriptum

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Als ich vor über 20 Jahren mit einer Freundin zusammen für einige Zeit ein College in Brighton besuchte, gönnten wir uns des öfteren Abstecher nach London. In einem kleinen Theater am Piccadilly Circus sahen wir das Musical „Annie“. Nein, nicht Annie get your Gun“, sondern einfach nur „Annie“. Ein unglaublich süßes Musical, das ich gern noch einmal sehen würde!

Die Geschichte:

„Annie wurde in ihrem dritten Lebensmonat auf der Treppe eines New Yorker Waisenhaus von ihren Eltern ausgesetzt. Diese hinterliessen einen Zettel mit der Nachricht: „Bitte sorgen Sie für unseren kleinen Liebling. Ihr Name ist Annie. Wir haben die Hälfte eines Medaillons um ihren Hals hängen lassen und die andere Hälfte behalten. Wenn wir zurückkommen und sie holen, wissen Sie, dass sie unser Baby ist.“ In der Zwischenzeit sind aber viele Jahre vergangen und niemand hat Annie abgeholt. So macht sie sich eines Tages aus dem Heim davon, um ihre Eltern zu suchen. Auf ihrem Weg gerät sie in die städtischen Slums, wo sie mit ihrem sonnigen Gemüt die bedrückten Einwohner erheitert. Doch ihre Freiheit ist nur von kurzer Dauer. Sie wird von der Polizei aufgegriffen und ins Heim zurückgebracht.

Für Miss Hannigan, die trunksüchtige Waisenhausleiterin, ein Grund mehr, Annie hart anzupacken. Doch glücklicherweise gibt es da noch Grace Farell, die Privatsekretärin des Milliardärs Oliver Warbucks. Sie will Annie eine Woche lang zu Mr. Warbucks mitnehmen, um dessen Image aufzupolieren. Schon ab dem ersten Moment im Hause Warbucks schafft es Annie, sämtliche Herzen der Warbucks-Angestellten zu erobern. Nur der grimmige Milliardär scheint hart wie Stein zu sein.

Doch auch er kann sich auf die Dauer Annies Charme nicht entziehen. Wie er ihr ein neues Medaillon anstelle des alten, zerbrochenen überreicht, kommt ihre Sehnsucht nach den Eltern wieder auf. Ist doch dieses Bruchstück von Medaillon das einzige, was das sympathisch-freche Mädchen von ihren Eltern besitzt, und auch gleichzeitig der Schlüssel zum Wiedererkennen ist. Sie gesteht Warbucks ihren einzigen Wunsch; Vater und Mutter zu finden. Dieser wiederum verspricht ihr, bei der Suche behilflich zu sein. Über das Radio lässt er veröffentlichen, dass er den Eltern einen Scheck über 50’000 Dollar zukommen lässt. Auf diese Meldung hin scheint Annie plötzlich ganz viele Eltern zu haben, doch keines dieser Paare kennt das Geheimnis des Medaillons.

Die Heimleiterin Miss Hannigan hingegen ist darüber informiert. Ihr zwiespältiger Bruder Rooster und seine dümmliche Freundin Lilly machen sich dieses Wissen zu nutze und holen Annie als deren vermeintliche Eltern inklusive 50’000-Dollar- Check bei Warbucks ab. Doch die beiden haben nicht mit Annies Freundinnen aus dem Heim gerechnet. Die Mädchen haben den Aufruf von Mr. Warbucks ebenfalls gehört und in der Zwischenzeit Miss Hannigan, ihren Bruder und Lilly belauscht. Der Betrug kommt so doch noch ans Licht und alles wendet sich zum Guten. Natürlich mit einem ganz tollen Happy End.“

Nun könnte man meinen, mit der Zeit verblassen Erinnerungen. Dem ist ja meist nicht so, wenn es sich um schöne Erinnerungen handelt. Und das ist gut so. Meine gesamte Zeit in England ist mir in sehr schöner Erinnerung. Und insbesondere an dieses Musical werde ich recht regelmäßig erinnert. Es ist erstaunlich, wo man „Miss Hannigan“ immer mal wieder begegnen kann. Ich habe die Heimleiterin dieses Musicals in sehr reger Erinnerung, und zwar als eine hoch neurotische Frau, die es einfach nicht ertragen konnte, nicht jede denkbare Aufmerksamkeit von allen Menschen zu bekommen, zu denen sie Kontakt suchte.

Sobald sie mal nicht im Mittelpunkt stand und bejubelt wurde, rastete sie förmlich aus. Ihr Lieblingsopfer war – natürlich – Annie. Dieses Mädchen, das allein schon durch sein offenes Wesen sämtliche Sympathien auf sich zog, war immer wieder das Ziel von Miss Hannigans Neid- und Hassattacken. Sie konnte es einfach nicht ertragen, dass Annie wesentlich beliebter und erfolgreicher war als sie. Annie ließ Miss Hannigans Verunglimpfungen, soweit das möglich war, an sich abprallen und kümmerte sich lieber um die Menschen, die ihr wohl gesonnen waren, als gegen Miss Hannigan anzukämpfen, was diese noch wütender machte. Ignoriert zu werden war nicht einmal das Letzte, womit sie klar kam.

Miss Hannigan intrigierte gegen Annie wo es nur ging. Denn sie neidete ihr jede Form von Erfolg und Aufmerksamkeit. Und je weniger Gehör sie bekam, desto ungeheuerlicher wurden ihre Anschuldigungen gegen Annie. Das Problem daran war, dass die Menschen nicht blöd und blind genug waren, um sich nicht selbst ihr Bild von Annie zu machen. Und was sie dort sahen, entsprach nicht einmal annähernd den Erzählungen von Miss Hannigan. So dass diese sich selbst mit jeder gegen Annie gerichteten Aktion mehr ins Aus katapultierte und Annie immer mehr Sympathien zuflogen.

Eine Schlüsselszene dieses Musicals war ein Gespräch mit einem Pärchen, das Annie adoptieren wollte, was Miss Hannigan natürlich überhaupt nicht passte. Würde das doch bedeuten, dass ihr eine Menge Geld (analog: Aufmerksamkeit) durch die sprichwörtlichen Lappen gehen würde. Da sie aber darauf bedacht war, nach außen den Anschein ihrer angeblich so liebevolle und achtsame Art zu bewahren, entschuldigte sie sich mit säuselnd süßer Stimme kurz, verließ den Raum, schloss leise die Tür, ging ein paar Schritte und zeigte dann ihr wahres Gesicht, in dem sie los brüllte, Möbel zertrümmerte, sich hysterisch mit den Fäusten trommelnd auf dem Boden warf und laut heulte. Anschließend richtete sie ihre Kleidung und ihr MakeUp, betrat wieder völlig beruhigt den Raum und setzte das Gespräch ganz ladylike fort. Das Publikum tobte. Und auch ich muss heute noch loslachen, wenn ich an diese Szene denke.

Gerade erlebe ich mal wieder so eine „Miss Hannigan“ und kann mich nur wundern, was sie alles anstellt, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Keine Täuschung ist ihr zu billig, kein Versuch zu niveaulos, keine Verunglimpfung zu respektlos, als dass sie irgendwas auslassen würde, um sich in den Mittelpunkt zu spielen und „Annie“ den Rang abzulaufen. „Annie“ lacht nur darüber und genießt es, mitanzusehen, wie verzweifelt manche Menschen um Aufmerksamkeit buhlen, die sie vermutlich viel eher bekommen würden, wenn sie endlich mal ehrlich wären.

Aber vielleicht wird selbst diese „Miss Hannigan“ irgendwann begreifen, dass es viel leichter ist, sich Freunde zu machen und Achtung zu bekommen, wenn man einfach ehrlich agiert und nicht permanent versucht, seiner Umwelt etwas vorzuspielen und vorzutäuschen, das man überhaupt nicht ist. Insbesondere in dem man versucht, andere klein zu machen, um selbst größer zu erscheinen. Wahre Größe wird man durch solch ein Verhalten vermutlich nie erlangen. Insbesondere nicht, wenn man sich wie eine Miss Hannigan aufführt. Obwohl ich gestehen muss, dass ich sehr gern, uns sei es auch nur ein einziges Mal, dabei wäre, wenn sie nach einer erneuten Niederlagen anfängt, hinter verschlossenen Türen Möbel zu zertrümmern …

Vorhang!

;o)

© skriptum

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