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Posts Tagged ‘Grenzen’

Vor einigen Tagen brach ein Scheißsturm – oder lieber „Shitstorm“ (?) – über Katja Riemann herein, der mich nach wie vor sehr verwundert. Anlass dieser m. E. inzwischen an Verunglimpfung grenzen Nachreden war ihr Auftritt in der sog. Talkshow DAS! im NDR. Da ich den Auslöser dieser Unsäglichkeiten an dem betreffenden Abend nicht gesehen hatte, suchte ich mir bei Youtube das entsprechende Video heraus und schaute die Sendung nachträglich. Ja, tatsächlich ganz. Man tut sich ja sonst kaum was an:

*

*

In mir blieb anschließend jedoch nur eines: Ratlosigkeit darüber, was Katja Riemann falsch gemacht haben soll. War es falsch, einfach ehrlich zu sein? War es falsch, über die teilweise schon fast an Körperverletzung grenzende Oberflächlichkeit mancher Fragen nicht ladylike wortlos milde zu lächeln, sondern Klartext zu servieren? War es falsch, Gefühle zu äußern, beispielsweise weil die Peinlichkeit eines Beitrages mit normal entwickeltem Menschenverstand kaum zu überbieten war?

Gleich am Anfang, direkt bei der ersten Bemerkung des Moderators („blonde Locken“) dachte ich „Was ist das denn für’n Scheiß?“. Das war für mich als Zuschauerin schon unerträglich. Wenn man sich jedoch mit einer Frau wie Katja Riemann auch nur ein wenig beschäftigt, bevor man sie zum Gespräch in eine Sendung einlädt, muss einem klar sein, dass man mit einer solchen Moderations-Führung, und zwar in diesem Fall nahtlos von Anfang bis Ende, nicht einmal in die Nähe eines Blumenpottes kommt, geschweige denn ihn gewinnt.

Ich habe Katja Riemann einfach nur als ehrlich empfunden. Und auch wenn der NDR noch so häufig betont, dass ihr ja im Vorfeld der Ablauf der geplanten Sendung erklärt worden und sie damit einverstanden gewesen sei, denke ich, dass

– es ihr durchaus zustand, genervt zu sein, wenn sich (sofern das tatsächlich so passiert ist; ich war nicht dabei) der Moderator off air wiederholt in einer der Kamera-Scheiben spiegelte und nicht müde wurde zu betonen, wie geil er doch ist oder aussieht. Das kann man witzig finden, muss man aber nicht. Dass Katja Riemann davon vorher tatsächlich gewusst hat, wage ich zu bezweifeln.

– es ihr durchaus zustand, bezüglich eines Beitrages, der über sie und ihre Kindheit zusammen gepfriemelt worden war und den sie vorher ganz offensichtlich nicht gesehen hatte, auf die Frage, wie sie ihn fand, mit „Wahnsinnig peinlich“ zu antworten. Gleiches war mir dreimal durch den Kopf gegangen, während der Beitrag lief und ich wäre fuchsteufelswild geworden, wenn man einen solchen Mist über mich gesendet hätte. Insbesondere, wenn ich vorher nicht einmal die Chance gehabt hätte, der Ausstrahlung zuzustimmen oder sie abzulehnen.

– es ihr durchaus zustand, an Plattheit und Unsinnigkeit kaum zu überbietende Fragen nicht mit aller höchstem Enthusiasmus zu beantworten, sondern einfach möglichst schnell hinter sich bringen zu wollen.

Möglicherweise hätte ich an ihrer Stelle versucht, höflicher zu bleiben. Allerdings hätte ich mich hinterher sicher darüber geärgert. Ehrlicher war allemal Katja Riemann.

Erschwerend hinzu kommt, dass ich mit dem Moderator jahrelang im gleichen Unternehmen gearbeitet habe. Mir ist seine Art des Humors bekannt und es war nie meiner. Er hat sein Publikum und das sei ihm gegönnt, keine Frage. Aber ich konnte nie über seine Späßchen lachen und die Nummer mit dem Spiegeln in den Kamera-Scheiben glaube ich zweifellos, auch ohne dabei gewesen zu sein. Denn genau in dieser Art habe ich ihn jahrelang erlebt. Dass eine Frau wie Katja Riemann sowas bestenfalls bedingt als lustig empfindet, kann ich sehr gut verstehen. Mir wäre das Lachen bereits bei der ersten Frage vergangen; von allen folgenden Katastrophen ganz abgesehen.

Ich mag und schätze Katja Riemann seit sehr vielen Jahren (merkt man in diesem Beitrag kaum, was?!) und bewundere sie unter anderem dafür, dass sie nicht jede noch so dümmliche Frage der Journaille lächelnd und ernsthaft beantwortet, sondern durchaus auch mal reflektiert mit Sätzen wie „Was ist das denn für eine dämliche Frage?“. Sowas müsste viel häufiger passieren. Dann würde vielleicht sogar der eine oder andere Mikrofonschlepper kapieren, dass es Grenzen des guten Geschmacks gibt, die auch bei sog. Promis nicht unterschritten werden sollten. Was dann allerdings passieren kann, ist an diesem Beispiel prächtig zu erkennen: Versuchter medialer Totschlag. Umso mehr ist meines Erachtens die Ehrlichkeit und somit der Mut von Katja Riemann zu bewundern!

Erneut scheint die Masse an TV-Konsumenten und Journaillisten einfach nur einem bereits brennenden, sehr kleinen Licht hinterher zu rennen und in eine längst ausgehöhlte Kerbe zu schlagen. Ist ja auch einfacher, als erstmal nachzudenken und sich dann selbst ein Bild zu machen. Stattdessen wird sich einfach in den sog. Mainstream geschmissen. Ich bin mir allerdings sicher, dass kaum einer derjenigen, die jetzt den Kübel über Katja Riemann auskippen selbst in ihrer Situation hätten sein wollen. Über alles andere wäre ich nämlich glatt noch mehr verwundert!

So, genug gemotzt! ;) Ein schönes Wochenende wünsche ich Euch! *off

*

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So endlos manches auch scheinen mag,
findet es doch irgendwo seine Grenzen.

~

Ich wünsche Euch/uns allen ein
grenzenlos schönes Wochenende! :)

 

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… Award, den ich annehme. Ja, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder! ;o) Normalerweise sind solche Awards als Werbung für denjenigen konzipiert, der irgendwann mal ein auffälliges Bildchen zusammen geklöppelt hat. Das lehne ich ab. Deshalb habe ich bis heute noch nie einen Award angenommen. In diesem Fall geht es aber nicht um Werbung für einen Blog und notwendigerweise werden andere dazu genannt, sondern eher um einen Award mit Stöckchen-Charakter. Und das gefällt mir!

Die Regeln sind wie folgt:

-Danke der Person, die Dir den Award gegeben hat
(sehr gern, lieber RONNY!)

-Erzähle sieben Dinge über Dich selbst
(schon wieder? *g)

-Überreiche die Auszeichnung an bis zu 10 weitere Blogger
(immer diese Beschränkungen, mönsch! *tse)

-Lasse die Blogger wissen, dass Du ihnen den Award verliehen hast
(sehr gern!)

Fangen wir also mit dem Outing an! ;o) Es fällt bei mir allerdings nicht so umfangreich aus, wie bei Audubon Ron. Das scheint jedoch in Ordnung zu sein, wie ich bei anderen ausgezeichneten Blogs gesehen habe. Also los:

1. Ich entdecke seit ungefähr einer Woche, dass meine bisher unendlich erscheinende Tierliebe durchaus sehr eng gesteckte Grenzen haben kann.

2. Obwohl es noch Monate hin ist, bin ich gedanklich schon sehr präsent bei meinem nächsten geplanten Urlaub und freue mich unsagbar darauf!

3. Ich überlege gerade angestrengt, was ich noch von mir verraten kann, das hier nicht sowieso schon irgendwo steht UND das ich bereit bin, von mir öffentlich bekannt zu geben.

4. Was ich am Bloggen liebe ist, dass ich mir die Menschen, mit denen ich wechselseitig umgehe, aussuchen kann. Das finde ich sehr bereichernd.

5. Ich genieße es sehr, dass der Frühling sich nun nicht mehr irritieren lässt und fühle, wie mich Sonne und Wärme von Tag zu Tag mehr motivieren.

6. Ich muss meine Steuererklärung machen und würde gern an alles denken, nur nicht an das!

7. Wenn ich irgendwann herausfinde, was nachhaltig gegen meine Schlaflosigkeit hilft, dann feiern wir eine riesige Party und machen mindestens drei Tage und Nächte durch, okay? …
Öhm, Moment: An dem Gedanken sollte ich doch erst nochmal arbeiten!

;)

 

Diesen schönen Award gebe ich gern an folgende Blogger weiter:

~

Andrea, die mit ihren Texten und Bildern immer wieder Fröhlichkeit verbreitet

Anna-Lena, die es trotz aller Mühen des schulischen Alltags nicht verlernt, zu lächeln

Babbel, die vom Leben echt jedes “Päckchen” kriegt, sich jedoch immer wieder aufrappelt

Clara, die selbst größten Doofheiten noch irgendwas Witziges abgewinnen kann

Emily, die aus alltäglichsten Situationen immer wieder die prächtigsten Storys bastelt

Gedankenkruemel, die das Leben aus sehr interessanten Perspektiven betrachtet

Kerstin, die mir gerade wegen ihrer eigenen Meinung mehr imponiert als viele andere

Miss Lu, die genau wie ich durch fast nix zu erschrecken ist

Sayrueart, der ein genauso besessener ColorKey’er ist, wie ich

Synapse, an deren Stärke und Durchhaltewillen sich manch einer ein Beispiel nehmen sollte

~

 

Alle anderen mögen sich bitte auch awardiert fühlen: Ich durfte nur bis zu zehn Blogs nennen und die Auswahl ist mir wirklich schwer gefallen!

~

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Beim Stöbern im Internet stolperte ich über recht interessante Informationen. Informationen zu einem Thema, von dem man in meinem Alter annehmen sollte, dass sich dazu wenn überhaupt, dann kaum noch Fragen ergeben. Dennoch fand ich so einiges, was ich bisher nicht wusste.

Allein schon den Begrüßungskuss betreffend gibt es so viele verschiedene Traditionen, dass ich nur staunen kann. Dass man in den Niederlanden zur Begrüßung dreimal auf die Wangen küsst, wusste ich bereits. Obwohl ich mir bisher nie merken konnte, wie rum man anfängt. Aber irgendwann weiß ich es; ganz bestimmt. Insgesamt dreimal ist aber noch wenig, denn in Afghanistan küssen die Frauen sich insgesamt dreimal auf jede Wange und in Paris tun es Männer und Frauen angeblich sogar viermal abwechselnd links und rechts. Wer da zu spät zu einer Verabredung kommt, kann also im Grunde nach der Begrüßung gleich wieder gehen ;-)

Auch hat das Küssen im Hinblick auf „Lebenslänglich“ einige Bedeutung: Er beschließt sowohl die standesamtliche wie auch die kirchliche Vermählung eines Paares. In Skandinavien versöhnen sich zerstrittene Ehepaare mit einem Kuss unter dem Mistelzweig. In vielen anderen Ländern bedeutet ein Kuss unter dem Mistelzweig ein Heiratsversprechen. In England werden die Beeren des Mistelzweiges „Kuss-Kugeln“ genannt. Ob dann dort auch geküsst oder dem ganzen nur ein Fantasiename gegeben wird, weiß ich allerdings nicht.

Was ich auch nicht wusste (aber RTL auf deren Homepage) ist, was in so einem an sich normalen Kuss alles drin steckt:

1. Küssen ist gesund. Zwischen 300 und 22000 Bakterien werden bei einem Kuss ausgetauscht. Diese immunisieren und schützen so vor Infektionskrankheiten.

Gesund, ja? Hoffentlich denke ich beim nächsten Kuss nicht an diese Zahlen …

2. Daraus besteht ein Kuss: 60 mg Wasser; 0,5 mg Eiweiß; 0,15 Drüsensekret; 0,4 mg Salz; 0,8 mg Fett.

Also fast ’ne ganze Mahlzeit, hm?

3. Der Druck, mit dem die Lippen aufeinander gepresst werden, reicht vom normalen Kuss (0,5 kg) bis zum leidenschaftlichen Kuss (15 kg).

Letztere Variante dürfte bei regelmäßiger Anwendung viel Botox sparen …

4. Beim Küssen wird das körpereigene Aphrodisiakum SEBUM freigesetzt und der Körper produziert mehr Adrenalin und Insulin.

Na gut, dann kann ich das ja schonmal von meiner Einkaufsliste streichen.

5. Fast 30 Gesichtsmuskeln werden bewegt, wenn man sich küsst.

Also ist Küssen gut gegen Falten? Wow!

6. Nur 8% der Frauen und 48% aller Männer küssen mit offenen Augen.

Das dürfte vermutlich immer auf die Situation ankommen. Bei mir zumindest.

Ein Rezept für „Nonnenküsschen“ lautet: Das Eiweiß von 2 Eiern steif schlagen, 1 Pck. Vanillezucker, 200 g Zucker und 230 g Mandeln (gehackt und geröstet) drunter mischen, mit einem Löffel kleine Häufchen abstechen und auf ein Backblech setzen. Bei 150 Grad eine halbe Stunde backen. Die Nummer würde bei mir allerdings schon daran scheitern, dass ich es leider noch nie geschafft habe, Eiweiß steif zu schlagen. Ich bin nun einmal grundsätzlich gegen Schlagen. Erst recht beim Küssen!

Zur Definition des Kusses führte RTL aus, dass es gleichermaßen die Lippen-Berührung eines Menschen wie auch eines Gegenstandes sein kann und dass er in allen Kulturen vorkommt. Küsse werden ebenso ausgetauscht, um Vertrauen zu zeigen wie auch aus leidenschaftlicher Hingabe und geküsst werden nicht nur geliebte Menschen oder Freunde, sondern beispielsweise auch Gegenstände wie Medaillen im Sport oder religiöse Symbole.

Da sich meine Religiosität durchaus in überschaubaren Grenzen hält bleibt mir also wohl nur eines: Ab in den Keller und meine alten Sportmedaillen suchen!

 

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Ich wollte es eigentlich in eine Geschichte verpacken aber ehrlich gesagt ist es mir die Mühe nicht wert. Das Verpacken sollte auch nicht zum Verschleiern dienen, sondern nur dazu, es netter lesen zu können. Aber „nett“ ist ja sowieso relativ.

Dieser Tage wundere ich mich mal wieder darüber, wie man einen Begriff wie „Meinungsfreiheit“ so dermaßen an der Schnur vorbei aufhängen kann. Wer des Lesens im direkten Zusammenhang mit dem Verstehen mächtig ist, sollte an Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetztes vorbei zu Absatz 2 kommen. Dort ist klar definiert, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung seine „Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze“ findet. Wer es genauer wissen möchte, scrolle zum Ende dieses Textes; dort ist der gesamte Artikel 5 GG zitiert. Das ist aber nur die schnöde Theorie. Und wie funktioniert dieser Kram mit freier Meinungsäußerung in der Praxis? Im Grunde ganz einfach: Man stelle sich einen alten Spruch vor und beherzige ihn. Schon klappt’s! Der Spruch lautet:

„Was du nicht willst, dass man dir tu’,
das füg’ auch keinem anderen zu.“

[Tobit 4,15 EU Lutherbibel von 1545]

Eine vielleicht etwas lebensnahere Definition lautet:

Die Freiheit der eigenen Meinung endet exakt an dem Punkt, an dem man mit der eigenen Meinung die Meinung eines anderen Menschen einzuschränken beginnt.

Aber gehen wir ruhig einmal etwas mehr ins beispielhafte Detail: Oftmals fängt es schon damit an, dass jemand zitiert aber nicht genannt wird, und das nur zum Zwecke der Bloßstellung. Im Zeitalter von Google & Guttenberg sollte jedem Idioten, selbst wenn er gestern erst vom Baum gefallen ist, klar sein, dass es üblicherweise nur weniger Klick bedarf, um mit dem exakten Wortlaut Quellen zu finden. Wenn ich jemanden ungenannt wörtlich zitiere ist das für sich genommen schon ein potentieller Straftatbestand. Wenn sich derjenige, auf die Nicht-Nennung angesprochen, damit herauszureden versucht, dass er niemanden bloßstellen wollte, ist das wohlwollend betrachtet eine ganz besondere Form der Höflichkeit. Dergestalt, dass der Behauptende damit das Niveau seiner bis dato erreichten Intelligenz selbst bekannt gibt. Siehe erneut: Google & Guttenberg. Als naiv dürfte es hingegen zu bezeichnen sein, wenn jemand annimmt, dass er ein Recht für sich in Anspruch nehmen kann, ohne dass sich daraus automatisch eine Pflicht ergibt. In diesem Fall ist es beispielsweise die Pflicht, den anderen in seiner Ehre nicht zu missachten, auch wenn dessen Meinung nicht genehm ist.

Verunglimpfe ich einen anderen Menschen durch Herabwürdigen seiner Äußerungen sowie Hinzufügen meiner Interpretation und propagandierenden Meinung, nennt man das beispielsweise Beleidigung. Fließen in eine solche Darstellung auch noch Mutmaßungen über die Motive des Zitierten ein, die bestenfalls als Unterstellungen gewertet werden können aber als Tatsachen verkauft werden, handelt es sich zum Beispiel um üble Nachrede. Denn über die Motive eines Schreibers dürften im Internet die wenigsten Lesenden tatsächlich informiert sein. Insofern kennt der Zitierende die Motive des Zitierten zwar nicht, stellt aber dennoch Behauptungen darüber auf. Allerdings können solche Machenschaften schon eher an Diffamie grenzen. Hat der Zitierende sogar Kenntnis darüber, dass das, was er über einen anderen Menschen behauptet, nicht den Tatsachen entspricht, sind wir bei der Verleumdung angekommen. Aber schon die Folgen des bloßen Verbreitens von sog. Schmähschriften sind im Strafgesetzbuch klar geregelt.

Es ist relativ leicht und vor allem schnell möglich, in Artikel 5 des Grundgesetzes von Absatz 1 zu Absatz 2 zu gelangen. Also vom Recht der freien Meinungsäußerung zu Kenntnis der Schranken dieses Rechts. Den meisten Menschen gelingt das schon durch das ganz einfache Lesen des Textes. Manche schaffen es allerdings in einer nur noch als bemerkenswert (die Wertung positiv/negativ überlasse ich der geneigten Leserschaft) zu definierenden Rasanz, innerhalb eines Blogbeitrages bezüglich des 14. Abschnitts (ab § 185) eine Art „Best of StGB“ aufzustellen. Sie zerfleddern die frei geäußerte Meinung eines anderen in einer Art und Weise, die im Rahmen üblicher Strafverfolgung möglicherweise noch viel zu harmlos geahndet wäre. Konfrontiert mit ihren Boshaftigkeiten krähen sie wie alte bayerische Waschweiber* nach ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung. Also genau nach dem Recht, das sie einem anderen Menschen durch ihr eigenes Handeln Schwarz auf Weiß komplett abgesprochen haben. Das nenne ich doch mal eine hieb- und stichfeste, ordentliche Kritik- und Erkenntnis-Resistenz!

Beispielsweise Herr M. Abu Minyar al-Gaddafi demonstriert derartige Machenschaften gerade in unerträglich anschaulicher Weise und in einem der dunkelsten Abschnitte deutscher Geschichte gab es sowas auch schon einmal. Einer Wiederholung oder eines Imports bedarf es m. E. nicht. Das ist jedoch nur meine subjektive und somit unerhebliche Meinung. Was jedoch meist ausgerechnet diejenigen, die am vehementesten auf ihre eigenen Meinungsfreiheit bestehen, zu vergessen scheinen ist, dass es JEDEM Menschen (zumindest innerhalb dieser Zivilisation) zusteht, seine Meinung frei zu äußern, und zwar im Rahmen definierter Schranken. Eine geäußerte Meinung stellt niemals eine Grundlage bzw. einen Freibrief für Beleidigungen, Diffamierungen, Diskreditierungen, Rufmorde, Verleumdungen etc. dar! Wo die Freiheit der Meinungsäußerung aufhört sei denjenigen, die Verständnisprobleme mit den Begriffen „Grenzen“ oder „Schranken“ haben anhand eines Zitats aus einem allseits beliebten Film vereinfacht dargestellt, und zwar mit „Dirty Dancing“, worin es heißt:

„Das ist MEIN Tanzbereich und das ist DEIN Tanzbereich!“.

Hat es jetzt jeder verstanden? Fein. Dann können wir uns ja wieder den angenehmeren Dingen des Lebens widmen, nöch?! ;)

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Weiter zu Artikel 5/GG und StGB:

 

(mehr …)

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„Mama, wie hießen die heiligen drei Könige?“ Mein Kopf drehte sich langsam in Richtung dieser Kinderstimme. Ein kleiner Junge, der seine Mutter erwartungsvoll ansah. Sie wusste keine Antwort; der Lütte schon und so informierte er sie grinsend mit „Mönsch Mama, das waren doch Caspar, Melchior und Balthasar!“ Die Mutter war mehr erleichtert als begeistert, dass die Antwort so prompt gekommen war. Auf die Frage, ob sie selbst bereits gelebt habe, als Jesus geboren wurde, antwortete sie somit locker-flockig mit „nein“, klamüserte ihm kurzweilig auseinander, dass wir nun im Jahr 2010 sind und seit Jesus Geburt gezählt würde. Also wäre im nächsten Jahr das Jahr 2011 nach Jesus. Danach lehnte sie sich entspannt lächelnd zurück.

Aber der Lütte legte sofort nach mit der Frage, warum Jesus ans Kreuz genagelt wurde …

Stille. Keiner der umsitzenden Fahrgäste in dieser, aufgrund der Feierabendzeit eher an einen Schlafwagen denn an Entertainment pur erinnernden, Bahn sagte auch nur irgendwas. Auf mindestens jedem zweiten Platz verkniff sich jemand ein Grinsen bis lautes Lachen aber sagen sagte keiner was. Der auf dieser Mutter in dem Moment lastende Druck muss unerträglich gewesen sein. Denn sie wusste die Antwort nicht.

Ich war versucht einzuspringen mit der Bemerkung, dass Jesus die Schuld aller Menschen auf sich genommen hat und er deshalb gekreuzigt wurde, war mir aber nicht völlig sicher, dass es so war und hatte außerdem schlicht Angst vor dem sich erfahrungsgemäß obligatorisch anschließenden „Warum?“ des Jungen. Denn darauf hätte ich dann garantiert überhaupt keine Antwort gehabt.

Es folgten einige Fragen auf die ich zwar Ideen aber keine sicheren Antworten hatte und der Wunsch, selbst Mutter zu werden zeigte plötzlich seine ganz natürlichen Grenzen des Wollens. Ich beneidete diese Mutter nicht!

Der Knirps drehte und wendete in seinen Händen eine kleine Box. Etwas größer als eine Streichholz-Schachtel aber gleiches Prinzip. Sie war außen braun angemalt und die Lade war etwas heraus gezogen. Aus dieser Öffnung lugte eine kleine Styropor-Kugel, die mittels zweier Punkte und Striche zu einem Gesicht mutiert war. „Mama?! Sie zuckte nur noch. „Mama, sag doch mal!“ Sie drehte etwas ängstlich ihr Gesicht in Richtung Junior und fragte ihn nach dem „Was?“

„Mama, wie findest Du meinen Jesus?“ Sie fand ihn toll. Natürlich. Punkte machen war wohl in dieser Situation die einzige, wirkliche Chance, die sie überhaupt hatte. „Wirklich GANZ, GANZ toll hast Du das gemacht!“ log sie … offensichtlich. Denn ihr Blick auf die Zuhörer verriet die Entschuldigung für diese Antwort. Somit schien Jesus auch abgehakt.

Nun beschäftigte den Jungen die Frage nach Josef und Maria. Ich muss gestehen, dass in mir die Spannung zum Zerbersten wuchs. In der Mutter offensichtlich auch. Sie versuchte, ihren Sohn mit allen möglichen Themen abzulenken doch er blieb stur. Als er wissen wollte, warum es „Jungfrau Maria“ heißt, lehnte ICH mich in gespannter Entspanntheit lächelnd zurück und harrte. Doch leider, leider: In dem Moment stiegen beide aus.

AUSGERECHNET IN DIESEM MOMENT?

Die Antwort … oder überhaupt eine Reaktion darauf … hätte ich zu gern mitbekommen. Immerhin ist der Lütte schätzungsweise im Vorschul- oder Schulalter. Somit dürfte in absehbarer Zeit das Thema „Blümchen und Bienchen“ abgehakt sein um sinnvoller Weise durch echte Aufklärung abgelöst zu werden. Und wie sinnig ist es, einem Kind in diesem Alter noch zu erklären, dass die Bibel behauptet, eine Jungfrau habe Jesus geboren?

Mensch, ich war so gespannt. DIE Antwort hätte ich zu gern noch gehört!

© skriptum


Allen meinen hiesigen Lieben wünsche ich einen verzaubert schönen Heiligabend! Den nicht Hiesigen wünsche ich ihn nachher persönlich! ;o)

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Die Umschreibung „Volle Kraft voraus oder Kolbenfresser?“ finde ich wesentlich passender als die Worte „Erst Feuer und Flamme – dann ausgebrannt“. Denn: Das Gefühl, ausgebrannt zu sein, kann vielleicht (?!) noch rechtzeitig genug und bewusst wahrgenommen werden. Bei einem seelischen Kolbenfresser ist die Gefahr des nicht-Realisierens schon größer. Wovon ich hier schreibe? Vom so genannten BURN OUT!

Immer öfter begegnen mir Menschen und Situationen, die mich beunruhigen … Der Begriff Burn Out drängt sich immer häufiger auf …

Vor ca. einem Jahr erlebte ich es z. B. bei einer Freundin. Perfektionistin und Idealistin, hochintelligent und strotzend vor Kraft. Arbeitswochen mit 70, 80 oder mehr Stunden waren völlig normal. Ihr Privatleben gestaltete sich durch die Wahrnehmung von Veranstaltungen, die direkt im Zusammenhang mit ihrem Job standen. Sie war glücklich verliebt und da ihr Freund nicht in der gleichen Stadt lebte, sondern als Sportprofi überall in der Welt unterwegs war, sahen sie sich nicht täglich. Meist flog sie ihm zu irgendwelchen Turnieren nach (das ließ sich ja günstiger Weise oftmals mit dienstlichen Terminen verbinden) und so verbrachten sie die Wochenenden miteinander. Sie war immer glücklich und engagiert; hatte ihre Weiterbildung, der sie letzten Endes die Beförderung zur Abteilungsleiterin verdankte, im Abendstudium absolviert und als Jahrgangsbeste abgeschlossen.

Eines Tages war sie weg … Krank … Diagnose: Burn Out. Es ging gar nichts mehr. All ihr Engagement war letztendlich die Ursache dafür dass sie alles verlor wofür sie so hart gearbeitet hatte. Ihr Freund hatte lange Zeit versucht ihr zu helfen. Doch auch er war dieser Situation machtlos ausgeliefert und schlussendlich blieb ihm nur, sie loszulassen. Er konnte das was sie für sich als Leben definierte und ihr damit verbundenes Verhalten ihm gegenüber einfach nicht mehr ertragen.

Vorzeichen?

Ja, die hatte es ohne Ende gegeben. Doch wer mag sich schon freiwillig eingestehen, dass die eigenen „Batterien“ einfach leer sind? Und wer geht schon zum Arzt, nur weil er ständig Piepen in den Ohren hört, Kopfschmerzen hat, der Magen rebelliert, Rückenschmerzen nicht mehr ohne Schmerzmittel zu ertragen sind und man trotz eigentlich ausreichendem Schlaf permanent todmüde ist? Außerdem hat ein Arzt nichts damit zu tun, dass die sozialen Kontakte gegen null gehen, Hobbies/Sport nicht mehr wahrgenommen werden, der Partner sich immer mehr abwendet bis ihm irgendwann nur noch die Aufgabe der Beziehung bleibt …

Es gibt vieles, das viel wichtiger ist als ein Arztbesuch: der Job muss laufen; die übernommene Verantwortung erfüllt werden. Wenn irgendetwas nicht auf Anhieb klappt, müssen eben andere Wege gefunden werden; Hauptsache das Ziel (meist selbst gesteckt, statt wirklich von Anderen erwartet) wird erreicht … egal wie! Und selbst wenn man merkt, dass immer mehr Energie aufgewendet werden muss, um Aufgaben zu bewältigen, die man früher mal so nebenbei erledigt hat … wer kommt dabei schon ins Grübeln? Ist eben im Moment eine stressige Phase. Was soll’s?!

Dass der Partner gar nicht mehr als solcher wahrgenommen wird und eher als Feind denn als Freund im eigenen Leben Beachtung findet ist nun einmal so. In jeder Beziehung gibt es nicht so tolle Phasen. Das ist doch nicht außergewöhnlich … Außerdem denkt er ja offensichtlich nur noch an Urlaub. Wer soll denn dann bitte den Job erledigen. Alle anderen können das einfach nicht so gut. Also muss man doch alles selber machen …

Nein, nein, das alles hat überhaupt nichts mit Überarbeitung zu tun. Außerdem hat man doch so hart dafür gearbeitet, um dahin zu kommen wo man nun ist. Also muss man den Job auch vernünftig machen. Schließlich hat man ja auch Verpflichtungen, die man mit dem erarbeiteten Gehalt erfüllen muss. Ein Partner … ja, scheint so … der stört dabei eigentlich nur. Man hat doch alles was man braucht, solange nur der Job läuft. Sport und/oder sonstige Hobbies kann man ja auch mal eine Zeit lang aussetzen. Irgendwann wird auch dafür wieder Zeit sein. Und dass man jeden Morgen das Gefühl hat, an der Matratze fest getackert zu sein und ständig todmüde ist, obwohl man doch eigentlich genug Schlaf hatte … Unruhig zwar und es ist auch nervig, ständig mit Kopfschmerzen aufzuwachen aber … Nun … irgendwann werden auch wieder ruhigere Phasen kommen. Im Moment geht es eben nicht anders.

Ach so’n Quatsch, dass völlige Erschöpfung sowohl physisch als auch psychisch lebensbedrohlich sein kann. Man fühlt sich doch fit! Man IST fit! Und falls es mal gar nicht geht, gibt es immer noch hervorragende Mittelchen, um die Müdigkeit mal zu unterdrücken. Und wenn der Partner nicht ständig rumnerven würde und Freunde einem permanent auf den Füssen stünden, weil sie sich mal wieder treffen wollen, wäre man ja auch längst nicht so gereizt. Was sollen bloß ständig diese dämlichen Fragen, was man noch vom Leben hat. Das Leben ist schön! Genau SO wie es ist. Der Job läuft gut und ist im Moment nur sehr aufwendig. Aber schließlich wollte man ja genau DAS. Sonst hätte man sich ja nicht so dafür engagiert, dort hinzukommen, wo man heute ist. Oder?

Die paar depressiven Phasen zwischendurch … ja, nun … wo ist das Problem? Man darf doch wohl mal ein wenig in sich gehen… ruhig auch mal ein bisschen traurig sein … Schließlich leistet man ja im Job irre viel und da muss doch die Seele auch mal etwas baumeln dürfen. Sich ab und zu mit Alkohol gründlich abzuschießen … sich hier und da mal vernebelt in den Schlaf zu rauchen … och nun … wer tut das denn nicht? Und die paar Tränen, die ab und zu vergossen werden, weil manchmal doch ein wenig das Gefühl aufkommt, dass man kaum was vom Leben hat … Oder die Traurigkeit, weil man den Partner doch irgendwie vermisst … wenn er nur bloß nicht immer so nerven würde und dies, das, jenes, falsch machen würde … wenn er doch wenigstens mal versuchen würde, Verständnis aufzubringen … wäre man ja auch netter zu ihm. Aber so? Nun … wen interessiert’s?

Schlimmer wäre es, wenn dieser Auftrag nicht erledigt würde. Die Kollegen motzen sowieso schon ständig rum und der Chef ist auch nur noch am Nörgeln, dass ihm alles zu lange dauert und letztendlich die Ergebnisse unbefriedigend sind. Himmel … man kann sich doch nicht zerreißen! Aber nächstes Wochenende könnte man ja noch mal eine 48-Stunden-Schicht extra einlegen. Der Partner wird’s schon verstehen. Und wenn nicht … who cares? Dann soll er eben gehen.

Horrorgeschichte? Fiktion? Nein … Realität! Genau SO passiert.

Als Freund und/oder Partner steht man daneben, sieht relativ schnell was da passiert, versucht einzugreifen, wird abgekanzelt und gibt irgendwann notgedrungen auf. Nicht, weil man keine Lust mehr hat oder sich die Gefühle für den Betroffenen in Luft aufgelöst haben, sondern weil man einfach die eigene Machtlosigkeit zu akzeptieren lernt. Weil man begreift, dass dem Kranken ohne gute professionelle Hilfe nicht mehr geholfen werden KANN …

Das bedingt jedoch, dass der Betroffene sich eingesteht, dass er Hilfe benötigt. Und bis dahin ist es noch mal ein sehr weiter Weg. Meist wird er erst beschritten, wenn schon so viel im Argen liegt, dass der Heilungsprozess direkt verbunden ist mit der Erkenntnis des völligen Verlustes irgendeiner Form von Privatleben (wozu im Job kürzer treten, sonst habe ich ja eh nichts mehr …). Und … letztendlich verbunden mit dem Erkennen des Verlustes all dessen, was diesen Zustand in erster Linie bewirkt hat … der Job und alles was dazu gehört …

Was bleibt ist …

… nichts.

Ein erbarmungsloser Teufelskreis!

Der Partner kann letztendlich – egal wie stark seine Liebe ist – genau eines tun:

… nichts.

Der Vorgesetzte wird es im Zweifel nie zur Kenntnis bekommen, weil das ihn Informieren damit verbunden wäre, eine Schwäche zuzugeben … sich selbst und in dem Fall auch anderen gegenüber physische und psychische Instabilität einzugestehen. Das allerdings widerspricht komplett dem bisher Praktizierten. Denn man ist ja stark und schafft alles … egal mit welchen Mitteln … Jetzt auf einmal zugeben, dass man an einem Punkt angelangt ist, nur noch die Flügel strecken zu können? Unmöglich!

Diese emotionale Erschöpfung führt meist dazu, dass irgendwann keinerlei Höhen und Tiefen mehr erlebt werden, sondern Gleichgültigkeit die vorherrschende Macht ist. Wohl auch als Selbstschutz der Seele, um nicht erkennen zu müssen. Körperliche Erschöpfung kommt hinzu. Die Distanzierung von anderen Menschen führt parallel meist zur völligen Vereinsamung.

Die Furcht vor der Offenbarung persönlicher Schwäche verschlimmert das alles noch. In welchem Umfang qualifizierte Hilfe in Anspruch genommen wird, hängt wesentlich von dem Problembewusstsein des Betroffenen und seiner Bereitschaft ab, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Die meisten nehmen die Symptome nicht ernst, bevor sie nicht körperlich so sehr erkranken, dass sie zu keinerlei Leistung mehr im Stande sind.

Burn Out ist eine „anerkannte“ Erkrankung, deren Behandlung der Leistungspflicht der Kranken- und Rentenversicherungen unterliegt. In seinen Ursachen und Erscheinungen ist das Burn Out-Syndrom jedoch sehr umfassend. Die Vielfalt der Faktoren, die dazu beitragen, und die Vielschichtigkeit der Symptome, in denen sich Burn Out äußert, machen es schwierig, ein Burn Out nicht nur als eigenständige Krankheit, sondern vor allem rechtzeitig zu erkennen. Ohne den Willen des Betroffenen, sich bewusst damit auseinander zu setzen, dass es sich um Burn Out handelt oder zumindest handeln könnte, ist es nahezu unmöglich. Oftmals lautet die ärztliche Diagnose trotz relativ genauer Schilderung der Symptome auf „ungeklärte Müdigkeitserscheinungen“. Tabletten gegen Kopfschmerzen und Magenverstimmungen und vielleicht Massagen gegen die Rückenprobleme sowie eine Überweisung zum Ohrenarzt wegen des ständigen Piepens sind die Folge. Eine Diagnose in Richtung Burn Out ist sehr selten.

Die meist maßgebliche Basis für die Entstehung von Burn Out ist lang anhaltender emotionaler und körperlicher Stress, verbunden mit dem Mangel an entsprechender Kompensation und Erholung. Während Stress zunächst das emotionale und körperliche Engagement steigert, ist Burn Out durch die folgende emotionale und körperliche Erschöpfung gekennzeichnet. Dem Verlust von Kraft und Energie folgt der Verlust der Ideale und Hoffnung. Ständige chronische Müdigkeit bei gleichzeitigen Schlafstörungen und ein schleichender Verfall der persönlichen Leistungsfähigkeit bei zunehmender Abneigung gegenüber allem und jedem führen zum sozialen Rückzug, zur Distanzierung von anderen Menschen bis hin zum Zynismus. Das Empfinden, diesem Geschehen ohnmächtig gegenüber zu stehen, verstärkt die Entwicklung noch. Die allmähliche geistige und körperliche Erschöpfung kann von Symptomen begleitet werden wie Depression, Angst- und Panikstörung, Pseudodemenz, Zwänge und andere psychische und physische Störungen. Betroffene, die ihren trostlosen Zustand eine gewisse Zeit hinter ihrer Fassade verbergen können, laufen letztendlich nur noch wie Zombies rum: müde, unflexibel, apathisch, feindlich … die Lust am Leben irgendwann gänzlich verlierend.

Burn Out ist eine individuelle Reaktion auf persönliche Überforderung vor dem Hintergrund einer persönlichen Lebens- und Lerngeschichte. Die Verhütung bzw. Behandlung von Burn Out gehört in die Hände von Psychotherapeuten, die diese individuellen lebens- und lerngeschichtlichen Defizite beheben können.

Zum Heilungserfolg gehört, dass Betroffene psychische und physische Grenzen akzeptieren und nicht immer weiter blind überrennen. Ebenso ist eine größere Aufklärung über die Zusammenhänge von inneren und äußeren Belastungsfaktoren beim Burn Out notwendig. Eine wirksame Vorbeugung dagegen bezieht sämtliche Lebensbereiche ein, vom Job bis zur Partnerschaft. Oft steckten Betroffene in einer Panik-Situation und können sich selbst gar nicht helfen. Nicht einmal mehr wirklich erkennen, was da mit ihnen geschieht.

Schwierigkeiten haben allgemein Menschen, die ihre Probleme schwer ausdrücken können; häufig Einzelgänger sind oder mit ihren Schwierigkeiten lieber allein bleiben. Wer über seine kleinen alltäglichen Probleme offen sprechen kann, dem gelingt das auch leichter bei großen Themen. In der Regel erhalten solche Menschen kaum Reaktionen auf ihren Alltag, weder privat noch im Job. Die wenigsten brennen aus, weil jemand ihnen zuviel abverlangen, sondern durch den Druck, unter den sie sich selbst setzen.

Burn Out ist ein Zustand der inneren Leere, der seelischen Verausgabung. Dabei haben die Betroffenen nicht nur ihre wieder aufladbaren Energien abgegeben, sondern sind in ihrer Substanz angegriffen und geschädigt. Körperliche Krankheitszeichen gehören dazu, denn Körper, Seele und Geist bilden eine unzertrennliche Einheit.

Seiner eigenen Person selbst Wertschätzung entgegen zu bringen und nicht nur Anerkennung durch andere zu suchen; eine positive, humorvolle und entspannte Lebenseinstellung wieder zu gewinnen, die auch in Krisen Bestand hat; zu akzeptieren und anzuerkennen, dass „da etwas nicht stimmt“ … sind erste Schritt, den Kreislauf nicht noch weiter eskalieren zu lassen.

Als Partner/Freund …

Helfen kann man aktiv überhaupt nicht, ohne mit unterzugehen. Doch man kann da sein. Im Hintergrund. Beobachtend. Die Arme öffnen und bereit zum Auffangen sein, wenn es soweit ist … wenn der Betroffene soweit ist … Ohne Vorwürfe … ohne „ich hab’s doch gesagt“-Platitüden … Einfach so … weil man Freund ist … weil man wieder Partner sein will … darf.

Zumindest DIESES Leben hat jeder nur einmal. Es gibt Dinge, die sind „es“ einfach nicht wert!

© marmonemi [01/03] / skriptum

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Dieser Text bezieht sich weder auf aktuelle Geschehnisse noch auf „bekannte“ Personen. Er ist von mir vor vielen Jahren geschrieben worden und bereits in einem meiner Bücher erschienen.

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