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Posts Tagged ‘Müdigkeit’

~

Leise. Immer leise kommt er angeschlichen.
Strahlt in seiner vollen Pracht. Sacht. Mit Macht.
Die Nacht erhellt, die Gemüter verwirrt.
In Vollmondnächten fühle ich es:

Diese Ruhelosigkeit, die mich verrückt macht.
Verrückt nach Ruhe und Dunkelheit.

Verflucht hindert er mich unruhig daran,
meinen Kopf im Schlaf abzuschalten. Ganz.
Verrucht das ewig schummrige Licht,
was weder Himmel noch Hölle zur Ruhe kommen lässt.

Grönemeyers „Vollmond“ fast es kurz:
„Der Mond ist voll. Ich bin es auch.“

Voll mit Müdigkeit und zu schlapp,
um dem Ärger in mir Milde zu gönnen.
Heute Nacht kommt er wieder angeschlichen.
Es steht nicht nur im Kalender. Ich fühle es.

Er wird mich über Stunden wach halten.
Und ich werde mich ihm ergeben.

Wie immer.

~

Eine klarere Aufnahme vom Mond hat Frau Point bereits gepostet!

 

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Die Umschreibung „Volle Kraft voraus oder Kolbenfresser?“ finde ich wesentlich passender als die Worte „Erst Feuer und Flamme – dann ausgebrannt“. Denn: Das Gefühl, ausgebrannt zu sein, kann vielleicht (?!) noch rechtzeitig genug und bewusst wahrgenommen werden. Bei einem seelischen Kolbenfresser ist die Gefahr des nicht-Realisierens schon größer. Wovon ich hier schreibe? Vom so genannten BURN OUT!

Immer öfter begegnen mir Menschen und Situationen, die mich beunruhigen … Der Begriff Burn Out drängt sich immer häufiger auf …

Vor ca. einem Jahr erlebte ich es z. B. bei einer Freundin. Perfektionistin und Idealistin, hochintelligent und strotzend vor Kraft. Arbeitswochen mit 70, 80 oder mehr Stunden waren völlig normal. Ihr Privatleben gestaltete sich durch die Wahrnehmung von Veranstaltungen, die direkt im Zusammenhang mit ihrem Job standen. Sie war glücklich verliebt und da ihr Freund nicht in der gleichen Stadt lebte, sondern als Sportprofi überall in der Welt unterwegs war, sahen sie sich nicht täglich. Meist flog sie ihm zu irgendwelchen Turnieren nach (das ließ sich ja günstiger Weise oftmals mit dienstlichen Terminen verbinden) und so verbrachten sie die Wochenenden miteinander. Sie war immer glücklich und engagiert; hatte ihre Weiterbildung, der sie letzten Endes die Beförderung zur Abteilungsleiterin verdankte, im Abendstudium absolviert und als Jahrgangsbeste abgeschlossen.

Eines Tages war sie weg … Krank … Diagnose: Burn Out. Es ging gar nichts mehr. All ihr Engagement war letztendlich die Ursache dafür dass sie alles verlor wofür sie so hart gearbeitet hatte. Ihr Freund hatte lange Zeit versucht ihr zu helfen. Doch auch er war dieser Situation machtlos ausgeliefert und schlussendlich blieb ihm nur, sie loszulassen. Er konnte das was sie für sich als Leben definierte und ihr damit verbundenes Verhalten ihm gegenüber einfach nicht mehr ertragen.

Vorzeichen?

Ja, die hatte es ohne Ende gegeben. Doch wer mag sich schon freiwillig eingestehen, dass die eigenen „Batterien“ einfach leer sind? Und wer geht schon zum Arzt, nur weil er ständig Piepen in den Ohren hört, Kopfschmerzen hat, der Magen rebelliert, Rückenschmerzen nicht mehr ohne Schmerzmittel zu ertragen sind und man trotz eigentlich ausreichendem Schlaf permanent todmüde ist? Außerdem hat ein Arzt nichts damit zu tun, dass die sozialen Kontakte gegen null gehen, Hobbies/Sport nicht mehr wahrgenommen werden, der Partner sich immer mehr abwendet bis ihm irgendwann nur noch die Aufgabe der Beziehung bleibt …

Es gibt vieles, das viel wichtiger ist als ein Arztbesuch: der Job muss laufen; die übernommene Verantwortung erfüllt werden. Wenn irgendetwas nicht auf Anhieb klappt, müssen eben andere Wege gefunden werden; Hauptsache das Ziel (meist selbst gesteckt, statt wirklich von Anderen erwartet) wird erreicht … egal wie! Und selbst wenn man merkt, dass immer mehr Energie aufgewendet werden muss, um Aufgaben zu bewältigen, die man früher mal so nebenbei erledigt hat … wer kommt dabei schon ins Grübeln? Ist eben im Moment eine stressige Phase. Was soll’s?!

Dass der Partner gar nicht mehr als solcher wahrgenommen wird und eher als Feind denn als Freund im eigenen Leben Beachtung findet ist nun einmal so. In jeder Beziehung gibt es nicht so tolle Phasen. Das ist doch nicht außergewöhnlich … Außerdem denkt er ja offensichtlich nur noch an Urlaub. Wer soll denn dann bitte den Job erledigen. Alle anderen können das einfach nicht so gut. Also muss man doch alles selber machen …

Nein, nein, das alles hat überhaupt nichts mit Überarbeitung zu tun. Außerdem hat man doch so hart dafür gearbeitet, um dahin zu kommen wo man nun ist. Also muss man den Job auch vernünftig machen. Schließlich hat man ja auch Verpflichtungen, die man mit dem erarbeiteten Gehalt erfüllen muss. Ein Partner … ja, scheint so … der stört dabei eigentlich nur. Man hat doch alles was man braucht, solange nur der Job läuft. Sport und/oder sonstige Hobbies kann man ja auch mal eine Zeit lang aussetzen. Irgendwann wird auch dafür wieder Zeit sein. Und dass man jeden Morgen das Gefühl hat, an der Matratze fest getackert zu sein und ständig todmüde ist, obwohl man doch eigentlich genug Schlaf hatte … Unruhig zwar und es ist auch nervig, ständig mit Kopfschmerzen aufzuwachen aber … Nun … irgendwann werden auch wieder ruhigere Phasen kommen. Im Moment geht es eben nicht anders.

Ach so’n Quatsch, dass völlige Erschöpfung sowohl physisch als auch psychisch lebensbedrohlich sein kann. Man fühlt sich doch fit! Man IST fit! Und falls es mal gar nicht geht, gibt es immer noch hervorragende Mittelchen, um die Müdigkeit mal zu unterdrücken. Und wenn der Partner nicht ständig rumnerven würde und Freunde einem permanent auf den Füssen stünden, weil sie sich mal wieder treffen wollen, wäre man ja auch längst nicht so gereizt. Was sollen bloß ständig diese dämlichen Fragen, was man noch vom Leben hat. Das Leben ist schön! Genau SO wie es ist. Der Job läuft gut und ist im Moment nur sehr aufwendig. Aber schließlich wollte man ja genau DAS. Sonst hätte man sich ja nicht so dafür engagiert, dort hinzukommen, wo man heute ist. Oder?

Die paar depressiven Phasen zwischendurch … ja, nun … wo ist das Problem? Man darf doch wohl mal ein wenig in sich gehen… ruhig auch mal ein bisschen traurig sein … Schließlich leistet man ja im Job irre viel und da muss doch die Seele auch mal etwas baumeln dürfen. Sich ab und zu mit Alkohol gründlich abzuschießen … sich hier und da mal vernebelt in den Schlaf zu rauchen … och nun … wer tut das denn nicht? Und die paar Tränen, die ab und zu vergossen werden, weil manchmal doch ein wenig das Gefühl aufkommt, dass man kaum was vom Leben hat … Oder die Traurigkeit, weil man den Partner doch irgendwie vermisst … wenn er nur bloß nicht immer so nerven würde und dies, das, jenes, falsch machen würde … wenn er doch wenigstens mal versuchen würde, Verständnis aufzubringen … wäre man ja auch netter zu ihm. Aber so? Nun … wen interessiert’s?

Schlimmer wäre es, wenn dieser Auftrag nicht erledigt würde. Die Kollegen motzen sowieso schon ständig rum und der Chef ist auch nur noch am Nörgeln, dass ihm alles zu lange dauert und letztendlich die Ergebnisse unbefriedigend sind. Himmel … man kann sich doch nicht zerreißen! Aber nächstes Wochenende könnte man ja noch mal eine 48-Stunden-Schicht extra einlegen. Der Partner wird’s schon verstehen. Und wenn nicht … who cares? Dann soll er eben gehen.

Horrorgeschichte? Fiktion? Nein … Realität! Genau SO passiert.

Als Freund und/oder Partner steht man daneben, sieht relativ schnell was da passiert, versucht einzugreifen, wird abgekanzelt und gibt irgendwann notgedrungen auf. Nicht, weil man keine Lust mehr hat oder sich die Gefühle für den Betroffenen in Luft aufgelöst haben, sondern weil man einfach die eigene Machtlosigkeit zu akzeptieren lernt. Weil man begreift, dass dem Kranken ohne gute professionelle Hilfe nicht mehr geholfen werden KANN …

Das bedingt jedoch, dass der Betroffene sich eingesteht, dass er Hilfe benötigt. Und bis dahin ist es noch mal ein sehr weiter Weg. Meist wird er erst beschritten, wenn schon so viel im Argen liegt, dass der Heilungsprozess direkt verbunden ist mit der Erkenntnis des völligen Verlustes irgendeiner Form von Privatleben (wozu im Job kürzer treten, sonst habe ich ja eh nichts mehr …). Und … letztendlich verbunden mit dem Erkennen des Verlustes all dessen, was diesen Zustand in erster Linie bewirkt hat … der Job und alles was dazu gehört …

Was bleibt ist …

… nichts.

Ein erbarmungsloser Teufelskreis!

Der Partner kann letztendlich – egal wie stark seine Liebe ist – genau eines tun:

… nichts.

Der Vorgesetzte wird es im Zweifel nie zur Kenntnis bekommen, weil das ihn Informieren damit verbunden wäre, eine Schwäche zuzugeben … sich selbst und in dem Fall auch anderen gegenüber physische und psychische Instabilität einzugestehen. Das allerdings widerspricht komplett dem bisher Praktizierten. Denn man ist ja stark und schafft alles … egal mit welchen Mitteln … Jetzt auf einmal zugeben, dass man an einem Punkt angelangt ist, nur noch die Flügel strecken zu können? Unmöglich!

Diese emotionale Erschöpfung führt meist dazu, dass irgendwann keinerlei Höhen und Tiefen mehr erlebt werden, sondern Gleichgültigkeit die vorherrschende Macht ist. Wohl auch als Selbstschutz der Seele, um nicht erkennen zu müssen. Körperliche Erschöpfung kommt hinzu. Die Distanzierung von anderen Menschen führt parallel meist zur völligen Vereinsamung.

Die Furcht vor der Offenbarung persönlicher Schwäche verschlimmert das alles noch. In welchem Umfang qualifizierte Hilfe in Anspruch genommen wird, hängt wesentlich von dem Problembewusstsein des Betroffenen und seiner Bereitschaft ab, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Die meisten nehmen die Symptome nicht ernst, bevor sie nicht körperlich so sehr erkranken, dass sie zu keinerlei Leistung mehr im Stande sind.

Burn Out ist eine „anerkannte“ Erkrankung, deren Behandlung der Leistungspflicht der Kranken- und Rentenversicherungen unterliegt. In seinen Ursachen und Erscheinungen ist das Burn Out-Syndrom jedoch sehr umfassend. Die Vielfalt der Faktoren, die dazu beitragen, und die Vielschichtigkeit der Symptome, in denen sich Burn Out äußert, machen es schwierig, ein Burn Out nicht nur als eigenständige Krankheit, sondern vor allem rechtzeitig zu erkennen. Ohne den Willen des Betroffenen, sich bewusst damit auseinander zu setzen, dass es sich um Burn Out handelt oder zumindest handeln könnte, ist es nahezu unmöglich. Oftmals lautet die ärztliche Diagnose trotz relativ genauer Schilderung der Symptome auf „ungeklärte Müdigkeitserscheinungen“. Tabletten gegen Kopfschmerzen und Magenverstimmungen und vielleicht Massagen gegen die Rückenprobleme sowie eine Überweisung zum Ohrenarzt wegen des ständigen Piepens sind die Folge. Eine Diagnose in Richtung Burn Out ist sehr selten.

Die meist maßgebliche Basis für die Entstehung von Burn Out ist lang anhaltender emotionaler und körperlicher Stress, verbunden mit dem Mangel an entsprechender Kompensation und Erholung. Während Stress zunächst das emotionale und körperliche Engagement steigert, ist Burn Out durch die folgende emotionale und körperliche Erschöpfung gekennzeichnet. Dem Verlust von Kraft und Energie folgt der Verlust der Ideale und Hoffnung. Ständige chronische Müdigkeit bei gleichzeitigen Schlafstörungen und ein schleichender Verfall der persönlichen Leistungsfähigkeit bei zunehmender Abneigung gegenüber allem und jedem führen zum sozialen Rückzug, zur Distanzierung von anderen Menschen bis hin zum Zynismus. Das Empfinden, diesem Geschehen ohnmächtig gegenüber zu stehen, verstärkt die Entwicklung noch. Die allmähliche geistige und körperliche Erschöpfung kann von Symptomen begleitet werden wie Depression, Angst- und Panikstörung, Pseudodemenz, Zwänge und andere psychische und physische Störungen. Betroffene, die ihren trostlosen Zustand eine gewisse Zeit hinter ihrer Fassade verbergen können, laufen letztendlich nur noch wie Zombies rum: müde, unflexibel, apathisch, feindlich … die Lust am Leben irgendwann gänzlich verlierend.

Burn Out ist eine individuelle Reaktion auf persönliche Überforderung vor dem Hintergrund einer persönlichen Lebens- und Lerngeschichte. Die Verhütung bzw. Behandlung von Burn Out gehört in die Hände von Psychotherapeuten, die diese individuellen lebens- und lerngeschichtlichen Defizite beheben können.

Zum Heilungserfolg gehört, dass Betroffene psychische und physische Grenzen akzeptieren und nicht immer weiter blind überrennen. Ebenso ist eine größere Aufklärung über die Zusammenhänge von inneren und äußeren Belastungsfaktoren beim Burn Out notwendig. Eine wirksame Vorbeugung dagegen bezieht sämtliche Lebensbereiche ein, vom Job bis zur Partnerschaft. Oft steckten Betroffene in einer Panik-Situation und können sich selbst gar nicht helfen. Nicht einmal mehr wirklich erkennen, was da mit ihnen geschieht.

Schwierigkeiten haben allgemein Menschen, die ihre Probleme schwer ausdrücken können; häufig Einzelgänger sind oder mit ihren Schwierigkeiten lieber allein bleiben. Wer über seine kleinen alltäglichen Probleme offen sprechen kann, dem gelingt das auch leichter bei großen Themen. In der Regel erhalten solche Menschen kaum Reaktionen auf ihren Alltag, weder privat noch im Job. Die wenigsten brennen aus, weil jemand ihnen zuviel abverlangen, sondern durch den Druck, unter den sie sich selbst setzen.

Burn Out ist ein Zustand der inneren Leere, der seelischen Verausgabung. Dabei haben die Betroffenen nicht nur ihre wieder aufladbaren Energien abgegeben, sondern sind in ihrer Substanz angegriffen und geschädigt. Körperliche Krankheitszeichen gehören dazu, denn Körper, Seele und Geist bilden eine unzertrennliche Einheit.

Seiner eigenen Person selbst Wertschätzung entgegen zu bringen und nicht nur Anerkennung durch andere zu suchen; eine positive, humorvolle und entspannte Lebenseinstellung wieder zu gewinnen, die auch in Krisen Bestand hat; zu akzeptieren und anzuerkennen, dass „da etwas nicht stimmt“ … sind erste Schritt, den Kreislauf nicht noch weiter eskalieren zu lassen.

Als Partner/Freund …

Helfen kann man aktiv überhaupt nicht, ohne mit unterzugehen. Doch man kann da sein. Im Hintergrund. Beobachtend. Die Arme öffnen und bereit zum Auffangen sein, wenn es soweit ist … wenn der Betroffene soweit ist … Ohne Vorwürfe … ohne „ich hab’s doch gesagt“-Platitüden … Einfach so … weil man Freund ist … weil man wieder Partner sein will … darf.

Zumindest DIESES Leben hat jeder nur einmal. Es gibt Dinge, die sind „es“ einfach nicht wert!

© marmonemi [01/03] / skriptum

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Dieser Text bezieht sich weder auf aktuelle Geschehnisse noch auf „bekannte“ Personen. Er ist von mir vor vielen Jahren geschrieben worden und bereits in einem meiner Bücher erschienen.

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Geschafft …

 

… eigentlich … aber irgendwie doch nicht so richtig …

Der Sommer endet, die Sonne scheint, die Fenster meiner Wohnung hat nach wie vor keiner geputzt und ich muss noch immer dringend zum Ordnungsamt …

Bereits im Juni hatte ich ja mit „Odyssee einer Ausweisverlängerung …“ meiner Verwunderung Ausdruck verliehen, was so alles Putzwunderliches auf einen eintrümmert, wenn man einfach nur wieder gültig sein will.

Ich komme am Montagabend nach Hause und finde in meinem Briefkasten eine Zusage für etwas, auf das ich längere Zeit und inzwischen ziemlich dringend gewartet habe. Nun fehlt nur noch eine Identifikations-Erklärung, die ich beim nächstgelegenen Postamt nach Vorlage eines gültigen Personalausweises problemlos erhalten sollte.

Problemlos … Da war es wieder … mein Problem: Ich hatte mir noch immer keine gültigen Ausweise ausstellen lassen. Ich bin nach wie vor abgelaufen … seit November letzten Jahres.

Okay, ab durch die Wohnung. Reisepass und Personalausweis suchen. Die Bilder die ich bereits im Juni hatte machen lassen mussten auch noch irgendwo rumfliegen. Und wo verflixt ist dieses Schreiben mit den Öffnungszeiten? Ah … da! Na wow … gut, dass ich nix wegschmeiße. So, alles zusammen rödeln und am nächsten Tag zum Ordnungsamt.

Dort angekommen betrete ich die große Eingangshalle und steuere auch gleich höchst erfreut auf die relativ leeren Schalter zu. Doch halt: die sind nur für die Ausgabe von fertigen Ausweisen. Beantragen muss man sie in der Neben-Halle. Fein. Dann also los. Ich gehe durch die relativ breite Tür und bleibe erschrocken stehen. So viele Menschen auf einem Haufen habe ich ewig nicht mehr gesehen. Okay. Was soll’s. Nummer ziehen und einen freien Platz suchen. Freien Platz … Witzig … nicht wirklich. Doch … da ist tatsächlich noch einer. Ich setze mich und mein Blick fällt auf die Nummer, die mich mittels dieses Zettels zu einer der unzähligen Wartenden deklariert. Ich bin Nummer 275. Weiter unten darf ich dem gezogenen Zettel den freundlichen Hinweis entnehmen, dass noch 44 weitere Personen mit mir warten. Wie nett. Automatisch fange ich an, die Zahl derer, die sich in diesem Raum aufhalten, durchzuzählen. Es sind mindestens doppelt so viele.

Schon komisch: all diese Menschen kann man im Grunde in zwei Gruppen einteilen: die einen sehen gebannt auf ihre Zettel und die anderen starren auf die große elektronische Tafel, die neben dem nächsten Eingang – diesmal in die Halle mit den Schaltern zum Beantragen von was auch immer – an der Wand hängt. Den großen roten Ziffern kann jeder entnehmen, wie viele Wartende aktuell noch vorher dran kommen werden. Der Zähler steht gerade mal bei 214. Also mit 44 Wartenden vor mir iss nix. Das sind mehr … wusste ich es doch. Tja … also warte ich … sehe auf meinen Zettel und kenne meine Nummer schnell auswendig.

Ich sehe erneut auf die Tafel, auf der sich gar nichts tut … sehe in die Runde und sehe nur Menschen, die entweder auf ihren Zettel sehen oder an die Tafel starren. Keine Gespräche. Nicht einmal Menschen, die offensichtlich mit vereinten Kräften das Marathon-Warten bewältigen wollen, unterhalten sich miteinander. Nix. Keine Gespräche. Doch halt … eine Stimme neben mir regt sich. Alles zuckt zusammen. Ich am allermeisten. Schließlich meint sie mich. Ein kleines Gespräch entwickelt sich. Eine willkommene Abwechslung. Auch wenn ich nur erfahre, das sie ihre Lohnsteuerkarte ändern lassen will. Interessant. Ja, ja. Man wird genügsam. Wir beenden das Gespräch schnell wieder. Es wirkt doch zu störend in dieser Stille von knapp hundert wartenden Menschen.

237. Tatsächlich; die Tafel ist doch nicht kaputt. Sie lebt … oder so. Ich überlege was ich gleich noch besorgen kann, wenn ich hier fertig und eh gerade mitten in der Stadt bin. Die Markthalle ist nebenan. Heute und morgen Abend habe ich Gäste. Ich könnte gleich noch ein paar leckere Schnabbeleien besorgen, sofern ich hier irgendwann tatsächlich dran kommen sollte. In Gedanken mache ich mir eine Einkaufsliste und überlege, wie ich zwischen Feierabend und Eintreffen noch schnell ein paar Kleinigkeiten zubereite. Plan steht. Tafel lebt. Ich falle gleich um vor Müdigkeit. Es ist zum Sterben langweilig … Meine Nachbarin holt Luft und sieht zu mir rüber. Doch sie verstummt, noch bevor sie ihre Stimme erhebt. Bloß nix sagen!

Eine Frau ruft laut in den Raum, ob jemand die Nummer 240 haben möchte, sie muss weg und kann nicht mehr warten. Ein Beben geht durch die Wartenden und mehrere Leute fassen allen Mut zusammen und melden sich. Die Frau erwidert, wer zuerst bei ihr ist, bekommt die Nummer. SO bringt man also eine solche Masse dazu, sich zu bewegen. Erstaunlich. Ich beobachte das Szenario und lache still. Fast scheint es, als hätte die Frau einer Meute von Verdurstenden einen Schluck Wasser angeboten. Die Aktion merke ich mir! Wer weiß, wann man so etwas mal gebrauchen kann. ;-)

Die Zeit vergeht einfach nicht. Ich überlege, dass ich auf dem Rückweg an meinem lieblings-Blumengeschäft vorbei gehen könnte. Ein paar neue Übertöpfe sind sowieso längst überfällig. Und beim Sattler könnte ich auch gleich noch eine Bestellung aufgeben. Sofern ich hier jemals dran komme.

Die 240 ist inzwischen Geschichte. Mittlerweile bewegen wir uns schon fast auf die 255 zu. Doch was ist jetzt? In der großen Halle sind von 12 Schaltern nur noch drei besetzt. Sind alle anderen Mitarbeiter zu Tisch? Au backe … das jetzt auch noch. 253 … 254 … nichts bewegt sich unter den Wartenden. In Gedanken schreie ich „Los, drückt die nächste Nummer, Du Knaller! Hier tut sich nix“. Aber der Mitarbeiter denkt offensichtlich gar nicht daran und holt sich statt dessen einen Kaffee. Nur noch zwei besetzte Schalter. Ich fasse es nicht!

Plötzlich ist es tatsächlich geschafft. Nebulös tut sich mir ein Schimmer von Hoffnung auf: die 270er Grenze ist deutlich überschritten und meine Nummer wird als nächstes aufleuchten … Jiepp! Ich springe fast vom Stuhl und betrete die Halle, suche den für meine Nummer zuständigen Schalter und finde einen tatsächlich sehr netten Mitarbeiter (ohne Kaffee …). Ich lege ihm meinen abgelaufenen Personalausweis und den ebenso ungültigen Reisepass vor, bitte um Neuausstellung und betone gleichzeitig, dass ich mich noch heute legitimieren muss; also einen vorläufigen gültigen Ausweis benötige. „Alles kein Problem“ höre ich „dann benötige ich von ihnen drei Fotos“. Ooops … mir wird fast schwarz vor Augen! Ich habe nur zwei Fotos bei mir. Wut bahnt sich den Weg in mein Bewusstsein. Aber nur milde lächelnd überreiche ich ihm die beiden Fotos und muss mich dem entsprechend mit einem beantragten Personalausweis und einem sofort ausgestellten vorläufigen Personalausweis zufrieden geben. Sinnlos zu erwähnen, dass die ganze Prozedur nun in absehbarer Zeit erneut los geht, wenn ich einen neuen Reisepass beantrage. Klasse gelaufen.

Gegenüber dem Mitarbeiter tat ich cool und nahm seine Ausführungen als selbstverständlich und charmant lächelnd hin. Innerlich dachte ich nur an das nervige Warten zurück. Ich überlegte, was es ausgelöst hätte, wenn ich das blöde dritte Foto nicht vorhin noch auf meinem Schreibtisch deponiert hätte, um es nicht mitschleppen *keuch* zu müssen. Was in mir aufkam war nicht gerade Freude darüber, dass ich diese Arie nun für einen Reisepass noch einmal vor mir habe:

SO EIN SCHEISS!!!

Als ich von dem freundlich grinsenden Ordnungsamt-Mitarbeiter meinen vorläufigen Personalausweis erhalte, da trifft mich der nächste Schlag: Dass ich seit meiner Scheidung noch immer keine Namensänderung habe durchführen lassen, war mir aufgrund der Dringlichkeit dieser blöden Legitimation völlig entfallen. Nach der Eheschließung hatte ich damals meinen Ausweis nicht ändern lassen und folglich enthielt mein alter Ausweis noch immer meinen Geburtsnamen … ohne Strich … ohne Namens-Zusatz. Finanz- und Standesamt wissen natürlich, wie ich tatsächlich heiße und machen erbarmungslosen Gebrauch von dieser Information … Und nun kann ich, viele Jahre nach meiner Scheidung, für die nächsten 10 Jahre als „Strichmädchen“ rumlaufen. Verfluchte Doppel-Namen!

In einer uncharmanten Mischung aus „ein bisschen glücklich aber auch stinkig“, weil ich diesen Namens-Zusatz nun in meinem Ausweis amtlich dokumentiert mit mir rumschleppen muss (hoffentlich will diesen Ausweis niemals jemand sehen!) und on top die ganze Nummer nun noch einmal wegen des Reisepasses vor mir habe, verlasse ich in Gedanken versunken das Ordnungsamt.

Ich mußte lächeln als mir wieder einfiel, wie erschrocken ich im ersten Moment war, als der Mitarbeiter meinen alten Ausweis an sich nahm und blitzartig durchschnitt mit der Bemerkung, dass der nun vernichtet wird. Dieses Durchschneiden hat irgend einen Horror … Ich hoffe immer, dass ich das niemals erlebe, wenn es um meine Konto- oder Kreditkarten geht. Letztere sind bisher verschont geblieben ;-)

Meine Mittagspause ist seit ca. einer Stunde vorbei. Ich steuere also zielstrebig in Richtung Hauptpostamt, um diese leidige Legitimation hinter mich zu bringen und als ich bereits 10 Minuten unterwegs bin fällt mir die Markthalle wieder ein, in der ich vergessen habe, für heute und morgen Abend einzukaufen. Auch das Blumengeschäft ist inzwischen zu weit weg. Und der Sattler ist neben dem Blumengeschäft. Na ja, immerhin bin ich jetzt erst mal bis 7. Januar nächsten Jahres vorläufig gültig …

Als Strich-Mädchen!

Dass ich kurz vor Erreichen des Postamtes noch mit dem Fuß umknicke und ihn anstauche ist wohl an diesem Tag einfach im Programm vorgesehen und was ich nun an diesem und dem morgigen Abend zum Essen anbiete weiß ich noch immer nicht. Hoffentlich scheint an diesen Abenden wenigstens die Sonne nicht; die Fenster sehen inzwischen wirklich grauenhaft aus.

275 (gebindestricht darauf wartend, dass wenigstens Reisepässe abgeschafft werden)

© marmonemi [10/02] / skriptum

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Müde. Im Moment bin ich einfach nur endlos müde. Ich schlafe soviel wie noch nie und doch ist da immer diese bleierne Müdigkeit. Liegt’s am Wetter? Habe ich zuviel um die Ohren? Werde ich alt? Zu letzterem bitte keine Bemerkungen!

Müßig zu erwähnen, dass ich heute früh verschlafen habe.

Macht aber nichts; meine Chefin kommt eh immer deutlich später als ich.

Also mal wieder im Schnelldurchlauf den Morgen hinter mich bringen. Klamotten raus suchen, reinschmeißen, rausschmeißen, duschen, Zähne putzen, wieder in die Klamotten reinschmeißen, drin bleiben, Tasche schnappen und los zur Bahn. Sauwetter.

Müßig zu erwähnen, dass ich einen großen Schirm vergessen hatte, mitzunehmen.

Macht aber nichts; ich habe ja immer meinen kleinen Schirm in der Tasche.

Doch, doch, heute tatsächlich. Also frickelte ich ihn zwischen Stechschritt und Eiltempo aus der Tasche, achtete dabei nur leider nicht so genau auf den Weg. Und ZACK … umgeknickt. Das war mir letzte Woche schon einmal passiert und logischerweise hatte ich mir dabei einen Absatz abgebrochen. Die letztwöchigen Schuhe Modell „abgebrochener Absatz“ waren beim Schuster und müssten inzwischen repariert sein.

Müßig zu erwähnen, dass mir an diesem Morgen selbstredend wieder ein Absatz abgebrochen ist.

Macht aber nichts; ich wollte eh die anderen Schuhe vom Schuster abholen.

Also weiter zur Haltestelle. In strömendem Regen. Humpelnd. Versteht sich. Füße nass weil Schuhe offen. Und kaputt. Der Eine zumindest. Der Andere nicht. Nur dass mir das in dem Moment nicht zwingend weiter half. An der Haltestelle angekommen war ich total groggy.

Müßig zu erwähnen, dass an diesem Morgen und bei diesem Wetter mindestens drei Bahnen ausfielen.

Macht aber nichts; ich musste ob meiner doch recht eigentümlichen Gehweise eh erst mal in Ruhe durchatmen.

Auf dem Weg zwischen Haltestelle und Sender überlegte ich, ob ich mir vom Bäcker was mitnehme. Im Büro-Kühlschrank habe ich eigentlich immer Aufschnitt und Butter. Also entschied ich mich für drei einfache Brötchen.

Müßig zu erwähnen, dass es in der Kasse mal wieder keinerlei Kleingeld gab.

Macht aber nichts; ich wollte meine 75 Centstücke eh irgendwann mal loswerden.

Im Sender angekommen war ich einfach nur froh, endlich im Trockenen zu sein und steuerte, nachdem ich mir die morgendliche Post geschnappt hatte und inzwischen mit Tasche, klatschnassem Regenschirm, Brötchentüte und Post reichlich bepackt war, humpelnd mein Office an.

Müßig zu erwähnen, dass ich meinen Büroschlüssel zuhause vergessen hatte.

Macht aber nichts; der Generalschlüssel war nicht auffindbar und meine Chefin kam nur knapp eine Stunde später.

In der Zwischenzeit hatte ich mir überlegt, dass mir ein Brötchen neue Kräfte verleihen könnte. Also holte ich mir aus der Teeküche siegessicher einen Teller und ein Messer. Zurück am Kühlschrank, in dem ich meine Lebensmittel aufbewahre, lud ich alles ab und öffnete die Kühlschranktür.

Müßig zu erwähnen, dass ich doch keinen Aufschnitt mehr dort hatte.

Macht aber nichts; die Butter war auch alle.

Trockene Brötchen mag ich ja nun nicht unbedingt. Zumindest nicht so gern, dass ich mich darum prügeln würde. Musste ich aber auch nicht. Außer mir wollte sie sonst auch niemand. Also mümmelte ich aus Langeweile wenigstens eines der (trockenen) Brötchen in mich hinein. Nachdem mein Office seine wundersame Öffnung erfahren hatte, legte ich zunächst los. Gegen Mittag humpelte ich dann siegessicher zum Schuster, um die inzwischen reparierten Schuhe abzuholen und die heute verunglückten gleich dort zu lassen.

Müßig zu erwähnen, dass ich letzte Woche nur den kaputten Schuh dort gelassen hatte. Den Verletzten. Der Unverletzte stand zu Hause.

Macht aber nichts; ich wollte eh mal nach neuen Schuhen gucken.

Das von mir – okay: inzwischen ein wenig genervt – angesteuerte Schuhgeschäft hatte wirklich so rein gar nichts im Angebot, von dem ich auch nur annähernd hätte behaupten können, dass es mir gefällt. Na ja, der Verkäufer war ganz nett aber ich wollte ja keinen Kerl, sondern Schuhe. Also kaufte ich irgendwas in meiner Größe, zog „es“ an und ging zurück zum Schuster, um die kaputten Schuhe endgültig dort abzugeben.

Müßig zu erwähnen, dass ich die gerade erstandenen „Etwasse“ schon sch**** fand, als ich in ihnen den Schuhladen gerade mal ein paar Schritte verlassen hatte.

Macht aber nichts; irgendwie ist das anscheinend eh ein gebrauchter Tag.

Zurück im Office war es relativ ruhig, so dass ich tatsächlich das aushäusige Wetter zeitlich wahrzunehmen im Stande war. Es wechselte im dreiviertel Takt. Unglaublich. So viele Wetter an einem Tag … das hat schon was! Als ich den Feierabend in Angriff nahm, war der Himmel bedeckt. Also schob ich meine Sonnenbrille ins Etui und verbuddelte dieses in der Tasche, nachdem ich den Schirm heraus gezogen hatte. So gerüstet verließ ich den Sender.

Müßig zu erwähnen, dass die Sonne regelrecht knallte, als ich auf die Straße kam und sich kein einziger … aber auch wirklich absolut gar kein einziger … Regentropfen blicken ließ.

Macht aber nichts; Regen hatten wir heute ja eh schon genug.

Endlich in der Bahn sitzend öffnete ich also meine Tasche, kramte das Brillen-Etui von ganz unten (wie es da so schnell hingekommen ist, bleibt mir ein Rätsel) nach oben, fischte meine Sonnenbrille raus, klemmte sie mir in den Ausschnitt, frickelte den Schirm zurück in seine – logischerweise viel zu enge, also alles wie immer – Hülle, stopfte den Schirm (in der Hülle) in die Tasche und machte es mir gemütlich.

Müßig zu erwähnen, dass es, als das Gefährt von U-Bahn wieder zu Straßenbahn wurde und wir das Tageslicht erreichten, wie aus Eimern schüttete und von Sonne wirklich rein gar nie nix zu sehen war.

Macht aber nichts; ich hatte ja einen Schirm bei mir.

Also Kommando zurück und den Schirm wieder raus … Brille rein … und hoffen, dass die Bahn unbeschadet über die werweißwietief in Regenwasser stehenden Straßen/Schienen meine Haltestelle findet. Angekommen und raus. Ich wollte nur noch nach Hause. Also erneuter Stechschritt. Das Wiesenstück, was vielen als willkommene Abkürzung dient, war überwiegend, aber eben nicht überall, ziemlich aufgeweicht.

Müßig zu erwähnen, dass ich bei diesem Unterfangen auf den nagelneuen Schuhen umknickte und mir das Fußgelenk verknackste.

Macht aber nichts; ich war ja bald zuhause und dann konnte ich mich ganz gepflegt einem jetzt doch langsam fälligen, mittelschweren hysterischen Anfall widmen.

*ARRRRRGH!*

© skriptum
[28.08.04]

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Vollmondigkeit

Leise. Immer leise kommt er angeschlichen.
Strahlt in seiner vollen Pracht. Sacht. Mit Macht.
Die Nacht erhellt, die Gemüter verwirrt.
In Vollmondnächten fühle ich es:

Diese Ruhelosigkeit, die mich verrückt macht.
Verrückt nach Ruhe und Dunkelheit.

Verflucht hindert er mich unruhig daran,
meinen Kopf im Schlaf abzuschalten. Ganz.
Verrucht das ewig schummrige Licht,
was weder Himmel noch Hölle zur Ruhe kommen lässt.

Grönemeyers „Vollmond“ fast es kurz:
„Der Mond ist voll. Ich bin es auch.“

Voll mit Müdigkeit und zu schlapp,
um dem Ärger in mir Milde zu gönnen.
Heute Nacht kommt er wieder angeschlichen.
Es steht nicht nur im Kalender. Ich fühle es.

Er wird mich über Stunden wach halten.
Und ich werde mich ihm ergeben. Wie immer.

© skriptum

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