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Posts Tagged ‘Nähe’

Wie kann man nur so müde sein? Kein Satz von ihm, der nicht von einem Gähnen zumindest begleitet wurde. Die hundemüde Antwort auf meine lächelnde Frage, ob ich ihn langweile, quittierte er mit einem erneuten Gähnen und so gingen wir schlafen.

In dieser Nacht dauerte es nicht lange, bis er anfing zu schnarchen. Das ist für mich immer wieder das schönst mögliche Signal, mich jetzt auch meinen Träumen hinzugeben. Wohliger kann ich kaum einschlafen, als sein Schnorcheln ganz nah bei mir zu hören. Und so müde wie er war, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht damit gerechnet, dass dies die Nacht des blanken Terrors werden würde. Kaum war ich Millisekunden vor dem Einschlafen ging’s los:

Sein Arm, in den ich mich gekuschelt hatte, zuckte. Ich dachte, dass er ihn vielleicht gern zurück hätte und wollte ihn frei geben. Doch plötzlich lag er wieder ganz ruhig da und so versuchte ich erneut, einzuschlafen. Doch warum zuckte er plötzlich mit den Füßen? Ich ignorierte es einfach und entschwand ins Reich der Träume.

Es muss kurz danach gewesen sein, als er wieder nervös zuckte. Meine Frage, ob das heute noch was mit Schlafen wird, beantwortete er mit einer wilden Kratzorgie – irgendwo in Richtung Fußbereich. Auch das Knie und der Kopf kamen bei dieser Aktion nicht zu kurz. Lag ich mit einem Affen in Bett oder was?

Plötzlich wieder Ruhe. Ich war gerade dabei einzunicken, als ich glaubte, skalpiert zu werden. Ja, kann’s denn wahr sein? Dieser Knispel. Was hat er denn jetzt schon wieder? Na klasse, seine Uhr … in meinen Haaren … Könnte er jetzt bitte mal aufhören, an meinem Kopf rumzuziehen? Wenn ich nicht so dermaßen müde wäre, würde ich jetzt was sagen. Aber meine Stimme versagt mir einfach den Dienst. Versuche ich eben einfach nooochmal, einzuschlafen.

Und was zuckt ER jetzt hier nervös rum? ICH bin gerade skalpiert worden. Zucke ich? Nein. Ich will jetzt nur endlich SCHLAFEN!!! Hallo? Was soll DAS denn nun? Warum dreht er wie ein Irrer seinen Kopf im Kissen hin und her? Träumt er vom Tennis oder was? Ja ganz toll … Jetzt kommen von seinem Rumgezappel auch noch 100 cm Kuscheltier auf mich zuge … ah! Abgefangen … Man gut, dass er noch wach war. Nein! WAS WAR DAS DENN??? Ach ja, die Weingläser. Na danke. Bis morgen früh dürfte sich der Rotwein mit dem Teppich vereinigt haben. Schön, morgens aufzustehen und als erstes in etwas Nasses zu treten! Na ja, vielleicht ist das Ansporn genug, dass er sich nun endlich um die längst versprochenen Nachttische kümmert.

So, war‘s das jetzt für diese Nacht mit Special-Effects oder was? Langsam reicht es echt. Boah! Und mein Kopf tut weh. Er hat mich echt skalpiert … Na warte!

Das dürfte es ja wohl jetzt gewesen sein, oder? Vorhin war nicht ein einziger Satz möglich, ohne dass er mich breit angegähnt hat. Langsam dürfte doch wohl seine Energie, mich mitten in meinem Urlaub neurotisch vom Schlafen abzuhalten, erschöpft sein.

WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER? Was nestelt er denn nun noch an der Bettdecke rum? Kann jetzt endlich mal Ruhe sein? Nö, wohl nicht. Was will er denn jetzt noch? Warum schubbert er mit seinem Fuß an meinem Bein rum? „AUTSCH! MANN! Willst Du Deine Fußnägel eigentlich so lange wachsen lassen, bis das Guinness-Buch einen Antrag auf Rekord-Veröffentlichung stellt? Oder was?“ Gleich werde ich echt sauer. Okay, letzter Schlaf-Versuch, bevor ich ihn einfach umbringe …

Oh man, und ständig dieses Krachen lassen seiner Knochen. Toll! Kopfkratzen, Decke wenden. Jetzt bleibt ja wohl kaum noch was, um mich vom Schlafen abzuhalten, oder? Also Ruhe jetzt und guuuuute Nacht! Mal sehen, ob er nun endlich still liegen wird. Ein letzter Versuch, mich bei ihm anzukuscheln …

Nein. Nein, nein, nein, nein, NEIN! WAS IST JETZT NOCH? Ich gebe es auf. Wo will er denn jetzt hin? Warum steht er nicht einfach auf? Wäre wohl zu einfach. Stattdessen kriecht er wie eine Schnecke im Bett rum. Letztendlich wird er doch sowieso aufstehen. Warum nicht kurz und schmerzlos? AUTSCH! Nicht schmerzvoll … oh man, mein Bein. Er hasst mich … er MUSS mich hassen. Warum sonst sollte er versuchen, mich durch Schlafentzug zu töten und mich im Rahmen des Abschlusses dieses Vorhabens vollends zu verstümmeln? Warum sonst?

Entschuldigung … ja toll. Das hilft mir jetzt auch nicht so ganz direkt weiter. Darf ich jetzt bitte endlich schlafen, ja? Danke! Oh nein, ist er jetzt auch noch in die Scherben der Weingläser getreten? Kann nicht wahr sein. Kann wirklich nicht wahr sein. Wie kann ein einzelner Mensch so paddelig sein? WIE? Ich fasse es nicht! Aber: Respekt. Ich glaube, ICH hätte gefiept oder so. Er trägt es wie ein Mann. Na endlich, er geht ins Badezimmer. Ruhe! Ich darf endlich schlafen … darf ich?

Nein! Natürlich nicht. Was randaliert er denn nun noch im Badezimmer rum? Oh je … das Regal. DAS fehlt jetzt noch. Wehe, wenn er in seiner diesnächtlichen Paddeligkeit auch noch das Regal umschmeißt. Wie ruhig kann Frau eigentlich in einer solchen Nacht bleiben? Stehe ich auf und sehe nach, was er angestellt hat? Nö! Das soll er mal schön selber in Ordnung bringen. Was war denn DAS für ein Geräusch? Doch noch irgendwas umgefallen? Egal, ich will jetzt endlich einfach schlafen. Mal sehen, ob ich seiner Geräusch-Kulisse mittels meiner Bettdecke über meinem Kopf entgehen kann.

Gut, dass ich ausschlafen kann. Ist ja wenigstens eine reelle Chance, den Tag zur Nacht zu machen. Ich muss mir nur noch was einfallen lassen, wie ich ihn wenigstens für ein paar Stunden aus dem Haus bekomme. Und dann schlafen … nur noch und endlich schlaaaafen!

Der Wecker … ich bringe ihn um! Warum stellt er diesen verdammten Wecker? Wo ist das Mistding? Da. Na warte … komm DU mir in die Nähe des Bettes! Und jetzt auch noch … oh nein … Das Regal … das WAR das Regal … Wo ist … DA ist er. Mal sehen, ob er fangen kann … Na klasse! Jetzt hängt die Steckdose auch noch am Kabel. Tja Babe, hättest sie vielleicht doch mal reparieren sollen. Gleich lach ich mich kaputt … Oh verdammt, warum weicht er denn aus? Nein! Der Fernseher … Wecker in Fernseher … merken: Kommt nicht gut! Na ja, im Wohnzimmer haben wir ja noch einen zweiten.

Mist! Das war jetzt wohl mein Fehler. Ich versuch’s mal einfach mit Decke über den Kopf ziehen. Es soll ja zwischen Himmel und Erde möglich sein, irgendwann einfach vor Erschöpfung einzuschlafen … Ich tu‘ einfach so, als hätte ich es nicht bemerkt. Hauptsache, er gibt jetzt endlich Ruhe!

Warum. Warum zum Henker riecht es hier nach meinem Parfum? Ist er jetzt völlig durchgedreht? Ich glaube, damit hätte ich dann ein wirklich ernstes Problem. ER mit MEINEM Parfum? Och nö … bitte nicht. Egal. Ich bin hundemüde. Ich MUSS jetzt schlafen! Hoffentlich gibt er jetzt endlich Ruhe!

Er zieht sich an … er zieht sich tatsächlich an. Es gibt DOCH einen Gott! Er geht weg. Wo will er bloß heute um diese Zeit hin? Und warum stöhnt er so rum? Poh, kann er abends seine Klamotten nicht in den Wäschekorb schmeißen? Jetzt zieht er die gleichen Plünnen nochmal an … Na ja, wem’s gefällt. Boah! WASCHEN, Babe. Waschen ist meist ein trefflicher Trick, um den Deo-Verbrauch nicht ins Unermessliche zu steigern. Igitt! Stinkt das … Wie soll ich dabei bloß schlafen?

Die Tür. Ich glaub’s ja nicht. Er hat die Tür zugezogen. Hat er überhaupt seine Schlüssel mitgenommen? Honey, glaub bloß nicht, dass ich Dich freiwillig jemals wieder ins Haus lasse.

Ruhe … wow, ist das ein schöne Geräusch … KEIN Geräusch. Er ist echt weggegangen. Ich kann schlafen. Kann ich? Klasse, jetzt bin ich wach. Okay, Kaffee trinken und erstmal durchatmen. Wie spät ist es eigentlich? WAS? Erst halb sieben?

Ha! Ich lach mich kaputt. Da liegt sein Hausschlüssel, Autoschlüssel, Handy, Ziggis … er hat alles vergessen! Ist er auf der Flucht? Was will er draußen schon so früh? Und vor allem: Warum am Sonntag?

© skriptum
(05/2003)

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Endlich das Gefühl von Wärme
nach sommerlichen Wintertagen.

Endlich das Gefühl von Nähe
nach entfernt geahnten Möglichkeiten.

Endlich das Gefühl von Wissen
nach gedachten Erfahrungen.

Endlich das Gefühl von Siegen
nach vermuteten Niederlagen.

Endlich das Gefühl von Ankommen
nach ersehntem Wegrennen.

Endlich das Gefühl von Geborgenheit
nach verschlepptem Befreien.

Endlich das Gefühl von Vermissen
nach genossener Zweisamkeit.

Endlich.

Und die Unendlichkeit wird greifbar …

… durch Dich!

© skriptum

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Eine Frage, die ganz sicher nicht nur mir ständig gestellt wird …

Kürzlich las ich in einem Artikel, in dem es um den potentiellen Zerfall der „Institution Ehe“ ging, dass Frauen eben heute unabhängiger sind – verbunden mit der Frage, ob daran immer mehr Ehen scheitern. Tja, die Frage kann und/oder will ich jetzt auch nicht abschließend beantworten; denke aber, dass die Vermutung natürlich sehr nahe liegt.

By the way: ich finde es absolut okay und definitiv keinen Grund zu Angriffen, wenn sie offen sie sucht oder er offen ihn sucht oder sie oder er offen nur ‚das Eine‘ sucht oder eben gerade DAS nicht! Das finde ich ehrlich und ist kein Grund zur Panik …Wer das nicht will, spricht es klar aus und gut ist es. Diejenigen wissen was sie wollen oder nicht wollen und propagieren es entsprechend! Respekt für den teilweise damit durchaus verbundenen Mut! Und danke für die Fairness, mich selbst entscheiden zu lassen, ob ich mich darauf einlassen möchte oder nicht.

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich meine Unabhängigkeit liebe! Sie ist mir wichtig und ich möchte sie auch nicht völlig aufgeben. Ob das so weit geht, dass ich keine Beziehung führen kann, wage ich jedoch zu bezweifeln. Was ich allerdings sehr gut kann ist, meine Eltern und meinen Freundeskreis zu genießen, meinen Job ebenfalls, auch mal einfach zuhause bleiben und die Füße hochlegen, Party bis der Arzt kommt ;-) und alles was es so dazwischen noch zu entdecken gibt. Und zwar wann, wie und wo ich es möchte; gern zusammen mit einem Mann; jedoch nicht zwingend.

Der Punkt ist, dass ich eine Beziehung als Bereicherung empfinden möchte. Sie soll mein Leben schöner und – eben in ganz gewissen Bereichen – noch ausgefüllter machen. Ich möchte auf gar keinen Fall, dass der Mann, mit dem ich eine Beziehung eingehe, mich völlig vereinnahmt, so dass es mir schlicht unmöglich wird, unbeschwert zu atmen. Ich möchte nicht sein Leben leben und genauso wenig, dass er mein Leben lebt; das kann ich prima selbst. Ich möchte nicht, dass ein Leben in einer Beziehung mit einem Partner komplett an Stelle meines eigenen, bisherigen Lebens – meiner Persönlichkeit – tritt. Ich bin ich und ich will auch ich bleiben. Mit allen Ecken, Kanten, Macken, Vorlieben und Abneigungen.

Als Erwachsener kann wohl jeder zu recht von sich behaupten, ein ‚fertiger’ Mensch zu sein. Da ändert sich kaum noch jemand so grundlegend, wie es vielleicht als Teenager möglich gewesen wäre. Wenn man/frau nun also jemanden kennen lernt und feststellt, dass es da Punkte im Wesen der/des anderen gibt, mit denen man/frau selber nicht klar kommt und auch in Zukunft keine Akzeptanz aufbringen kann, finde ich es nicht realistisch zu glauben, dass man/frau ihn/sie schon noch hinbiegen wird. Das geht schief! Wetten?

Ich würde es auch nicht wollen, wenn ‚in meinem Alter’ (Himmel!) noch jemand anfängt, an mir rum zu erziehen. Dass man beim Eingehen einer Beziehung auch Kompromisse schließen muss ist klar. Doch darf das so weit gehen, dass man das Krachen im Rücken beim Verbiegen schon laut und deutlich hören kann? Ich für meinen Teil würde in dem Moment ruckartig den Schleudersitz auslösen; egal, wer da gerade darauf sitzt.

Tja, und deswegen bin ich wohl Single. Ich suche nicht aber vielleicht wird es sich irgendwann ergeben. Wenn mich tatsächlich mal der sprichwörtliche Blitz treffen sollte, werden wir sehen, ob es klappt oder nicht. Aber am Wichtigsten finde ich, sich selber erst mal im Klaren darüber zu sein, was wichtig ist und was nicht passieren darf. Denn bevor das nicht geklärt ist, kann wohl kaum dem Kennenlernen die Erkenntnis folgen, ob das nun ‚passt’ oder doch nicht.

Ich für meinen Teil weiß, dass ich Lügen und Untreue niemals verzeihen kann (wobei ich Untreue als die fieseste weil intimste Form der Lüge empfinde!), dass mir Nähe und Geborgenheit zu empfinden genauso wichtig ist, wie gleiches zu geben. Das ich – wenn – mit jemanden zusammen sein will, auf den ich – genauso wie er auf mich – felsenfest bauen kann; mich in jeder Lebenslage blind auf ihn verlassen kann … wie er sich auf mich.

Und DAS alles im Komplett-Paket scheint doch ziemlich ‚ausverkauft’ zu sein. Wohin also mit dem was ich geben könnte? Einfach aufheben. Irgendwann werde ich es schon an den Mann bringen. Und wenn nicht kann ich es auch sehr gut für mich genießen! ;o)

© marmonemi [ursprüngliche Fassung: 11/01] / skriptum

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> Alle Teile im Überblick <

Anni war zu benommen, um sich gegen das was da mit ihr geschah zu wehren. Ihr Kopf fiel leicht zur Seite und sie schlief kurz ein. Durch ein ankommendes Telefonat auf seinem Handy wurde sie geweckt. Sie versuchte die Augen zu öffnen aber irgendwas hatte sie verklebt. Also hielt sie sie einfach geschlossen und lauschte seiner Stimme. „Angenehm“ dachte sie und hörte wie er ein Treffen absagte. Er ging nicht näher auf die Gründe ein. 

Das sanfte Anhalten des Wagens und das Abstellen des Motors ließen sie erkennen, dass die Fahrt nun wohl zu Ende war. Lange hatte die Fahrt wohl nicht gedauert. Sie könnte also mühelos, sobald er sie gehen ließ, nach Hause. Aber … wollte sie? Trotz dieser nur allzu blöden Situation fühlte sie sich in seiner Nähe wohl. Und das, obwohl sie ihn überhaupt nicht kannte und die Umstände des Kennenlernens doch nicht unbedingt ihrer Wunschvorstellung entsprachen. Die Beifahrertür öffnete sich und er wollte sie aus dem Wagen heben. 

„Nein, nein, lassen sie nur, ich gehe selbst“ mutmaßte sie, merkte aber sofort, dass diese Idee keine ihrer Besten war. Also ließ sie sich erneut von ihm tragen. Mittlerweile wurde sie etwas klarer im Kopf und die Situation, in der sie sich befand, begann ihr peinlich zu werden. Er sagte kein Wort, öffnete mit ihr auf seinen Armen die Haustür und brachte sie ins Wohnzimmer. Dort legte er sie auf die Couch, entschuldigte sich kurz und verschwand. 

Ihre Augen konnte sie mittlerweile wieder einigermaßen öffnen doch der Schmerz in ihrem Kopf machte sie fast wahnsinnig. Sie sah an sich herunter und erschrak. Ihr Bein blutete sehr stark auf die helle Couch. Nur die Wunde an ihrem Kopf schien die Blutung inzwischen eingestellt zu haben. „Der Stoff ist Schrott“ entfuhr es ihr und sie erschrak, als er beim plötzlichen Betreten des Wohnzimmers wie selbstverständlich antwortete „es gibt Schlimmeres!“. 

„Ich habe mir erlaubt, eine Flasche Rotwein zu öffnen. Das vereinfacht uns vielleicht das Verarzten etwas“ lachte er zwinkernd zu ihr rüber und stellte Flasche und Gläser auf den Tisch. Ein dunkles Handtuch, was er über dem Arm hängend mitgebracht hatte, nahm er nun und hob ihr Bein an. „Ich heiße übrigens Mario. Darf ich auch erfahren, wen ich gerade fast getötet habe?“. Nun musste auch sie lachen doch ihr „Anni“ erstickte etwas ob der Bewegung ihres Beines, als er das Handtuch darunter legte. „Tut mir leid, ich wollte Dir nicht wehtun!“. Wie selbstverständlich war er zum Du übergegangen und Anni war das sehr recht. Entspannte es die Situation doch etwas. 

Mario drehte sich um, füllte die Gläser und reichte Anni eines zum Anstoßen. „Wie gesagt, es tut mir sehr leid und ich werde das alles wieder gut machen, versprochen!“ formten sich seine Worte den Weg zu ihr, als er sich vor ihren Körper auf die Couch setzte. Sein Glas hielt er Anni zum Anstoßen entgegen und Marios Blick brachte sie in dem Moment fast mehr um den Verstand, als es die Schmerzen in ihrem Kopf und Bein imstande waren. 

„Na, das hoffe ich doch ganz stark“ antwortete sie als sich die Gläser sanft berührten. Mario stand anschließend auf und machte mit geübten Griffen Feuer im Kamin. Anschließend verließ er den Raum und kam kurz darauf mit einer Schale Wasser und diversem Verbandszeug zurück. „Meinst Du nicht, dass es unklug ist, jetzt Alkohol zu trinken?“ fragte Anni, als sich Mario bereits an die Versorgung ihrer Wunden machte. „Oh nein, ist es nicht!“ stieß sie aus, als die ersten Reinigungsversuche jäh beendet wurden durch das verschreckte Wegziehen des Beines. „Hey, ich habe eine eiserne Regel: Jeden Tag nur einen Mordversuch! Jetzt hast Du also nichts mehr zu befürchten“ lachte Mario los. Wissend, dass er damit Annis Wut provozierte. Denn dass sie Schmerzen hatte, war leicht zu erkennen. Aber sie lachte nach diesem Spruch einfach laut los. „Na, dann ist es ja gut“ grinste sie und biss die Zähne zusammen. 

– Fortsetzung folgt – 

© marmonemi [04/03] / skriptum

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Erna,

 

 

Das Kuschelvieh!

*

Ich neige ja dazu, meine Mitbewohner beim Namen zu nennen. Wobei „nennen“ eher symbolischen Charakter hat. Wir sitzen nicht zusammen beim Tee oder sowas. Nein, so weit geht es nicht. Aber einen Namen zu geben, wenn wir uns jeden Tag sehen, halte ich für so eine Art Akt der Höflichkeit. Und hier präsentiere ich nun Erna, das Kuschelvieh.

Erna ist eine hundsgemeine Stubenfliege. Sie hat ein bemerkenswert ausgeprägtes Kuschel-Bedürfnis. Permanent fliegt sie meine Wange, meine Hände oder sonstiges von mir an. Wenn ich sie allzu oft weggescheucht habe, setzt sie sich eben mitten auf den Bildschirm. Da ich Wesen, die ständig um meine Aufmerksamkeit betteln, nicht mag, zeigt sich mit Erna die absolute Ausnahme: Ihr verzeihe ich das. Es sei denn …

… sie flaniert über den Bildschirm. Das ist an sich nicht schlimm. Nur, wenn sie das kackenderweise tut, werde ich fuchtig. Den Sch*** in Form zahlreicher kleiner Punkte muss ich nämlich wieder weg machen. Und das nervt richtig!

;o)

 

***

Halt, stop, Moment!
 

Noch nicht weg gehen!
Einer kommt noch!

Nein, nicht „einer“, sondern eine:

 

Esmeralda,

 

 

 

Die Badezimmerspinne

*

Esmeralda begleitet mich mittlerweile seit Jahrzehnten. In der wievielten Generation weiß ich allerdings nicht. Sie hängt üblicherweise kopfüber an einem Gitternetz im Badezimmer. Wenn sie auf großer Reise ist, finde ich sie meist im Schlafzimmer, ebenfalls kopfüber, zwischen Kleiderschrank und Wand am Heizungsrohr hängend. Manchmal ist ihr aber auch nach ein wenig Nähe. Dann sitzt sie in meinem Waschbecken und scheint auf mich zu warten. Allerdings hält sie sich ganz Lady-like im linken Drittel auf, so dass ich die Mitte und die rechte Seite bequem nutzen kann. Klar, dass ich beim Händewaschen dann etwas vorsichtiger bin. Ich will ihr ja kein ungewolltes Vollbad verpassen. Sie verhält sich mir gegenüber sehr rücksichtsvoll, dann kann ich das ihr gegenüber auch.

Tja, und dann gibt es da auch noch Friederich. Bitte niemals das zweite „e“ im Namen vergessen; da ist er sehr eigen! Friederich ist leider so dermaßen schnell, dass ich ihn noch nie vor die Linse bekommen habe. Aber ich bleibe dran; da kann ich ja echt stur sein. Und sobald ich es geschafft habe, werde ich ihn hier natürlich auch vorstellen. Klar, Ehrensache!

;o)

***

 

Teilweise der lieben Emily gewidmet, in der Hoffnung, dass sie Spinnen in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so arg als Bedrohung empfindet! ;o)

 

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~~~

Das war der perfekte Platz. Perfekt? Na ja, zumindest einigermaßen. Langsam drängte die Zeit und sie musste sich endlich entscheiden. Diese liegende Amphore war geräumig genug, um darin zu verschwinden. Der Garten war groß und einigermaßen übersichtlich. Menschen gab es zwar einige aber die wären früh genug zu erblicken. Tiere? Ja, Tierspuren gab es einige aber das Risiko musste sie eingehen. Die Zeit drängte und wenn sie nun nicht bald einen Ort fand, an dem es geschehen konnte, würde sie möglicherweise irgendwo ungeschützt … Nein, das ging gar nicht. Hier in diesem Garten würde es passieren. Und die Amphore würde für die nächsten Tage ihr Zuhause sein. Sie kletterte über den Rand und machte es sich gemütlich. Ein letzter prüfender Blick nach draußen aber es war alles ruhig. Völlig erledigt von diesem weiteren aufregenden Tag schlief sie sofort ein.

Am nächsten Tag mussten weitere Vorbereitungen getroffen werden. Etwas Weiches, das sich gut zusammen knüllen ließ, wäre perfekt, um die Amphore noch wohnlicher zu machen. Außerdem sollen ja die kleinen … Ja, etwas Weiches, Warmes musste es sein. Sie ging auf die Suche. Hoch springen konnte sie schon seit einigen Tagen nicht mehr. Jedenfalls nicht wie früher und ohne dass es ihr ein äußerst unangenehmes Gefühl bescherte. Also musste es etwas sein, was sie relativ mühelos erreichen und weg schleppen konnte. In einiger Entfernung sah sie etwas im Wind wehen. Wehendes war immer gut. Also schlich sie hin und prüfte die Lage. Es war niemand zu sehen, der ihr Schwierigkeiten machen konnte. Sie schnappte sich das nächste erreichbare Teil und flitzte los. Außer Atem erreichte sie ihr neues Domizil, verstaute die Beute und ruhte sich erstmal ein wenig aus.

Ziemlich erschrocken wachte sie auf. Bisher hatte sie noch gar nicht geprüft, woher sie etwas zum Essen und Trinken bekommen würde. Immerhin ging es ja nicht nur um sie. Bald würde sie Verantwortung tragen und dafür muss das Eine oder Andere vorher geklärt werden. Sie reckte sich noch einmal genüsslich in ihrem weichen Heim und dann kletterte sie hinaus in die Welt. Über Nacht hatte es geregnet. Wasser war also momentan leicht zu finden. Ob das jedoch in den nächsten Tagen so bleiben würde, war fraglich. Und auf ständigen Regen zu hoffen war nicht nur keine Lösung, sondern sogar denkbar ungünstig. Nachdem sie einige Zeit durch die Gegend gelaufen war, fand sie eine Hecke, unter der ein Schlauch lag. Mit den Jahren wusste sie, was solche Zeichen zu bedeuten hatten. Hier würde sie also vermutlich nahezu jederzeit etwas Wasser finden.

Ihr Magen knurrte mittlerweile bedrohlich. Sie musste endlich etwas Essbares finden. Die in der Nähe zu hörenden Stimmen verhießen üblicherweise, dass dort auch Nahrung nicht allzu weit sein konnte. Momentan war sie jedoch nicht die Schnellste. Sobald man sie entdecken würde, müsste sie fliehen oder zumindest zusehen, dass sie sich so schnell wie möglich in einen sicheren Unterschlupf flüchtet. Das war im Moment recht mühsam, so dass sie eine andere Lösung finden wollte. Aber welche? Ihre übliche Beute entkam ihr mittlerweile fast ständig. Es wurde immer mühsamer, den täglichen Pflichten und Notwendigkeiten nachzukommen. Klar; bald würden auch wieder einfachere Zeiten kommen. Doch bis dahin konnte sie nicht einfach abwarten. Sie musste es wagen und sich den Stimmen nähern. Eine andere Lösung fiel ihr nicht ein.

Aber erstmal würde sie sich noch eine kleine Pause gönnen. Zumindest plante sie das. Aber durch langsame und leise, für sie jedoch deutlich vernehmbare Schritte wurde sie aus ihrem mehr als verdienten Schläfchen gerissen. Als sie die Beine sah, die sich immer mehr ihrem Domizil näherten, wäre sie am liebsten direkt heraus gesprungen, um klar zu machen, wessen Gebiet das hier ist. Doch in letzter Sekunde fiel ihr ein, dass ihre Beweglichkeit im Moment nicht die beste war. Also verharrte sie und hoffte, dass die Beine vorbei gehen würden, ohne sie zu entdecken. Keinen Mucks gab sie von sich und traute sich kaum noch zu atmen. Bewegungslos wartete sie darauf, dass die Gefahr vorbei zog. Die Beine verharrten kurz, gingen dann aber zum Glück einfach wieder weg.

Ihre Erleichterung war so groß, dass sie sich doch noch eine kleine weitere Weile an Ruhe gönnte und prompt wieder einschlief. Als sie aus ihren doch recht unruhigen Träumen erwachte, traute sie ihren Augen kaum: Woher das riesige Tuch kam, was plötzlich vor der Amphore lag, wusste sie nicht. In dem Moment war es ihr auch egal: Ein kurzer Blick nach links und rechts, dann riss sie es einfach in ihre kleine Höhle. Damit erhöhte sich noch einmal merklich die Qualität ihrer Behausung. So war es herrlich; bis in den letzten Winkel war nun alles schön weich und warm. Wenn sie nun noch eine Lösung für das Futter-Problem finden würde, wäre wirklich alles perfekt. Doch halt: Die Beine! Da waren sie schon wieder. Sie kamen näher, noch näher, ganz nah und … stopp.

Außer ihrer Atmung stellte sie sogar jeden bloßen Gedanken an die geringste Bewegung sofort ein. Sollte ihr kleines Nest doch noch in letzter Sekunde auffliegen? Die Beine verharrten und wollten sich einfach nicht wieder weg bewegen. „Das Tuch!“ schoss es ihr durch den Kopf. „Die Beine suchen das Tuch!“. Es jetzt, egal wie vorsichtig, aus der Amphore zu schieben, käme vermutlich einem Selbstmord gleich. Also blieb nur, absolute Ruhe zu wahren und so zu tun, als wäre sie gar nicht da. Menschen bewegen sich ständig; die können nie Ruhe geben. Also war es nur eine Frage der Zeit, wann die Beine endlich abhauen würden. Sie müsste nur geduldig sein und keinen Laut von sich geben. Dann wäre sicher gleich wieder alles gut. Einen kleinen Moment noch … Vielleicht zwei. Doch drei? Himmel; auf jeden Fall zu viele!

Manche Momente dauern eine Ewigkeit. Dieser gehörte dazu. Eindeutig. Ihr wurde schon richtig schlecht von der Anstrengung, bloß kein Mucks von sich zu geben. Sie hatte keine Zeit mehr, um sich noch ein anderes Quartier zu suchen. Das spürte sie ganz deutlich. Wenn sie jetzt entdeckt würde, wäre alles aus. Obwohl die Übelkeit auch davon kommen konnte, dass sie bereits seit viel zu langer Zeit nichts mehr zwischen die Zähne bekommen hatte. So konnte es auch nicht weiter gehen. Und nun auch noch die Beine, die einfach nicht … Doch. Doch, jetzt gingen sie endlich weiter. Nach dem ersten tiefen Durchatmen wollte sie gerade die Amphore verlassen, als sie ihren Augen kaum traute: Fast wäre sie drauf getreten: Hühnchen. Und auch noch so viel. Ohne Knochen, so dass es einfach so verschlungen werden konnte. Es gibt einen Gott, eindeutig!

Bereits nach wenigen Sekunden war die unverhoffte Beute in ihrem Magen. Es schmeckte nicht nur sehr gut, sondern tat auch unglaublich gut. Ob die Beine das Fleisch hier hingelegt hatten? Woher sollten sie wissen … Oh nein! Erst das Tuch und jetzt auch noch das Fleisch. Nun würde jeder Idiot wissen, dass sie hier war. Das Tuch könnte sie zur Not wieder heraus schieben aber das Hühnchen auf keinen Fall. Jetzt hieß es also, mit allen Sinnen aufmerksam zu sein, um bloß keiner vermeidbaren Gefahr zu erliegen. Sie musste teuflisch aufpassen, dass sie nicht doch noch entdeckt wurde. Und noch während sie sich das ganz fest vornahm, schlief sie erneut und mit prall gefülltem Bauch ein. Genau dieser war es, der sie etwas später auf sehr unsanfte Weise weckte. Nun war es also so weit.

Es war nicht ihr erstes Mal. Insofern wusste sie, was nun geschehen würde. Im Grunde ging alles von allein. Nur war es eben sehr anstrengend und es dauerte länger, als sie es bereit gewesen wäre, als angenehm zu bezeichnen. Aber stoppen ließ es sich natürlich auch nicht. Außerdem konnte sie zwischendurch nicht ausruhen. Ihre Aufmerksamkeit war nun über lange Zeit zu 100 Prozent gefordert. Da fragte niemand, ob sie kann oder will. Sie musste. Jedes Mal wenn wieder eines da war, musste es sofort versorgt werden und schon kam meist das nächste. Das konnte Stunden dauern und es war furchtbar anstrengend. Aber das war es wert. Es war alle Mühen wert. Immerhin waren es ihre und sie würde dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlen wird. Zumindest, solange sie es noch nicht selbst konnten. Das war ihre Aufgabe und die würde sie erfüllen.

Gefühlt vergingen Stunden, tatsächlich war es ein völlig normaler Zeitraum. Dann war es geschafft und sie war so stolz auf das, was sie da vollbracht hatte. Glücklich aber erledigt wie Tausend Mann verschnaufte sie gerade etwas, als sich die Beine erneut näherten. Das durfte jetzt echt nicht wahr sein. Nun war sie definitiv absolut hilflos. Selbst wenn sie ernsthaft daran denken würde, zu flüchten: Sie würde keines ihrer Jungen zurück lassen. Alle gleichzeitig mitschleppen konnte sie jedoch nicht. Also musste sie sich der Situation stellen. Diese verdammten Beine! Warum konnte die nicht einfach weg bleiben? Aber halt, was war das? Die Beine beugten sich und sahen direkt in die Amphore. Zwei Augen sahen sie strahlend an und sprachen ganz leise. Was war das denn jetzt und wie sollte sie diese sonderbare Situation deuten?

Die Worte konnte sie nicht ganz einordnen, spürte aber instinktiv, dass sie freundlich waren. Das Gesicht besah sich, was da in den letzten Stunden vor sich gegangen war, ließen aber keinerlei Anstalten erkennen, zupacken oder sonstigen Ärger machen zu wollen. Sie wurde etwas ruhiger und dachte sich, dass sie es eh nicht würde ändern können, wenn die Beine oder das Gesicht ihr etwas Böses wollten. Also blieb sie ganz ruhig. Spätestens als ihr erneut Hühnchen und dazu noch eine Schale mit Wasser und Milch dieses Mal sogar in die Amphore gestellt wurden war klar, dass sie sich, obwohl sie entdeckt worden war, trotzdem sicher fühlen konnte. Diese Gestalt würde ihr nichts tun. Außerdem klang es ganz sanft, als sie sagte „Das hast Du wirklich toll gemacht, Du Hübsche!“. Was auch immer das heißen sollte …

© skriptum

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