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Posts Tagged ‘Niederlage’

Endlich das Gefühl von Wärme
nach sommerlichen Wintertagen.

Endlich das Gefühl von Nähe
nach entfernt geahnten Möglichkeiten.

Endlich das Gefühl von Wissen
nach gedachten Erfahrungen.

Endlich das Gefühl von Siegen
nach vermuteten Niederlagen.

Endlich das Gefühl von Ankommen
nach ersehntem Wegrennen.

Endlich das Gefühl von Geborgenheit
nach verschlepptem Befreien.

Endlich das Gefühl von Vermissen
nach genossener Zweisamkeit.

Endlich.

Und die Unendlichkeit wird greifbar …

… durch Dich!

© skriptum

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… weißt Du noch?

Wie viel und wie lange ist ein einzelner Mensch in der Lage zu erdulden und zu ertragen, Rückschläge hinzunehmen, wieder aufzustehen und wieder zu lächeln? Wie lange? Und wie ist es, wenn man dann einfach nicht mehr will?

Ach Granny, nun liegst Du hier und ich fühle Deine kalte Hand. Sie wollen Dich nicht gehen lassen. Immer wieder wirst Du mit Spritzen traktiert und am Leben gehalten. Am Leben? Granny sag mal, was fühlst Du? Hast Du Schmerzen? Kann ich irgendwas für Dich tun?

Granny, was denkst Du? Geht Dir Dein Leben durch den Kopf? Krankheiten, die Du besiegt hast? Der Verlust Deines Mannes im Krieg, als Paps gerade in Dein Leben getreten war? Dein Leben nach dem Krieg, das sicher nicht immer einfach war? Deine Niederlagen und Siege über das und in Deinem Leben? Siehst Du vielleicht schon Deinen neuen Weg, den Du längst gehen möchtest? Was empfindest Du, jetzt … wo Du hier so liegst und sie Dich mit aller medizinischen Macht hier behalten?

Du sagst längst nichts mehr … Du liegst nur noch so da; ab und zu öffnest Du Deine Augen. Doch Du scheinst nichts mehr von dem zu sehen, was hier in Deinem Krankenzimmer vor sich geht. Nichts mehr wahrzunehmen, was um Dich herum geschieht. Granny, tut Dir irgendwas weh?

Als Du noch nicht so verstummt warst, sagtest Du schon, dass Du nicht mehr willst. Das ist nun einige Zeit her. Doch sie lassen Dich nicht gehen. Mehr und mehr Medikamente werden in Dich reingepumpt. Du isst nichts mehr und trinkst kaum noch. Du wirst immer schwächer und von Deinem Körper ist höchstens noch die Hälfte hier. Granny was passiert hier bloß mit Dir … was tun sie Dir an?

Hey Granny, weißt Du noch … Als ich ganz klein war hast Du mir, immer wenn wir uns sahen, ein Portemonnaie aus Papier gebastelt und eine Mark rein gesteckt. ManOman war das eine Menge Geld für mich kleine Kröte. Und Du hast gelächelt, wenn ich es öffnete und stolz das Markstück entnahm. Irgendwo müsste ich noch eines dieser Portemonnaies haben. Ich werde es mal suchen, ja?

Oder weißt Du noch, als Opa vor vielen Jahren gestorben ist und ich von da an jahrelang jedes Wochenende zu Dir kam. Wir gingen einkaufen und verschmitzt legtest Du während dessen immer eine Tüte von diesen Bonbons in den Einkaufswagen. Als ob ich es nicht ganz genau gesehen hätte. Und später tatest Du so, als wären sie wie zufällig im Einkauf gelandet. Noch heute denke ich jedes Mal, wenn ich diese Bonbons sehe, an Dich und unsere Freitag-Nachmittag-Einkaufstouren … Jedes Mal sehe ich mit den Bonbons auch Dein verschmitztes Lächeln. Als würdest Du es mir aus jeder einzelnen Tüte zuwerfen. Ich fange es …

Granny, Du willst längst gehen. Ich fühle es. Du hast mit diesem Leben abgeschlossen und möchtest nun weiter ziehen. Ich akzeptiere Deinen Wunsch. Auch wenn es mich sehr traurig macht. Doch ich akzeptiere es genau so, wie ich es akzeptiert wissen will, wenn mal meine Zeit gekommen ist. Ich möchte dann auch nicht noch ewig am sog. Leben gehalten werden. Ich möchte gehen, wenn es soweit ist. Und genauso akzeptiere ich diesen Wunsch von Dir.

Hab‘ bitte keine Angst, Granny. Du nimmst etwas von mir mit. Du wirst nicht allein gehen. Du wirst nicht alleine sein. Granny, ich lasse Dich jetzt los. Ist das okay für Dich? Ich lasse Dich gehen. So, wie Du es längst willst. So, wie Du es längst tust. So, wie es längst geschehen soll …

Wir werden uns wiedersehen. Und bis dahin …

…werde Dich vermissen …

Irgendwie.

© marmonemi [2002] / skriptum

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Als ich vor über 20 Jahren mit einer Freundin zusammen für einige Zeit ein College in Brighton besuchte, gönnten wir uns des öfteren Abstecher nach London. In einem kleinen Theater am Piccadilly Circus sahen wir das Musical „Annie“. Nein, nicht Annie get your Gun“, sondern einfach nur „Annie“. Ein unglaublich süßes Musical, das ich gern noch einmal sehen würde!

Die Geschichte:

„Annie wurde in ihrem dritten Lebensmonat auf der Treppe eines New Yorker Waisenhaus von ihren Eltern ausgesetzt. Diese hinterliessen einen Zettel mit der Nachricht: „Bitte sorgen Sie für unseren kleinen Liebling. Ihr Name ist Annie. Wir haben die Hälfte eines Medaillons um ihren Hals hängen lassen und die andere Hälfte behalten. Wenn wir zurückkommen und sie holen, wissen Sie, dass sie unser Baby ist.“ In der Zwischenzeit sind aber viele Jahre vergangen und niemand hat Annie abgeholt. So macht sie sich eines Tages aus dem Heim davon, um ihre Eltern zu suchen. Auf ihrem Weg gerät sie in die städtischen Slums, wo sie mit ihrem sonnigen Gemüt die bedrückten Einwohner erheitert. Doch ihre Freiheit ist nur von kurzer Dauer. Sie wird von der Polizei aufgegriffen und ins Heim zurückgebracht.

Für Miss Hannigan, die trunksüchtige Waisenhausleiterin, ein Grund mehr, Annie hart anzupacken. Doch glücklicherweise gibt es da noch Grace Farell, die Privatsekretärin des Milliardärs Oliver Warbucks. Sie will Annie eine Woche lang zu Mr. Warbucks mitnehmen, um dessen Image aufzupolieren. Schon ab dem ersten Moment im Hause Warbucks schafft es Annie, sämtliche Herzen der Warbucks-Angestellten zu erobern. Nur der grimmige Milliardär scheint hart wie Stein zu sein.

Doch auch er kann sich auf die Dauer Annies Charme nicht entziehen. Wie er ihr ein neues Medaillon anstelle des alten, zerbrochenen überreicht, kommt ihre Sehnsucht nach den Eltern wieder auf. Ist doch dieses Bruchstück von Medaillon das einzige, was das sympathisch-freche Mädchen von ihren Eltern besitzt, und auch gleichzeitig der Schlüssel zum Wiedererkennen ist. Sie gesteht Warbucks ihren einzigen Wunsch; Vater und Mutter zu finden. Dieser wiederum verspricht ihr, bei der Suche behilflich zu sein. Über das Radio lässt er veröffentlichen, dass er den Eltern einen Scheck über 50’000 Dollar zukommen lässt. Auf diese Meldung hin scheint Annie plötzlich ganz viele Eltern zu haben, doch keines dieser Paare kennt das Geheimnis des Medaillons.

Die Heimleiterin Miss Hannigan hingegen ist darüber informiert. Ihr zwiespältiger Bruder Rooster und seine dümmliche Freundin Lilly machen sich dieses Wissen zu nutze und holen Annie als deren vermeintliche Eltern inklusive 50’000-Dollar- Check bei Warbucks ab. Doch die beiden haben nicht mit Annies Freundinnen aus dem Heim gerechnet. Die Mädchen haben den Aufruf von Mr. Warbucks ebenfalls gehört und in der Zwischenzeit Miss Hannigan, ihren Bruder und Lilly belauscht. Der Betrug kommt so doch noch ans Licht und alles wendet sich zum Guten. Natürlich mit einem ganz tollen Happy End.“

Nun könnte man meinen, mit der Zeit verblassen Erinnerungen. Dem ist ja meist nicht so, wenn es sich um schöne Erinnerungen handelt. Und das ist gut so. Meine gesamte Zeit in England ist mir in sehr schöner Erinnerung. Und insbesondere an dieses Musical werde ich recht regelmäßig erinnert. Es ist erstaunlich, wo man „Miss Hannigan“ immer mal wieder begegnen kann. Ich habe die Heimleiterin dieses Musicals in sehr reger Erinnerung, und zwar als eine hoch neurotische Frau, die es einfach nicht ertragen konnte, nicht jede denkbare Aufmerksamkeit von allen Menschen zu bekommen, zu denen sie Kontakt suchte.

Sobald sie mal nicht im Mittelpunkt stand und bejubelt wurde, rastete sie förmlich aus. Ihr Lieblingsopfer war – natürlich – Annie. Dieses Mädchen, das allein schon durch sein offenes Wesen sämtliche Sympathien auf sich zog, war immer wieder das Ziel von Miss Hannigans Neid- und Hassattacken. Sie konnte es einfach nicht ertragen, dass Annie wesentlich beliebter und erfolgreicher war als sie. Annie ließ Miss Hannigans Verunglimpfungen, soweit das möglich war, an sich abprallen und kümmerte sich lieber um die Menschen, die ihr wohl gesonnen waren, als gegen Miss Hannigan anzukämpfen, was diese noch wütender machte. Ignoriert zu werden war nicht einmal das Letzte, womit sie klar kam.

Miss Hannigan intrigierte gegen Annie wo es nur ging. Denn sie neidete ihr jede Form von Erfolg und Aufmerksamkeit. Und je weniger Gehör sie bekam, desto ungeheuerlicher wurden ihre Anschuldigungen gegen Annie. Das Problem daran war, dass die Menschen nicht blöd und blind genug waren, um sich nicht selbst ihr Bild von Annie zu machen. Und was sie dort sahen, entsprach nicht einmal annähernd den Erzählungen von Miss Hannigan. So dass diese sich selbst mit jeder gegen Annie gerichteten Aktion mehr ins Aus katapultierte und Annie immer mehr Sympathien zuflogen.

Eine Schlüsselszene dieses Musicals war ein Gespräch mit einem Pärchen, das Annie adoptieren wollte, was Miss Hannigan natürlich überhaupt nicht passte. Würde das doch bedeuten, dass ihr eine Menge Geld (analog: Aufmerksamkeit) durch die sprichwörtlichen Lappen gehen würde. Da sie aber darauf bedacht war, nach außen den Anschein ihrer angeblich so liebevolle und achtsame Art zu bewahren, entschuldigte sie sich mit säuselnd süßer Stimme kurz, verließ den Raum, schloss leise die Tür, ging ein paar Schritte und zeigte dann ihr wahres Gesicht, in dem sie los brüllte, Möbel zertrümmerte, sich hysterisch mit den Fäusten trommelnd auf dem Boden warf und laut heulte. Anschließend richtete sie ihre Kleidung und ihr MakeUp, betrat wieder völlig beruhigt den Raum und setzte das Gespräch ganz ladylike fort. Das Publikum tobte. Und auch ich muss heute noch loslachen, wenn ich an diese Szene denke.

Gerade erlebe ich mal wieder so eine „Miss Hannigan“ und kann mich nur wundern, was sie alles anstellt, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Keine Täuschung ist ihr zu billig, kein Versuch zu niveaulos, keine Verunglimpfung zu respektlos, als dass sie irgendwas auslassen würde, um sich in den Mittelpunkt zu spielen und „Annie“ den Rang abzulaufen. „Annie“ lacht nur darüber und genießt es, mitanzusehen, wie verzweifelt manche Menschen um Aufmerksamkeit buhlen, die sie vermutlich viel eher bekommen würden, wenn sie endlich mal ehrlich wären.

Aber vielleicht wird selbst diese „Miss Hannigan“ irgendwann begreifen, dass es viel leichter ist, sich Freunde zu machen und Achtung zu bekommen, wenn man einfach ehrlich agiert und nicht permanent versucht, seiner Umwelt etwas vorzuspielen und vorzutäuschen, das man überhaupt nicht ist. Insbesondere in dem man versucht, andere klein zu machen, um selbst größer zu erscheinen. Wahre Größe wird man durch solch ein Verhalten vermutlich nie erlangen. Insbesondere nicht, wenn man sich wie eine Miss Hannigan aufführt. Obwohl ich gestehen muss, dass ich sehr gern, uns sei es auch nur ein einziges Mal, dabei wäre, wenn sie nach einer erneuten Niederlagen anfängt, hinter verschlossenen Türen Möbel zu zertrümmern …

Vorhang!

;o)

© skriptum

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