Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Regen’

Ein endloser Tag. Die Nacht noch länger. Wie lange ich gearbeitet hatte, wusste ich nicht. Dem entsprechend blieb mir verborgen, wie spät es war, als ich endlich zu Bett ging. Nur, dass der nächste Tag im Haus bereits zu beginnen schien, konnte ich nicht überhören.

Ich suchte Schlaf und glaubte, ihn in den nächsten Sekunden finden zu dürfen. Doch Türen wurden geöffnet und verschlossen. Schritte, die in Eile die Stufen hinunter liefen, hallten durch das Treppenhaus. Auf dem Garagen-Hof wurden Tore geöffnet, Autos angelassen und auf die Straße gefahren. Leise Fluche, die sich wohl auf das Wetter zu beziehen wagten, erreichten meine Ohren. Und auch die über meinen Kopf gezogene Decke ließ die Schallwellen kein Hindernis finden.

Dann wurde es ruhiger. Doch Millisekunden vor dem Einschlafen war es soweit: Ich musste auf Toilette. Also wühlte ich mich aus meiner Decke und suchte mit geschlossenen Augen den Weg ins Bad. Über mir wurde die Dusche angestellt und unter mir erneut und lautstark versucht, den seit Jahren schief hängenden Haussegen gerade zu brüllen. Am Waschbecken lehnend wusch ich mir die Hände und tauchte mein Gesicht in warmes Wasser. Trank einen Schluck aus der Leitung und wollte zurück ins Bett.

Müde, ich war so müde … „Schlafen! Nur noch schlafen“ kroch durch meinen Kopf. Doch es ging nicht. Zahlen und Buchstaben lieferten sich in meinen Gedanken ein Duell. Bilder, die darauf warteten, welche zu werden. Keiner war bereit, nachzugeben. Auch ich nicht. So verließ ich das Bad und schlich planlos ins Wohnzimmer. Ruhe … oder wenigstens etwas Ablenkung von dem, was in meinem Kopf keine Ruhe zu geben bereit war. „Wie schön wäre das …“.

Ich ging zur Fensterfront. Der Himmel schüttete, wie so oft in den letzten Tagen, alles aus sich heraus. Regen peitschte gegen meine frisch geputzten Fenster. „Danke, Wetter“. Es stürmte beängstigend. Die Böen verfingen sich auf meinem Balkon und wirbelten leere Blumentöpfe umher. Ein widerliches Geräusch. Doch um rauszugehen und die Töpfe zu sichern fehlte mir jedwede Form von Energie. So sah ich dem Spiel ein wenig zu und hoffte, dass der dadurch produzierte Lärm andere Hausbewohner nicht allzu sehr verärgern würde.

Kurz danach fand ich mich in meinem Schaukelstuhl wieder. „Strickzeug und Katze fehlen“ lächelte ich in mich hinein und schaukelte vor mich hin. Mein Blick verfing sich im Dunkel vor meinen Fenstern. Der Regen regierte Hand in Hand mit dem immer heftiger werdenden Sturm die Natur. Und das Wasser lief inzwischen nur noch an den Scheiben herunter. Unheimlich. Fast wie der bedrückende Augenblick in einer Waschanlage. Die Bäume hinter dem Haus waren kaum noch zu erkennen. Nur das Licht der Laternen verriet die Bewegungen. Durch den Sturm hervor gerufen.

Das Heulen wurde lauter. Die Geräusche im Haus leiser. Ich schaukelte und wünschte mir Schlaf. Die Uhren im Zimmer tickten monoton vor sich hin. Ob ich den Fernseher anschalten sollte? Was würde laufen? Kinderprogramm? Das musste ich auch nicht haben.

Ich schaukelte und schaukelte. Irgendwann schlief ich ein. Als ich erwachte hatten weder Sturm noch Regen auch nur einen Deut nachgelassen. Das Heulen war ebenso heftig wie in der letzten Nacht. Oder war es noch die gleiche Nacht?

Es wurde dunkel …

© skriptum [2009]

Read Full Post »

Das Thermometer zeigt 6 °C Außentemperatur und die „Bakerstreet“ von Gerry Rafferty versucht, sich ihren Weg in meinen Kopf zu  bohren. Kaffee, heiß und dampfend, versucht vergeblich, nach einer schlaf- und traumlosen Nacht irgendwelche Lebensgeister in mir zu wecken. Und langsam merke ich, dass es anstrengend wird. Gedanken schwer wie Blei. Ich lasse nach. Wieder stundenlang wach gelegen. Gegen fünf Uhr aufgegeben. Wind blättert unaufhörlich in den Bäumen und der Regen bildet inzwischen kleine Seen. Statt bei offenem Fenster zu schlafen, könnte ich genauso gut ein Blasorchester neben mein Bett stellen. Die Unruhe wird immer schlimmer. Nicht nur vor den Fenstern.

In meinem Hirn schwirrt alles durcheinander und es fällt mir nicht gerade leicht, mich auf das zu konzentrieren, was im Moment wichtig ist. Nachrichten rauschen an mir vorbei. „9 Grad, Regen“. Es ist kurz nach sechs. Immerhin: Es wird wärmer. Ich fange an, einen Stapel Unterlagen zu sortieren, der es längst ist. Lege ihn weg und merke, dass meine Gedanken in eine Richtung gehen, die ich gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Dennoch gönne ich mir diesen Augenblick, lehne mich zurück, ziehe meine Knie an den Bauch, den Kaffeebecher in meinen Händen. Dann schließe ich die Augen. Und tatsächlich formt sich ein Lächeln in mir. Nur kurz, ganz leise. Angenehm.

Die Welt spekuliert über amerikanische Drohnen, russische Satelliten und den Rückkauf von Abwehrraketen seitens der USA von Libyen. Die Bundeskanzlerin dealt weiter mit Kampfmitteln und Doris Schröder-Köpf will in den Landtag. Wenigstens das Letztere könnte ein Lichtblick sein. Sonst immer das gleiche Palaver, letztendlich um nichts oder gar nichts. Eine Belanglosigkeit wichtiger als die vorherige. Sie interessieren mich alle nicht. Der Wind ist damit beschäftigt, sich zu einem ordentlichen Sturm aufzuplustern. Immerhin ein bisschen tatsächliches Wachstum in diesem Staat. Ob der Knabe jemals arbeitslos wird? In diesem Jahrhundert wohl nicht mehr. Und falls doch: Was bekommt er dann dafür? Einen Frühling?

Der Regen knallt an meine Fenster, als wenn ich ihn reinlassen soll. Einen Teufel werde ich tun. Der Sommer 2011 hat am 26. August stattgefunden und für heute sind mal wieder Unwetter angesagt. Genau das ist es, was mir jetzt noch fehlt. Ganz dringend. Vielleicht sollte ich doch mal Jalousien anbringen. Oder Gardinen. Oder beides. Knut ist durch Siku reinkarniert und französische Frauen laufen mit flüssigem Industrie-Silikon im Geläut herum. Der Bundespräsident klebt weiter an seinem Stuhl, obgleich längst alle vier Beine weggeschossen sind. Er merkt es wohl nicht oder gar nichts mehr. Ebenso, wie die Union, die ihn unbedingt halten will. Aber die wollen ja auch zu Schnutenzwerg um jeden Preis zurück. Danke, keine weiteren Fragen.

Schalkes Rangnick geht es besser und die Suche nach einem verschütteten 10jährigen Mädchen auf Rügen wird endgültig eingestellt. Hoffentlich finden Eltern und Geschwister dennoch irgendwann ihren Frieden! In Heilbronn hat mal wieder jemand um sich geschossen, ein Na‘zi fuhr mit diversen Todesfolgen in eine Menschengruppe und der Iran provoziert mal wieder die USA. Goldman Sachs halbiert angeblich die Gehälter von Top-Managern. Hoffentlich verhungern sie nun nicht. 2011 sollen sie an Gehältern und Boni jeweils zwischen drei und sechseinhalb Millionen Dollar „verdient“ haben. Nach einem hier bisher schneelosen Winter sind anderenorts Skiorte unter Lawinengefahr von der Umwelt abgeschnitten und mein Kaffee ist alle. Die Entscheidung darüber, was davon in meinen vier Wänden das größere Drama ist, verschiebe ich auf später.

Selbst Sweets „Little Willie“ entlockt mir jetzt keine Regung mehr. Es ist viertel vor Acht. Die Schlagbohrmaschine irgendwo im Haus scheint gerade durch zu sein. Vermutlich fängt sie pünktlich zur Mittagsruhe wieder an. Und wenn das vor meinem Fenster tatsächlich Winter ist, hätte ich gern ein bisschen Herbst zurück. Ganz kurz zwischendurch, nur um etwas mehr Wärme als im Sommer zu spüren. Das Gefühl zu haben, mich einfach fallenlassen zu können. Anzulehnen. Ruhe zu finden. Vorzugsweise sogar ein wenig Schlaf. Ich überlege, ob irgendeine höhere Macht einfach nur kleine perverse Spielchen mit mir spielt. Hey, falls es Dich wirklich gibt: Wenn Du mir schon tage- und nächtelang den Schlaf raubst, so lass mir doch bitte wenigstens meine Träume …

 

Read Full Post »

 

Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Womit soll ich nur anfangen?

Damit, dass es auf dieser Welt doch eine Weckvorrichtung gibt, die keine Sekunde Verzögerung zulässt, bis ich nicht nur die Augen aufschlage (mit Karacho!), sondern zeitgleich senkrecht neben meinem Bett stehe? Toll wäre es, wenn man das noch exakter terminieren könnte. Oder fange ich besser damit an, dass ein männlicher Vorname ab sofort auf meiner „ich will das nie wieder hören“-Liste steht?

Ich könnte auch damit anfangen, dass ich durch den unvermittelten Einsatz von Schlagbohrmaschinen noch aus meiner Zeit beim Sender massiv geschädigt bin. Im alt ehrwürdigen Anzeiger Hochhaus in Hannover musste seinerzeit die gesamte Fassade aufgebohrt werden. Stück für Stück für Stück für Stück. Das kam zwar unserer Telefonrechnung zugute, da sowieso kein Wort zu verstehen war, zerrte aber gewaltig an den Nerven. Geht das über Monate und spielt sich gefühlthört komplett direkt vor dem eigenen Fenster ab, ist man irgendwann fast reif für die Klapse.

Mittlerweile arbeite ich seit ungefähr sieben Jahren zuhause. Dass es in diesem Wohnpark aus mir noch nicht nachvollziehbaren Gründen ständig lauter zu werden scheint, ist eine Sache. Dass ich heute früh, ausgesprochen unsanft und ohne Ankündigung, von einer Schlagbohrmaschine und der damit unvermeidlich verbundenen Geräuschpegelerhöhung bei Einführung in festes Mauerwerk geweckt wurde, ist eine andere. Von dem Umstand, dass völlig unvermittelt das Bett anfing zu vibrieren, einmal ganz abgesehen (keinen Spruch jetzt! *g).

War es der gellende Schrei, der mich aus meinen Träumen riss? Sowas kann ja etwas Gutes haben. Allerdings zukünftig bitte nie wieder, wenn ich gerade einmal drei Stunden geschlafen habe. Denn das anschließende Einschlafen, insbesondere wenn über Stunden mit Schlag gebohrt wird, gestaltet sich doch recht desaströs bis unmöglich. Eher das Letztere.

Vielleicht hat mich aber doch die Tatsache stutzen lassen, dass sich plötzlich etwas an meinem Balkon vorbei nach oben bewegte? Das ist im zweiten Stock nicht so ganz an der Tagesordnung. Und selbst im Halbschlaf, oder in dem Fall vermutlich bestenfalls 1/17-Schlaf, war ich mir sicher, dass bis gestern Abend an der Brüstung noch keine Leiter stand. Bei genauerer Betrachtung waren es sogar zwei: Eine, damit Wesen aller Art hoch und runter klettern konnten und eine zweite zum Transportieren von Lasten.

Ich habe die putzwunderliche Eigenart, gern vorab informiert zu werden, wenn etwas veranstaltet wird, was für mir unbekannte Menschen eine potentielle Einstiegsmöglichkeit über meinen Balkon in meine Wohnung schafft. Menschen, die ich definitiv nicht in meiner Kemenate haben will. Das mag ein Tick, eine Marotte oder einfach eine Macke sein. Zur Pflege meines Wohlgefühls halte ich es jedoch für zwingend erforderlich. Leider scheint das nicht jeder so zu sehen. Nö, warum auch?! Wenn es nicht die eigene Wohnung ist, die für Einbrecher & Co. zum Einstieg freigegeben wird, ist das ja auch nicht so relevant, hm?!

Nun sind Schlagbohrmaschinen ja relativ laut. Diejenigen, die mit diesen Höllenmaschinen arbeiten, tragen üblicherweise einen Ohrenschutz. Diejenigen, die von den Dingern aus dem Schlaf gerissen werden, üblicherweise nicht. Gleiches trifft auf den Einsatz von Laubsaugern zu. Wenn diese bei einem tendenziellen Hof-Charakter gleichzeitig in einer Stückzahl von sechs eingesetzt werden, muss ich vermutlich den damit verbundenen Lärmpegel nicht näher erläutern. Die sechs Laubsaugerhalter trugen auch Ohrenschützer, ich nicht.

Der Schlagbohrmaschinenbediener da über mir trägt vermutlich ebenfalls Ohrenschützer. Woher ich das weiß? Weil ich ca. eine viertel Stunde benötigt habe, um zu ergründen, was sein permanent gekrähtes „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ sein soll. Ich befürchtete schon, er hätte sich in den Fuß gebohrt. Aber Irrtum: Er brüllte nur alle paar Sekunden nach seinem Kollegen „Detlev“. Der wiederum schien sich weder in Ruf- noch in Brüllweite aufzuhalten, was eine mehrfache Wiederholung von „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ notwendig zu machen schien. Ich bin ja in solchen Fällen für den Einsatz von Funkgeräten. Aber mich fragt ja wieder keiner.

Ich Dummerchen dachte, dass der Schlagbohrmaschinenbediener möglicherweise irgendwas vergessen hätte, was ihm „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ über einen der Zufahrtsgangswege, vorbei an meinem Balkon, rauf auf den darüberliegenden, schicken oder bringen soll. Aber nein, wie blöd, darum ging es natürlich nicht: „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ sollte den Schlagbohrmaschinenbediener mal fotografieren. Ich könnte jetzt fragen, wozu. Für Bewerbungsfotos? Soll ich ihm sagen, dass er dafür keine Fotos mehr braucht?

Warum? Weil ich jetzt von zehn runterzählen werde. Wenn dann noch ein einziges Mal „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ kommt, hat sich für den Guten jede Form von Bewerbung vorerst sowieso erledigt: Mit zwei gebrochenen Beinen und Armen, sowie diversen Rippenprellungen arbeitet es sich schlecht als Bauarbeiter. Wenn die über Leitern vom Erdboden in den dritten Stock, vorbei an meinem in der zweiten Etage liegenden Balkon, kommen, werde ich es vermögen, ab zweiter Etage aufzusteigen und das eine Stockwerk hochzuklettern. Und dann sei ihm welche höher Macht auch immer gnädig … Dann helfen ihm auch die soeben von „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ (noch 9!) angeforderten Knieschoner nix mehr!

Ich weiß noch, wie diese Firma das letzte Mal vor zwei Jahren hier war. Ohne jede Ankündigung war plötzlich das gesamte Haus eingerüstet. Das war für potentielle Überraschungsgäste natürlich noch viel bequemer, als heute diese dusseligen zwei Leitern. Damals gab es keinen „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“, dafür einen „UWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“. Letzterer klärte seine Kollegin, die nicht gemerkt hatte, dass er unter ihr saß (Sachen gibt’s … *tse) darüber auf, dass sie langsam machen solle, sonst müssten sie noch auf eine andere Baustelle. Er meinte natürlich das Arbeiten … oder das, was sie darunter verstanden.

Wer jetzt jedoch vermutet, dass die beiden besonders gründlich gearbeitet hätten, der irrt. „UWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ machte seinerzeit ganz in Ruhe bis zum Feierabend Päusken auf meinem Balkon. Ihm dazu einen Kaffee anzubieten, hatte ich mir gerade noch verkniffen. Auch hatte ich darauf verzichtet, ihm ein Polster für den Stuhl (oder zwei, falls seine Kollegin runterkommen wollte) herauszugeben und eine Tischdecke aufzulegen. Das war aber auch nicht notwendig; er fühlte sich offensichtlich auch so, ungefragt sauwohl auf MEINEM Balkon!

Die heutigen Arbeiten ergeben sich aus dem Umstand, dass beim letzten Mal saumäßig gepfuscht worden war und die Firma nun nacharbeiten muss. Oder findet Ihr rote Außen-Klinker schön, an denen bei jedem Regen weiße Farbe herunterläuft, die möglicherweise (nur eine Vermutung, ich bin ja kein Fachmann) gar nicht für die Verwendung im Freien geeignet ist? Ich nicht. Den Einsatz von Schlagbohrmaschinen, wenn ich gerade mal drei Stunden geschlafen habe, finde ich allerdings auch nicht so prall. Und dass „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ (noch 8!) eine „doofe Logik“ hat, interessiert mich nicht einmal wenig.

Mittlerweile scheinen sie abzubauen. Allerdings haben sie gerade innerhalb der Diskussion mit einem meiner Nachbarn angedroht, morgen wiederzukommen. Herr Nachbar macht sich (wohlwissend vom letzten Mal?) Sorgen um seine (wirklich!) wunderschönen Rosenbeete an seiner Terrasse. Dort werden dann wohl morgen irgendwann mittenrein zwei Leitern gestellt. Da kennen die Kumpel ja nix. Ist ja auch nicht ihrs, müssen sie ja nicht schonen. Und Nacharbeiten, die doch schon nach zwei Jahren erfolgen … Ja nun, da muss man ja um einen Tag nicht pingelig werden.

Man könnte sich jetzt die Frage stellen, warum die auf der linken Seite des Hauses nicht gleich weiter machen. Es ist erst kurz nach 12 Uhr mittags und dann wären sie an einem Tag fertig. Anscheinend haben sie aber schon Feierabend. Super! Eine Leiter haben sie bis auf die erste Etage eingezogen. Die Nachbarin wird sich freuen. Der zweite Direkt-Zugang auf meinen Balkon steht da nach wie vor. Kann man eine ca. 10 Meter lange Leiter durch Antippen umkippen? Wenn es sein muss, kann ich auch ganz doll tippen! Vielleicht gucke ich gleich mal, wo sie dann landen würde.

Vermutlich haben die Typen einfach viel mehr Spaß daran, mich morgen früh wieder zu absolut unchristlicher Zeit mit einer Schlagbohrmaschinen-Attacke aus dem Schlaf zu reißen, statt die Nummer an einem Tag durchzuziehen. Im Moment ist die plötzliche Ruhe einfach nur unheimlich. Könnte mich bitte mal einer von Euch völlig unvermittelt anbrüllen? Ich spendiere auch einen Kaffee auf meinem Balkon. Und bis morgen früh könnte ich mir eine Schrotflinte besorgen. Wenigstens das werde ich wohl im Verlauf des restlichen Tages entscheiden …

Oh, ich höre gerade, dass es doch heute noch weitergeht. Allerdings auf meiner, nicht auf der anderen Hausseite. „DÄÄÄÄLÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!“ (noch 7!) soll vier halbe Eimer irgendwas besorgen. Ob ich rausgehe und verrate, dass zwei ganze Eimer dem Transport zuträglicher wären? Nein, dann wird mein Kaffee kalt und ich muss auch erstmal los. Vielleicht sind sie durch, bis ich wieder da bin und wenn nicht, quäle ich Euch vielleicht mit weiteren Berichten. Nur nicht heute. Ich muss unbedingt ganz früh ins Bett. Wer weiß, wann ich morgen geweckt werde?!

 

Read Full Post »

 

Web.de und deren Redakteure sind an Intällänz echt nicht zu überbieten:

 

—–
—–

Heute, um 12:00 Uhr [Anm.: 16.05.2011]

Am Wochenende kommt der Sommer zurück

(men/mac) – Das vergangene Wochenende hatte mit dem Frühsommer nur wenig zu tun. Grau und regnerisch präsentierte sich das Wetter in weiten Teilen Deutschlands. Das soll diese Woche wieder besser werden, sagt der Meteorologe Dominik Jung, Wetter-Experte von Wetter.net. […] Langfristig prognostiziert Jung einen „Zick-Zack-Sommer“, der insgesamt aber überdurchschnittlich warm ausfallen soll. Meldungen, der Sommer habe sein „Pulver“ schon zu früh verschossen, bezeichnet der Wetterexperte als Unsinn. […]

 
Wem das noch nicht reicht, der klickt HIER! Aber es reicht vermutlich auch so, oder? Immerhin hat noch einer von denen gemerkt, dass es Unsinn ist. Wenn auch spät und in einem anderen Zusammenhang. Aber man wird ja genügsam, nöch?! ;o)

Ich dachte jedenfalls, dass wir noch Frühling haben und der Sommer überhaupt erst am 21. Juni anfängt. Klar: Manches ist nur eine Frage der Formulierung. Manch anderes scheint mir allerdings eher eine Frage von Dummheit zu sein … Bestätigen kann ich, dass wir am vergangenen Montag in Hannover „heiter bis bewölkt“ in einer geschätzten Höhe von teilweise bis zu fünf Zentimetern hatten.

Zweck-optimistisch, wie ich nunmal bin, hatte ich vor dem Verlassen des Hauses mit einer Sonnenbrille mein Gedöns auffm Kopp zurück geschoben. Das sah wohl besonders tricky aus in Anbetracht der Tatsache, dass ich keine Schirme mag und meine Haare deutlich an Feuchtigkeit zunahmen. Jedenfalls lächelten mir einige Menschen zu, was ja auch sowas wie Sonnenschein ist, hm? ;)

Auf jeden Fall wünsche ich Euch am heutigen Sonn_Tag, dass er seinem Namen reichlich Ehre macht! 

 

Read Full Post »

Intensivismus

 

[Hinweis: Die Geschehnisse liegen vier Jahre zurück]

~~~

Nachdem ich plötzlich und unerwartet aufgrund mehrfacher Lebensgefahr (Ja, ja … was ich mache, mache ich richtig!) auf einer der städtischen Intensiv-Stationen flachgelegt und über Tage voll verkabelt worden war, beschlich mich einfach nur ein endloses Gefühl der Erleichterung, diese nach einigen Tagen wieder verlassen zu dürfen, um auf normal-Station verlegt zu werden. Die Bilder der Intensiv-Zeit waren noch viel zu verschwommen, als dass ich bereits irgendwas Neues hätte aufnehmen können. So ging es wohl auch der mich anschließend beherbergenden Krankenstation, die mich nicht etwa durch eine ausgebildete Fachkraft, sondern durch eine Schwestern-Schülerin „aufnahm“. Sie stellte mir unzählige Fragen (ich war schon froh, meinen Namen wieder zu wissen) und füllte die erforderlichen Aufnahmebögen aus. Mit meinem Allergieausweis konnte sie rein gar nichts anfangen und notierte sich einfach nur „Quecksilber“. Ich überlegte kurz, ob ich früher möglicherweise an zu vielen Fieber-Thermometern geknabbert habe, verwarf den Gedanken aber gleich wieder. Klar war mir nur, dass bei „Allergien“ die pure Angabe „Quecksilber“ definitiv falsch war. Meinen Vorschlag, für die Unterlagen eine Kopie des Ausweises zu machen, verwarf die Schülerin mit dem Hinweis, wenn der Doc eine Kopie braucht, kann er sie sich ja machen.

Da hätte mir eigentlich schon schwanen können bis müssen, dass ich mich auf dem direktest möglichen Weg befinde, vom Regen unter Umgehung der Traufe in der Scheiße *sorry* zu landen …

Wegen diverser Flüssigkeiten, die nach wie vor in mich rein flossen, hing ich am Tropf. Der einzige im Zimmer. Dieser durfte keinesfalls erst ganz leer laufen, sondern die Flaschen mussten grundsätzlich spätestens kurz vor Ende gegen volle ausgetauscht werden. Auch weil ein bis zum Herz geführter Katheter nach wie vor angelegt war und selbstredend freibleiben musste. Ich wusste das. Die Schülerinnen und Pfleger offensichtlich nicht; einen Arzt hatte ich noch immer nicht zu sehen bekommen. Es war nicht etwa so, dass ich da locker vor mich hin pfeifend in Bermuda-Shorts reinspaziert bin, sondern ich wurde mit einem sog. qualifizierten Krankentransport in diese Klinik verlegt und auf der Trage bis ans Bett gefahren. Obwohl ich ja solche Show-Effekte eigentlich gar nicht mag. Aber anders ging es zu dem Zeitpunkt nicht. Massen von Schülern und Pflegern kamen und gingen aber niemand bemerkte, dass sich der Tropf rapide dem Ende näherte. Irgendwann klingelte ich und zwei Schülerinnen kamen zu mir um sich zu erkundigen, was ich wolle. Auf den inzwischen nahezu ganz leer gelaufenen Tropf aufmerksam gemacht stellten sie beratend fest, dass sie da als Schülerinnen wohl nichts unternehmen dürften. Nach weiterer minutenlanger Beratung (inzwischen staubte der Tropf) beschlossen sie einvernehmlich, einen Pfleger hinzuzuholen. Nebenbei bemerkt: Unter anderem hing ich am Tropf wegen drohender Austrocknung. Hätte mal jemand meine aus der Intensiv-Station mitgelieferten Unterlagen zumindest angesehen, wäre das möglicherweise irgendjemandem aufgefallen. Nachdem der Pfleger weitere Minuten später eingetroffen war, versuchte er, mir einen Vorwurf daraus zu machen, dass ich nicht aufgepasst hätte und der Tropf niemals leer laufen dürfe. Das war das erste Mal in diesen Tagen, dass ich wieder Schimpfworte benutzte und sie sogar sinnvoll anordnen konnte. Glaube ich. Er war dann so gütig, sogar mit einer gewissen Eile neue Flüssigkeiten anzuhängen.

Nachdem ich bereits einige Stunden auf Station lag, kam zum ersten Mal eine Ärztin, blätterte wie wild in meiner Akte hin und her, hinterfragte aber z. B. keinesfalls den Punkt „Allergien“. Immerhin notierte sie meine Bitte, mir nach inzwischen mehreren gefühlt komplett schlaflosen Nächten abends ein Schlafmittel zu verabreichen.

Zur Abendbrot-Zeit kam ein Pfleger, dessen wild abstehender Bart länger war als meine Haare, verteilte zunächst Medikamente und an die Mitpatientinnen Essen. Ich bekam außer meinen Medikamenten (die ich ohne Essen nicht einnehmen darf) nichts. Auf meine Nachfrage hieß es, dass ich nichts zum Essen bekäme, weil ich es ja mit dem Magen hätte. Immerhin fast getroffen: Akut ging es um die Bauchspeicheldrüse. Aber die ist ja ganz in der Nähe … Mein weiterer Hinweis darauf, dass ich auf der Intensiv-Station bereits drei Mahlzeiten am Tag bekommen habe, wurde lächelnd ignoriert und schon war er wieder entschwunden. Einige Minuten später klingelte ich und fragte die dann reinschneiende Schülerin erneut nach Essen. Daraufhin kam ein anderer Pfleger und erklärte mir, dass in meiner Akte angeblich stünde, dass ich nichts essen dürfe. Ich fing – soweit ich es eben schon konnte – an zu rebellieren, woraufhin mir der Gute erklärte, dass es sich hier nicht um eine Intensiv-Station handele, sondern um eine Normalstation und die hätte nur einen einzigen Bereitschaftsarzt für alle und der hätte keine Zeit, sich um mich zu kümmern, nur weil ich etwas gegessen habe, was ich nicht vertrage. Der Spruch hat sogar mir spontan jedwede Kampfbereitschaft genommen. Meine Mitliegerinnen sahen nur erst sich und dann ihn völlig geschockt an. Immerhin quälte ich mir noch raus, er möge sich bitte auf der Intensiv-Station erkundigen, was und vor allem dass ich essen dürfe und mir dann pronto was zum Essen bringen. Er setzte allerdings noch ein, zwei drauf und erklärte lautstark, dass es ihm persönlich völlig egal wäre was mit mir ist, er müsse allerdings haften wenn was passiert und dafür wäre er nicht gut genug versichert. Außerdem wäre die Küche auf fettfreie Kost nicht eingerichtet. Es ging um die Krankenhausküche; nicht etwa um die Pommesbude an der nächsten Ecke! Aber immerhin zog er dann ab und „schon“ eine halbe Stunde später bekam ich acht (ACHT!) Zwieback auf einem Teller mit Häubchen angerichtet (wozu das Häubchen? Hoffte der „Koch“, dass ich sie dann nicht finde?). Eine Auszeichnung für vertrauensbildende Maßnahmen wird dieser Pfleger vermutlich nie bekommen.

Gegen 20 Uhr kam die Nachtschwester und verteilte weitere Medikamente. Ich bekam nichts. Meine Frage nach dem verordneten Schlafmittel wurde beantwortet mit „Kriegen sie nicht“. Ich bestand darauf mit dem Hinweis, dass es die Ärztin in der Akte notiert habe. „Hat sie nicht“ entgegnete die Nachtschwester knapp und ich knappte zurück „Hat sie doch, ich hab’s gesehen!“. Daraufhin erhielt ich einige Zeit später zwei … Zuckerperlen? …, die jedoch keinerlei Wirkung zeigten und Madame entschwand in das Dunkel der Nacht. Ich nicht. Stattdessen lag ich bis viertel vor elf hell wach, bis ich die Nachtschwester heran klingelte. Mit einem vermutlich sogar Tote aufweckenden „WAS?!?“ schlug sie die Tür auf. Ich fragte, ob wir nun aufhören könnten mit Spaßmachen und ich endlich ein Schlafmittel bekommen würde. „Nicht ohne ärztliche Anweisung“ bestritt sie erneut die Anordnung meiner Ärztin. Ich wurde etwas massiver und sie versprach, den Bereitschaftsarzt zu rufen, der solle das dann entscheiden. Eine weitere halbe Stunde später raffelte ich mich mit Infusionsständer und noch immer getragenem, (hinten offenen) OP-Hemdchen auf den Flur, um die Nachtschwester zu suchen, zu finden und möglicherweise direkt umzubringen. Meine erneute Nachfrage quittierte sie mit der lapidaren Bemerkung, ich hätte doch schon was bekommen und nun müsse ich eben Geduld haben. Dass das inzwischen über drei Stunden her sei und keinerlei Wirkung gezeigt habe, würdigte sie nicht als ausreichenden Geduldsbeweis. Meine augenscheinliche Kampfansage (mir fehlten weitere Worte) entwich sie mit dem Hinweis, auf den Arzt zu warten. Ich postierte mich lauernd an ihrer Theke und wartete, mit der einen Hand gestützt an dem Infusionsständer, mit der anderen Hand dieses unsägliche Hemdchen hinten zumindest etwas zuhaltend. Nie hätte ich gedacht, dass in Krankenhäusern nachts so viele Männer über die Flure flitzen. Nur ein Arzt war leider nicht dabei. Und das Krankenhaus war nicht so groß, dass der Arzt, der ja angeblich schon vor einer halben Stunde von der Schwester gerufen worden war, oder eben doch nicht, zwischenzeitlich noch nicht hätte angekommen sein können. Es musste also bald soweit sein und das wollte ich inzwischen stoisch aussitzen bzw. stehen. Nach einer weiteren viertel Stunde forderte mich die Schwester auf, ruhig wieder ins Bett zu gehen, sie würde sich kümmern. „Ja, das merke ich. Darüber haben wir schon gelacht; jetzt will ich ’ne Pille!“ blitzte ich sie an und dann doch schon (…) griff sie zum Telefon und erkundigte sich bei dem Diensthabenden, ob sie mir ein Schlafmittel geben dürfe. Ich bekam dann das zweite Mal ein Placebo und lag bis zum Frühstück wach. Die x-te Nacht in Folge, allein im Krankenhaus. Zuvor zuhause hatte ich auch schon vor Schmerzen nächtelang nicht schlafen können.

Mit dem Wecken rollten zwei Pfleger (oder Praktikanten? Schüler? Pförtner? Putzkräfte?) den Wagen mit den Patientenakten ins Zimmer, nahmen uns Mädels Blut ab, maßen Fieber und Blutdruck und den ganzen Klimbim. Mein linker Arm war stichunfähig, weil inzwischen bereits komplett zerbombt. Am rechten Arm hatte ich wie gesagt nach wie vor den Drei-Wege-Zugang, durch den auch jederzeit Blut abgenommen werden konnte. Man musste wirklich nur einen Hahn aufdrehen, nachdem man die Kanüle angesetzt hat und schon floss mein Herzblut notfalls in Strömen. Aber der Pfleger (???) bestand darauf, meinen linken Arm erneut anzustechen. Angeblich dürfe er an den rechten nicht ran, weil ich ja da eine Infusion dran hängen habe. Dass es sich dabei inzwischen nur noch um Flüssigkeit handelte, um die Leitung frei zu halten, eben UM jederzeit Blut abnehmen zu können, bestritt er und wuchtete mir erneut eine Nadel in den linken Arm. Wie oft ich in diesen Tagen bei ausreichendem Kräfte- und Überwältigungspotential bereit gewesen wäre, einen Mord zu begehen ohne an die Konsequenzen zu denken oder diese zumindest sehr bereitwillig in Kauf zu nehmen, weiß ich nicht mehr. Aber es war sehr oft! Seinen Irrtum klärten wir dann später im Beisein der Ärztin, die über seine Vorgehensweise nur wortlos-loyal mit dem Kopf schüttelte und die Augen verdrehte.

Bei diesem morgendlichen Überfall wurde von den zwei Weißkitteln festgestellt, dass es zwei auf mich lautende Patientenakten gab. In der einen waren alle Intensiv-Unterlagen (mit Angaben zum Essen, Medikamenten, bisherige Versorgung etc.), angelegt einen Tag vor meiner Ankunft und offensichtlich mit allen notwendigen Unterlagen und Angaben ergänzt, und in der anderen lediglich die von der Schülerin ausgefüllten Fragebögen, natürlich auch ohne Schlafmittel-Vermerk, angelegt am Tag meiner Ankunft. Davon abgesehen, dass ich es als desaströs empfinde, dass niemandem aufgefallen ist, dass über eine von der Intensiv-Station kommende Patientin keine Informationen in der (falschen) Akte sind, finde ich es bodenlos, dass es nicht einmal jemand für nötig gehalten hat, sich dafür bei mir zu entschuldigen. Es wurde einfach totgeschwiegen und gut war’s. Aber seit dem bekam ich immerhin – zwar außerordentlich unkreativ aber dennoch – regelmäßig etwas zum Essen. Allerdings geht jeder, der es wagen sollte, mir bis an mein Lebensende zum Abendessen Weißbrot mit Marmelade anzubieten, in direkte Lebensgefahr über! Zum Running-Gag entwickelte sich immerhin bei jedweder zweifelhaften Äußerung oder mitgeteilten Entscheidung die Frage unter uns Mädels, ob das nach Aktenlage entschieden wurde und wenn ja, nach welcher …

Mein OP-Hemdchen war nach Tagen noch immer nicht gewechselt worden, so dass mir eine Zimmerkollegin half, mir etwas anderes aus meinem eigenen Fundus anzuziehen, was jedoch mit all den Schläuchen etc. nicht wirklich als einfach zu bezeichnen war. Das Hemd hängten wir über den Fußteil meines Bettes. Von dort wurde es dann nach zwei Tagen mit der offensichtlich ernst gemeinten Frage „Oder wollen Sie das nochmal anziehen?“ und meinem fassungslosen Kopfschütteln entfernt.

Wir wollten das Krankenhauspersonal aber nicht unnötig mit potentiellen Hilfsanfragen belästigen. Sie waren mutmaßlich sehr überfordert. Eine Mitliegerin bat nach diversen Einläufen um etwas Salbe, weil sie inzwischen nicht mehr nur nicht sitzen, sondern auch nicht mehr liegen konnte. Eine Schwester kam ins Zimmer und teilte ihr mit, da sie ja mit dem Essen fertig sei, solle sie ihr Tablett selbst raus bringen und dann bekäme sie auch Salbe. Anschließend verließ die Schwester mit leeren Händen das Zimmer wieder.

Gleich stark überfordert waren aber auch die Reinigungskräfte. In den vier Tagen, die ich in diesem Zimmer lag, habe ich es nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass die Toilette mal geputzt worden wäre. Auch das Wischen des Zimmers gestaltete sich anders, als ich es bisher in Krankenhäusern gesehen hatte: Die Lady kam mit dem angefeuchteten Wischding bereits ins Zimmer geschoben und ohne es auch nur ein einziges Mal auszuspülen, schredderte sie damit den gesamten Boden. Vorzugsweise, während wir gegessen haben. Der (vermutlich) Joghurt, der bereits bei meiner Einlieferung neben meinem Bett breit getreten war, hatte sich in den vier Tagen immerhin soweit verteilt, dass er fast dem Muster im Linoleum entsprach und nicht mehr ganz so deutlich auffiel. Allerdings hatte da ein Pfleger mal getrickst, als mein Tropf nicht lief: Er löste den Schlauch, ließ einfach so auf den Boden (über den Joghurt) etwas von der Infusion ablaufen, steckte alles wieder zusammen, grinste mich an mit „Na also, läuft doch!“ und entschwand. Ein bereits bei meiner Ankunft dort auf dem Boden lungerndes Plastikteil lag jedoch noch immer im Zimmer rum, als ich meine Sachen packte und inzwischen wirklich alles in Kauf nehmend nur noch da raus, vorzugsweise nach Hause, wollte. Wetten, wie weit „sie“ es wohl am jeweiligen Morgen beim „Reinigen“ des Bodens weiter schieben würde, gewannen wir immer. Bis ins Bad hat sie es nur ab und zu geschafft und auch dann nicht bis in jede Ecke, was aber nicht weiter schlimm war: Wenn morgens eine von uns geduscht hatte, stand die Nasszelle Dank der dusseligen und für diese Zwecke – natürlich nur nach meinem ganz subjektiven Empfinden höchst unsinnigen – Duschen-Konstruktion den ganzen Tag unter Wasser. Schade, dass es nicht wenigstens einen Wischer gab, mit dem wir Patienten das Wasser selbst zurück in die Dusche hätten schieben können. Aber so hatten wir alle immer frisch gewaschene (zumindest gewässerte) Füße. Ist ja auch was. Auch das Blatt Toilettenpapier, das tagelang ca. 30 Zentimeter neben der Toilette lag, befand sich dort noch immer, als ich das Krankenhaus verließ. Vielleicht war es aber auch inzwischen aufgrund der ständigen Wasserüberschwappung mit den Fliesen fest verbunden. Das habe ich nicht geprüft. So brennend interessierte mich das dann alles nicht mehr.

Bevor ein Bett, und somit natürlich auch ein Schrank, neu belegt wurden, ließ man den Schränken keinerlei Form von Reinigung angedeihen. Einer nimmt seine Klamotten raus, der nächste packt seine rein und durch mit das. Betten waren noch warm, bevor sie neu belegt wurden. Egal wer noch Minuten zuvor mit welcher Erkrankung in die Decke gehustet, ins Kissen geschwitzt hat oder in die Matratze ge … weiter mag ich darüber gar nicht nachdenken! Es wurde nur schnell frische Bettwäsche (immerhin) aufgezogen und *zack* lag der nächste Patient drin. Davon, dass die Patienten selbst aufpassen mussten, ob sie morgens ihre oder die Medikamente des Nachbarn auf dem Tablett hatten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Und wenn es für all das nicht mehrere Zeugen gäbe, hätte vermutlich nicht einmal ich mich getraut, das alles niederzuschreiben. Unglaublich finde ich auch, dass Besucher mit Parkgebühren abgezockt werden! Was kommt als nächstes? Eintrittskartenverkauf vor den Krankenzimmern? Würfelspiele um die Mahlzeiten? Doppelt oder nix: Wer gewinnt darf bei Intensiv-Patienten nach Melodiewunsch die Geräte neu einstellen?

In drei bis vier Monaten muss ich erneut ins Krankenhaus, um eine Folge-OP durchführen zu lassen. Wenn es sein muss werde ich meinen Hausarzt am Montag auf Knien anbetteln, nicht noch einmal in dieses KRANKen-Haus zu müssen. Aber die OP kommt ja dann zum Glück nicht plötzlich und unerwartet, vorzugsweise oder auch nur der Abwechslung halber auch nicht unter Lebensgefahr. Wobei sich mir durchaus die Frage stellt, welche Gefahren bei Niederlegung in einem solchen Krankenhaus überwiegen …

___________________________

Vor allem scheint mir qualifiziertes Personal (gut ausgebildete Schwestern, Pfleger) zu fehlen. Nicht, dass es grundsätzlich nicht da wäre, es ist aber m. E. nicht in ausreichendem Maße vorhanden/eingestellt.

Und ohne für mich persönlich nun eine ganz besonders hoch gehängte Latte anbringen zu wollen: Ich kam direkt von der Intensiv-Station, nachdem ich gerade eine dreifache Lebensgefahr (Bauchspeicheldrüse, Lungenentzündung und Austrocknung) überstanden hatte. Mir erscheint es nicht nur logisch, sondern auch dringend geboten, dass solche Patienten mit ganz besonders sorgfältiger Aufmerksamkeit in eine andere Station aufgenommen werden. Stattdessen wurde z. B. aufgrund des Akten-Chaos‘ übersehen, dass ich noch Antibiotikum benötige, was dann am Montag einfach mal vergessen wurde. Ab Dienstag (nachdem die „richtige“ Akte von irgendjemandem entdeckt worden war) bekam ich es dann wieder. Am letzten Tag auf Station hatte ich plötzlich ein Medikament auf dem Tablett, was ich zuvor nicht bekommen hatte, dafür fehlte das inzwischen in Tablettenform verabreichte Antibiotikum. Meine Nachfrage, was das denn sei, wurde mit „Ihre Darmtablette“ beantwortet, die ich überhaupt nicht bekommen sollte/durfte. Meine nächste Frage, wo denn mein Antibiotikum ist, wurde beantwortet mit einem stutzenden Blick und der sich selbst gestellten Frage „Ähm, wo ist das denn jetzt gelandet?“. Sowas darf m. E. einfach nicht passieren!

Ohne Ironie, Sarkasmus bis hin zum Zynismus kann man eine solche Situation wohl kaum überstehen. Bezeichnend finde ich es auch, dass ich z. B. seit dem ich zuhause bin, jede Nacht acht bis neun Stunden wie ein Baby geschlafen habe, und zwar ohne jedwedes Hilfsmittel. Im KH war das absolut unmöglich, weil ich mich nur unglaublich unwohl bis fast schon angeekelt gefühlt habe.

[© skriptum/marmonemi 03.03.2007]

~~~

An dieser Stelle einen wirklich und ehrlich von Herzen kommenden Dank an die liebe Synapse und viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die mir aufgrund dessen, wie sie mit diesen Themen und vor allem mit Patienten umgehen, immer wieder zeigen, dass „das da oben“ wirklich und wahrhaftig nicht der Normalfall ist bzw. sein muss!

 

Read Full Post »

 

Vom Regen …

 

 

… unter Umgehung der Traufe …

 

 

… direkt in die Scheiße.

 

 

Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass ich den ffn-Song „scheiße“ finde. Im Gegenteil: Den finde ich ziemlich witzig! Das ist ja das Erschreckende.

KTzG hat es also doch getan. Hmm. Was mich daran an meisten ärgert? In erster Linie gar nicht unbedingt, dass er sich seine Doktorarbeit zusammengeklaut und über ein Plagiat getitelt hat. Ich denke mal, dass man solcherlei nicht nur in seiner Dissertation feststellen kann. Richtig ärgert mich an dieser ganzen Geschichte, dass er nach Lautwerden der Vorwürfe so dreist gelogen und behauptet hat, dass das nicht stimmt.

Wie gesagt: Als Beschuldigter hätte er gar nichts zu sagen brauchen. Er hätte also schlicht und ergreifend die Klappe halten und abwarten können, was die Untersuchung seiner Dissertation ergibt. Stattdessen hat er es aber vorgezogen, diejenigen frech der Lüge zu bezichtigen, die dabei waren, ihn der Lüge zu überführen. Wer „gewonnen“ hat ist inzwischen klar. Und DAS, unwerter Herr zu Guttenberg, geht gar nicht!

Dennoch finde ich es sehr schade! Die letzte „Bastion“ im Lager der so genannten Politiker ist somit auch zum klassischen „Volks(ver)treter“ verkommen. Jetzt bleibt gar keiner mehr, für den ich sowas wie Sympathie empfinden könnte.

Read Full Post »

Ich weiß,

wir werden über Berge springen
und durch Pfützen tauchen.

Außerdem die Sonne küssen
und den Regen verjagen.

Nichts wird uns daran hindern
die Welt zu erobern.

Hand in Hand werden wir
uns den Globus Untertan machen.

Erstaunte Gesichter
werden unseren Weg säumen.

Wir werden lächeln
bis auch der letzte Mensch zurück lacht.

Tränen werden wir nur vergießen
um die Blumen auf unseren Wegen zu wässern.

Dabei wird uns nichts und niemand
jemals aufhalten können.

Und wenn nichts mehr zu gehen scheint
legen wir beide erst richtig los.

© skriptum

Read Full Post »

Older Posts »