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Posts Tagged ‘Termin’

Vorweg:
Nein, ich habe nicht den Führerschein verloren.
Nein, das hat andere Gründe.
Nein, die werde ich hier nicht kundtun.
Nein, die tun wirklich nix zur Sache! ;o)
Ja, der Text ist lang! Aber Splitten geht nicht; DIE Nummer muss man in einem Rutsch lesen.

Gefühlt wohl so ca. 3811 Mal habe ich in den vergangenen anderthalb Monaten mit einem Taxiunternehmen telefoniert, da ich in dieser Zeit zweimal werktäglich mit Taxis zu Terminen fahren musste. Einmal hin zu einer Hochschule und einmal zurück nach Hause. Die Hinfahrt wurde von mir üblicherweise rund 24 Stunden vor dem geplanten Fahrt-Antritt oder sogar drei Tage vorher (Freitag für Montag) bestellt. Die Rückfahrt bestellte ich, sobald der jeweilige Termin durch war und dann auch gleich wieder die nächste erforderliche Hinfahrt.

Man sollte annehmen dürfen, dass es einem großen Unternehmen, das so eine Art Monopol-Stellung hat, dem entsprechend aber auch sehr viele Wagen und Fahrer, möglich ist, eine 24 Stunden vorher bestellte Fahrt pünktlich auszuführen.

Man sollte ebenfalls annehmen dürfen, dass einem Taxiunternehmen aufgrund der gesamten Umstände der erforderlichen Fahrten klar ist, dass der Fahrgast andere Dinge im Kopf hat, als um kompetente Auftrags-Ausführung zu betteln.

Auch sollte dem Unternehmen aufgrund der Art der Fahrten klar sein, dass Pünktlichkeit für den Kunden immens wichtig ist und die Fahrten nicht nur deshalb unternommen werden, weil der potentielle Fahrgast am jeweiligen Tag bloß keine Lust hat, per Salti in die Hochschule und wieder nach Hause zu kommen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es sich um eine sehr große Hochschule handelt, auf dessen Gelände es sogar mehrere Taxi-Halteplätze gibt, die üblicherweise gut bestückt sind, woraus sich normalerweise die Möglichkeit einer schnellen Abholung zur Rückfahrt ergeben könnte.

All das sollte man durchaus annehmen können. Dem ist aber nicht so. Nicht einmal fast:

Am ersten Tag klappte alles bestens. Bereits am zweiten Tag musste ich geschlagene 30 Minuten warten, bis ein Wagen für die Rückfahrt vorfuhr. Zu erwähnen ist hier noch, dass man an dem Wartepunkt nirgendwo sitzen kann. Man steht freihimmlisch bis zum Eintreffen des Wagens herum, Wind und Wetter ausgesetzt. Beides ist um diese Jahreszeit nur bedingt wohlfühltauglich.

Diese 30minütige Wartezeit für die Rückfahrt wiederholte sich dann einige Male, bis ich mir angewöhnte, direkt bei der Bestellung zu fragen, wie lange es wohl dauert, bis ein Wagen zur Abholung kommt. Daraus resultierten dann jedoch noch weitere Putzwunderlichkeiten. Einmal hieß es auf meine Nachfrage während der Bestellung zur Rückfahrt „Der Wagen ist schon auf dem Gelände“. Wenn es sich um das Gelände der Hochschule gehandelt hätte, wäre die Wartezeit mit zwei, drei Minuten gegessen gewesen. Nach einer viertel Stunde rief ich erneut in der Zentrale an und beschwerte mich, dass der Wagen noch immer nicht angekommen sei, worauf mir versichert wurde, sofort nachzufragen. Vom Fahrer, der kurz danach, also ca. 20 Minuten nach der Bestellung, eintraf, erfuhr ich allerdings, dass er nicht auf dem Hochschul-Gelände war, sondern auf dem Messe-Gelände gestanden hat. Wesentlich weiter voneinander entfernt kann man innerhalb Hannovers kaum sein. Als ich bereits im Wagen saß und wir vom Gelände fuhren, kam dann über Funk auch „schon“ die Nachfrage der Zentrale.

Eine andere Antwort der Zentrale an einem anderen Tag lautete auf meine Frage „Der Fahrer ist schon raus“. Als das Taxi dann doch „schon“ nach 20 Minuten ankam, wollte ich den Fahrer erst fragen „wo raus? Aus der Ortskundeprüfung?“, ließ es dann aber doch. Ich wollte nur noch nach Hause und das ohne Diskussionen.

Ein anderes Mal rief ich nach ca. 15 Minuten erneut in der Zentrale an und fragte, wann denn wohl mit dem Eintreffen des Fahrers zu rechnen sei. Daraufhin erfuhr ich, dass er aus der Innenstadt anfährt, was im Berufsverkehr nicht gerade schnell geht. Der Fahrer kam irgendwann, fuhr in verkehrter Richtung vom Hochschulgelände und wollte gerade in Richtung Schnellweg nach Hamburg abbiegen, als ich ihn vorsichtig fragte, ob er überhaupt wisse, wohin diese BESTELLTE! Fahrt gehen solle. Er wusste es nicht und selbst nachdem er es wusste, hatte er nicht den geringsten Schimmer, wo diese Adresse ist. Aber erstmal Richtung Schnellweg losfahren; ist klar!

Ich lotste ihn dann Meter für Meter bis zu meiner Wohnung. Wenn man eine 24 Stunden vorher bestellte Fahrt mit dem Taxi antritt, sollte man doch wohl annehmen dürfen, dass dem Fahrer wenigstens bewusst ist, auf welchem Kontinent er sich befindet. Den gleichen Fahrer hatte ich übrigens ein paar Tage später nochmal und er fuhr erneut Richtung Schnellweg. Und er wusste erneut nicht, wohin die Fahrt überhaupt gehen soll. Und er wusste erneut nicht, wo die ersehnte Adresse überhaupt ist. Und ich weiß bis heute nicht, wie der seinen Taxischein bekommen hat. Ich will es aber auch lieber gar nicht wissen.

Meine Geduld vor den Hinfahrten minimierte sich von Tag zu Tag. Irgendwann wartete ich nicht mehr allzu lange, sondern rief spätestens nach fünf Minuten Verspätung in der Zentrale an, um zu erfahren, wann der am Vortag bestellte Wagen bei mir eintrifft. Wie häufig mir dann gesagt wurde, dass der Fahrer an der Hochschule steht, um mich von Zuhause abzuholen, habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Auf den Displays in den Wagen war häufig genug zu lesen, wie die Hinfahrt- und wie die Rückfahrt-Anschriften lauten. Wie man da durcheinander kommen kann verstehe ich nicht. Ich bin aber auch kein Taxifahrer in Hannover.

Eine der Krönungen an abholerischer Kreativität bestand darin, dass ein Fahrer für die Abholung klingelte, ich ihm über die Gegensprechanlage sagte, dass ich runter komme, meine Jacke anzog und 15 Sekunden später im Treppenhaus durch das Fenster gerade noch Zeuge wurde, wie der Typ wieder weg fuhr. Mein dann doch reichlich erboster Anruf in der Zentrale mit der Aufforderung, den Fahrer über Funk blitzartig zurückzupfeifen wurde mit verbaler Handlungsabsicht bestätigt. Und obgleich der Fahrer binnen einer Minute unmöglich aus der ca. 200 Meter langen Straße raus gewesen sein konnte, brauchte er geschlagene ACHT Minuten, um wieder vorzufahren.

Ein anderer Fahrer war dermaßen langsam und unsicher, dass mich fast das blanke Mitleid packte. Ich war mehrfach kurz davor, dem armen Kerl anzubieten, ihn samt Fahrzeug wenigstens um die Kurven zu tragen … Als Fahrradfahrer wäre der schon vor Fahrtantritt erledigt, weil mangels Geschwindigkeit vom Rad gefallen. Leider musste ich mit dem auch noch mehrere Male fahren. Das war ganz besonders aufregend, wenn er sowieso schon viel zu spät zur mehr als rechtzeitig vorher bestellten Abholung kam.

Ein andermal hatte ich einen Wagen für 17:15 Uhr des Folgetages bestellt. Gegen 17:20 Uhr rief ich an und fragte, wo der Wagen bleibt. Die Zentrale versicherte mir, sich sofort darum zu kümmern. Gegen 17:25 Uhr fragte ich erneut nach, ein anderer Mitarbeiter der Zentrale versicherte, dass er sich ebenfalls sofort darum kümmern würde. Gegen 17:32 Uhr, also zwei Minuten nachdem mein Termin in der Hochschule bereits angefangen hatte, rief ich zum dritten Mal an und erfuhr, dass noch gar kein Fahrer gefunden wurde, es würde sich aber sofort darum gekümmert. Gegen 17:45 Uhr, also eine halbe Stunde zu spät, wurde ich dann zuhause abgeholt, um meinen Termin um 17:30 Uhr in der Hochschule wahrzunehmen zu können. An dieser Stelle mal ein ganz dickes „Danke!“ an das gesamte Team in der Hochschule, das die unverschuldeten Verspätungen stets so geduldig getragen hat. Und überhaupt ein ganz dickes „Danke!“ für so einiges!

Die Naivität, zum bestellten Zeitpunkt bereits vor meinem Haus zu stehen, stellte ich ganz schnell ab. Ich wartete in der Wohnung bis zum Klingeln. Nachdem mir klar wurde, dass ich für die Rückfahrten meist noch länger warten muss, als auf die bestellten Hinfahrten, schrieb ich eine E-Mail an das Taxiunternehmen mit der Bitte, dass die Fahrer bis zur Rückfahrt warten sollen, nachdem sie mich hingebracht haben. Diese E-Mail wurde vorsichtshalber gänzlich ignoriert. Technisch möglich muss das sein, denn zahlreiche andere Fahrer, auch dieses betreffenden Unternehmens, warten auf ihre Fahrgäste bis zur Rückfahrt. Das war immer wieder zu sehen. Auch zu sehen war regelmäßig, dass andere Leutz, die lange vor mir das Haus verlassen hatten, noch immer auf ihr Taxi warteten, wenn ich 15, 20 Minuten später raus kam. Müßig zu erwähnen, dass sie auf das gleiche Unternehmen hereingefallen waren.

Ein weiterer „Trick“ bestand darin, dass die Abholung zwar relativ pünktlich erfolgte, die Fahrt allerdings als normale Bestellung eingebucht war, die ich direkt hätte bezahlen müssen, statt sie auf Kundennummer/Rechnung zu buchen. Wie das passieren kann weiß ich nicht, denn wenn ich die Rückfahrt bestellte, bestellte ich im gleichen Gespräch für den nächsten Tag die Abholung. Und das alles direkt zu meiner Kundennummer. Wie kann dann eine Rückfahrt auf Kundennummer gehen und die im gleichen Gespräch bestellte Abholung am nächsten Tag nicht? Zum Glück erinnerten sich die jeweiligen Fahrer beispielsweise daran, mich schon mehrfach gefahren zu haben, meine Fahrten auf Kd-Nr./Rechnung gingen und dementsprechend klärten sie das mit der Zentrale vor Fahrtantritt.

Als ich von der Zentrale auf Nachfrage mal wieder erfahren musste, dass mich ein Fahrer statt vor meiner Haustür an der Hochschule abholen wollte, um mich in die Hochschule zu fahren (öhm …) platzte mir der Kragen! Normalerweise verschone ich Boten, da sie nur diejenigen sind, die durch Überbringung von unangenehmen Nachrichten letztendlich die Suppe anderer auslöffeln müssen. In dem Fall jedoch holte ich nur noch Luft und schnauzte den Mitarbeiter in der Zentrale an: „Wissen Sie was? Ungefähr 20 Prozent Ihrer Fahrer sind wirklich klasse. Aber die restlichen 80 Prozent sind echte Pflegefälle!“. Etwas kleinlaut aber dann doch tendenziell bestimmt antwortete er mir „Da kann ich Ihnen leider nur zustimmen.“. Das war die einzig mögliche Antwort, die es ihm gerade noch erspart hat, von mir quer durchs Telefon gezogen zu werden!

Der (vor!)vorletzte Termin-Tag gestaltete sich dann in einer Art und Weise, die alles Bisherige in den Schatten stellte:

Für 19 Uhr hatte ich, wie gehabt am Vortag, den Wagen bestellt. Der Termin war auf 19:20 Uhr angesetzt. Um 19:05 Uhr – gebranntes Kind – rief ich an, fragte, wo der Wagen blieb und erfuhr, dass noch gar kein Fahrer gefunden wurde, weil ja schließlich Messe-Abfahrt sei (Anm.: Die Messe schließt um 18:00 Uhr). Ich Dummerchen! Darauf hätte ich ja kommen können, als ich 24 Stunden vorher einen Wagen bestellt hatte und der Auftrag vom Unternehmen ohne Mucken angenommen wurde. Wer rechnet denn dann auch damit, dass der Wagen tatsächlich pünktlich vorfährt. Außer mir vermutlich kein Mensch!?

Gegen 19:15 Uhr rief ich erneut an aber ein Fahrer war noch immer nicht gefunden. Messe-Abfahrt und so, das müsse ich doch verstehen. Nein, das verstand ich nicht. Höchstens akustisch und das interessierte mich nicht einmal wenig. Die Mitarbeiterin sagte mir zu, zu versuchen, einen Fahrer direkt anzurufen und zu bitten, mich sofort abzuholen. Wie oft ich dann noch weitere Male beim Taxiunternehmen angerufen habe, hörte ich irgendwann auf zu zählen. Zwischenzeitlich informierte ich die Hochschule, dass ich noch nicht abgeholt worden sei und mich melden würde, sobald ich wüsste, wann ich endlich eintreffen könnte.

Der dortige Mitarbeiter ließ sich von mir meine Kundennummer beim Taxi-Unternehmen nennen und rief ebenfalls dort an (auch dafür an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank!). Immerhin warteten sie explizit auf mich, dafür mussten diverse Mitarbeiter ausharren und so einiges an Geräten weiterlaufen. Die damit im Zusammenhang stehenden Kosten kann die Hochschule hoffentlich von dem Taxi-Unternehmen einfordern. Immerhin hat das Letztere sowas wie eine Beförderungspflicht und dass an diesem Abend mit Messe-Verkehr zu rechnen sein würde, wussten sie bereits bei Annahme des Auftrags, 24 Stunden vorher. Auch kann es wohl kaum angehen, dass eine Landeshauptstadt taximäßig komplett zur taxifreien Zone wird, nur weil irgendwo Messe ist! Ganz zu schweigen von der bestenfalls bedingten Glaubwürdigkeit, dass von 18:00 Uhr bis 20:30 Uhr kein einziger Taxifahrer nach Hannover reingefahren sein soll, den das Unternehmen hätte „verhaften“ können, um lange vorher angenommene Auftragsfahrten auszuführen. Bei diesem einen Anruf des Mitarbeiters blieb es nicht; auch er versuchte mehrfach eine Hinfahrt für mich zu erreichen. Leider ebenfalls vergeblich.

Diese Anruferei beim Taxiunternehmen setzte sich von meiner und von Seiten des Mitarbeiters der Hochschule über gnadenlose anderthalb Stunden, also eben bis ca. 20:30 Uhr und somit bis weit nach der eigentlichen Messe-Abfahrt ab 18:00 Uhr fort. Ein Fahrer konnte in diesen ein- bis zweieinhalb Stunden angeblich nicht gefunden werden. Daraus resultierte als Ende vom Lied, dass mein Termin abgesagt werden musste … weil das Taxiunternehmen keinen Wagen geschickt hat! Das ist nicht zu fassen! Sehr unangenehm für mich war aus verschiedenen Gründen, dass sich das eigentliche Ende der Hochschul-Besuche dadurch um einen weiteren Tag verzögerte. Das konnte ich bestenfalls und mit Verlaub nur als absolute Scheiße bezeichnen. Keine Angst: Das ist schon die höfliche Formulierung. Die andere will hoffentlich keiner schriftlich.

Nach Absage des Termins in der Hochschule rief ich sofort nochmal beim Taxiunternehmen an. Wieder gefühlt die magischen 3811 Male musste ich dieses Mal meine lediglich fünfstellige Kundennummer wiederholen, bis sie die dortige Mitarbeiterin endlich verstanden und korrekt ins System eingegeben hatte. Ich weiß nicht, was daran so schwer ist, die Zahlen 1-1-4-5-9 in anders definierter Reihenfolge zu hören und auf einer Tastatur einzutippen. Aus diesen fünf Zahlen wurden Kombinationen wie 55519, 55149, 11594, 54119 etc., nur die korrekte von mir genannte Reihenfolge war für diese Dame offenbar ausgesprochen schwierig zu erfassen. Irgendwann redete sie sich damit heraus, dass sie mich nur schwer verstehen könne. Das passte prima, denn mir war inzwischen sowieso danach, einfach nur noch loszubrüllen. Und das mir, die vom Schreien wirklich gar nichts hält.

Ihn schwer verstehen zu können, behauptete sie auch gegenüber dem Fahrer, der am nächsten Tag bei der Abholung in der Zentrale nachfragte, warum diese Buchung als freie Fahrt an ihn gegangen sei, statt auf Kundennummer, wie ich sie am Vorabend bei eben dieser Mitarbeiterin innerhalb eines Telefonates mit der Absage der vorherigen Fahrt bestellt hatte. Dummerweise saß ich ja bereits im Wagen, hörte das Gespräch mit und stand kurz vor einem mittelschweren Tobsuchtsanfall, als das Procedere mit den verschiedenen Zahlenkombinationen meiner Kundennummer schon wieder losging. Wenn diese Dame einen massiven Hörschaden hat, ist das natürlich bedauerlich. Dann gehört sie aber definitiv nicht in den Telefondienst. Allerdings wird dadurch wohl bestätigt, dass nicht nur 80 Prozent der Fahrer „Pflegefälle“ zu sein scheinen, sondern die gleiche Quote auf die Mitarbeiter in der Zentrale zutreffen könnte. Das dürfte einiges erklären; zu entschuldigen ist es dadurch jedoch keinesfalls.

Nachdem ich die abendliche Fahrt zu dem (vor!)vorletzten Termin beim Taxiunternehmen abgesagt hatte, war ich ziemlich in Fahrt; selbstredend ohne Taxi. Mein Telefonohr glühte und nachdem ich den Hörer gerade aufgelegt hatte, klingelte es an der Tür. Vor dem Haus stand ein Taxi. Hallo?! Doch „schon“ zweieinhalb Stunden nach Beginn der Messeabfahrt und mit anderthalb Stunden Verspätung bei mir. Und das, nachdem zwei Minuten vorher der Termin wegen thematischer und menschlicher Inkompetenz des Taxiunternehmens abgesagt worden war. Nein, ich habe den Hörer der Gegensprechanlage nicht abgenommen. Der Fahrer hätte sich von dem daraus potentiell resultierenden Trommelfellriss vermutlich nie wieder erholt!

*

Ich bin aus verschiedenen Gründen sehr froh, dass ich diese anderthalb Monate dauernde Phase heute endlich abschließen konnte. Länger hätte ich das Theater mit diesem Taxiunternehmen auch nicht mitgemacht. Die Verantwortlichen sollten sich ernsthaft überlegen, ob sie sich weiter auf dem Gebiet der Personenbeförderung bewegen. Tiertransporte scheinen mir da durchaus geeigneter.

Wer für längere Zeit werktägliche Taxi-Fahrten benötigt und sicher gehen will, dass er sich nicht auch noch jeden Tag Sorgen um die Pünktlichkeit der Hin- und Rückfahrten machen muss oder darüber, ob die Fahrten überhaupt stattfinden und falls ja, wie, kann mich gern anmailen (Adresse oben rechts). Ich verrate ihm dann per E-Mail, welches Unternehmen er vorsichtshalber auf gar keinen Fall beauftragen sollte.

Ich selbst wäre dankbar für einen Hinweis, welches tatsächlich zuverlässige Unternehmen oder welchen Einzelfahrer man in solchen Fällen beauftragen kann. Man weiß ja nie, wann man es (nochmal) braucht, nöch?! Kommentare dazu sind sehr willkommen; auch gern direkt von Einzelfahrern! Sie müssen sich ja nicht alle in Hannover und Umland tummeln. Ich denke mal, solche Machenschaften gibt es im Zweifel in jeder Stadt.

Euch allen wünsche ich nun, verbunden mit Glückwünschen zum bewältigten Durchlesen dieses Berichts, eine pünktliche Abfahrt in ein ausgesprochen entspanntes Wochenende! ;o)

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Von diesem Zensus-Tamtam kann man ja halten was man will. Solange ich nicht weiß, nach welchen „Zufälligkeiten“ die Befragten von welchen „autorisierten Auswählern“ bestimmt wurden, empfinde ich die ganze Nummer sowieso als Schwachfug. Hinzu kommt, dass kein „Normalsterblicher“ weiß, nach welchen Kriterien die Ergebnisse von wem der welche Interessen verfolgt ausgewertet und gewichtet werden. Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass dieser ganze Mist mal wieder nur der Meinungsmache dienen soll.

Wer sagt denn, dass – rein zufällig, versteht sich – nicht überwiegend Menschen mit einem monatlichen Netto-Einkommen ab 8.000 Euro ausgesucht wurden. Hinzu kommt eine Mindest-Wohnfläche pro Person ab 120 Quadratmetern. Die Warm-Miete beträgt maximal 98 Cent pro Quadratmeter. Wobei diese Wohnfläche selbstredend zu diesem Dumping-Preis vermietet wird. Zur Selbstnutzung steht Eigentum zur Verfügung, das natürlich nach den neuesten Energiespar-Erkenntnissen modernisiert ist.

Selbstverständlich handelt es sich bei all diesen Befragten um Menschen, die entweder von den Zinsen aus ihren Vermögen leben oder über einen festen Anstellungsvertrag mit Kündigungsschutz verfügen. Sie sind gesund, haben noch keine Kinder, wollen aber definitiv mindestens drei. Die von ihnen zu erwartende Altersversorgung in Form der staatlichen Rente fängt frühestens bei einem Betrag ab 5.000 Euro monatlich an. Etc. etc. etc.

Was für einen himmlischen Bevölkerungsschnitt samt wirtschaftlichen Verhältnissen in Deutschland würde das ergeben?!

Angeblich sind die Kontaktdaten der Befragten weder vom Einwohnermeldeamt, noch vom Finanzamt oder sonstigen offiziellen Stellen bezogen worden. Kompliment an denjenigen, der sich vermutlich monate- wenn nicht sogar jahrelang hingesetzt und in jeder Stadt alle Straßen nebst Postleitzahlen herausgesucht und sich dazu Namen ausgedacht oder sie vor Ort von den Briefkästen abgeschrieben hat. Das muss echt eine mörderische Arbeit gewesen sein! [/ironie]

Hinzu kommt die Auswahl derer, die nun in Millionen private Haushalte gehen und die Besuchten befragen sollen. Nach welchen Kriterien sind denn diejenigen ausgewählt worden? Wieder einmal nur nach dem Faktor „Hauptsache billig“? Sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet worden? Was geschieht beispielsweise mit meinen Daten auf dem Weg von meiner Wohnung zur Abgabe-Zentrale? Von der Auswertung nach Ankunft ganz abgesehen. Mit Klardaten und weiteren Angaben zur Lebenssituation lässt sich pro Adresse immerhin eine Menge Geld machen.

Ich will hier natürlich niemandem etwas Böses unterstellen. Was bleibt sind aber folgende Gedanken:

Die Befrager sollen pro Fragebogen, den sie bei den zu Befragenden abgeben, lediglich zwei Euro bekommen. Werden die Bögen jedoch sofort ausgefüllt und die Befrager bringen die Beute wieder mit, soll es eine Entlohnung von sieben bis zwölf Euro geben. Das nenne ich doch mal Unterschied! Die Differenz von 7 zu 12 bemisst sich vermutlich danach, ob auch alle freiwilligen Angaben zu Religion etc. gemacht wurden. Ich kann hier nur vermuten, denn eine Auf- oder Erklärung fand ich dazu nirgendwo.

Wenn nicht alles beantwortet ist, gibt es somit wohl nur sieben Euro. Je geschickter der Befrager im Belabern der Befragten ist, desto höher ist also sein Profit. Es liegt demnach auf der Hand, dass es möglicherweise bei dem einen oder anderen Befrager nicht so leicht sein könnte, ihn zur Herausgabe der Bögen und zum Verlassen des Hauseingangs zu bewegen. Losgelöst von irgendwelchen potentiellen Gedanken oder faktischen Möglichkeiten, private Haushalte en masse auszuspionieren.

Soweit ich weiß, wird der Termin, an dem der Befrager kommt, vorab telefonisch avisiert. Bliebe die Frage, woher die Telefonnummern stammen, wenn keine vorhandenen Datenbanken zur Ermittlung von personenbezogenen Daten herangezogen wurden. Das aber nur am Rande. Was bereits geschieht ist, dass sich Fremde bei Angerufenen als Volksbefrager ausgeben und private Angaben nebst Kontoverbindungen abfragen sollen. Das wird von den tatsächlichen Zensus Lakaien Mitarbeitern nicht gemacht; sie teilen m. W. wirklich nur den Termin mit.

Festzuhalten bleibt: Niemand muss einen fremden Menschen in seine Wohnung oder sein Haus lassen. Selbst Polizeibeamte müssen nicht eingelassen werden, sofern sie keinen entsprechenden Beschluss (Durchsuchung etc.) vorlegen können. Wer meine privaten Räume betritt, entscheide nur ich und sonst niemand. Kein Vermieter, kein Politiker, kein Polizist und auch kein Volksbefrager.

Festzuhalten bleibt weiter: Die Bögen müssen beantwortet werden! Wer es nicht tut, muss mit einem Bußgeld in dreistelliger Höhe rechnen. Angst davor, irgendwas falsch zu machen, muss aber m. E. niemand haben. Es genügt, die Bögen nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen. Viele der Fragen können freiwillig, müssen aber nicht beantwortet werden. Es bietet sich also in jedem Fall an, sich ohne „Aufsicht“ in Ruhe hinzusetzen, und die Bögen abzuarbeiten. Dies kann auch online geschehen.

Die Tatsache, dass diese Fragebögen nicht einfach eingeschrieben verschickt werden, was deutlich günstiger wäre, zeigt mir bereits, dass es bei der persönlichen Übergabe und Abfrage mutmaßlich nur darum gehen kann, die Menschen zur Beantwortung von Fragen zu bewegen, die sie gesetzlich gar nicht verpflichtet sind zu beantworten. Anderenfalls würde man dem schnöden Wahlvieh doch wohl zutrauen, Fragen selbständig zu beantworten; also ohne Aufsicht.

Für mich steht fest, dass ich niemanden in meine Wohnung lasse, den ich nicht kenne; auch keine Volksbefrager. Das nur, sofern ich ausgewählt werden sollte, obwohl ich noch nicht von meinen Zinsen leben kann ;)

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Oder: Woran erkennst Du, dass Du dem Internet hoffnungslos verfallen bist?

1) Auf die Frage, wieviele Pole es gibt, antwortest Du mit „Drei: Nordpol, Südpol und Webpol!“.

2) Dich am Wochenende rund um die Uhr in irgendwelchen Threads zu beteiligen, nennst Du „Dates“.

3) Auf die Frage nach Deiner Kontoverbindung nennst Du den Namen Deines virtuellen Kiosks.

4) Jemanden zu lieben oder heiraten zu wollen, den Du nur rein virtuell kennst, findest Du völlig normal.

5) Eine internette Freundschaftliste bezeichnest Du als Dein soziales Umfeld.

6) Wenn Dir in einem persönlichen Gespräch irgendetwas nicht passt, schnauzt Du los mit Verweis auf das „Kreuz oben rechts“.

7) Im Falle längerer Server-Crashs

a) starrst Du völlig verzweifelt auf Deine Tastatur und heulst die F5-Taste an.

b) bekommst Du Schweißausbrüche und Wutanfälle.

c) kramst Du im Medizinschrank panisch nach Anti-Depressiva.

d) erschreckst Du Dich fast zu Tode, wenn Du siehst, dass es draußen nicht immer dunkel ist.

8) Reale Termine nimmst Du nur dann wahr, wenn

a) Du keinen Artikel veröffentlicht hast.

b) kein Artikel von jemand anderem veröffentlicht wurde.

c) es keinen Thread gibt, in dem Du meinst, gebraucht zu werden.

d) sich im Internet nichts als so genanntes „Date“ ergibt.

9) Die Realität hast Du völlig aus den Augen verloren, wenn Du

a) einem Kollegen an seiner Stamm-Pommes-Bude auflauerst und es Geschäftsessen nennst.

b) in den 40er Jahren geboren bist aber stoisch behauptest, „um die 40“ zu sein.

c) Filminhalte als bare Münze nimmst und sie in Artikeln als Dein Privatleben beschreibst.

d) überzeugt davon bist, dass es keiner merkt, wenn Du Dich im Internet mit uralten oder fremden Fotos präsentierst.

10) Eine Leistung zu vollbringen definiert sich für Dich darüber,

a) immer schneller neue Blogs samt Email-Adressen anlegen zu können. Dein Rekord liegt bei 11 Sekunden.

b) mindestens drei Blogger pro 24 Stunden durch Beleidigungen oder Verleumdungen zu brüskieren.

c) pro Woche mindestens einmal gesperrt zu werden.

11) Dass Du Dich bis auf die Knochen lächerlich machst merkst Du selbst dann nicht, wenn Du

a) vorgibst, Literatur-Professor zu sein aber nicht einmal annähernd die aktuelle Rechtschreibung beherrschst.

b) geklaute Texte einstellst und anderen dann erzählst, ihre (selbst geschriebenen) Texte seien scheiße.

c) Dir Neben-Blogs anlegst, um Dich selbst zu beposten, hochzujubeln und mit Dir selbst zu verabreden.

d) es toll findest, jeden Abend besoffen zu sein und Dein eigenes Fake als Drecksau bezeichnest.

12) Wenn Du für ein paar Tage nicht online sein kannst, glaubst Du, es vorher öffentlich beantragen zu müssen.

13) Ein Großteil Deines Urlaubs-Budgets geht dafür drauf, in Internet-Cafes zu sitzen, um online zu sein.

14) Nach Deinem Ausweis gefragt, legst Du einen Ausdruck Deines Internet-Profils vor.

15) Wenn Du Dir in der Bank nicht sicher bist, dass Dein Bar-Scheck gedeckt ist, malst Du als Unterschrift ein *lieblächelbettelflehhihi*.

16) Es macht Dich nicht einmal mehr stutzig, wenn Du Dir über das Internet und über Menschen, die Du real niemals treffen wollen würdest, dermaßen viele Gedanken machst, dass es Dich sogar dazu hinreißt, einen Artikel darüber zu schreiben.

Öhm …

Moment …

Ich muss weg!

© skriptum

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Dieses Dröhnen in mir

 

Ich wiege den Cognac-Schwenker in meiner Hand und stehe am Fenster. Es wird dunkel und ich bin froh, diesen Tag überstanden zu haben. „Hauptsache er ist vorbei“ geht es mir durch den Kopf als ich den Mond schemenhaft sehe, wie er langsam hinter einem Haus hervor kommt und Frieden verspricht. Ich nippe am Glas und fühle, wie sich der Schluck meinen Hals hinab seinen Weg in meinen ungefüllten Magen bahnt. Die Dämmerung beruhigt mich, wirkt wie ein Schutz gegen das Böse der Welt.

Das Glas auf den Esstisch stellend verlasse ich den Raum, streife mir meine Kleidung vom Körper und genieße eine heiße Dusche. Meine Art, etwas Unangenehmes von mir abzuspülen. Je unangenehmer das Ereignis desto länger die Dusche. Das heiße Wasser auf meiner Haut tut mir gut, gibt mir neue Kraft, wärmt mich und lässt mich für ein paar Minuten die Welt um mich herum vergessen. Aus dem Wohnzimmer höre ich Laith Al-Deen, wie er versichert „Ich will nur wissen“. Ja, ich wollte auch nur wissen …

Seit zwei Wochen hatte ich mich vor diesem Termin gefürchtet. In den letzten Tagen überkamen mich wieder und wieder Fieberschübe, die ich mit grippalem Schnickschnack abtat, um möglichst normal bei meiner selbst definierten Tagesordnung zu bleiben. Und doch nahm ich es zum Anlass, sie vor mich hin leugnend als möglichen Grund zu nehmen, den Termin im INI [*] abzusagen. Obgleich ich mir durchaus im Klaren darüber war, dass ich letztendlich nicht umhin kam, mich der Untersuchung zu stellen.

Mit Sonne begrüßte mich dieser Tag und versprach schön zu werden. Doch nicht jedes Versprechen wird gehalten. Ich zitterte, als ich den ersten Becher Kaffee trinken wollte. Mit „nur zu wenig Schlaf“ versuchte ich, mich zu beruhigen. Versuchte, die Unruhe in mir zu besänftigen. Ich zog mich an und ließ die Lederjacke an der Garderobe hängen. Das Thermometer zeigte 21 °C. Ein übergehängter Pulli würde sicher reichen. Ich nahm meine Tasche, in der sich von Mal zu Mal mehr Röntgen-Aufnahmen sammeln, und fuhr los. Zunächst zu meiner Hausärztin, um mir eine Überweisung zum Neurologen zu holen, bei dem ich dann für heute die Überweisung ins INI bekam. Ab drei Arztpraxen pro Tag verlässt mich die Motivation; reagiere ich allein schon auf die Erwähnung von „Arzt“ allergisch.

Der Weg ins INI war wie das Bewegen in Luft leerem Raum. Jeder Schritt wie mit Blei an den Füßen. Mein Gang war geduckt und ich versuchte, mich aufzurichten, was nicht gelang. „Kopf hoch“ war ein Befehl, den ich an diesem Tag trotz ständiger Wiederholung schlicht verweigerte. Beim Betreten des Instituts quälte ich mir ein möglichst freundliches „Guten Tag“ heraus, als ich den Empfangsbereich passierte. „Im Gebäude: 1. Etage rechts (MR 2 ausgeschildert)“ entnahm ich zum wiederholten Male der Wegbeschreibung. Idiotensicher. Eigentlich. Ich verlief mich trotzdem. Eine Schwester wies mir den Weg und ich meldete mich an.

Mal wieder ein Fragebogen, den ich auszufüllen hatte. Mal wieder eine Erklärung unterschreibend, dass ich mit allem einverstanden bin, obgleich ich im Voraus gar nicht wissen konnte, was genau passieren würde. Den Hinweis wortlos zur Kenntnis nehmend, alle am und im Körper befindlichen Metallteile vor der Untersuchung unbedingt abzulegen. Sollte ich mir mein rechtes Handgelenk nun aufschneiden, um das darin befindliche Implantat zu entfernen? Ich sollte nicht.

Nach endlos wirkendem Warten wurde ich aufgerufen. Eine kleine Zelle sollte ich hinter mir verschließen und mich für die Untersuchung vorbereiten. Die Anweisungen der Schwester rauschten mehr oder weniger an mir vorbei. Dann schloss sie zunächst die Tür, um mir Zeit zu geben. Ich agierte mechanisch und mein Herz schlug bis in die Schädeldecke. Gedankenlos legte ich meinen Schmuck ab und entfernte meine Haarspange und alle sonstigen Metallteile, die dem Ergebnis hinderlich hätten sein können. Die Tür öffnete sich wieder und ich wurde in den Untersuchungsraum gebeten. Grußlos ging ich an dem mit dem Rücken zu mir sitzenden Arzt vorbei, was eigentlich so gar nicht meine Art ist. Immerhin begab ich mich gleich, wenn auch nur elektronisch, in seine Hände.

„Bitte nehmen sie hier Platz und legen sie sich dann so hin“ hörte ich die Schwester gestikulierend sagen, die mich sogleich auf der Trage fixierte. Ab jetzt war jeder Gedanke an Flucht aussichtslos. Mein Kopf wurde festgebunden, Schläuche und sonstiges über meinen Körper gelegt. Routine. Für die Schwester; nicht für mich. Ich fühlte mich gefangen und vollkommen ausgeliefert; bekam Kopfhörer auf, die meine Ohren jedoch nur vor dem gleich beginnenden Lärm schützen sollten. Ich mag mir nicht ausmalen, wie laut es ohne sie gewesen wäre. Die Ankündigung, mir Kontrastmittel zu spritzen, versuchte ich sofort ängstlich wegzudiskutieren. Sie lächelte nur. Die Schwester lächelte eigentlich die ganze Zeit. Sie war sehr freundlich, was mir jedoch erst hinterher wirklich bewusst wurde. Ebenso wie die friedliche Freundlichkeit des Arztes, der zu mir kam, um mich zu begrüßen und sich zu erkundigen, was vorgefallen war. Er erinnerte mich optisch an meinen Steuerberater.

Die Schwester drückte mir einen Ball in die Hand, der an einem Kabel hing und dazu dienen sollte, dass ich mich bemerkbar machen konnte, wenn mich irgendwas während der Untersuchung beunruhigte. Mich beunruhigte dieses gesamte Procedere! Dennoch wurde ich die Röhre geschoben. Die Schwester verließ den Raum. „Sie hat es vergessen“ triumphierte ich gedanklich zu früh, an das angedrohte Kontrastmittel denkend. Aber Schwestern und Ärzte vergessen nichts. Die Untersuchung begann. Ein unglaubliches Pochen, Dröhnen, Schlagen und Brummen erreichte mein Gehör. Ich fühlte mich, als stünde ich in einer Techno-Diskothek direkt zwischen zwei voll aufgedrehten Boxen. Alles vibrierte um mich herum. Platzangst hatte ich nicht und doch kam es mir vor, als wenn sich die Röhre zuziehen würde. Der blaue Streifen längst der Röhre kam auf mich zu, wurde breiter und schmaler, verschwamm und war doch wieder ganz klar zu erkennen. Die Geräusche nahmen mich in ihren Besitz. Ich blinzelte mit den Augen, um klarer sehen zu können. Wozu eigentlich? Verpasste ich optisch etwas? Nein, sicher nicht.

Die Geräusche änderten sich. Zwischendurch gab es Ruhephasen. Wobei Ruhe ein durchaus dehnbarer Begriff ist. Es war nur ruhiger als sonst. Sonst nichts. Nach ca. 15 Minuten verstummte alles. Es wurde totenstill. Durch die Kopfhörer hörte ich, dass jemand den Raum betrat. Die Schwester. Sie kündigte an, mich nun herauszufahren und ich solle mich nicht erschrecken. Halb außerhalb der Röhre und halb in ihr liegend fühlte ich, wie sie meinen linken Arm freilegte. „Sie hat es doch nicht vergessen“ durchfuhr es mich und blitzartig verkrampften sich 173 Zentimeter Mensch zu einem Klumpen aus purer Angst. „Kann sein, dass es jetzt brennt“ hörte ich sie entfernt sagen. Ja, das tat es. Und wie! Sie drückte den Arm mit einem Band ab und legte ihn mir auf den Bauch.

Dann wurde ich erneut in die Röhre gefahren und das Szenario wiederholte sich. Dieses Mal mit einem Brennen in meinem Körper, dass sich mehr und mehr verteilte. Dieses Gefühl der Wehrlosigkeit machte mich jedoch noch viel verrückter. Mein Auge begann zu jucken. Aber durch das Gitter über meinem Kopf konnte ich es nicht erreichen. Dann fühlte ich, wie mein Magen anfing zu knurren. Wann hatte ich zuletzt etwas gegessen? Getrunken? Ich wusste es nicht mehr. Meine Nase wurde kälter und kälter. Auch sie konnte ich nicht wärmen. Die Geräusche wurden lauter. Unerträglicher. Es schien kein Ende zu nehmen und doch war es irgendwann vorbei. Ich durfte aufstehen. Das Druckband von meinem Arm wurde entfernt. Mechanisch verließ ich den Untersuchungsraum, um zurück in meine Zelle zu gehen. Ich zog mich an, brachte Schmuck und Haarband an ihre ursprünglichen Positionen und ging zurück in den Wartebereich.

Am Fenster stehend sah ich über die Stadt. Die Dämmerung kündigte sich vorsichtig an. Wo war die Sonne geblieben? Die Zeit stand und wartete darauf, irgendwie zu vergehen. Irgendwann hörte ich weit entfernt meinen Namen und ging erneut los. Ein riesiges Zimmer mit großen Lichtwänden. Drei Plakate auf denen das Innenleben meines Kopfes in Scheiben zu sehen war. Erklärungen des Arztes suchten das zusammengesetzte dessen, was dort an der Wand hing. Ich nickte immer wieder, lächelte freundlich und fühlte mich unbeschreiblich klein. Ein warmes Händeschütteln, ein „Danke!“ was ich mich entfernt sagen hörte und kurz darauf verließ ich das Institut mit einem großen Umschlag unter meinem Arm.

Den Gedanken daran, anschließend noch einzukaufen, begrub ich endgültig. Alles was ich nun noch wollte war, nach Hause zu kommen. Ein Taxi zu rufen hielt ich in Anbetracht der Möglichkeit, einen gesprächsbedürftigen Taxifahrer zu erwischen, nicht für sinnvoll. Also ging ich zur Bushaltestelle und wartete. Die Aufnahmen unter meinem Arm wogen Tonnen. Es war kalt. Mir war kalt. Bitter kalt! Ich zitterte schon wieder. Oder immer noch? Mein Magen machte sich erneut bemerkbar. Weder zum Essen noch zum Trinken hatte ich etwas bei mir. Nur Zigaretten. Ich frickelte eine aus meiner Tasche und steckte sie, entgegen meiner sonstigen Ablehnung, auf der Straße zu rauchen, an. Der Rauch schmeckte bitter. Flash? Nein, purer Brechreiz. Ich schmiss sie weg und wartete weiter auf den Bus. Die Aufnahmen unter meinem Arm wurden schwerer. Ich zitterte noch mehr. Wo verdammt nochmal war die Sonne geblieben?

Der Bus kam. Ich stieg ein und suchte mir einen Platz am Fenster. Das Licht im Fahrzeug ließ mich mein Spiegelbild durch das dunkler werdende Äußere erkennen. Ich erschrak. Konnte es sein, dass ich heute um 10 Jahre gealtert war? Mein Blick streifte durch den Bus. Irgendjemand hatte vor die Tür gekotzt. Es war mir egal. Ich roch es nicht. Nach einigen Haltestellen stieg ich aus und schlich nach Hause. Warum hatte ich meine Lederjacke nicht angezogen? In meiner Wohnung war es etwas wärmer. Ich streifte Tasche und Pulli ab, ließ die Schuhe mitten im Weg stehen, schmiss den Umschlag mit den neuen und allen bisherigen Aufnahmen einzelner meiner Körperteile auf die Couch und goss mir auf nüchternen Magen einen Cognac ein. Das Thermometer zeigte 20 °C.

© marmonemi [10/2005] / skriptum

[*] Gehirnzentrum / „International Neuroscience Institute“, Link: INI
Klinik + Forschungseinrichtung der Medizinischen Hochschule Hannover

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Dieses Stöckchen habe ich bei Wortperlen gefunden und fand es sehr interessant. Also ran!

41 Fragen dürfen nur mit einem Wort beantwortet werden:

  1. Wo ist Dein Handy? – Schreibtisch
  2. Dein/e Partner/in? – abwesend
  3. Deine Haare? – lang
  4. Deine Mama? – Lieblingsfreundin
  5. Dein Papa? – Lieblingsfreund
  6. Lieblingszustand? – ausgeruht
  7. Dein Traum von letzter Nacht? – traumlos
  8. Dein Lieblingsgetränk? – Kaffee
  9. Dein Traumauto? – Barquetta
  10. Der Raum, in dem Du Dich befindest? – Wohnzimmer
  11. Dein Ex? – Ex
  12. Deine Angst? – Gewitterspritzen
  13. Was möchtest Du in 10 Jahren sein? – 55
  14. Mit wem verbrachtest Du den gestrigen Abend? – Moi
  15. Was bist Du nicht? – unzufrieden
  16. Das letzte was Du getan hast? – Termin
  17. Was trägst Du? – Verantwortung
  18. Dein Lieblingsbuch? – zahlreiche
  19. Das letzte, was Du gegessen hast? – Toast
  20. Dein Leben? – zufrieden
  21. Deine Stimmung? – ausgeglichen
  22. Deine Freunde? – lebenswichtig
  23. Woran denkst Du gerade? – Stöckchen
  24. Was machst Du gerade? – schreiben
  25. Dein Sommer? – kurzweilig
  26. Was läuft in Deinem TV? – nichts
  27. Wann hast Du das letzte Mal gelacht? – vorhin
  28. Das letzte Mal geweint? – ???
  29. Schule? – vorbei
  30. Was hörst Du gerade? – Eagles
  31. Liebste Wochenendbeschäftigung? – Freundestreffen
  32. Traumjob? – diverse
  33. Dein Computer? – an
  34. Außerhalb Deines Fensters? – Grün
  35. Bier? – Selten
  36. Mexikanisches Essen? – gern
  37. Winter? – Weiß
  38. Religion? – nein
  39. Urlaub? – gern
  40. Auf Deinem Bett? – Tagesdecke
  41. Liebe? – täglich

Wer will, kann und soll. Viel Spaß! ;o)

 

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Was bisher geschah? Klick HIER!

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Nah am Wahnsinn aus Liebe zueinander und Sekunden dauern Jahre

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     Es war schön. Es war einfach nur endlos schön.
     Doch sie konnten es beide nicht so richtig fassen.
     Wo sollte das noch hinführen?

Sie schrieben sich Tag und Nacht SMS und Mails. Telefonierten. Schickten sich Fotos. Hatten nicht enden wollendes Verlangen nacheinander. Geplant war, dass sie sich am nächsten Wochenende wieder sehen würden. Doch eine Woche mit fünf ganzen Arbeitstagen war so schrecklich lang.

Zu ändern war es nicht. Sie hatten beide ihre Jobs. Wollten und konnten nicht riskieren, irgendwann ihre Gehälter mit Schleifchen zu bekommen. Also blieb nichts anderes, als sich die Woche über zu gedulden. Und es war die Hölle auf Erden.

     Es war so schön. Alles so unglaublich schön.
     Und es war kaum zu fassen.
     Es tat schon weh.

Sobald sie getrennt waren, zergingen sie vor Sehnsucht nacheinander. Und auch das Runterzählen der Stunden bis zum nächsten Wiedersehen brachte ihnen nicht wirklich Erleichterung.

Plötzlich war klar, dass sie sich nicht mehr bis zum Wochenende gedulden konnten. Er änderte Termine und schlug vor, bereits am Donnerstag zu ihr zu kommen. Nach dieser Nachricht war sie völlig aus den Häuschen. Sie freute sich so unbändig. Und sie wusste, dass dieser eine Mann in ihrem Leben besser war, als jede Woche irgendeinen Jackpot zu knacken.

Donnerstag wachte sie früh auf. Eigentlich spielten sich beim ersten Läuten eines ihrer Wecker immer Dramen ab. Vier Wecker hatte sie inzwischen um ihr Bett stehen, damit sie es überhaupt schaffte, sich morgens aus den Federn zu quälen. Aber an diesem Morgen war sie bereits vor dem ersten Läuten wach. Sie sprang aus dem Bett und als erstes fuhr sie ihren PC hoch.

Ganz sicher war über Nacht eine Email von ihm gekommen. Gespannt wartete sie, bis sich die Seiten aufgebaut hatten. Und tatsächlich. Mitten in der Nacht hatte er ihr noch einen lieben Gruß geschickt, um sie mit einem Lächeln den neuen Tag beginnen zu lassen. Und das tat sie ganz sicher. Das wusste auch er genau.

Danach ging sie lächelnd duschen, trank ihren Kaffee und dann ab in den Job. Es war Donnerstag. Abends hätten sie sich endlich wieder. Zwei Tage vor dem ersehnten Wiedersehen würden sie sich nun schon in die Arme fallen können. Warum war sie so ungeduldig. Der Tag wollte einfach nicht zu Ende gehen. Bis zum Abend waren es noch so viele Stunden. Stunden die vergehen würden, doch es schien ihr schier endlos zu dauern.

     Es war so schön. Alles so unglaublich schön.
     Und es war kaum zu fassen, was da in beiden vor sich ging.
     Es tat schon weh.
     Und selbst Sekunden schienen plötzlich wochenlang zu dauern.

Endlich Feierabend. Sie fuhr nach Hause. Auf dem Weg kaufte sie noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen ein. Zuhause angekommen bereitete sie alles soweit vor.

Es waren noch immer ein paar Stunden. Sie legte sich auf die Couch und wollte noch ein wenig schlafen. Die Nacht würde sicher deutlich kürzer, als sie es eigentlich brauchte, um am nächsten Tag fit zu sein. Außerdem wollte sie auf ihn nicht total abgehetzt wirken.

Sie lag im Wohnzimmer und starrte an die Decke. Sie schloss die Augen, sah ihn in Gedanken vor sich und geriet sofort ins Träumen. Er war auf dem Weg zu ihr. Kam immer näher. Sie lächelte. Spürte ihren Herzschlag wie ein Beben im ganzen Körper. Konnte IHN schon fast spüren. Seine weiche Haut. Seine Lippen. Seinen Atem. An Schlaf war gar nicht zu denken. Sie war viel zu nervös.

Er hatte verständlicher Weise noch Schwierigkeiten, den Weg durch die Stadt zu ihr zu finden. Deshalb meldete er sich bisher immer telefonisch, so dass sie ihn die letzten Meter lotsen konnte. Also wusste sie auch an diesem Abend, dass sie noch Zeit hatte. Bisher war er noch fast zweihundert Kilometer entfernt. Sie stand wieder von der Couch auf. Ordnete ein paar Dinge in der Wohnung und ging dann ins Bad.

In aller Ruhe genoss sie das heiße Wasser der Dusche auf ihrer Haut. Er kam näher. Sie spürte es ganz deutlich. Aber noch hatte das Telefon nicht geklingelt. Also musste es noch einige Zeit dauern. Diese Zeit ließ sie sich auch im Bad. Legte in aller Ruhe etwas Make-Up auf. Zog sich einfach erst mal nur ein Negligé über. Sie hatte keine Ahnung, was sie später tragen wollte. Alles was zählte war, dass er bald bei ihr war.

Als sie noch in alle Ruhe völlig gedankenverloren vor dem Spiegel stand, klingelte es plötzlich an der Tür. Sie erschrak furchtbar und sah zum ersten Mal seit Stunden auf die Uhr. Außer ihm konnte das niemand sein. Das Telefon hatte nicht geklingelt. Ihre Gedanken liefen Amok als sie den Türöffner betätigte. Wie sah sie aus. War in der Wohnung alles okay? Kerzen angezündet? Nein, natürlich nicht! Sie fluchte innerlich. Wie konnte sie so die Zeit vergessen …

Er kam strahlend die Treppe hinauf. Sie fragte nur ironisch und gespielt lässig ob er den Weg tatsächlich inzwischen alleine findet. Er grinste sie an, antwortete aber nicht. Stellte nur seine Tasche ab und sie fielen sich in die Arme. Seine Küsse waren so fordernd, als hätte sie sich seit Wochen nicht mehr gesehen. Die Welt um sie herum schien völlig aus der Laufbahn zu geraten. Und wenn sie es tatsächlich getan hätte … sie hätten es nicht registriert.

     Es war so schön. Alles war so phantastisch schön.
     Es war nicht zu fassen, was da mit beiden passierte.
     In diesem Moment tat es nicht weh.
     Es war einfach nur wundervoll.

Sie hielten sich in den Armen. Küssten sich um gleich wieder fest umschlungen in ihren Armen zu versinken. Keiner von beiden wollte sich lösen. Minutenlang standen sie so, bis die Nässe seines Mantels ihr dünnes Negligé durchdrungen hatte. Sie lösten sich. Nur ungern. Keiner ließ den anderen aus den Augen. Keiner ging am anderen vorbei, ohne ihn wenigstens kurz zu küssen. Sie hatten sich wieder. Nach endlos scheinenden 96 Stunden konnten sie sich endlich wieder sehen. Fühlen.

Wie 12-jährige Backfische führten sie sich auf. Alberten durch die Wohnung. Sahen sich stumm an. Fielen sich wieder und wieder in die Arme. Küssten sich als wäre es das erste Mal. Küssten, als wäre es das letzte Mal. Sie gingen zum Esstisch und stießen miteinander an. Aßen ein wenig. Genossen es einfach pur, den anderen endlich wieder bei sich zu haben.

Sie unterhielten sich zwar doch keiner von beiden hatte die Ruhe, sich auf irgendein Gespräch zu konzentrieren. Zu groß war das grenzenlose Verlangen nach einander. Sie sahen sich in die Augen. Hörten fast auf zu atmen. Endlich wieder vereint. Endlich wieder den Menschen bei sich, den man so sehr vermisst hatte. Den Menschen, der in so kurzer Zeit zum Ein und Alles geworden war. Den Menschen, der alles Verlangen, jede Begierde weckte und erhielt.

Die Spannung war nicht mehr zu ertragen. Ihre Lippen fanden sich und das Spiel, was dann einfach nur noch losbrach hatte keine Regeln. Passierte einfach. Wie alles zwischen ihnen einfach passierte. Jede Berührung. Jeder Kuss. Jeder Blick. Jeder Atemzug der den Körper des anderen streifte um augenblicklich Beben auszulösen, die mit nichts auf der Welt vergleichbar waren. Fallen lassen. Den Kopf ausschalten. Einfach pur genießen. Wissen, was auch immer passiert, passiert mit DEM Menschen. Und es ist gut. Es ist einfach endlich gut.

     Es war so traumhaft. Alles war unwirklich real. Unfassbar.

Nichts könnte ihnen jemals wirklich wehtun, solange sie füreinander da waren. Sie versanken einfach ineinander. Er wollte einfach nur noch sie. Und

sie ihn!

© skriptum
[27.01.2002]

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Der Termin ist geschafft. Stunden später, als ich gedacht hatte. Endlich falle ich aus dem Haus auf die Straße und der Schnee über mich her. Einen Schirm will ich nicht öffnen; genieße das Fallen der Flocken auf meine offenen Augen. Es ist kalt und der Atem gefriert. Meinen Weg kenne ich. Der Großstadtlärm hält mich wach. Ich biege um die Ecke und …

… da stehst Du. Die letzten 21 Jahre übernehmen für Millisekunden die Macht über meine Gedanken. 21 Jahre. Die ersten zwei mit Dir.

Was haben wir für Spaß miteinander gehabt. Mehr gelacht als geweint. Mehr genossen als zerstört. Wir waren so glücklich. Zwei Jahre. Und doch war uns eine Zukunft nicht vergönnt.

„Wir fliegen nach Rio“ hast Du damals so oft gesagt und ich nickte lächelnd. Beide wussten wir genau, dass wir niemals nach Rio fliegen würden. Deine Frau hätte sicher etwas dagegen gehabt.

Ich hasse Fremdgehen. Will es nicht. Dulde es nicht. Möchte nicht Instrument dessen sein. Seit diesen zwei Jahren mehr als jemals zuvor. All die Lügen, die niemand will und die doch täglich ausgesprochen werden, um das zu halten, was einem gar nicht vergönnt ist.

Vielleicht musste ich durch diese zweijährige Glamour-Hölle gehen, um zu begreifen wie es ist, zu betrügen. Betrogen zu werden obgleich man selbst diejenige ist, die dazu beiträgt. Du liebtest Deine Frau… und mich. Ich Dich? Ja, ich glaube, dass ich Dich liebte. Irgendwie. Eingestehen wollte ich es mir nie. Konnte ich mir nicht. Du warst verheiratet.

Irgendwann hielt ich die Situation nicht mehr aus. Du sprachst davon, Dich scheiden zu lassen. Klar. Usus, wenn die Geliebte sagt, dass sie geht. Ich wollte keine Scheidung meinetwegen. Und Du konntest es gar nicht. Zu sehr warst Du mit Deiner Frau in all Euren gemeinsamen Jahren verschmolzen. Euer gemeinsames Kind ging noch nicht einmal zur Schule. Du musstest – und wolltest wohl auch – bei Deiner Frau bleiben. Aber mich gehen lassen wolltest Du auch nicht.

Wir trennten uns und es ging mir besser. Keine Tränen; nur ein Zurückblicken mit lächelnden Augen. Es war okay.

Dann vor ein paar Jahren hast Du mich mitten in der Stadt fast buchstäblich umgefahren. Unsere Wege sollten sich erneut kreuzen. Warum musste das passieren? Wieder waren wir uns in Sekunden verfallen. Wieder sind wir bei nächst bester Gelegenheit über einander hergefallen. Wieder war es schön. Doch noch immer warst Du verheiratet.

Wir versuchten es.

Mit Geschenken, die ich nicht wollte, hast Du mich überhäuft. Mit Aufmerksamkeit, der ich nicht gerecht werden konnte, hast Du mich bedacht. Mit Zeit, die ich Dir nicht geben konnte, hast Du mich gelockt.

Ja, wir versuchten es noch einmal. Eine kurze Zeit. Und plötzlich wachte ich auf aus diesem kleinen Traum. Ich höre noch immer Deine Worte, als Du mich anlächeltest und sagtest „Es ist noch immer wie damals. Alles ist wie damals.“ „Ja, das ist es“ begriff ich in Worte gekleidet, dass Du noch immer verheiratet warst.

Ich drehte mich weg und bat Dich zu gehen. Die Tür fiel zu und nun war ich sicher, dass ich Dich nie wieder sehen würden.

Doch nun stehst Du vor mir. Strahlst mich an. Fällst mir um den Hals und freust Dich so offensichtlich, mich zu sehen, dass es mich fast erschlägt. Wir stehen uns gegenüber. So nah, dass unser Atmen fast zu einem Zopf gefriert.

Ich sehe Dich an und frage gespielt zufällig, wie es Deiner Frau geht. Noch indem Du anfängst zu antworten „Es geht ihr gut und unsere Große…“ sehe ich Dich ein letztes Mal lächelnd an und gehe.

Und der Schnee fällt …

… doch nicht in Rio.

© skriptum

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