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Posts Tagged ‘Tod’

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Heute hätte meine Großmutter väterlicherseits Geburtstag gehabt. Diejenige, die ich in meiner Geschichte „Roter Granit“ im Jahr 2003 an ihrem Grab „besucht“ hatte, nachdem sie ein Jahr lang mehrfach nachts „bei mir“ gewesen war.

Das sind die Situationen, für die es keine logischen Erklärungen gibt. Meine Großmutter stand nach ihrem Ableben häufiger nachts an meinem Bett und fragte mich „Wo ist mein Hausstand?“. Ich wusste, dass meine Eltern ihre Wohnung, die im Haus meiner Eltern war, längst ausgeräumt und vermutlich das Meiste, was ihr lieb und teuer war, weggeschmissen hatten. Meine Eltern hatten dort inzwischen ein Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer, ein großes Bad und ein zweites Arbeitszimmer für meine Mutter eingerichtet. Sollte ich das meiner Großmutter sagen? Sollte ich ihr sagen, dass von ihr, außer ein paar Erinnerungen und Stücke, die ich an mich genommen hatte, so gut wie nichts geblieben ist? Das konnte ich nicht. Also blieb ich stumm.

Davon abgesehen, dass mich diese nächtlichen Situationen, die es ja nach rein wissenschaftlichen Erkenntnissen gar nicht geben kann, anfänglich etwas überfordert haben. Ich weiß, dass ich mitunter Dinge oder Situationen wahrnehme, die kaum ein anderer Mensch kennt. Darüber zu reden ist immer etwas knifflig: Die meisten Menschen haben Schiss vor solchen Erlebnissen und stempeln denjenigen, der sie hat und auch noch darüber spricht, gern als Spinner ab. Das ist einfacher, als das angeblich Unmögliche doch für möglich zu halten oder die potentielle Existenz zumindest nicht völlig auszuschließen. Meine Großmutter kam häufiger nachts zu mir. Immer mit der gleichen Frage „Wo ist mein Hausstand?“. Ich habe es nie übers Herz gebracht, ihr zu antworten. Also blieb ich stumm.

Manchmal ließ ich, wie in der Geschichte geschrieben, ein Teelicht brennen, wenn ich zu Bett ging. Aber es war gelöscht, noch bevor sie wieder an meinem Bett stand. Angst hatte ich nie, eher war ich verunsichert, weil ich nicht wusste, was ich tun oder was ich ihr antworten sollte. Aus ihrem Nachlass habe ich unter anderem eine taillenlange, weiße Strickjacke. Eines Morgens, nachdem sie nachts wieder bei mir gewesen war und ich ihr nicht geantwortet hatte, war die Jacke aus dem Kleiderschrank, dessen Tür noch immer offen stand, gerissen und lag davor. Ob sie verdeutlichen wollte, dass sie tatsächlich da gewesen war oder warum das sonst geschehen ist, weiß ich nicht. Irgendwann kam sie nicht mehr. Ob sie ihre Antwort auf andere Weise gefunden hat, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich mich ihr in letzter Zeit von Tag zu Tag näher fühle:

Ich glaube, mein Vater war gerade zwei Jahre alt, als sein Papa im Krieg fiel. Meine Großmutter stand also von jetzt auf gleich ohne Ehemann aber mit einem kleinen Kind da. Es war Krieg und somit nichts völlig Ungewöhnliches, dass Frauen keine Männer aber kleine Kinder hatten. Dennoch: Wenn ich mir vorstelle, wie borniert heute noch Menschen verurteilt werden, nur weil sie nicht verheiratet sind aber Kinder haben, eine gleichgeschlechtliche oder zumindest „nicht normale“ Sexualität pflegen oder in anderer Weise nicht der so genannten „Norm“ entsprechen, war es sicher allein schon in der Hinsicht nicht einfach für sie, plötzlich allein Erziehende zu sein, keinen Mann an ihrer Seite zu haben und nicht zu wissen, wie es weitergehen soll.

Sie lernte einen neuen Mann kennen und lebte mit ihm zusammen. Wilde Ehe … oha! Ich glaube, sie hat einerseits sehr darunter gelitten, dass sie nicht geheiratet haben. Aber immerhin hatte sie wieder einen Mann an ihrer Seite. Wenn sie unterwegs waren, wurde sie mit seinem Nachnamen angesprochen. Der Schein war also allemal gewahrt. Dieser Mann war ein ziemlicher „Bollerkopp“, das erinnere ich noch. Aber wenn ich sein Gesicht vor mir sehe, dann sehe ich ihn immer lachen. In meiner Erinnerung gibt es kein Bild von ihm, auf dem er böse guckt. Ich weiß aber noch, dass auch er mitunter recht absurde Vorstellungen und Vorurteile hatte. Wenn ich beispielsweise ein Junge (der Erstgeborene) geworden wäre, hätten meine Eltern zur Geburt 500 Mark bekommen. Das war damals verflucht viel Geld – gerade für eine junge Familie – und wäre sicher ein sehr angenehmer, „warmer Regen“ gewesen. Aber ich wurde „nur“ ein Mädchen und so gab es „nur“ 200 Mark.

Als meine Großmutter ein paar Jahre älter war als ich jetzt, bekam sie Brustkrebs und musste amputiert werden. Damals wusste man es nicht besser und schnitt noch brutaler als heute „einfach alles weg“. Heutzutage wird da wesentlich genauer differenziert und, soweit möglich, schonender vorgegangen. Allerdings steht offenbar nach wie vor im Vordergrund, was das Sicherste für die Ärzte ist, erst dann kommen die Befindlichkeiten des Patienten. Das Ergebnis war jedenfalls, dass meine Großmutter in einer Zeit, in der „man“ tunlichst nicht darüber sprach, „keine Frau“ mehr war. Ob sie jemals Trost bei ihrem Lebensgefährten oder an anderer Stelle gefunden hat, wage ich zu bezweifeln. Wohin konnte sie also mit ihrer Seelenqual? Nirgendwo hin. Der Mann an ihrer Seite konnte jederzeit gehen, sie waren ja nicht verheiratet. Ich kann mir nicht einmal annähernd vorstellen, was diese Frau gelitten haben muss.

Ich war um die zehn Jahre alt, als mein nenn-Opa starb. Fortan fuhr ich jedes Wochenende zu meiner Großmutter, damit sie nicht so alleine war. Das setzte sich bis 1977 fort, als wir alle zusammen in das heutige Haus meiner Eltern zogen, in dem auch mein Bruder mit Familie heute noch wohnt. Meine Oma bekam ihre eigene kleine Wohnung im Erdgeschoss, inklusive eines Gästezimmers, in dem ich weiterhin jedes Wochenende übernachten sollte. Dass dieser Gedanke in der Praxis nicht funktionierte, liegt vermutlich auf der Hand. Ich habe nie wieder bei ihr in der Wohnung geschlafen. Eine Etage höher war ja mein eigenes Zimmer. Allerdings war ich noch viele Jahre häufig bei ihr und wir haben Karten gespielt oder uns anderweitig beschäftigt. Mit dem Bummeln und Schaufenster angucken etc. war es allerdings ein für alle Mal vorbei.

Vorher lebte meine Oma an der „Lister Meile“. Bis heute kann man sagen, dass da „Leben pur“ stattfindet. Ein Blick aus dem Fenster oder ein Schritt vor die Tür reichte und es gab etwas zu erleben. Aus diesem „Leben“ war sie nun nach dem Umzug in der puren Einöde gelandet. Ein Blick aus dem Fenster oder ein Schritt vor die Tür löste mal gar nichts aus. Da war eben nichts außer nichts. Es reichten nicht ein paar weitere Schritte und man konnte einkaufen oder schön bummeln gehen. Dafür musste man schon eine ganze Ecke laufen. Aber selbst dann reichte es gerade mal bis zu einem Lebensmittelladen, einer Apotheke und einer Kirche; das wars dann schon fast. Ich glaube, seit 1977 fühlte sie sich schon mehr tot als lebendig. Immerhin war sie finanziell abgesichert; das war aber wohl auch das Einzige, was ihr keine Not bereitete.

Was mich immer beschäftigt hat ist, warum diese Frau in ihrem tiefsten Inneren von einer so erschütternden Traurigkeit geprägt war. Selbst wenn sie lachte stand ihr diese Traurigkeit in die Augen geschrieben. Seit einigen Monaten beginne ich zu begreifen, worin all ihr Leid bestand und wie sehr sie unter all dem … dem Verlust ihres Mannes, dem mitunter sehr bollerigen Verhalten ihres Lebensgefährten, ihrer Erkrankung nebst Verkrüppelung, dem gesellschaftlichen Ansehen und dem endgültigen Absturz aus dem Leben nach dem Umzug in die pure Tristesse … gelitten haben muss. Sehr häufig habe ich mich gefragt, ob ich irgendwas hätte tun können, um ihr zu helfen oder um ihr irgendwas zu erleichtern. Ich denke nicht aber sicher bin ich mir auch nicht. Habe ich etwas versäumt, was ich hätte tun können? „Keine Antwort“ …

Vielleicht … kann ich sie das irgendwann doch noch fragen.

Bestimmt … werde ich sie dann ganz fest in den Arm nehmen!

Happy Birthday, Granny! ♥

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Noch nie habe ich eine so wunderschöne Geschichte über das gelesen, was zwingend zu jedem Leben dazu gehört. Und erst recht nicht mit einer so natürlichen und liebevollen Akzeptanz. Mein ganz großes Kompliment an die Autorin Lilith Adami von „Textwärts“!

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Ist es nicht schön? Da titelt web.de wieder in einer Art und Weise …

 

Gefährliche Darminfektion grassiert im Norden

Hannover/Hamburg (dpa) – In Deutschland haben sich mindestens 80 Menschen mit dem lebensgefährlichen Darmkeim EHEC infiziert. Das Durchfall-Bakterium breitet sich schnell aus und ruft außergewöhnlich schwere Krankheitsfälle mit Nierenleiden hervor, so dass viele Patienten auf Intensivstationen liegen.

Gesundheitsexperten suchen unter Hochdruck nach der Quelle. „Wir haben eindeutig eine ungewöhnliche Situation“, sagte Epidemiologe Gérard Krause vom Robert Koch-Institut (RKI/Berlin).

In Niedersachsen und Bremen gibt es nach Ministeriumsangaben inzwischen fast 25 gemeldete Verdachtsfälle, in Schleswig-Holstein und Hamburg jeweils rund 20. Hessen meldete Sonntagabend 16 Verdachtsfälle, Mecklenburg-Vorpommern vier. Ein Großteil der Patienten wird in Kliniken behandelt.

Überraschenderweise sind Frauen diesmal besonders betroffen. Möglicher Grund: „Die Frauen bereiten häufiger Lebensmittel zu, und da können sie sich möglicherweise bei der Reinigung des Gemüses oder anderer Lebensmittel infizieren“, sagte Krause der Nachrichtenagentur dpa. Das RKI empfiehlt, auch bei der Verarbeitung von Gemüse auf gute Küchenhygiene zu achten sowie Bretter und Messer gründlich zu reinigen. Es gebe keine Hinweise, dass diesmal Fleisch oder Rohmilch die Infektionsquelle seien.

Das EHEC-Bakterium befindet sich oftmals im Kot von Nutztieren. Die Infektion kann beim direkten Kontakt mit Tieren aber auch beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel – zum Beispiel Rindfleisch oder Rohmilch – übertragen werden. Eine Infektion ist auch über rohes, ungewaschenes Gemüse oder von Mensch zu Mensch möglich.

Zu den Krankheitssymptomen gehören wässriger oder blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Als mögliche Komplikation kommt es zu Nierenversagen, das zum Tod führen kann. Ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums rief dazu auf, bei Symptomen sofort zu reagieren: „Wichtig ist, dass sich die Menschen in ärztliche Behandlung begeben.“

EHEC-Keime (Enterohämorrhagische Escherichia coli) treten in Deutschland immer wieder auf. Das RKI hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die aber oft einen leichteren Verlauf nahmen. Besonders verwundert die Experten auch, dass diesmal vor allem Erwachsene schwer erkranken, normalerweise haben eher Kinder starke Symptome. Am Samstag hatten sich Vertreter des RKI mit Experten aus den betroffenen norddeutschen Ländern zu einem Krisentreffen in Hamburg zusammengesetzt.

Der Quelle der Erkrankungen sind die Behörden seit Freitag trotz aller Bemühungen bislang nicht auf die Spur gekommen. Nach Angaben aus dem niedersächsischen Sozialministerium ist auch noch unklar, ob es überhaupt einen gemeinsamen Erreger gibt. Experten vermuten dies. „Der Hauptanhaltspunkt ist das gemeinsame zeitliche Auftreten der Fälle“, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Erreger sei nicht hochansteckend, betonte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums. „Die Ursache ist noch unklar. Aber es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“

Die Ermittlung der Quelle für die Erkrankungen gestaltet sich nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums auch deswegen schwierig, weil die Erkrankten detailliert dazu befragt werden müssen, was sie in den letzten Tagen gegessen haben. Viele Patienten seien aber so schwer erkrankt, dass solche Befragungen gar nicht möglich sind.

„Der Ausbruch ist noch nicht vorbei“, sagte RKI-Experte Krause. „Wir haben die meisten Fälle im Norden aber durchaus auch vorläufige Meldungen in Süd- und Ostdeutschland.“ Um welche Bundesländer es sich genau handelt, wollte Krause nicht sagen, da die Fälle noch nicht bestätigt seien.

 

Liebe web.de’ler, ich hätte da mal ein paar Fragen:

Lässt sich noch nachvollziehen, wann es aus der Mode gekommen ist, Abkürzungen von Institutionen und ihre Funktionen zu definieren? Hier RKI = Robert Koch Institut. Man könnte dazu schreiben, um was für ein Institut es sich handelt und was dort gemacht wird. Der erste Link bei google gibt bereits den Hinweis „Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention“. Ganz mutige Redakteure könnten sogar noch einen Link zum RKI setzen. Aber das würde vermutlich schon unter „zu viele Informationen“ fallen. Die Leser sollen ja nicht sachlich aufgeklärt, sondern möglichst kurvenlos in Aufregung versetzt werden, hm?! Oder liegt es daran, dass das RKI es nicht für notwendig erachtet, diese Meldung aufgrund ihrer lebensbedrohlichen (?), die Welt in wenigen Atemzügen komplett vernichtenden (??) Gefahr (???) auf die Startseite zu setzen? Ich habe mich beim RKI ziemlich durch die Seiten geklickt, jedoch keinerlei Hinweis auf diese mordsgefährliche Krankheit gefunden. Hammer, wa?! [Nachtrag am Nachmittag: Inzwischen ist es auf der Startseite des RKI, allerdings heißt es dort „HUS-Syndrom“. Klingt auch wesentlich schnittiger als „EHEC-Bakterium“! ;)]

Bei den im „Bericht“ genannten „mindestens 80“ infizierten Menschen handelt es sich um Verdachtsfälle. Es bliebe also normalerweise erstmal abzuwarten, ob diese Vermutung verifiziert werden kann.

Was ich bei dem obigen Bericht vermisse, ist der dringende Hinweis auf irgendeine unsinnige Impfung. So geht das nicht! Wenn solche Nachrichten so verbreitet werden, hat doch die Pharmaindustrie gar nichts davon. Mensch, da muss aber echt mehr Sorgfalt an den Tag gelegt werden!

Als tatsächlich sinnvoller Hinweis hätte sich angeboten: Hände waschen! Und zwar im Moment noch häufiger, als sowieso schon. Insbesondere vor der Zubereitung von Speisen.

Apropos: Was hat eine möglicherweise mangelnde Küchen-Hygiene mit den oben genannten Erkrankungen zu tun, wenn doch im „Bericht“ darauf hingewiesen wird, dass sich das Bakterium oftmals im Kot der Nutztiere befindet? Wenn die Erkrankung durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel ausbrechen kann, dann hat doch wohl innerhalb der Erzeuger- und Verpacker-Kette irgendwer geschlampt, hm? Davon abgesehen heißt es jedoch im „Bericht“ fast gleichzeitig, „Es gebe keine Hinweise, dass diesmal Fleisch oder Rohmilch die Infektionsquelle seien“. Also: Was denn nun, hm?

Na ja, ich will mich gar nicht aufregen. ICH NICHT!

;))

Hach, es geht doch nichts über sorgfältige, journalistische Arbeit und neutrale Berichterstattung. Seit wann gibt es die eigentlich nicht mehr?

 

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Nachdem ich über die beiden Artikel Atomkraftwerke und ihre Störfälle und Sicherheit von Siedewasserreaktoren – Neue Angst vor alten Meilern gestolpert war, fand ich auch noch diese Tabelle:
 

 

Nach den Angaben des Bundesumweltministeriums waren das in 15 Jahren 774 offiziell bekannt gewordene Zwischenfälle in Form von sicherheitsrelevanten Defekten. Nicht beim Bäcker nebenan, sondern in Atomkraftwerken! Von der sog. Dunkelziffer, von denen die Öffentlichkeit nie etwas erfahren hat, weil schnell oder wirkungsvoll genug vertuscht wurde, einmal ganz abgesehen.

Das heißt im Klartext, dass es allein in Deutschland nach offiziellen Angaben circa einmal pro Woche zu einem sicherheitsrelevanten Defekt in einem Atomkraftwerk kommt. Von Zwischenfällen in Nachbarländern, die sich natürlich auch auf Deutschland auswirken können, ebenfalls abgesehen.

Dazu fallen mir nur noch zwei Sprüche ein (beide leider nicht von mir):

 

Mäuse sind Menschen bei weitem überlegen: Keine Maus wäre so dämlich, Mausefallen zu bauen. Aber der Mensch arbeitet systematisch an seiner eigenen Vernichtung.

UND

Sir Peter Ustinov prägte mal sinngemäß den Ausspruch: Das Letzte, was man hört, bevor die Welt untergeht, ist die Stimme eines Experten, der versichert: „Das kann nicht sein!“.

Soweit ich weiß könnten in Deutschland sofort sieben Atomkraftwerke abgeschaltet werden, ohne dass auch nur eine Lampe ausgehen würde (wenn es jemand genauer oder besser weiß, bitte ich um Korrektur!). Dadurch könnte das aktuelle Risiko sicherheitsrelevanter Defekte weit mehr als halbiert (774-450=324) werden. Leider scheint es der Bundesregierung wichtiger zu sein (an dieser Stelle nochmal danke für die Laufzeitverlängerung!), mit dem Export des überschüssig produzierten Stroms Geld zu scheffeln, statt die Sicherheit des schnöden Wahlviehs im eigenen Lande so hoch wie möglich anzusetzen. Allein dieser Punkt spricht für mich Bände! Bleibt zu hoffen, dass sich das schnöde Wahlvieh am kommenden und übernächsten Wochenende in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg artig bedankt …

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Zu den Texten der beiden oben verlinkten Artikel:

 

(mehr …)

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Oder: Woran erkennst Du, dass Du dem Internet hoffnungslos verfallen bist?

1) Auf die Frage, wieviele Pole es gibt, antwortest Du mit „Drei: Nordpol, Südpol und Webpol!“.

2) Dich am Wochenende rund um die Uhr in irgendwelchen Threads zu beteiligen, nennst Du „Dates“.

3) Auf die Frage nach Deiner Kontoverbindung nennst Du den Namen Deines virtuellen Kiosks.

4) Jemanden zu lieben oder heiraten zu wollen, den Du nur rein virtuell kennst, findest Du völlig normal.

5) Eine internette Freundschaftliste bezeichnest Du als Dein soziales Umfeld.

6) Wenn Dir in einem persönlichen Gespräch irgendetwas nicht passt, schnauzt Du los mit Verweis auf das „Kreuz oben rechts“.

7) Im Falle längerer Server-Crashs

a) starrst Du völlig verzweifelt auf Deine Tastatur und heulst die F5-Taste an.

b) bekommst Du Schweißausbrüche und Wutanfälle.

c) kramst Du im Medizinschrank panisch nach Anti-Depressiva.

d) erschreckst Du Dich fast zu Tode, wenn Du siehst, dass es draußen nicht immer dunkel ist.

8) Reale Termine nimmst Du nur dann wahr, wenn

a) Du keinen Artikel veröffentlicht hast.

b) kein Artikel von jemand anderem veröffentlicht wurde.

c) es keinen Thread gibt, in dem Du meinst, gebraucht zu werden.

d) sich im Internet nichts als so genanntes „Date“ ergibt.

9) Die Realität hast Du völlig aus den Augen verloren, wenn Du

a) einem Kollegen an seiner Stamm-Pommes-Bude auflauerst und es Geschäftsessen nennst.

b) in den 40er Jahren geboren bist aber stoisch behauptest, „um die 40“ zu sein.

c) Filminhalte als bare Münze nimmst und sie in Artikeln als Dein Privatleben beschreibst.

d) überzeugt davon bist, dass es keiner merkt, wenn Du Dich im Internet mit uralten oder fremden Fotos präsentierst.

10) Eine Leistung zu vollbringen definiert sich für Dich darüber,

a) immer schneller neue Blogs samt Email-Adressen anlegen zu können. Dein Rekord liegt bei 11 Sekunden.

b) mindestens drei Blogger pro 24 Stunden durch Beleidigungen oder Verleumdungen zu brüskieren.

c) pro Woche mindestens einmal gesperrt zu werden.

11) Dass Du Dich bis auf die Knochen lächerlich machst merkst Du selbst dann nicht, wenn Du

a) vorgibst, Literatur-Professor zu sein aber nicht einmal annähernd die aktuelle Rechtschreibung beherrschst.

b) geklaute Texte einstellst und anderen dann erzählst, ihre (selbst geschriebenen) Texte seien scheiße.

c) Dir Neben-Blogs anlegst, um Dich selbst zu beposten, hochzujubeln und mit Dir selbst zu verabreden.

d) es toll findest, jeden Abend besoffen zu sein und Dein eigenes Fake als Drecksau bezeichnest.

12) Wenn Du für ein paar Tage nicht online sein kannst, glaubst Du, es vorher öffentlich beantragen zu müssen.

13) Ein Großteil Deines Urlaubs-Budgets geht dafür drauf, in Internet-Cafes zu sitzen, um online zu sein.

14) Nach Deinem Ausweis gefragt, legst Du einen Ausdruck Deines Internet-Profils vor.

15) Wenn Du Dir in der Bank nicht sicher bist, dass Dein Bar-Scheck gedeckt ist, malst Du als Unterschrift ein *lieblächelbettelflehhihi*.

16) Es macht Dich nicht einmal mehr stutzig, wenn Du Dir über das Internet und über Menschen, die Du real niemals treffen wollen würdest, dermaßen viele Gedanken machst, dass es Dich sogar dazu hinreißt, einen Artikel darüber zu schreiben.

Öhm …

Moment …

Ich muss weg!

© skriptum

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Kann es sein, dass Werbung nur noch für Geisteskranke gemacht wird?

Za*lan*do ist dafür ein Paradebeispiel. Und Sa*gro*tan … der Brüller. Was hammwa gelacht! Kannst Du Dich daran erinnern, dass Deine Mutter Dein Essen auf einem Teller zubereitet und es Dir anschließend zum Verzehr vom Teller auf den Tisch geschoben hat? Ich habe meine Mum extra danach gefragt. Sie verkniff es sich gerade noch, mich zu fragen, ob ich sie vera****** will. In ihren Augen habe ich die Frage aber ganz klar gehört … öhm!

Oder diese Tussi, die mit einem Schraubendreher die Innenseite der verglasten Ofentür traktiert. Eine Ofentür, die offensichtlich seit Jahren nicht mehr gereinigt worden war.

Oder dieses Klo-Reinigungs-Zeux, dessen angebliche Wirkung an einer Toilette demonstriert wird, die offensichtlich seit Jahrzehnten auf einer Baustelle steht und täglich mindestens 300 Mal ohne Spülen frequentiert wird.

Oder dieses mutmaßlich weibliche Wesen, was auf der Verpackung von For*mo*line abgebildet ist. Die Dame hat ein dermaßen ausgeprägtes Hohlkreuz, dass ich dringend eine orthopädische Therapie empfehle. Anderenfalls bricht die doch in den nächsten Tagen einfach durch!

Von

– „Haben Sie Goldschmuck, den Sie nicht mehr brauchen?“ (selbst wenn: DU würdest ihn nicht kriegen!)

– „SODBRENNEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ (ich hoffe immer, dass der Typ mal in Flammen aufgeht!)

– „Suchen Sie heute noch ein Sex-Date?“ (auf „wc-dating“ bestimmt nicht!)

– Marceldfüreinsundeinsscheiß (wer Kunden 20 Minuten in der kostenpflichtigen Warteschleife schmoren lässt und es als Service bezeichnet, kann mich mal. Auf Wunsch sogar kreuzweise!)

– Milch-Produkte, die mit quäkigen Männchen oder muhenden Kühen in Flaschen beworben werden (Wer in den neuen Bundesländern Arbeitsplätze schafft, anschließend eine Vielzahl der Arbeitsplätze in den alten Bundesländern durch Schließung von Werken vernichtet und dafür letztendlich pro in Gesamt-Deutschland vernichtetem Arbeitsplatz skrupellos 1 Million DM an Subventionen abzockt, braucht auf mich als potentiellen Kunden nicht allzu fest zu bauen!)

– Chips von denen man, wie in der Werbung gezeigt, direkt nach dem Verzehr in spastische Zuckungen verfällt

einmal ganz abgesehen.

Ganz interessant finde ich die Überlegung/Frage: Werden sich die Bezeichnung für spezielle Produkte, wie beispielsweise „Va*nish Oxy Action Intelligence Power Weiß” und „Regenerist dayly three zone treatment cream“ jemals in den deutschen Sprachgebrauch integrieren, wie zum Beispiel „Tempo“ für Taschentücher oder „Kleenex“ für Küchentücher? Oder ist es in Ordnung, auf Produkte zu verzichten, wenn erst Fremdsprachen oder Chemie studiert werden müsste, um überhaupt verstehen zu können, um was für ein Produkt es sich dabei auf dem deutschen Markt handelt? Die Hersteller haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun! Also, ich kaufe so einen Scheiß nicht!

Außerdem macht mich die Farbe Pink an Flaschen und Verpackungen mittlerweile regelrecht aggressiv. Davon abgesehen, dass ich mich zu Tode erschrecken würde, wenn in meiner Wohnung so eine Trulla plötzlich hinter mir steht und mir erzählt, wie ich Flecken entfernen kann. Des weiteren fühle ich mich verarscht, wenn mir ein Waschmittelhersteller weis(s) machen will, dass Wäsche bei 15 Grad gewaschen keimfrei sauber wird.

Es wäre mir alles in allem viel zu peinlich, sowas einzukaufen. Sobald ich beispielsweise solche Produkte auf das Band an der Kasse gelegt hätte, würde ich im Boden versinken bei der Idee, dass mein Hintermann möglicherweise diese Werbespots kennt und darüber Rückschlüsse auf meine Wohnung zieht. Oder meinen Schuhschrank. Oder den Inhalt meines Kühlschranks. Oder meine Ernährungsgewohnheiten. Oder meine Hygiene und Gesundheit. Oder meinen Werkzeugeinsatz. Oder – oh je – MICH!

;o)

P.S. Dann lieber fünf Stunden non stop Vuvuzelas! Allerdings ist dieses P.S. nicht allzu ernst zu nehmen! *g

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… und doch so präsent:

Nachdem mein Großvater väterlicherseits Anfang der 70er Jahre für immer eingeschlafen war, fuhr ich jedes Wochenende zu meiner Großmutter, damit sie nicht so alleine ist. Ich war gerade mal ein Teenager und hatte die Todesnachricht auf ziemlich robuste Weise erhalten: Eines Abends waren meine Eltern unterwegs, als das Telefon klingelte. Ich nahm den Hörer ab und hörte meine Großmutter sagen „Opa ist tot“. Das war’s. Von der Beerdigung und dem ganzen Drumherum bekam ich nichts weiter mit. Irgendwie ist dieser Abschied ziemlich spurlos an mir vorbei gegangen. So zumindest empfinde ich es heute. Vielleicht war das so eine Art Grundstein, den Tod als selbstverständlichen Bestandteil des Lebens anzuerkennen. Wer weiß.

Nachdem einige Zeit ins Land gezogen war, sah mich meine Großmutter eines Tages ganz ruhig an und sagte, für mich völlig unvermittelt, „Wenn ich irgendwann mal sterbe will ich, dass „Träumerei“ von Robert Schumann auf meiner Beerdigung gespielt wird. Innerlich fiel ich irgendwie zusammen. Tot? Meine Oma? Hm. Das war so weit weg. Lange Zeit dachte ich auch nicht mehr an diese Bemerkung. Allerdings vergaß ich nie, dass sie dieses Lied gespielt haben wollte, wenn es irgendwann soweit war. „Irgendwann“ dauerte noch ein viertel Jahrhundert. Dann war es tatsächlich passiert. Die Umstände und Folgen ihres Todes waren teilweise etwas merkwürdig, was mich sehr beschäftigte. Und mein Paps, der üblicherweise so wirkt, als wenn ihm nichts etwas anhaben könnte, ließ mich eine sehr nachdenkliche und mitunter verletzbare Seite erkennen.

Auch in diesem Fall ging vieles der „Vorbereitungen“ für den endgültigen Abschied an mir vorbei. Ich tue mich sehr schwer mit diesen irdischen Ritualen. Für mich selbst will ich gar kein Grab oder großes TamTam haben, wenn ich einmal gehe. Wer mich bis dahin nicht sowieso in sich trägt, braucht sich auch nicht auf einer dafür inszenierten Veranstaltung mit großen Reden die Augen aus dem Kopf zu heulen. Auch habe ich persönlich keinerlei Bedarf daran, dass er/sie sich anschließend vor einen Stein stellt oder stellen muss. Von der Pflege und den laufenden Kosten einmal ganz abgesehen. Die Zeit und das Geld kann man lebendiger investieren. Mir wäre es am liebsten, wenn ich verbrannt und meine Asche aus einem Flugzeug gestreut würde.

Das ist jedoch eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe. Selbstverständlich respektiere ich es, wenn jemand für sich eine völlig andere Vorgehensweise wählt. Und ich würde ihr, soweit es in meinen Möglichkeiten steht, grundsätzlich folgen. Auch musste ich mich einmal zu recht belehren lassen, dass mein Leben zwar mir gehört, die Trauer über mein Ableben aber den Hinterbliebenen. Und wie sie dann verfahren läge nicht mehr in meinem Bestimmungs-Spielraum. Insofern sage ich mittlerweile auch: Wenn beispielsweise meine Eltern ein Grab von mir brauchen und dafür Sorge tragen möchten, könnte ich damit „leben“. Und das ist keinesfalls makaber gemeint.

Allerdings lege ich großen Wert darauf, dass es meinetwegen keine Trauer-Feier gibt. Ein Gedenken; eine Art Zusammenkunft derer, denen ich wichtig war … ja, das gern. Aber sie sollen nicht trauern. Dafür haben wir viel zu viel miteinander gelacht. Dafür gab es viel zu viele schöne Erlebnisse, die uns für immer verbinden. Dafür war ich meist einfach viel zu frech. Sie sollen lachen und sich freuen, dass wir viel Zeit miteinander verbringen durften. Der Titel, den ich dann gespielt wissen will, ist „Somewhere“ aus der Westside Story, gesungen von Barbra Streisand. „Irgendwie, irgendwann, irgendwo werden wir uns wiedersehen“. An Letzteres glaube ich ja sowieso ganz fest. Und anschließend bitte Party; sonst werde ich echt sauer! ;o)

Was die Beerdigung meiner Großmutter betraf, verlief sie in einem ganz klassischen Rahmen. Bevor wir zum Friedhof gingen, saßen wir noch zusammen und auf einmal durchfuhr es mich wie ein Blitz! Ich hatte vergessen, mich darum zu kümmern, dass „Träumerei“ von Schumann gespielt wird. Kennst Du dieses Gefühl, wenn Du vor Schreck plötzlich glaubst, Tausend Nadeln bohren sich in Deine Gesichtshaut? Mir wurde richtig schlecht. Ich wusste nicht, ob ich die Einzige war, der gegenüber sie diesen Wunsch geäußert hatte. Vorsichtig fragte ich also, welche Titel wohl während der Zeremonie gespielt würden. Meine Eltern sagten, dass außer dem „Ave Maria“ kein Titel abgesprochen war. In dem Moment fing ich fast an zu heulen und hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen.

Wir gingen gemeinsam zum Friedhof und ich betete innerlich, dass es mir gelingen würde, den Pfarrer vor Beginn zu sprechen, um ihm die Bitte vorzutragen, die mir meine Großmutter extra aufgetragen hatte. Natürlich ergab sich diese Möglichkeit nicht. So saßen wir schweigend in der ersten Reihe und mein Magen zog sich immer mehr zusammen. Wie konnte ich das nur vergessen. Eine Bitte und ich versage auf ganzer Linie. Die Feierlichkeit begann und Reden wurden gehalten. Das „Ave Maria“ wurde gespielt und weitere Worte über meine Großmutter und an die um sie Trauernden folgten. Gegen Ende der Zeremonie wurde nur noch ein weiterer Titel gespielt. Ein Titel, der mich endgültig fest daran glauben lässt, dass es irgendeine höhere Macht gibt, die Dinge lenkt, zu denen wir selbst – aus welchen Gründen auch immer – nicht fähig sind:

Danke!

P.S. Robert Schumann wäre heute 200 Jahre alt geworden.

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