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Heute hätte meine Großmutter väterlicherseits Geburtstag gehabt. Diejenige, die ich in meiner Geschichte „Roter Granit“ im Jahr 2003 an ihrem Grab „besucht“ hatte, nachdem sie ein Jahr lang mehrfach nachts „bei mir“ gewesen war.

Das sind die Situationen, für die es keine logischen Erklärungen gibt. Meine Großmutter stand nach ihrem Ableben häufiger nachts an meinem Bett und fragte mich „Wo ist mein Hausstand?“. Ich wusste, dass meine Eltern ihre Wohnung, die im Haus meiner Eltern war, längst ausgeräumt und vermutlich das Meiste, was ihr lieb und teuer war, weggeschmissen hatten. Meine Eltern hatten dort inzwischen ein Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer, ein großes Bad und ein zweites Arbeitszimmer für meine Mutter eingerichtet. Sollte ich das meiner Großmutter sagen? Sollte ich ihr sagen, dass von ihr, außer ein paar Erinnerungen und Stücke, die ich an mich genommen hatte, so gut wie nichts geblieben ist? Das konnte ich nicht. Also blieb ich stumm.

Davon abgesehen, dass mich diese nächtlichen Situationen, die es ja nach rein wissenschaftlichen Erkenntnissen gar nicht geben kann, anfänglich etwas überfordert haben. Ich weiß, dass ich mitunter Dinge oder Situationen wahrnehme, die kaum ein anderer Mensch kennt. Darüber zu reden ist immer etwas knifflig: Die meisten Menschen haben Schiss vor solchen Erlebnissen und stempeln denjenigen, der sie hat und auch noch darüber spricht, gern als Spinner ab. Das ist einfacher, als das angeblich Unmögliche doch für möglich zu halten oder die potentielle Existenz zumindest nicht völlig auszuschließen. Meine Großmutter kam häufiger nachts zu mir. Immer mit der gleichen Frage „Wo ist mein Hausstand?“. Ich habe es nie übers Herz gebracht, ihr zu antworten. Also blieb ich stumm.

Manchmal ließ ich, wie in der Geschichte geschrieben, ein Teelicht brennen, wenn ich zu Bett ging. Aber es war gelöscht, noch bevor sie wieder an meinem Bett stand. Angst hatte ich nie, eher war ich verunsichert, weil ich nicht wusste, was ich tun oder was ich ihr antworten sollte. Aus ihrem Nachlass habe ich unter anderem eine taillenlange, weiße Strickjacke. Eines Morgens, nachdem sie nachts wieder bei mir gewesen war und ich ihr nicht geantwortet hatte, war die Jacke aus dem Kleiderschrank, dessen Tür noch immer offen stand, gerissen und lag davor. Ob sie verdeutlichen wollte, dass sie tatsächlich da gewesen war oder warum das sonst geschehen ist, weiß ich nicht. Irgendwann kam sie nicht mehr. Ob sie ihre Antwort auf andere Weise gefunden hat, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich mich ihr in letzter Zeit von Tag zu Tag näher fühle:

Ich glaube, mein Vater war gerade zwei Jahre alt, als sein Papa im Krieg fiel. Meine Großmutter stand also von jetzt auf gleich ohne Ehemann aber mit einem kleinen Kind da. Es war Krieg und somit nichts völlig Ungewöhnliches, dass Frauen keine Männer aber kleine Kinder hatten. Dennoch: Wenn ich mir vorstelle, wie borniert heute noch Menschen verurteilt werden, nur weil sie nicht verheiratet sind aber Kinder haben, eine gleichgeschlechtliche oder zumindest „nicht normale“ Sexualität pflegen oder in anderer Weise nicht der so genannten „Norm“ entsprechen, war es sicher allein schon in der Hinsicht nicht einfach für sie, plötzlich allein Erziehende zu sein, keinen Mann an ihrer Seite zu haben und nicht zu wissen, wie es weitergehen soll.

Sie lernte einen neuen Mann kennen und lebte mit ihm zusammen. Wilde Ehe … oha! Ich glaube, sie hat einerseits sehr darunter gelitten, dass sie nicht geheiratet haben. Aber immerhin hatte sie wieder einen Mann an ihrer Seite. Wenn sie unterwegs waren, wurde sie mit seinem Nachnamen angesprochen. Der Schein war also allemal gewahrt. Dieser Mann war ein ziemlicher „Bollerkopp“, das erinnere ich noch. Aber wenn ich sein Gesicht vor mir sehe, dann sehe ich ihn immer lachen. In meiner Erinnerung gibt es kein Bild von ihm, auf dem er böse guckt. Ich weiß aber noch, dass auch er mitunter recht absurde Vorstellungen und Vorurteile hatte. Wenn ich beispielsweise ein Junge (der Erstgeborene) geworden wäre, hätten meine Eltern zur Geburt 500 Mark bekommen. Das war damals verflucht viel Geld – gerade für eine junge Familie – und wäre sicher ein sehr angenehmer, „warmer Regen“ gewesen. Aber ich wurde „nur“ ein Mädchen und so gab es „nur“ 200 Mark.

Als meine Großmutter ein paar Jahre älter war als ich jetzt, bekam sie Brustkrebs und musste amputiert werden. Damals wusste man es nicht besser und schnitt noch brutaler als heute „einfach alles weg“. Heutzutage wird da wesentlich genauer differenziert und, soweit möglich, schonender vorgegangen. Allerdings steht offenbar nach wie vor im Vordergrund, was das Sicherste für die Ärzte ist, erst dann kommen die Befindlichkeiten des Patienten. Das Ergebnis war jedenfalls, dass meine Großmutter in einer Zeit, in der „man“ tunlichst nicht darüber sprach, „keine Frau“ mehr war. Ob sie jemals Trost bei ihrem Lebensgefährten oder an anderer Stelle gefunden hat, wage ich zu bezweifeln. Wohin konnte sie also mit ihrer Seelenqual? Nirgendwo hin. Der Mann an ihrer Seite konnte jederzeit gehen, sie waren ja nicht verheiratet. Ich kann mir nicht einmal annähernd vorstellen, was diese Frau gelitten haben muss.

Ich war um die zehn Jahre alt, als mein nenn-Opa starb. Fortan fuhr ich jedes Wochenende zu meiner Großmutter, damit sie nicht so alleine war. Das setzte sich bis 1977 fort, als wir alle zusammen in das heutige Haus meiner Eltern zogen, in dem auch mein Bruder mit Familie heute noch wohnt. Meine Oma bekam ihre eigene kleine Wohnung im Erdgeschoss, inklusive eines Gästezimmers, in dem ich weiterhin jedes Wochenende übernachten sollte. Dass dieser Gedanke in der Praxis nicht funktionierte, liegt vermutlich auf der Hand. Ich habe nie wieder bei ihr in der Wohnung geschlafen. Eine Etage höher war ja mein eigenes Zimmer. Allerdings war ich noch viele Jahre häufig bei ihr und wir haben Karten gespielt oder uns anderweitig beschäftigt. Mit dem Bummeln und Schaufenster angucken etc. war es allerdings ein für alle Mal vorbei.

Vorher lebte meine Oma an der „Lister Meile“. Bis heute kann man sagen, dass da „Leben pur“ stattfindet. Ein Blick aus dem Fenster oder ein Schritt vor die Tür reichte und es gab etwas zu erleben. Aus diesem „Leben“ war sie nun nach dem Umzug in der puren Einöde gelandet. Ein Blick aus dem Fenster oder ein Schritt vor die Tür löste mal gar nichts aus. Da war eben nichts außer nichts. Es reichten nicht ein paar weitere Schritte und man konnte einkaufen oder schön bummeln gehen. Dafür musste man schon eine ganze Ecke laufen. Aber selbst dann reichte es gerade mal bis zu einem Lebensmittelladen, einer Apotheke und einer Kirche; das wars dann schon fast. Ich glaube, seit 1977 fühlte sie sich schon mehr tot als lebendig. Immerhin war sie finanziell abgesichert; das war aber wohl auch das Einzige, was ihr keine Not bereitete.

Was mich immer beschäftigt hat ist, warum diese Frau in ihrem tiefsten Inneren von einer so erschütternden Traurigkeit geprägt war. Selbst wenn sie lachte stand ihr diese Traurigkeit in die Augen geschrieben. Seit einigen Monaten beginne ich zu begreifen, worin all ihr Leid bestand und wie sehr sie unter all dem … dem Verlust ihres Mannes, dem mitunter sehr bollerigen Verhalten ihres Lebensgefährten, ihrer Erkrankung nebst Verkrüppelung, dem gesellschaftlichen Ansehen und dem endgültigen Absturz aus dem Leben nach dem Umzug in die pure Tristesse … gelitten haben muss. Sehr häufig habe ich mich gefragt, ob ich irgendwas hätte tun können, um ihr zu helfen oder um ihr irgendwas zu erleichtern. Ich denke nicht aber sicher bin ich mir auch nicht. Habe ich etwas versäumt, was ich hätte tun können? „Keine Antwort“ …

Vielleicht … kann ich sie das irgendwann doch noch fragen.

Bestimmt … werde ich sie dann ganz fest in den Arm nehmen!

Happy Birthday, Granny! ♥

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„Auf dem Weg nach oben
sollte man jede Stufe
zumindest einmal berührt haben.“

[Bernd Eichinger *1949 – †2011]

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Das dürfte er selbst, mehr als viele andere, vermocht haben.

Chapeau und Dank für dieses Lebenswerk! Und …

Gute Reise!

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Ein fast 10 Jahre alter Text von mir, der auf erschreckende Weise von Jahr zu Jahr aktueller zu werden scheint …

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Nun ist sie beerdigt … Die Lütte, die offensichtlich nicht die geringste Chance bekam, erwachsen zu werden. Nicht nur ihre Seele wurde ihr geraubt, nein, nicht einmal ihr Leben war ihr weiterhin vergönnt … Julia, gerade mal neun Jahre alt … Verbrannt in einem Wald gefunden … Gibt es noch Schlimmeres?

Wenn ich mich richtig erinnere, war es die Gruppe PUR, die einen Titel rausgebracht hat, in dem immer wieder die Textzeile vorkam „Kinder sind tabu!“ Ich finde es sehr erschreckend, dass manche Menschen nur in der Lage sind, ihr eigenes Glück (oder das, was sie als solches bezeichnen) zu finden, wenn sie anderen Menschen Gewalt antun oder sich mit Gewalt verschaffen, was sie freiwillig – zumindest SO – nicht bekommen würden. Wobei seelische Gewalt manchmal noch schlimmer sein kann, als körperliche …

Schlimm genug, dass es Gewalt in der Ehe gibt und das Opfer noch lang und breit beweispflichtig ist. Nicht nur die Demütigung, körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein … nein, es muss auch noch die Demütigung oben drauf, das alles auch noch beweisen zu sollen. Klar, dass da einige den Weg des geringsten Widerstandes wählen und lieber gar nichts sagen. Traurig, dass so viele Menschen es mitbekommen und dennoch nichts tun. Denn: Verheerend, dass die Gewalttäter völlig unbehelligt weiter zerstören können … Seelen, Körper, Glauben, Menschen.

Doch was dieses Thema angeht, handelt es sich um erwachsene Menschen. Menschen, die inzwischen zumindest gelernt haben können, sich – auch körperlich – zu verteidigen. Menschen, die im Laufe ihres Lebens gelernt haben können, auf andere zuzugehen und um Hilfe zu bitten. Menschen, die Konsequenzen ziehen können, wenn sie es nur wirklich wollen.

Doch was ist mit den Kindern? Welche Chance haben sie? Welche Chance geben wir ihnen? Gehen wir auf ein Kind zu und fragen einfach mal, ob es ihm gut geht; alles okay ist, wenn wir es traurig auf einer Parkbank sitzen sehen? Nö, ist ja nicht unseres, die Eltern werden sich schon darum kümmern … Werden sie? Können sie? WISSEN sie, wo ihr Kind gerade steckt? Ist es nicht Aufgabe eines jeden Erwachsenen, die Augen offen zu halten und im Zweifel einfach mal Flagge zu zeigen, um zu signalisieren, dass die Kleinen nicht alleine sind – wo auch immer sie sind? Dass sie Hilfe bekommen wenn sie sie brauchen? Darf man nur eigene Kinder in den Arm nehmen, wenn sie weinen? Und ich meine damit NICHT die Legalisierung des Handelns vom „bösen Onkel mit bunten Bonbons in der Tasche“; ich meine erwachsene Menschen!

Nun stellt sich unser Bundeskanzler hin und fordert, dass Männer, die durch sexuellen Missbrauch an kleinen Mädchen aufgefallen sind, für immer eingesperrt werden … Irrtum Herr Bundeskanzler – sorry, denn es handelt sich nicht nur um Männer; es gibt auch Frauen dieses Kalibers. Und nochmal sorry, denn es handelt sich nicht nur um kleine Mädchen, die dieses Schicksal erleiden; es gibt auch kleine Jungs die keine Chance haben, einem solchen Elend zu entgehen!

In der Basis, Herr Bundeskanzler, dickes BRAVO! Endlich traut sich jemand, das auszusprechen, was sich so viele sehnlichst wünschen. Losgelöst davon, welchen Hintergrund diese Forderung hat – reine Wahlpropaganda oder ehrliches Bedürfnis (immerhin ist seine Stieftochter ja auch nicht viel älter als Julia), sie hat eine Diskussion entfacht, die doch wohl mehr als überfällig war! Und dass sich ausgerechnet führende Institutionen zum Opferschutz hinstellen und „igitt-igitt“ brüllen zu dieser Forderung, finde ich so schlecht, dass ich es nicht einmal weiter kommentieren möchte. Manchmal ist es besser, einfach gar nichts zu sagen. Gar nichts zu tun hingegen, kann so schlimme Folgen haben, dass es im Zweifel nie wieder gut zu machen ist.

Ihr Menschen, die ihr meint – aus welchen wirren Beweggründen auch immer – das Recht zu haben, Euch an wesentlich schwächeren zu vergreifen (egal ob in der Ehe/Partnerschaft oder gar an Kindern), sucht Euch verdammt nochmal ein anderes Kampfgebiet! Denn was auch immer in Euren verwüsteten Hirnen vorgeht:

Kinder sind tabu!

© marmonemi [07/01] / skriptum

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… und doch so präsent:

Nachdem mein Großvater väterlicherseits Anfang der 70er Jahre für immer eingeschlafen war, fuhr ich jedes Wochenende zu meiner Großmutter, damit sie nicht so alleine ist. Ich war gerade mal ein Teenager und hatte die Todesnachricht auf ziemlich robuste Weise erhalten: Eines Abends waren meine Eltern unterwegs, als das Telefon klingelte. Ich nahm den Hörer ab und hörte meine Großmutter sagen „Opa ist tot“. Das war’s. Von der Beerdigung und dem ganzen Drumherum bekam ich nichts weiter mit. Irgendwie ist dieser Abschied ziemlich spurlos an mir vorbei gegangen. So zumindest empfinde ich es heute. Vielleicht war das so eine Art Grundstein, den Tod als selbstverständlichen Bestandteil des Lebens anzuerkennen. Wer weiß.

Nachdem einige Zeit ins Land gezogen war, sah mich meine Großmutter eines Tages ganz ruhig an und sagte, für mich völlig unvermittelt, „Wenn ich irgendwann mal sterbe will ich, dass „Träumerei“ von Robert Schumann auf meiner Beerdigung gespielt wird. Innerlich fiel ich irgendwie zusammen. Tot? Meine Oma? Hm. Das war so weit weg. Lange Zeit dachte ich auch nicht mehr an diese Bemerkung. Allerdings vergaß ich nie, dass sie dieses Lied gespielt haben wollte, wenn es irgendwann soweit war. „Irgendwann“ dauerte noch ein viertel Jahrhundert. Dann war es tatsächlich passiert. Die Umstände und Folgen ihres Todes waren teilweise etwas merkwürdig, was mich sehr beschäftigte. Und mein Paps, der üblicherweise so wirkt, als wenn ihm nichts etwas anhaben könnte, ließ mich eine sehr nachdenkliche und mitunter verletzbare Seite erkennen.

Auch in diesem Fall ging vieles der „Vorbereitungen“ für den endgültigen Abschied an mir vorbei. Ich tue mich sehr schwer mit diesen irdischen Ritualen. Für mich selbst will ich gar kein Grab oder großes TamTam haben, wenn ich einmal gehe. Wer mich bis dahin nicht sowieso in sich trägt, braucht sich auch nicht auf einer dafür inszenierten Veranstaltung mit großen Reden die Augen aus dem Kopf zu heulen. Auch habe ich persönlich keinerlei Bedarf daran, dass er/sie sich anschließend vor einen Stein stellt oder stellen muss. Von der Pflege und den laufenden Kosten einmal ganz abgesehen. Die Zeit und das Geld kann man lebendiger investieren. Mir wäre es am liebsten, wenn ich verbrannt und meine Asche aus einem Flugzeug gestreut würde.

Das ist jedoch eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe. Selbstverständlich respektiere ich es, wenn jemand für sich eine völlig andere Vorgehensweise wählt. Und ich würde ihr, soweit es in meinen Möglichkeiten steht, grundsätzlich folgen. Auch musste ich mich einmal zu recht belehren lassen, dass mein Leben zwar mir gehört, die Trauer über mein Ableben aber den Hinterbliebenen. Und wie sie dann verfahren läge nicht mehr in meinem Bestimmungs-Spielraum. Insofern sage ich mittlerweile auch: Wenn beispielsweise meine Eltern ein Grab von mir brauchen und dafür Sorge tragen möchten, könnte ich damit „leben“. Und das ist keinesfalls makaber gemeint.

Allerdings lege ich großen Wert darauf, dass es meinetwegen keine Trauer-Feier gibt. Ein Gedenken; eine Art Zusammenkunft derer, denen ich wichtig war … ja, das gern. Aber sie sollen nicht trauern. Dafür haben wir viel zu viel miteinander gelacht. Dafür gab es viel zu viele schöne Erlebnisse, die uns für immer verbinden. Dafür war ich meist einfach viel zu frech. Sie sollen lachen und sich freuen, dass wir viel Zeit miteinander verbringen durften. Der Titel, den ich dann gespielt wissen will, ist „Somewhere“ aus der Westside Story, gesungen von Barbra Streisand. „Irgendwie, irgendwann, irgendwo werden wir uns wiedersehen“. An Letzteres glaube ich ja sowieso ganz fest. Und anschließend bitte Party; sonst werde ich echt sauer! ;o)

Was die Beerdigung meiner Großmutter betraf, verlief sie in einem ganz klassischen Rahmen. Bevor wir zum Friedhof gingen, saßen wir noch zusammen und auf einmal durchfuhr es mich wie ein Blitz! Ich hatte vergessen, mich darum zu kümmern, dass „Träumerei“ von Schumann gespielt wird. Kennst Du dieses Gefühl, wenn Du vor Schreck plötzlich glaubst, Tausend Nadeln bohren sich in Deine Gesichtshaut? Mir wurde richtig schlecht. Ich wusste nicht, ob ich die Einzige war, der gegenüber sie diesen Wunsch geäußert hatte. Vorsichtig fragte ich also, welche Titel wohl während der Zeremonie gespielt würden. Meine Eltern sagten, dass außer dem „Ave Maria“ kein Titel abgesprochen war. In dem Moment fing ich fast an zu heulen und hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen.

Wir gingen gemeinsam zum Friedhof und ich betete innerlich, dass es mir gelingen würde, den Pfarrer vor Beginn zu sprechen, um ihm die Bitte vorzutragen, die mir meine Großmutter extra aufgetragen hatte. Natürlich ergab sich diese Möglichkeit nicht. So saßen wir schweigend in der ersten Reihe und mein Magen zog sich immer mehr zusammen. Wie konnte ich das nur vergessen. Eine Bitte und ich versage auf ganzer Linie. Die Feierlichkeit begann und Reden wurden gehalten. Das „Ave Maria“ wurde gespielt und weitere Worte über meine Großmutter und an die um sie Trauernden folgten. Gegen Ende der Zeremonie wurde nur noch ein weiterer Titel gespielt. Ein Titel, der mich endgültig fest daran glauben lässt, dass es irgendeine höhere Macht gibt, die Dinge lenkt, zu denen wir selbst – aus welchen Gründen auch immer – nicht fähig sind:

Danke!

P.S. Robert Schumann wäre heute 200 Jahre alt geworden.

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Im Nachgang zu meiner „Evakuierung“ nun das hier:

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Uwe war plötzlich und unerwartet da. Einfach so. Unüberhörbar.

Nachdem ich mich die halbe Nacht gequält hatte, um herauszufinden, was da mit Ohren betäubenden Geräuschen hin und her bewegt oder in sonstiger Form bearbeitet wurde, fiel mir ein, dass die Üstra (Betreiberin öffentlicher Transportgefährte mit jeweiligem Fahrgastraum) angekündigt hatte, in hörbarer Nähe Gleisbauarbeiten durchzuführen. Tag und Nacht, versteht sich. Scheiß auf Anwohner, die möglicherweise schlafen wollen. Diese Geräusche hielten mich bis in die Morgenstunden wach. Da ich aufgrund meiner Schlafschwierigkeiten gelernt habe, genügsam zu werden … sehr genügsam … konzentrierte ich mich also eher darauf, mal „vom Rücken“ zu sein, wenn es mit dem Schlafen schon nicht klappt. Doch irgendwann klappte wenigstens mein Bewusstsein, dankenswerter Weise ab, und ich schlief doch noch ein.

Bis …

Ja, bis Uwe kam.

Erst wusste ich natürlich nicht, dass es Uwe war. Woher auch? Bis heute früh kannte ich ihn ja gar nicht. Zunächst hörte ich nur irgendwelche neuen Geräusche, die ich ebenso wenig einzuordnen wusste, wie die nächtlichen. Es war nur klar, dass da etwas anderes passiert, als das nächtliche Verlegen der Bahngleise. Wie sich später heraus stellte, hatte Uwe das seit drei Wochen am Haus befindliche Gerüst, was bisher (abgesehen von einer einzigen Stunde vor fünf Tagen) noch keiner allzu hohen Frequentierung ausgesetzt war, erklommen und auf meinem Balkon Folien ausgelegt.

Mit dieser Aktion ist es ihm erfolgreich gelungen, diejenigen Pflanzen endgültig hinzurichten, die ich bis heute noch gerettet hatte. Nur pink farbige Geranien scheint er nicht zu mögen. Die hat er nicht mit der Folie erdrückt, sondern frei den Arbeiten, die mutmaßlicherweise irgendwas mit dem Verspritzen von Wasweißichs zu tun hatten, ausgesetzt. Wie lange es also diese Hübschheit noch schafft, am Leben zu bleiben, wird abzuwarten sein. Wie ich das Sprühzeux aus meiner Tischdecke heraus waschen kann, weiß ich auch noch nicht. Ob ich Uwe dazu befragen werde, wage ich zu bezweifeln.

Und als ob diese Lärmerei noch nicht genug gewesen wäre (wobei mir noch nicht klar ist, wie das Auslegen von Folien eine derartige Unruhe verursachen konnte), keifte plötzlich eine Frau von Irgendwo los:

Frau: „Uwäääääääääääääääääää??? Wo steckst Duuuu???“

Uwe: „Hier, direkt unter Dir!“

Öhm … wenn eine Frau DAS schon nicht mehr mitbekommt, dann gute Nacht!

Nachdem geklärt war, wo beide sind, entbrannte eine Diskussion darüber, dass die Arbeiten wohl bis mittags erledigt seien. Davon ging zumindest Frau Ichmerknixmehr aus. Uwe belehrte sie jedoch eines Besseren und teilte ihr mit, dass sie schon zusehen müssten, die Arbeiten bis 15 Uhr hinaus zu zögern, da sie anderenfalls noch auf eine andere Baustelle geschickt würden, was natürlich zu verhindern wäre.

Uwe teilte weiter mit, dass er kürzlich auf eine andere Baustelle gerufen wurde, weil sich dort nur polnische Arbeiter aufhielten und der Architekt darüber sehr verärgert war, da kein einziger Arbeiter Deutsch sprach [Anm. an dieser Stelle: Danke EU!] und dass er darauf keinen Bock habe.

Warum Uwe ungefähr eine Stunde lang meine Balkonstühle hin und her geschoben und damit zusätzlichen Lärm verursacht hat, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er seine Kollegin nur wortlos wissen lassen, wo genau er sich befindet, damit sie nicht wieder los keift. Insofern hat es Uwe vermutlich nur nett gemeint. Auch, wenn das gründlich in die Binsen gerasselt ist und ich für zukünftige Besuche auf meinem Balkon gern darum bitten würde, auf solcherlei Nettigkeiten zu verzichten.

Immerhin ist durch die heutigen „Arbeiten“ die Frequenz der Nutzung des an diesem Haus aufgestellten Gerüsts maßgeblich gesteigert worden: Eine Stunde vor fünf Tagen und heute nochmal anderthalb drauf, macht einen Nutzung von 2,5 Stunden in drei Wochen. Ich persönlich würde ja Effizienz anders definieren. Das mag jedoch daran liegen, dass ich inzwischen hochgradig genervt bin, wenn ich das Stichwort Gerüst in meinen Gedanken nicht verhindern kann. Genervt und unausgeschlafen. Unausgeschlafen und frustriert. Denn das Resümee der bisherigen Arbeiten ist echt bemerkenswert:

Seit drei Wochen ein um 100 Prozent erhöhtes Einbruchsrisiko, unter anderem Dank der auf jeder Gerüst-Ebene befindlichen Leitern, die es mühelos ermöglichen, bis in die dritte Etage zu klettern, ohne dass es jemand mitbekommt. Zudem ein Balkonkasten, dessen Inhalt bis vor drei Wochen in voller Blüte stand aber entfernt werden musste, damit nach zweieinhalb sinnlosen Stand-Wochen damit begonnen werden konnte, lächerliche insgesamt 2,5 Stunden irgendwelche Arbeiten auszuführen, die nicht nur mit völlig unnötigen Lärm kombiniert wurden, sondern auch noch die finale Schrottung meiner bis heute trotz Räumung geretteten Pflanzen zur Folge hatten.

Und da erzählt mir der Architekt irgendwas von bewohnerseitiger Mitwirkungspflicht. Ich lach’ mich tot! Über „Mitwürrrgungspflicht“ würde ich inzwischen mit mir verhandeln lassen. Mitwirkungspflicht … *tse

Obwohl … Totlachen wäre vielleicht die Lösung: Dann hätte ich endlich meine Ruhe und Uwe könnte machen was er will. Der ist mittlerweile weg. Vermutlich auf einer anderen Baustelle: Polnische Arbeiter dolmetschen oder so. Oder vielleicht in einer Gärtnerei: Blumen mit Folien erwürgen. Oder in einer Möbelhandlung: Stühle hin und her schieben. Oder wieder unter irgendeiner Frau, die es hoffentlich wenigstens merkt …

© skriptum
(19.10.09)

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… und als wenn es nicht so verdammt vorhersehbar gewesen wäre, überrascht es mich doch, mit welch perfider Energie die Medien mal wieder unter Beweis stellen, dass eine Vielzahl an dortigen Mitarbeitern offensichtlich einfach nur kleine Arschlöcher sind. Ja, natürlich entschuldige ich mich im gleichen Atemzug für die kleinen Arschlöcher. Also für die Bemerkung, nicht für die A…. Ihr wisst schon. Der King of Pop ist tot. Gestern Mittag (Ortszeit) wurde er mit Atemstillstand in seinem Haus aufgefunden, sofort in eine Klinik gebracht, lag im Koma und verstarb wenige Stunden später. Fremdverschulden wird ausgeschlossen.

Fremdverschulden wird ausgeschlossen? Ach so. Hmm … Und ich dachte, in den letzten Jahren mitbekommen zu haben, dass die Medien weltweit absolut nichts unversucht gelassen haben, ihn hinzurichten. Öffentlich natürlich; Quote und Auflagen müssen ja stimmen. Egal auf wessen Kosten. So, so: Fremdverschulden wird also ausgeschlossen. Seit dem letzten ihm angehängten „Skandal“, in dem Jackson in allen Anklagepunkten freigesprochen wurde und somit zweifellos als unschuldig zu gelten hatte, wurde er zumindest in Deutschland von fast allen Medien boykottiert. Kaum ein Sender spielte mehr seine Titel, kaum eine Fernsehanstalt zeigte mehr seine Videos. Man wisse ja nicht, ob nicht doch und überhaupt wäre ja nicht ganz klar, ob wirklich. Bla, bla, bla. Er war freigesprochen worden. Damit hat er als unschuldig zu gelten. Jede andere Behauptung ist nicht nur unfair, sondern … nein, das formuliere ich jetzt besser nicht weiter aus.

„Thriller“ ist das bisher meist verkaufte Album aller Zeiten. Außerdem hatte Jackson 13 Nummer-Eins-Hits. Mit ca. 750 Millionen verkauften Tonträgern und generell ausverkauften Konzerten war er in kommerzieller Hinsicht der erfolgreichste Musiker in der Popgeschichte. Michael Jackson hat wie kaum ein anderer Weltstar Erfolge gefeiert. Und ja: Er ist ein Idol für Millionen von Menschen. Diesen Kult muss man nicht teilen oder gut heißen, es ist aber unbestreitbar, dass Jackson durch sein Schaffen Leistungen wie kaum ein anderer erbracht hat. Er war ein Kind bis zuletzt. Durch seine fehlende, tatsächliche Kindheit hat er immer wieder versucht, sich ein Stück Unbeschwertheit zurück zu erobern. Das gelang ihm jedoch nur bedingt. Zu viele Neider und Sensationsgeier standen im Weg, als dass er eine echte Chance gehabt hätte.

Ob er trotz seiner verdienten Milliarden Dollar ein armer Mann war? Ich denke schon. Denn etwas Wesentliches blieb ihm offensichtlich immer verwehrt: Eine unbeschwerte Kindheit; und das über 50 Jahre. Jetzt ist er tot. Und genau die gleichen Stimmen, die ihn über Jahre, trotz klaren Freispruchs in allen Anklagepunkten, verurteilt und gemieden haben, wie eine volle, dampfende Baby-Windel, stellen sich jetzt selbst auf Sockel und bedauern den Tod des Idols, des zu ehrenden Weltstars, des Multitalents und Musikgeschichte Schreibers, des Ein und Alles des Musikgeschäfts.

Ich mag grundsätzlich keine Heuchelei. Aber dass jetzt aus seinem Tod, an dem zumindest durch öffentlichen Rufmord über Jahre symbolisch hingearbeitet wurde, auch noch finanzkräftige Schlagzeilen und somit Profit von eben diesen, oben bereits erwähnten, Ar****, öhm, Journalisten gemacht wird, stimmt mich – sehr vorsichtig ausgedrückt – extrem missmutig. Oder kürzer: Ich finde es erbärmlich und zum Kotzen!

Michael Jackson ging nur wenige Stunden nach Farrah Facett. Dem einen der „Drei Engel für Charlie“. Eine Serie, von der ich keine Folge verpasst habe. Da beide in Kalifornien „losgegangen“ sind, haben sie hoffentlich genügend Gesprächsstoff, um nicht zurück zu blicken und dieses Theater nicht mitzubekommen. Das wäre nur ein nachträglicher Schlag ins Gesicht. Und davon gab es in den letzten Jahren nun wirklich mehr als genug. Beiden wünsche ich persönlich alles Gute. Und den Medien-Machern wünsche ich für ihre Machenschaften, was sie persönlich verdienen …

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