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Posts Tagged ‘vergessen’

Irgendwie ist es ja sogar beruhigend, zu wissen, dass man sich in diesem Staat einfach freikaufen kann, wenn man nur einen großen Namen trägt und ansonsten dreist genug ist. Dann kann man seine Doktor-Arbeit abschreiben, anderen Menschen auf unterschiedliche Weise damit schaden, einfach behaupten man hätte nicht, diejenigen die es dennoch behaupten für blöd erklären und schon ist alles wieder hübsch.

Herr zu Schnutenzwerg hat es ja gerade aus seinem Exil unter Beweis gestellt. 20.000 Euro auf den Tisch des hohen Gerechtigkeitshauses und schon ist über alles das große Tuch des Vergessens gebreitet. Ist es? Jeder andere wäre nach einem solchen Verfahren ein verurteilter Straftäter. Herr Schnutenzwergs Weste wird jedoch mit aller Gewalt in Reinweiß getüncht. Der Schaden, der zahlreichen Doktoranden etc. dadurch entstanden ist, wird damit sicher nicht gutgemacht.

Nun bringt er ein Buch heraus und stellt seine Sicht der Dinge dar, die mich ehrlich gesagt weniger als die Hinterlassenschaften eines räudigen Köters (wie komme ich jetzt darauf?) interessieren. Die Freikaufsumme von für ihn höchst vermutlich lächerlichen 20.000 Euro dürfte er damit binnen weniger Tage eingespielt haben. Sicher gibt es genügend Idioten, die den Schund kaufen und ihn damit tatkräftig unterstützen.

Damit aber nicht genug. Nein, nicht doch bei zu Schnutenzwergs. Der Köter Herr überlegt sogar konkret, nach Deutschland zurück und hier selbstredend direkt wieder in die Politik zu gehen. In die Politik? Hallo? Als VOLKS(VER)TRETER? Ich denke, dann sollte er sich erstmal bei allen entschuldigen, denen er mit seinem Verhalten symbolisch ins Gesicht getreten hat. Und dann … dann können wir vielleicht nochmal darüber … ne, mit mir auch dann nicht!

Schnutenzwerg?

Fatzke!

Jetzt muss ich nur noch im Lotto gewinnen; dann macht Euch auf was gefasst, jawoll! Man muss ja nur wissen wie es geht, näch?! Und ab sofort nennt Ihr mich gefälligst ZU Tina, ist das klar?! Den „Dr.“ dürft Ihr vorerst weglassen.

;o)

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… und doch so präsent:

Nachdem mein Großvater väterlicherseits Anfang der 70er Jahre für immer eingeschlafen war, fuhr ich jedes Wochenende zu meiner Großmutter, damit sie nicht so alleine ist. Ich war gerade mal ein Teenager und hatte die Todesnachricht auf ziemlich robuste Weise erhalten: Eines Abends waren meine Eltern unterwegs, als das Telefon klingelte. Ich nahm den Hörer ab und hörte meine Großmutter sagen „Opa ist tot“. Das war’s. Von der Beerdigung und dem ganzen Drumherum bekam ich nichts weiter mit. Irgendwie ist dieser Abschied ziemlich spurlos an mir vorbei gegangen. So zumindest empfinde ich es heute. Vielleicht war das so eine Art Grundstein, den Tod als selbstverständlichen Bestandteil des Lebens anzuerkennen. Wer weiß.

Nachdem einige Zeit ins Land gezogen war, sah mich meine Großmutter eines Tages ganz ruhig an und sagte, für mich völlig unvermittelt, „Wenn ich irgendwann mal sterbe will ich, dass „Träumerei“ von Robert Schumann auf meiner Beerdigung gespielt wird. Innerlich fiel ich irgendwie zusammen. Tot? Meine Oma? Hm. Das war so weit weg. Lange Zeit dachte ich auch nicht mehr an diese Bemerkung. Allerdings vergaß ich nie, dass sie dieses Lied gespielt haben wollte, wenn es irgendwann soweit war. „Irgendwann“ dauerte noch ein viertel Jahrhundert. Dann war es tatsächlich passiert. Die Umstände und Folgen ihres Todes waren teilweise etwas merkwürdig, was mich sehr beschäftigte. Und mein Paps, der üblicherweise so wirkt, als wenn ihm nichts etwas anhaben könnte, ließ mich eine sehr nachdenkliche und mitunter verletzbare Seite erkennen.

Auch in diesem Fall ging vieles der „Vorbereitungen“ für den endgültigen Abschied an mir vorbei. Ich tue mich sehr schwer mit diesen irdischen Ritualen. Für mich selbst will ich gar kein Grab oder großes TamTam haben, wenn ich einmal gehe. Wer mich bis dahin nicht sowieso in sich trägt, braucht sich auch nicht auf einer dafür inszenierten Veranstaltung mit großen Reden die Augen aus dem Kopf zu heulen. Auch habe ich persönlich keinerlei Bedarf daran, dass er/sie sich anschließend vor einen Stein stellt oder stellen muss. Von der Pflege und den laufenden Kosten einmal ganz abgesehen. Die Zeit und das Geld kann man lebendiger investieren. Mir wäre es am liebsten, wenn ich verbrannt und meine Asche aus einem Flugzeug gestreut würde.

Das ist jedoch eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe. Selbstverständlich respektiere ich es, wenn jemand für sich eine völlig andere Vorgehensweise wählt. Und ich würde ihr, soweit es in meinen Möglichkeiten steht, grundsätzlich folgen. Auch musste ich mich einmal zu recht belehren lassen, dass mein Leben zwar mir gehört, die Trauer über mein Ableben aber den Hinterbliebenen. Und wie sie dann verfahren läge nicht mehr in meinem Bestimmungs-Spielraum. Insofern sage ich mittlerweile auch: Wenn beispielsweise meine Eltern ein Grab von mir brauchen und dafür Sorge tragen möchten, könnte ich damit „leben“. Und das ist keinesfalls makaber gemeint.

Allerdings lege ich großen Wert darauf, dass es meinetwegen keine Trauer-Feier gibt. Ein Gedenken; eine Art Zusammenkunft derer, denen ich wichtig war … ja, das gern. Aber sie sollen nicht trauern. Dafür haben wir viel zu viel miteinander gelacht. Dafür gab es viel zu viele schöne Erlebnisse, die uns für immer verbinden. Dafür war ich meist einfach viel zu frech. Sie sollen lachen und sich freuen, dass wir viel Zeit miteinander verbringen durften. Der Titel, den ich dann gespielt wissen will, ist „Somewhere“ aus der Westside Story, gesungen von Barbra Streisand. „Irgendwie, irgendwann, irgendwo werden wir uns wiedersehen“. An Letzteres glaube ich ja sowieso ganz fest. Und anschließend bitte Party; sonst werde ich echt sauer! ;o)

Was die Beerdigung meiner Großmutter betraf, verlief sie in einem ganz klassischen Rahmen. Bevor wir zum Friedhof gingen, saßen wir noch zusammen und auf einmal durchfuhr es mich wie ein Blitz! Ich hatte vergessen, mich darum zu kümmern, dass „Träumerei“ von Schumann gespielt wird. Kennst Du dieses Gefühl, wenn Du vor Schreck plötzlich glaubst, Tausend Nadeln bohren sich in Deine Gesichtshaut? Mir wurde richtig schlecht. Ich wusste nicht, ob ich die Einzige war, der gegenüber sie diesen Wunsch geäußert hatte. Vorsichtig fragte ich also, welche Titel wohl während der Zeremonie gespielt würden. Meine Eltern sagten, dass außer dem „Ave Maria“ kein Titel abgesprochen war. In dem Moment fing ich fast an zu heulen und hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen.

Wir gingen gemeinsam zum Friedhof und ich betete innerlich, dass es mir gelingen würde, den Pfarrer vor Beginn zu sprechen, um ihm die Bitte vorzutragen, die mir meine Großmutter extra aufgetragen hatte. Natürlich ergab sich diese Möglichkeit nicht. So saßen wir schweigend in der ersten Reihe und mein Magen zog sich immer mehr zusammen. Wie konnte ich das nur vergessen. Eine Bitte und ich versage auf ganzer Linie. Die Feierlichkeit begann und Reden wurden gehalten. Das „Ave Maria“ wurde gespielt und weitere Worte über meine Großmutter und an die um sie Trauernden folgten. Gegen Ende der Zeremonie wurde nur noch ein weiterer Titel gespielt. Ein Titel, der mich endgültig fest daran glauben lässt, dass es irgendeine höhere Macht gibt, die Dinge lenkt, zu denen wir selbst – aus welchen Gründen auch immer – nicht fähig sind:

Danke!

P.S. Robert Schumann wäre heute 200 Jahre alt geworden.

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Manches Spiel beginnt um einen Gewinn
der nicht erhofft geglaubt.

Doch noch bevor der Einsatz gesetzt ist,
findet die Runde ihre Entscheidung.

Was bleibt ist ein verstehendes Lächeln
mit akzeptierendem Wissen.

Erinnerung folgt dem Vergessen des
möglicherweise Unmöglichen.

Lach mal wieder!

© skriptum

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Ein gewisser „Herr“ sorgt ja aktuell aufgrund einer gefühlt mächtig übersteigerten Profil-Neurose permanent für Schlagzeilen, die kein Mensch braucht. Dass er sich damit Hohn und Spott aussetzt, und zwar bestenfalls, versteht sich somit von selbst. Aber natürlich hat alles Grenzen. Da kursiert aktuell ein Witz, der wie folgt lautet:

Was ist der Unterschied zwischen Harald Juhnke und G*ido W*sterwelle?

Juhnke war leberleidend. W*sterwelle ist leider lebend!

 

Aber wie gesagt: Sowas macht man nicht. Ein solcher Witz ist natürlich absolut inakzeptabel und deshalb bitte ich darum, ihn sofort wieder zu vergessen!

Niedlich finde ich hingegen den hier:

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Das Wochenende war alles andere als ruhig und der gemeine Montagsjob stand dem routiniert in nichts nach. Zuhause angekommen war ich froh, diesen Tag überstanden zu haben und inzwischen dabei, mich mental auf einen gemütlichen Feierabend einzuschießen. Eigentlich …

Nun kann man mir nicht unbedingt nachsagen, dass ich mich manieriert-gelangweilt durch meine Wohnung bewege; ein gewisses Tempo lege ich dabei meist vor und da ich diese Kemenate seit vielen Jahren bewohne, darf ich wohl behaupten, mich hier notfalls auch blind auszukennen.

Dem war an diesem Abend nicht so … nicht ganz … Mein Schreibtisch, der mir immer wirklich Freund war und mit dem mich eine Zeit verbindet, die jene in dieser Wohnung durchaus deutlich übersteigt, zeigte sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Obwohl … die Seite kannte ich wohl! Nur noch nicht die Intensität, mit der sie in der Lage war, mich in Bruchteilen von Sekunden Demut und Bewegungslosigkeit zu lehren.

Ich frage mich auch nach wie vor, ob er immer so hier stand oder sich am Montag Abend zum ersten Mal in seinem langen Leben bewegt haben könnte. Denn dass ich mich nach all den Jahren dann doch um pummelige drei Zentimeter verschätze, die mich fast meine Kniescheibe nebst zugehöriger Kapsel und anwohnendem Meniskus kosten, bin ich noch immer nicht zu glauben bereit. Vielleicht lag es auch einfach nur an der Geschwindigkeit des Aufpralls. Zumindest war all das dazu geeignet, mich mit meinem Schreibtisch deutlich auseinander zu harmoniesieren.

Was soll’s? Shit happens …

Ich kühle und salbte, ich schonte und humpelte, ich ruhte und fluchte. Das war auch alles ganz witzig doch geholfen hat es rein gar nichts. Also machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, jemanden aufzusuchen, der sich durch Studium und Approbation Doc nennen darf. Er war auch sehr nett. Lächelte sogar. Bat mich bereits nach wenigen Worten darum, meine Kleidung abzulegen … Es hätte also durchaus ein netter Tag werden können. Dem war aber dann doch nicht ganz so.

Ihm zur Seite stand eine Assistenzärztin der hier nahestehenden Hochschule. Was er an Griffen nicht drauf hatte, holte sie prompt nach. Und ich muss gestehen … sie wusste offensichtlich ganz genau was sie tat. Denn jeder Griff von ihr forderte mit diverse mir A-, O-, U- und sonstige vokalisierte Laute ab, die bis heute nicht einmal ein Mann in der Lage gewesen war, mir zu entlocken … und nun eine Frau … Ich denke noch immer darauf rum, ob mir das irgendetwas sagen soll. Eine fundierte Entscheidung habe ich allerdings zunächst auf später verschoben.

Die Diagnose war niederschmetternd und verbunden mit diversen Ansagen. So muss das Knie zwar bewegt, darf aber auf gar keinen Fall belastet werden. Wie ich linksseitig fliegen und rechts gehen soll, vergaß ich zu fragen. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob das eine praktikable Lösung ist. Doch versuchen werde ich es natürlich … notgedrungen.

Neben weiterer, verordneter Salbungen und oral zu konsumierender Heilmittel ist Treppensteigen ab sofort so was von verboten, wie es nur sein kann. Da ich im zweiten Stock, natürlich ohne Fahrstuhl, wohne fragte ich ihn, wie ich denn bitte meine Wohnung erreichen solle und dass die außenseitig am Haus befestigten Dachrinnen nicht allzu haltbar erscheinen. Den doktorischen Vorwurf, diese Treppen ja dann wohl bereits herab gestiegen zu sein, um zum ihm zu kommen, quittierte ich mit der Äußerung, dass ein aus dem Fenster Springen doch wohl wahrlich schwerwiegendere Folgen gehabt hätte als das, was ich ihm nun in der Lage bin zu präsentieren.

Er hatte anfänglich so nett gelächelt.

Müßig zu erwähnen, dass die Praxis des Arztes im dritten Stockwerk ist und in dem Haus ebenfalls kein Fahrstuhl zur Verfügung steht. Damit hatte ich im aufwärts Treppensteigen klar eine Etage vorsprung. Und runter musste ich ja erst noch. Aber das sagte ich ihm natürlich alles nicht. Nein, nein. Nicht, dass er mich doch noch aus dem Fenster geschmissen hätte …

Dieses Gespräch desasterte in der klaren Ansage des Arztes, meine Wohnung frühestens am Montag oder höchst ausnahmsmäßiger Weise vorher, falls ich anderenfalls verhungern müsse, wieder zu verlassen. Natürlich nicht den Hinweis vergessend, dass ein Mensch durchaus in der Lage ist, einige Tage nur mit Wasser zu überleben.

Na ja … zumindest wird mein nächstes Wochenende deutlich ruhiger als geplant und dass ein Montagsjob aufgrund widrigen Aufpralls auf den Schreibtisch dem anderen direkt folgt ist ja auch eher selten. Bleibt nur zu hoffen, dass, für den Fall, irgendwann mal umzuziehen, ein anderes Haus einen Fahrstuhl als generelle Einrichtung vorzuweisen hat … möglichst mit fließendem Wasser, dann dürfen die Regenrinnen auch gern klapprig sein.

Und wen interessieren schon Vokale?

© skriptum

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Ach, was sind schon 10 Jahre …?!

 

Jeder fährt mal mehr, mal weniger gern mit dem Zug von A nach B. Grund zur Besorgnis gibt es selten, eher zum Ärgern, weil der zynisch formulierte „Slogan“ für die Bahn

 

„Kommen Sie wann Sie wollen,

wir fahren wann wir wollen!“

 

bedauerlicherweise seit Jahrzehnten keinen Deut an Sinnhaftigkeit verloren hat. Ich habe es zum Beispiel noch nie geschafft, auch nur annähernd pünktlich anzukommen, wenn ich von Hannover nach Berlin gefahren bin. Verspätungen zwischen einer und drei Stunden sind leider üblich. Und das bei einer regulären Fahrtzeit von gerade mal ca. 1,5 Stunden (ICE). In den meisten Fällen erfährt der Fahrgast nicht einmal, warum er wieder zu spät am Zielbahnhof ankommt. Nur einmal wurde ein „Personenschaden auf den Gleisen“ angegeben, der mich knappe zwei Stunden meiner Zeit kostete. Den Geschädigten dürfte es jedoch deutlich mehr gekostet haben … „nur einmal“? Nein, das stimmt so nicht ganz. Nur einmal erlebte ich selbst diese Ansage, als ich in einem verspäteten Zug saß.

 

Am 3. Juni 1998 um 10:58 Uhr schrieb die Deutsche Bahn mit dem schwersten Bahnunglück der deutschen Nachkriegsgeschichte die Geschichte der Bahnfahrt neu: Der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ (Zug 884) entgleiste aufgrund von Wartungsfehlern und einem aus Zeitmangel nicht entdeckten sowie aus rein wirtschaftlichen Erwägungen nicht rechtzeitig ausgetauschten, defekten Radreifens. Bei dieser Entgleisung schafften es lediglich die ersten Wagen des Zuges unter der Brücke bei Eschede durchzukommen. Auf einen Wagen schlug die Brücke auf und zerstörte diesen zur Hälfte, alle anderen Wagen schoben sich wie ein Zollstock in- und übereinander. Bei diesem weltweit bisher schwersten Unfall eines Hochgeschwindigkeitszuges verloren 101 Menschen ihre Leben, weitere 105 Fahrgäste wurden dabei teilweise schwerst verletzt.

 

 

dpa

Foto: dpa

 

Zunächst gingen die alarmierten Rettungskräfte von einem entgleisten Güterzug aus. Die Bilder, die sich ihnen bei Eintreffen am Unfallort zeigten, werden wohl die Wenigsten jemals wieder vergessen. Ein Freund von mir war am Unfallort. Er hat in seinem Leben schon so einiges gesehen. Doch als ich ihn kurz danach wieder sah, hatte er sich verändert: Er erzählte wie in Trance von dem Unglück und davon, dass das keine Bilder waren, die sich „nur“ einprägen, sondern Bilder, die geeignet sind, den Geist zu zerstören. Unfassbar und von einer solchen Macht, dass man einfach nur ungläubig und wie gelähmt auf das Geschehen zugehen konnte. Wirklich ertragen konnte es wohl keiner von denen, die das, in welcher Position auch immer, miterlebt haben. Fast schon als „Glück im Unglück“ konnte man wohl für die Überlebenden sagen, dass in der Medizinischen Hochschule Hannover an dem Tag ein internationaler Ärztekongress tagte. Alle transportfähigen Patienten wurden sofort in andere Kliniken verlegt, so dass sehr viele der Eschede-Opfer direkt in die MHH geflogen wurden und so zumindest die bestmögliche ärztliche Versorgung erhalten konnten. Da ich in der Einflugschneise der MHH lebe, hätte ich keine Nachrichten gebraucht, um zumindest zu wissen, dass irgendwas unglaublich Grausames passiert sein muss.

 

Während der sich anschließenden Verfahren zur Aufklärung des Unfalls konnte kein Schuldiger ausfindig gemacht werden. Auch bekannte sich niemand dazu, das Unglück verursacht oder zumindest mitverschuldet zu haben. Die Bahn und ihre Mitarbeiter erwartungsgemäß am allerwenigsten. Bleibt die bittere Frage: Sind die Fahrgäste selbst die Schuldigen, weil sie auf die Sorgfalt der Transportgesellschaft vertraut haben und davon ausgegangen sind, dass sich diese ihrer Verantwortung für Massenbeförderungsmittel bewusst ist? Hartmut Mehdorn, seit Dezember 1999 Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bahn, versicherte seinerzeit sinngemäß in Interviews, dass die Bahn selbstverständlich ihrer Verantwortung für die Verunglückten nachkommen werde. Das hieß allerdings in der Konsequenz lediglich, dass für jedes Todesopfer ein „Entschädigungsbetrag“ in Höhe von 30.000 DM (Deutsche Mark, nicht einmal Euro) gezahlt wurde. Da mutet die Ausführung zum Stichwort „Verantwortung“ auf www.db.de wie ein Schlag ins Gesicht an, wenn man liest „Die Bahn setzt Zeichen. Ob für die Förderung der Lesefähigkeit von Kindern oder für den Umweltschutz. Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung als großes Unternehmen ernst.“. Aha. Vielleicht wäre es sinnvoller, in allererster Linie für die Sicherheit der Fahrgäste zu sorgen und sich nicht feige aus der Affäre und vor allem aus der Verantwortung zu stehlen, wenn doch mal was schief geht …

 

Was mich maßlos erschreckt ist, dass ein Menschenleben in diesem Staat so billig zu „entschädigen“ ist und sich nicht einmal jemand für ein so gravierendes Unglück tatsächlich verantwortlich fühlt, geschweige denn erklärt. Von Entschuldigungen ganz zu schweigen. Damit dürfte ein ausgelöschtes Menschenleben samt zahlreicher damit vernichteter Existenzen (Familien) ja nicht vielmehr sein, als eine simple Sachbeschädigung. Was durchaus geeignet sein dürfte, die Rechtsprechung in diesem Staat zum Thema fahrlässige Tötung massiv zu revolutionieren. Bleibt zu hoffen, dass sowas nicht Schule macht. Vor allem nicht aus rein wirtschaftlichen Interessen! Denn sowas vergisst man nicht. Dafür sind 10 Jahre dann doch nicht lang genug …

 

Wer es noch etwas genauer wissen möchte: Heute Abend läuft auf N3 ab 21:45 Uhr eine m. E. recht interessante Dokumentation zum Thema.

 

 

© skriptum

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Er nun wieder …

Wer wie ich „Anfang 40“ ist (ja, aktuell; nicht seit Jahrzehnten *g), der ist mehr oder weniger mit einigen Künstlern aufgewachsen, die es in Verbindung mit ihren ursprünglichen Combos oder in den seinerzeitigen Stilrichtungen längst nicht mehr gibt. Ob nun Frank Sinatra, der mittlerweile von einer Harfe begleitet wird bzw. recovered von Robbie Williams, oder Tina Turner, die ohne Ike vermutlich um Längen besser klar kommt als zuletzt mit ihm. Supertramp ohne Roger Hodgson (und auch umgekehrt) ist für mich wie eine Uhr ohne Zeiger. Die „Neue Deutsche Welle“ (NDW) bekommt man in Fragmenten nur noch zu hören, wenn ein Radiosender mal sehr gnädig gestimmt ist oder eine Themenwoche durchzieht. Pink Floyd, Barkley James Harvest etc. etc. etc. Diese Reihe könnte endlos fortgesetzt werden.

Und dann gibt es da noch diese Urgesteine, die immer mal wieder auf der sprichwörtlichen Bildfläche auftauchen oder nie weg waren und die man seit 10, 20, 30 Jahren oder noch länger schon am ersten Ton erkennt. Nach wie vor und vermutlich auch die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre. Carlos Santana ist da nur ein Beispiel. Rod Stewart, dessen markante Stimme es nie gelang, glaubhaft nachzuahmen … Joe Cocker, für den Gleiches gilt … Kylie Minogue, nach 10jähriger Pause völlig neu erfunden wiederauferstanden … Madonna, ohne Worte … Lionel Richie … Herbert Grönemeyer … Und jemanden wie Howard Carpendale muss man in dem Zusammenhang ja wohl auch nennen.

Letzteres finde ich nicht schlimm, weil ich Musik nicht nach dem Aspekt höre, wem ich damit imponieren kann oder was gerade für oder durch wen auch immer angesagt ist, sondern je nach Lust und Laune. Obgleich meine Howie-Zeiten wirklich Jahrzehnte her sind. Ich schwöre! Aber es gab sie eben auch. Als ich noch ganz klein war … und so ;o) Und ihn gibt es heute noch. Oder wieder. Oder mal wieder. Oder wie auch immer.

Aber so ist es kein Wunder, dass sich in meinem Media Player die unterschiedlichsten Künstler tummeln. Ob nun Restless Heart von Barbra Streisand abgelöst wird oder George Benson und Tom Petty nacheinander spielen, bevor der jazzige Brian Ferry vor Curtis Stigers die Ouvertüre (ja, das Wort schreibt man aktuell tatsächlich mit „ü“! Mal sehen, wie lange) zur Hochzeit des Figaro einleiten, um anschließend Paravotti oder dem Buena Vista Social Club Platz zu machen, bis hin zu Leith Al-Deen und Garth Brooks … Ich höre alles mögliche; je nach Lust und Stimmung. Nur Howie ist nicht (mehr) dabei. Definitiv nicht. *g

Wer mich u. a. seit glatten 30 Jahren immer wieder vom sprichwörtlichen Sockel haut ist ganz klar Marius Müller-Westernhagen! Geboren am 6. Dezember 1948, seit Mitte der 70er Jahre non stopp im Geschäft und auf seine Weise ebenso unverwechselbar wie der eine oder andere Jahrzehnt-Künstler. Eine prächtige Kontinuität, die irgendwie immer wieder neu verpackt den Markt stürmt. Und meinen Kopf. Nach drei Live-Konzerten mit ihm konnte ich einfach nicht mehr fliehen. Und wollte es ehrlich gesagt auch nie. Dass MMW im kommenden Dezember 60 Jahre alt wird, finde ich unglaublich klasse. Er steht mit Stolz zu seinem Alter und damit vor allem zu sich, ist „knackiger“ als so mancher 40jähriger und konsequent in der Inkonsequenz, zukünftig jeder Bühne – dann doch wieder nicht – fernzubleiben. Zum Glück!

Die diversen, klaren Statements in seinen Texten haben mir schon immer sehr gefallen. Zum Beispiel mit der Aussage „Michael Jackson geht mit kleinen Jungs ins Bett und ich kann über’s Wasser geh’n“ definiert er ziemlich klar, was er von den Vorwürfen hält. Möglicherweise „explizit“ für Internetportale jedweder Art hat er in seinem Titel „Daneben“ (Album: „Nahaufnahme“, 2005) die Songzeile

„ Es ist mir ´n Rätsel Megastar
dass du dir in die Hosen scheißt
weil jemand der dich gar nicht kennt
sich über dich sein Maul zerreißt“

kreiert, die mich schon diverse Male laut zum Lachen gebracht hat. Vor allem, wenn manche arme, immer wieder blind um sich schlagende, Seelen durch plötzlich behauptet Einschläge (wo genau?) versuchen, davon abzulenken, dass es sich zwar um einen der sehr seltenen Fälle eigener Urheberschaft handelt, aber sie die Grundlage eben selbst in die Umlaufbahn geschossen haben, um nach Schieflage der Situation plötzlich auf Opfer getrimmt den Eindruck zu erwecken, doch gar nichts getan und dieses auch längst vergessen zu haben. Gleiches könnte bei den Attackierten passiert sein, muss aber nicht. Wer andere durch diskreditierende Behauptungen versucht, in Verruf zu bringen, sollte sich darüber bewusst sein, dass ein kleiner Enterhaken durchaus zum riesigen Bumerang werden kann. Mehrere erst recht. Nicht auszudenken, wie es sich anfühlen muss, wenn sie irgendwann alle gleichzeitig zurückkommen. „Verdammt, verdammt!“ kann ich da nur sagen und frage mich bestenfalls, was es denjenigen bringt. Ob ihnen dabei einer … wie sagt man? „abgeht“? Obwohl … wenn das die einzige Chance dazu ist, kann man es ja fast schon wieder verstehen. Dennoch finde ich es nicht okay, wenn Unbeteiligte darunter leiden müssen. Zum Glück muss man solche Blitzbirnen nicht entlarven; sie tun es erfahrungsgemäß selbst. Man muss ihnen nur genügend Zeit dafür geben.

Ob Westernhagen sich mit obigem Zitat auf solcherlei Machenschaften bezogen hat, weiß ich natürlich nicht. Möglicherweise hat er, möglicherweise nicht. Aber nicht nur möglicherweise hat er recht, dass es solche Charaktere mit Sicherheit nicht wert sind, sie überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Was auch gut funktioniert, solange sie die Ignoranz ihrer Person ertragen. Es muss eben jede/r selbst entscheiden dürfen, wo er mitmachen will und wo nicht. Und wenn er klar zum Ausdruck bringt, an gewissen Personen nicht nur kein Interesse zu haben, sondern alles was von ihnen ausgeht hochgradig lächerlich zu finden, sollte man ihn nicht versuchen, zum Umgang zu nötigen. Das kann nur schief gehen. Auch Westernhagen weiß das offensichtlich und er hat so eine Art, mit solchen Statements umzugehen, die ich bewundernswert finde. Vielleicht liegt es daran, dass er bald 60 Jahre alt wird (obwohl das erfahrungsgemäß keinesfalls eine Garantie für Weisheit ist) und vermutlich nie auf die paradoxe Idee käme, zu behaupten, noch immer „Anfang 40“ zu sein. Es wäre aber auch nicht nur schade, sondern vor allem unsinnig, wenn er ca. 20 Jahre seines Lebens plötzlich leugnen würde. Was wäre mit dem Inhalt dieser 20 Jahre? Nie geschehen? Was für ein Preis … Was für ein Unsinn.

Noch bin ich Anfang 40 und wenn ich Menschen wie Westernhagen sehe, freue ich mich fast darauf, vielleicht irgendwann 60 zu werden. Mit gleichaltrigen Freunden um mich herum, die auch keinen Tag ihrer Leben missen wollen und die sich von der gleichen Musik mitreißen lassen, wie ich. Ob es nun Paul Simon, Peter Maffay, Marshall & Alexander, Simply Red, Ray Charles, Erasure, Sheryl Crow, Simon Estes, Toto, Eric Clapton, Eagles, Poco, Julia Neigel, Chicago, Talk Talk, Supertramp, Nils Landgren oder Westernhagen*** ist (pfiffige Mischung, hm? *g), spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, es wird nie langweilig! Eben genauso wie seit Jahrzehnten die Titel von Westernhagen.

© skriptum
[nach Diktat verreist und gezeitstempelt]

*** Nein, die Aufzählung ist nicht vollständig! Die Interpreten so zu mischen, dass es definitiv überhaupt keine Linie mehr ergibt, war allerdings nicht ganz einfach. So durcheinander ist ja nicht einmal mein Media Player. Aber ich … vielleicht … gleich! *verwirrt

;o)

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