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Posts Tagged ‘Wange’

Auf mehrfachen, ausdrücklichen Wunsch einer
einzelnen Dame neu datiert und eingestellt! ;)

*

Ein kühler Wind auf meiner Haut.

Hier stehe ich nun. Vor ihr. Der Wind weht mir Haarsträhnen in die Augen. Weine ich deshalb? Ich weiß es nicht. Es ist so ruhig um mich herum. Sie ist so ruhig. Anders, als die letzten Male, wenn sie zu mir kam. Anders als ich es erwartet hatte nach unseren letzten …

Wie soll ich es nennen?

… Treffen?

Tränen fließen mir die Wangen runter. Es ist der Wind. Ganz sicher.

Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich sagen? Erwartet sie, dass ich mit ihr spreche? So, wie sie die letzten Male mit mir gesprochen hat? Und so, wie ich ihr wortlos zugehört habe … schwebend zwischen Bewusstsein und Traum. Würde ich nun mit ihr sprechen, bliebe ihr in dieser Situation nichts anderes, als mir gleiches Schweigen entgegen zu bringen.

Wie ich es tat.

Die letzten Male.

Vielleicht würde sie irgendwann später antworten.

Dieser Wind. Er ist heftiger als sonst. Heftiger als in den letzten Monaten, wenn wir uns sahen. Sonst war es eher ein Hauch. Eine fast schon angenehme Kühle auf meinem Gesicht. Nachts. Wenn sie zu mir kam. Sie streichelte mein Gesicht. Meinen Körper, wenn ich mich wieder frei gestrampelt hatte. Im Schlaf. Sie streichelte mich mit dieser Kühle … sprach mit mir; stellte Fragen. Ich hatte keine Antworten. Vielleicht kam sie deshalb immer wieder. Braucht sie Antwort?

Von mir?

Ich habe keine.

Heute Nacht würde ich keine Kerzen anzünden. Sonst tat ich es manchmal. Doch meist löschte sie sie aus, noch bevor ich erwachte. Sollte ich sie nicht sehen, wenn sie bei mir war? Ich hörte ihre Worte und ich sah sie auch. Ich fühlte sie … die Kälte die von ihr ausging. Nur dass sie mich seit einem Jahr nicht mehr frösteln ließ.

Sie hat kein Heim mehr und dieser Ort, an dem ich nun stehe, ist es offensichtlich auch nicht. Suchte sie bei mir ihr Heim? Warum sonst sucht sie mich so oft auf? Was verspricht sie sich davon? Glaubt sie, bei mir etwas Bestimmtes zu finden? Weiß sie nicht längst, dass ich es ihr nicht geben kann. Sie muss doch jetzt alles wissen. Jetzt, wo sie hier ist.

So still.

So …

… kalt.

Ich will gehen. Ein unangenehmes Gefühl durchfährt mich. Ohne Fluchtgedanken. Nur so. Ich will weg. Und doch glaube ich zu fühlen, dass sie mich mit einer Schuldigkeit zu fesseln versucht, die mich zwingt zu bleiben. Eine Schuld, die ich nicht zu tilgen im Stande sein werde.

Niemals.

Eine Schuld, die es überhaupt nicht gibt.

Nicht so.

Sie will nicht mehr allein sein. Doch das ist sie bereits seit Jahren. Und ich kann nichts für sie tun, außer sie hin und wieder zu besuchen.

Vielleicht.

Hier.

Wenn sie nicht zu mir kommt.

Wie ein kühler Wind auf meiner Haut.

© marmonemi [2003] / skriptum

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Eine einfache Träne, die Welten bewegte. Bände sprach, ohne auch nur ein einziges Wort zu verraten.

Sie stieg in den Zug. Sehr ruhig fragte sie mich, ob der Platz mir gegenüber noch frei sei. Ich nickte ihr zu und sie setzte sich zu mir in den Speisewagen. Sie nahm eine Zeitung aus ihrer Tasche und schlug sie auf. Ihre Augen flogen über die Zeilen und doch wusste ich, dass sie nicht liest. Hätte ich sie gefragt was dort geschrieben stand, wäre es wohl nur ein zweifelnder Blick gewesen, den ich als Antwort bekommen hätte.

Was hatte sie an diesem Tag erlebt? Ihr Blick war offen, ihre Hände ruhig und gepflegt. Als sie dem Kellner ihre Getränkebestellung aufgab, tat sie das mit klarer Stimme und einem kleinen Lächeln. Und doch wirkte sie gedankenverloren … traurig.

Hatte sie einen Freund besucht; einen kranken Freund? Und dessen Zustand beunruhigte sie. Beunruhigte, weil sie nun nach Hause fuhr … weg von ihm … ihn alleine lassend.

Musste sie in eine andere Stadt, um während der Woche zu arbeiten, und sich dafür von ihrer Familie trennen? Vermisste sie ihre Kinder? Ihren Mann?

Sie ließ die Zeitung auf ihren Schoß sinken. Ihre Kaffeetasse hielt sie in beiden Händen und sah gedankenverloren aus dem Fenster. Draußen war es längst dunkel geworden. Die vorbeifliegenden Lichter konnten es nicht sein, die ihre Aufmerksamkeit forderten. Sie dachte nach. Worüber?

Ihre Gedanken waren von Schmerz begleitet. Sehnsucht. Verlangen. Der Ausdruck ihrer Gesichtszüge veränderte sich. Sie dachte an etwas das sie sehr liebte. Etwas das sie gerade noch hatte und nun – Minuten später – bereits sehr vermisste. Mal bildeten sich Sorgenfalten auf ihrer Stirn mal überflog ein Lächeln ihren Blick. Ihre Sehnsucht flog in die Nacht …

Gern hätte ich sie angesprochen und doch wusste ich, dass nichts und niemand in diesem Augenblick in der Lage gewesen wäre, ihr zu helfen. Sie war in einer Situation, mit der sie ganz alleine klar kommen musste. Die sie alleine durchstehen musste. Allein, obgleich es in ihren Gedanken ganz sicher nicht um Einsamkeit ging.

Und ohne auch nur die geringste Regung auszulösen, verließ plötzlich eine Träne ihren Blick. Sie lief an ihrer Wange hinunter bis zum Kinn. Fiel sanft auf ihren Schoß. Nur eine Träne. Eine Träne die genauso schnell trocknete, wie sie entstanden war.

Eine einfache Träne, die Welten bewegte. Bände sprach, ohne auch nur ein einziges Wort zu verraten.

© skriptum

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Beim Stöbern im Internet stolperte ich über recht interessante Informationen. Informationen zu einem Thema, von dem man in meinem Alter annehmen sollte, dass sich dazu wenn überhaupt, dann kaum noch Fragen ergeben. Dennoch fand ich so einiges, was ich bisher nicht wusste.

Allein schon den Begrüßungskuss betreffend gibt es so viele verschiedene Traditionen, dass ich nur staunen kann. Dass man in den Niederlanden zur Begrüßung dreimal auf die Wangen küsst, wusste ich bereits. Obwohl ich mir bisher nie merken konnte, wie rum man anfängt. Aber irgendwann weiß ich es; ganz bestimmt. Insgesamt dreimal ist aber noch wenig, denn in Afghanistan küssen die Frauen sich insgesamt dreimal auf jede Wange und in Paris tun es Männer und Frauen angeblich sogar viermal abwechselnd links und rechts. Wer da zu spät zu einer Verabredung kommt, kann also im Grunde nach der Begrüßung gleich wieder gehen ;-)

Auch hat das Küssen im Hinblick auf „Lebenslänglich“ einige Bedeutung: Er beschließt sowohl die standesamtliche wie auch die kirchliche Vermählung eines Paares. In Skandinavien versöhnen sich zerstrittene Ehepaare mit einem Kuss unter dem Mistelzweig. In vielen anderen Ländern bedeutet ein Kuss unter dem Mistelzweig ein Heiratsversprechen. In England werden die Beeren des Mistelzweiges „Kuss-Kugeln“ genannt. Ob dann dort auch geküsst oder dem ganzen nur ein Fantasiename gegeben wird, weiß ich allerdings nicht.

Was ich auch nicht wusste (aber RTL auf deren Homepage) ist, was in so einem an sich normalen Kuss alles drin steckt:

1. Küssen ist gesund. Zwischen 300 und 22000 Bakterien werden bei einem Kuss ausgetauscht. Diese immunisieren und schützen so vor Infektionskrankheiten.

Gesund, ja? Hoffentlich denke ich beim nächsten Kuss nicht an diese Zahlen …

2. Daraus besteht ein Kuss: 60 mg Wasser; 0,5 mg Eiweiß; 0,15 Drüsensekret; 0,4 mg Salz; 0,8 mg Fett.

Also fast ’ne ganze Mahlzeit, hm?

3. Der Druck, mit dem die Lippen aufeinander gepresst werden, reicht vom normalen Kuss (0,5 kg) bis zum leidenschaftlichen Kuss (15 kg).

Letztere Variante dürfte bei regelmäßiger Anwendung viel Botox sparen …

4. Beim Küssen wird das körpereigene Aphrodisiakum SEBUM freigesetzt und der Körper produziert mehr Adrenalin und Insulin.

Na gut, dann kann ich das ja schonmal von meiner Einkaufsliste streichen.

5. Fast 30 Gesichtsmuskeln werden bewegt, wenn man sich küsst.

Also ist Küssen gut gegen Falten? Wow!

6. Nur 8% der Frauen und 48% aller Männer küssen mit offenen Augen.

Das dürfte vermutlich immer auf die Situation ankommen. Bei mir zumindest.

Ein Rezept für „Nonnenküsschen“ lautet: Das Eiweiß von 2 Eiern steif schlagen, 1 Pck. Vanillezucker, 200 g Zucker und 230 g Mandeln (gehackt und geröstet) drunter mischen, mit einem Löffel kleine Häufchen abstechen und auf ein Backblech setzen. Bei 150 Grad eine halbe Stunde backen. Die Nummer würde bei mir allerdings schon daran scheitern, dass ich es leider noch nie geschafft habe, Eiweiß steif zu schlagen. Ich bin nun einmal grundsätzlich gegen Schlagen. Erst recht beim Küssen!

Zur Definition des Kusses führte RTL aus, dass es gleichermaßen die Lippen-Berührung eines Menschen wie auch eines Gegenstandes sein kann und dass er in allen Kulturen vorkommt. Küsse werden ebenso ausgetauscht, um Vertrauen zu zeigen wie auch aus leidenschaftlicher Hingabe und geküsst werden nicht nur geliebte Menschen oder Freunde, sondern beispielsweise auch Gegenstände wie Medaillen im Sport oder religiöse Symbole.

Da sich meine Religiosität durchaus in überschaubaren Grenzen hält bleibt mir also wohl nur eines: Ab in den Keller und meine alten Sportmedaillen suchen!

 

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Erna,

 

 

Das Kuschelvieh!

*

Ich neige ja dazu, meine Mitbewohner beim Namen zu nennen. Wobei „nennen“ eher symbolischen Charakter hat. Wir sitzen nicht zusammen beim Tee oder sowas. Nein, so weit geht es nicht. Aber einen Namen zu geben, wenn wir uns jeden Tag sehen, halte ich für so eine Art Akt der Höflichkeit. Und hier präsentiere ich nun Erna, das Kuschelvieh.

Erna ist eine hundsgemeine Stubenfliege. Sie hat ein bemerkenswert ausgeprägtes Kuschel-Bedürfnis. Permanent fliegt sie meine Wange, meine Hände oder sonstiges von mir an. Wenn ich sie allzu oft weggescheucht habe, setzt sie sich eben mitten auf den Bildschirm. Da ich Wesen, die ständig um meine Aufmerksamkeit betteln, nicht mag, zeigt sich mit Erna die absolute Ausnahme: Ihr verzeihe ich das. Es sei denn …

… sie flaniert über den Bildschirm. Das ist an sich nicht schlimm. Nur, wenn sie das kackenderweise tut, werde ich fuchtig. Den Sch*** in Form zahlreicher kleiner Punkte muss ich nämlich wieder weg machen. Und das nervt richtig!

;o)

 

***

Halt, stop, Moment!
 

Noch nicht weg gehen!
Einer kommt noch!

Nein, nicht „einer“, sondern eine:

 

Esmeralda,

 

 

 

Die Badezimmerspinne

*

Esmeralda begleitet mich mittlerweile seit Jahrzehnten. In der wievielten Generation weiß ich allerdings nicht. Sie hängt üblicherweise kopfüber an einem Gitternetz im Badezimmer. Wenn sie auf großer Reise ist, finde ich sie meist im Schlafzimmer, ebenfalls kopfüber, zwischen Kleiderschrank und Wand am Heizungsrohr hängend. Manchmal ist ihr aber auch nach ein wenig Nähe. Dann sitzt sie in meinem Waschbecken und scheint auf mich zu warten. Allerdings hält sie sich ganz Lady-like im linken Drittel auf, so dass ich die Mitte und die rechte Seite bequem nutzen kann. Klar, dass ich beim Händewaschen dann etwas vorsichtiger bin. Ich will ihr ja kein ungewolltes Vollbad verpassen. Sie verhält sich mir gegenüber sehr rücksichtsvoll, dann kann ich das ihr gegenüber auch.

Tja, und dann gibt es da auch noch Friederich. Bitte niemals das zweite „e“ im Namen vergessen; da ist er sehr eigen! Friederich ist leider so dermaßen schnell, dass ich ihn noch nie vor die Linse bekommen habe. Aber ich bleibe dran; da kann ich ja echt stur sein. Und sobald ich es geschafft habe, werde ich ihn hier natürlich auch vorstellen. Klar, Ehrensache!

;o)

***

 

Teilweise der lieben Emily gewidmet, in der Hoffnung, dass sie Spinnen in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so arg als Bedrohung empfindet! ;o)

 

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Ein kühler Wind auf meiner Haut.

Hier stehe ich nun. Vor ihr. Der Wind weht mir Haarsträhnen in die Augen. Weine ich deshalb? Ich weiß es nicht. Es ist so ruhig um mich herum. Sie ist so ruhig. Anders, als die letzten Male, wenn sie zu mir kam. Anders als ich es erwartet hatte nach unseren letzten …

Wie soll ich es nennen?

… Treffen?

Tränen fließen mir die Wangen runter. Es ist der Wind. Ganz sicher.

Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich sagen? Erwartet sie, dass ich mit ihr spreche? So, wie sie die letzten Male mit mir gesprochen hat? Und so, wie ich ihr wortlos zugehört habe … schwebend zwischen Bewusstsein und Traum. Würde ich nun mit ihr sprechen, bliebe ihr in dieser Situation nichts anderes, als mir gleiches Schweigen entgegen zu bringen.

Wie ich es tat.

Die letzten Male.

Vielleicht würde sie irgendwann später antworten.

Dieser Wind. Er ist heftiger als sonst. Heftiger als in den letzten Monaten, wenn wir uns sahen. Sonst war es eher ein Hauch. Eine fast schon angenehme Kühle auf meinem Gesicht. Nachts. Wenn sie zu mir kam. Sie streichelte mein Gesicht. Meinen Körper, wenn ich mich wieder frei gestrampelt hatte. Im Schlaf. Sie streichelte mich mit dieser Kühle … sprach mit mir; stellte Fragen. Ich hatte keine Antworten. Vielleicht kam sie deshalb immer wieder. Braucht sie Antwort?

Von mir?

Ich habe keine.

Heute Nacht würde ich keine Kerzen anzünden. Sonst tat ich es manchmal. Doch meist löschte sie sie aus, noch bevor ich erwachte. Sollte ich sie nicht sehen, wenn sie bei mir war? Ich hörte ihre Worte und ich sah sie auch. Ich fühlte sie … die Kälte die von ihr ausging. Nur dass sie mich seit einem Jahr nicht mehr frösteln ließ.

Sie hat kein Heim mehr und dieser Ort, an dem ich nun stehe, ist es offensichtlich auch nicht. Suchte sie bei mir ihr Heim? Warum sonst sucht sie mich so oft auf? Was verspricht sie sich davon? Glaubt sie, bei mir etwas Bestimmtes zu finden? Weiß sie nicht längst, dass ich es ihr nicht geben kann. Sie muss doch jetzt alles wissen. Jetzt, wo sie hier ist.

So still.

So …

… kalt.

Ich will gehen. Ein unangenehmes Gefühl durchfährt mich. Ohne Fluchtgedanken. Nur so. Ich will weg. Und doch glaube ich zu fühlen, dass sie mich mit einer Schuldigkeit zu fesseln versucht, die mich zwingt zu bleiben. Eine Schuld, die ich nicht zu tilgen im Stande sein werde.

Niemals.

Eine Schuld, die es überhaupt nicht gibt.

Nicht so.

Sie will nicht mehr allein sein. Doch das ist sie bereits seit Jahren. Und ich kann nichts für sie tun, außer sie hin und wieder zu besuchen.

Vielleicht.

Hier.

Wenn sie nicht zu mir kommt.

Wie ein kühler Wind auf meiner Haut.

© marmonemi [2003] / skriptum

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Was bisher geschah? Klick HIER!

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Was ist eigentlich, wenn man über andere lacht und plötzlich besteht jeder erdenkliche Grund, über sich selber laut schallend zu lachen?

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Sie empfand es als völligen Quatsch, nach ein paar Tagen bereits zu behaupten, dass man jemanden liebt. Gern haben ja. Verliebt sein vielleicht. Aber lieben? Ständig zauberte es ihr ein milde besser wissendes Grinsen auf die Wangen, wenn sie von anderen hörte oder las, dass sie bereits nach kürzester Zeit vorgaben, jemanden zu lieben.

Es gehörte doch sehr viel mehr dazu, einem Menschen gegenüber zu behaupten, dass man ihn liebt, als ihn gerade mal – nein: als gerade mal sechs Wochen überhaupt von seiner Existenz zu wissen. Man musste sich länger kennen. Mehr Macken am anderen entdeckt und für sich Wege gefunden haben, damit umgehen zu wollen und zu können. Eigene Macken abgelegt oder zumindest bewegt haben. So vieles musste doch geschehen, bevor man wirklich lieben konnte.

´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`´`

Er war weg. Sie blieb allein zurück. Die Tränen liefen ihr über das Gesicht und sie fühlte sich leer. Einfach leer. Was sie in den vergangenen 48 Stunden erlebt hatte, konnte doch nur ein Traum gewesen sein. So schön. So warm. So romantisch wie es nur sein konnte. Sie war in einem völligen Gefühls-Strudel und drohte in diesem Moment sang- und klanglos darin unterzugehen.

Es war völliger Quatsch, nach so kurzer Zeit bereits zu behaupten, dass sie ihn liebt. Gern haben ja. Verliebt sein vielleicht. Aber lieben? Doch was veranstalteten ihre Gefühle da bloß gerade?

Warum freute sie sich nicht einfach? Warum saß sie heulend dort, wo beide gerade noch gekuschelt hatten? Warum lachte sie nicht und freute sich einfach auf das nächste Wochenende, wenn sich beide wieder hätten? Sie konnte nicht. Sie vermisste ihn in dem Moment, als sich die Tür hinter ihm schloss so sehr, dass sie ihren Tränen, die sie schon in den letzten Minuten mit ihm krampfhaft zurückhalten musste, nur noch freien Lauf ließ.

Es war total bescheuert und verrückt. Kindisch. Hysterisch vielleicht sogar. Sie wusste das. Sie wusste genau, dass es total albern war, was sie gerade abzog. Und doch riss es ihr das Herz aus der Brust zu wissen, dass jede Sekunde ihn weiter von ihr weg brachte.

Inzwischen steckte sie sich völlig gedankenverloren parallel die dritte Zigarette an und wunderte sich nicht einmal darüber. Sie grübelte. Es war ja kein Abschied für immer. Es war nicht einmal überhaupt ein Abschied. Er war längst in ihrem Herzen. Und er würde bis zum nächsten Treffen jede Sekunde bei ihr sein. Sich eigentlich gar nicht entfernen. In ihr liebevolle Gefühle und Gedanken auslösen. Jede Minute. Jede Sekunde. So wie er es in den letzten Stunden bei ihr, mit ihr, getan hatte.

Sie waren so glücklich an diesem Wochenende. Glücklich, als würden sie sich schon jahrelang kennen. Als hätten sie längst alle Hürden, die einer großen Liebe im Wege stehen könnten, lächelnd überwunden und inzwischen jeden Freiraum, die Beziehung – die Gefühle füreinander völlig frei wachsen zu lassen und zu genießen.

Natürlich war es völliger Quatsch, nach so kurzer Zeit zu denken, dass sie ihn liebt. Gern haben ja. Verliebt sein vielleicht. Aber lieben? Und doch, waren ihre Gefühle viel größer, als es gern haben oder verliebt sein zu umfassen in der Lage gewesen wären.

Sie haben viel miteinander geredet. Sich Dinge aus ihren Leben erzählt, die dem anderen bisher natürlich verborgen waren. Dinge berichtet, die vielleicht irgendwann einmal eine Art Hürde darzustellen geeignet sein könnten. Sich dadurch gegenseitig den Rückhalt geben, anderen gegenüber für den Fall der Fälle lächelnd sagen zu können Ich weiß, wir haben darüber gesprochen!. Die Stärke gegeben, eventuellen Neidern schmunzelnd die kalte Schulter zu zeigen, weil beide zueinander offen waren. Ehrlich waren. Sich dadurch unschlagbar gemacht haben. Miteinander. Füreinander. Jetzt schon.

Sie waren albern wie kleine Kinder. Haben gelacht. Sich umarmt. Sich gejagt und gefangen. Sich geküsst. Sich genossen. Ganz tief in die Augen gesehen und ohne ein einziges Wort gewusst, was in dem anderen vorgeht. Diese Harmonie. Dieses wortlose einander verstehen. Einander annehmen. Einander akzeptieren. Wo kam das her? Wie konnte das sein? So schnell. So aus heiterem Himmel. So einfach.

Natürlich war es völliger Quatsch, nach so kurzer Zeit zu denken, dass sie ihn liebt. Gern haben ja. Verliebt sein vielleicht. Aber lieben? Und doch passte einfach alles so gut. So ganz selbstverständlich.

Sie brauchten keine Worte, um sich zu verstehen. Sie brauchten keine Fragen, um Antworten zu erhalten. Sie brauchten keine Erlaubnis, um übereinander herzufallen. Ihre Körper miteinander verschmelzen zu lassen, um später einfach schweißgebadet beieinander zu liegen und sich glücklich in die Augen zu sehen, in den Armen zu halten. Sie passten zusammen, konnten sich ineinander vereinigen, sich endlos genießen, als wären sie ausschließlich füreinander geschaffen worden.

Sie hatte das Gefühl, dreieinhalb Jahrzehnte ihres Lebens damit verschwendet zu haben, sich mit Männern einzulassen, die ihm nicht einmal einen Fingerhut voll Wasser hätten reichen können oder dürfen. ER! Er war es, den sie immer wollte. Und nun war er da. Stand an ihrer Seite. War in ihr Leben getreten. Die Wärme ihres Lebens. Die Wärme? Der Mensch? Der Mann? Die Liebe ihres Lebens?

Und was machte sie nun so traurig? Die Tatsache, dass er ein paar hundert Kilometer von ihr entfernt wohnte? Es hätte ein anderes Land, ein anderer Kontinent sein können. Aber es waren nur ein paar hundert Kilometer. Ein paar hundert Kilometer, die für sie die kommende Woche zur Hölle werden ließen. Das wusste sie im Moment des Abschieds genau.

Schlafen gehen, ohne ihn fühlen zu können. Einfach zu wissen, dass er da ist. Sie im Arm hält. Bei ihr ist mit Körper und Geist. Mit seinen Augen. Mit seinen Händen. Mit seinem Mund. Mit seinem ganzen Körper. Bei ihr ist. Sie liebkost. Sie fordert. Sie nimmt. Sie loslässt um sich kurz danach wieder mit ihr zu verlieren. Bei ihr. In ihr. Ohne Kalkül. Ohne Plan. Ohne den Kopf eingeschaltet zu lassen. Einfach so. Einfach fallen lassen. Einfach grenzenlos schön.

Aufwachen, ohne als erstes in sein Gesicht zu sehen. Sich an ihn anschmiegen zu können. Nur ganz vorsichtig um ihn nicht schon zu wecken. Dort zu liegen. Seine nackte Haut zu spüren. Seinen Atem zu hören. Zu fühlen. Zu genießen. Zu denken, dass er noch schläft und doch plötzlich durch seine zarten Berührungen zu beben.

Berührungen, so zärtlich, dass jede einzelne davon sie fast um den Verstand brachte. Berührungen die von Sekunde zu Sekunde fordernder wurden und doch nie forsch. Berührungen die sie erwiderte. Langsam. Zaghaft. Fordernder. Wilder als sie es je getan hatte. Gieriger als sie es bisher je wollte. Forderungen die auf eine Weise erfüllt wurden, wie sie es bisher nicht kannte.

War es denn tatsächlich völliger Quatsch, nach so kurzer Zeit zu denken, dass sie ihn liebt? Es war viel mehr als gern haben. Das Wort verliebt träfe es vielleicht besser, nicht jedoch treffend. Aber lieben? Was ist lieben? Sie wusste, keinen weiteren Tag ohne diesen Mann erleben zu wollen. Plötzlich waren Bedürfnisse in ihr, die sie bisher bei keinem anderen Mann verspürt hatte. Immer hatte sie das Gefühl gehabt, sich ein Hintertürchen offen halten zu müssen und hatte das auch getan. Das wurde ihr jetzt klar. Jetzt.

Hier war nun plötzlich ein Mann, den sie kaum kannte. Ein Mann, der in ihr Emotionen auslöste, die sie so intensiv nie zuvor erlebt hatte. Ein Mann, der wie ein Blitz in ihr Leben eingeschlagen hatte und den sie um nichts in der Welt wieder hergeben wollte. Nach langem Dagegenangehen wollte sie plötzlich doch eine Beziehung. Diese Beziehung. Diesen Mann in ihrem Leben. Fest. Ganz fest. Nicht, weil das im Moment nicht ging, sondern, weil… weil sie… weil sie ihn… was? Liebte? Sie wollte lieben. Endlich lieben. Weil sie plötzlich wußte, dass es das schönste Gefühl war, das sie sich vorstellen konnte zu erleben.

Durch ihn.

© skriptum
[21.01.2002]

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