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Posts Tagged ‘Wunder’

 

 

… alle ganz Wunder_volle Weihnachtstage!

 

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Wie oft ich Herrn Marcel Reich-Ranicki bereits für seine Worte gedankt habe, mit denen er im Jahr 2008 die Annahme des Deutschen Fernsehpreises für sein Lebenswerk abgelehnt hat, weiß ich längst nicht mehr. Täglich einmal ist im Schnitt wohl nicht allzu unrealistisch geschätzt. Am Samstag-Abend wurde ich jedoch von der ARD durchaus überrascht. Gibt es ab und zu doch noch Qualität im Deutschen Fernsehen? Gibt es womöglich noch Wunder?

Mit dem Film „Kirschblüten – Hanami“ (Regie und Drehbuch: Doris Dörrie) haben mich einige Darsteller sehr beeindruckt. Am bemerkenswertesten fand ich jedoch Elmar Wepper. Dass er ein Großer des deutschen Films ist, dürfte unbestritten sein. Aber mit der Rolle des Rudi an der Seite seiner Trudi (Hannelore Elsner) und später als Team mit Yu (Aya Irizuki) hat er mir echt den Atem geraubt. Ich könnte aus dem Stand zwar einige Filme aufzählen, die mich sehr beeindruckt haben, aber dieser Film ist an Tiefe kaum zu überbieten.

Leider konnte ich keinerlei Informationen finden, wann dieses Meisterstück wiederholt wird. Wer sich jedoch für Filme, die tatsächlich nahe gehen, interessiert, sollte sich zumindest den Titel merken. Eine Kleenex-Box reicht übrigens. ;) Der Film hat es nicht nötig, übermäßig auf die Tränendrüsen zu drücken. Er überzeugt gerade dadurch, dass es zu keiner Zeit peinlich oder übermäßig gefühlsschwülstig wird.

Und, Herr Wepper?!: Chapeau! Mit Knix und Verbeugung. Nacheinander, versteht sich.

[21.11.2010]

~~~

Aktualisierung: Der Film wird heute Abend ab 23:oo Uhr und nochmal ab 02:55 Uhr in der ARD wiederholt! Der obige Link funktioniert übrigens noch und liefert weitere, interessante Informationen!

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Meine Wohnung liegt in einem so genannten Wohnpark. Hier ist es nicht nur herrlich Grün, sondern normalerweise auch sehr ruhig. Aber, klar: Nachdem die Hausverwaltung noch vor drei Jahren versichert hatte, dass hier niemals diese unsäglichen Laubsauger zum Einsatz kommen, werden diese inzwischen von der neu engagierten Gartenfirma wie von einer Gang mit sechs Personen gleichzeitig eingesetzt.

DIE tragen Ohrenschützer, mir fliegen meine Lauschlappen glatt weg. Vermutlich wohl wissend sind die sechs Kumpel immer ganz in Schwarz mit Kapuzen getarnt. Wenn ich jemals einen von denen allein treffen und erkennen würde, könnte ich keine Garantie dafür übernehmen, nicht im Anschluss dem staatlichen Strafvollzug zugeführt zu werden. Aber das ist ja alles ein ganz anderes Thema. Worum es eigentlich geht ist das hier:

 

 

Am Anfang dieses Wohnparks befindet sich ein Friedhof. Um den Friedhof herum befindet sich ein Fußweg. Auf diesem gibt es logischerweise Kanaldeckel. Soweit so gut. Aber: Wenn man im Sommer diesen Fußweg entlang geht, stinkt es in einer solchen Penetranz nach Leichen aus diesen Kanaldeckeln, dass man entweder nüchtern dort lang gehen sollte oder die Straßenseite wechseln müsste, um sich nicht spontan die letzten Mahlzeiten nochmal durch den Kopf gehen lassen zu müssen. Meines Erachtens kann das nicht mit rechten Dingen zugehen. Also sprach ich dieses Thema bereits zum ersten Mal vor vielen Jahren während der Eigentümerversammlung an. Die Antwort war kurz und knapp „Das kann nicht sein“. Und das wars dann.

Irgendwann wurde der Friedhof geschlossen. Davon erfuhr ich allerdings erst, als unserem örtlichen Blättchen zu entnehmen war, dass er nun wieder geöffnet sei. Ich dachte mir meinen Teil dazu und hoffte, dass die Fehlerquelle, die zu diesem unsäglichen Leichengestank führte, nun endlich behoben wurde. Leider stellte sich an den ersten warmen Tagen dieses Jahres heraus, dass es nach wie vor aus den Kanaldeckeln dermaßen penetrant nach Leichen stinkt, dass ich wirklich überlege, beim nächsten Mal die Kripo anzurufen und darum zu bitten, dass jemand geschickt wird, der sich mit derartigen Gestänken auskennt.

Auch wenn das Trinkwasser gefiltert und gesonstwast wird, finde ich den Gedanken, dass Leichenwasser einfach ins Grundwasser sickern könnte, mehr als ekelhaft! Hat jemand von Euch eine Idee, wie man das überprüfen lassen kann, ohne ein allzu großes Fass aufzumachen? Ich will hier keine Panik schieben oder dümmliche Gerüchte in die Welt setzen. Aber dieser Gestank ist wirklich nicht normal und das Thema lässt mir nunmehr seit Jahren keine Ruhe. Kein Wunder: An jedem warmen Tag, den ich diesen Fußweg entlang gehe, wird es ja auch immer wieder sehr lebendig! Im Gegensatz zu dem, was da mutmaßlich zum Himmel stinkt!

 

(mehr …)

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… Award, den ich annehme. Ja, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder! ;o) Normalerweise sind solche Awards als Werbung für denjenigen konzipiert, der irgendwann mal ein auffälliges Bildchen zusammen geklöppelt hat. Das lehne ich ab. Deshalb habe ich bis heute noch nie einen Award angenommen. In diesem Fall geht es aber nicht um Werbung für einen Blog und notwendigerweise werden andere dazu genannt, sondern eher um einen Award mit Stöckchen-Charakter. Und das gefällt mir!

Die Regeln sind wie folgt:

-Danke der Person, die Dir den Award gegeben hat
(sehr gern, lieber RONNY!)

-Erzähle sieben Dinge über Dich selbst
(schon wieder? *g)

-Überreiche die Auszeichnung an bis zu 10 weitere Blogger
(immer diese Beschränkungen, mönsch! *tse)

-Lasse die Blogger wissen, dass Du ihnen den Award verliehen hast
(sehr gern!)

Fangen wir also mit dem Outing an! ;o) Es fällt bei mir allerdings nicht so umfangreich aus, wie bei Audubon Ron. Das scheint jedoch in Ordnung zu sein, wie ich bei anderen ausgezeichneten Blogs gesehen habe. Also los:

1. Ich entdecke seit ungefähr einer Woche, dass meine bisher unendlich erscheinende Tierliebe durchaus sehr eng gesteckte Grenzen haben kann.

2. Obwohl es noch Monate hin ist, bin ich gedanklich schon sehr präsent bei meinem nächsten geplanten Urlaub und freue mich unsagbar darauf!

3. Ich überlege gerade angestrengt, was ich noch von mir verraten kann, das hier nicht sowieso schon irgendwo steht UND das ich bereit bin, von mir öffentlich bekannt zu geben.

4. Was ich am Bloggen liebe ist, dass ich mir die Menschen, mit denen ich wechselseitig umgehe, aussuchen kann. Das finde ich sehr bereichernd.

5. Ich genieße es sehr, dass der Frühling sich nun nicht mehr irritieren lässt und fühle, wie mich Sonne und Wärme von Tag zu Tag mehr motivieren.

6. Ich muss meine Steuererklärung machen und würde gern an alles denken, nur nicht an das!

7. Wenn ich irgendwann herausfinde, was nachhaltig gegen meine Schlaflosigkeit hilft, dann feiern wir eine riesige Party und machen mindestens drei Tage und Nächte durch, okay? …
Öhm, Moment: An dem Gedanken sollte ich doch erst nochmal arbeiten!

;)

 

Diesen schönen Award gebe ich gern an folgende Blogger weiter:

~

Andrea, die mit ihren Texten und Bildern immer wieder Fröhlichkeit verbreitet

Anna-Lena, die es trotz aller Mühen des schulischen Alltags nicht verlernt, zu lächeln

Babbel, die vom Leben echt jedes “Päckchen” kriegt, sich jedoch immer wieder aufrappelt

Clara, die selbst größten Doofheiten noch irgendwas Witziges abgewinnen kann

Emily, die aus alltäglichsten Situationen immer wieder die prächtigsten Storys bastelt

Gedankenkruemel, die das Leben aus sehr interessanten Perspektiven betrachtet

Kerstin, die mir gerade wegen ihrer eigenen Meinung mehr imponiert als viele andere

Miss Lu, die genau wie ich durch fast nix zu erschrecken ist

Sayrueart, der ein genauso besessener ColorKey’er ist, wie ich

Synapse, an deren Stärke und Durchhaltewillen sich manch einer ein Beispiel nehmen sollte

~

 

Alle anderen mögen sich bitte auch awardiert fühlen: Ich durfte nur bis zu zehn Blogs nennen und die Auswahl ist mir wirklich schwer gefallen!

~

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Längst hatte sie es aufgegeben, ihre Sucht zu verheimlichen. Wozu auch? Es würde nichts ändern. Sie hatte sich einen Ruf aufgebaut und den galt es zu bestätigen. Mit allen Mitteln, wenn es sein musste. Den um sie kursierenden Mythos würde sie aufrechterhalten. Das war sie ihrem Publikum schuldig. Ihr Kopf brannte. Mal wieder. Es war kein Wunder. Wusste sie doch, dass sie aufgrund der Medikation, die einige Ärzte für sinnvoll hielten, eben in dem Rahmen, den die Kasse bezahlte, keinesfalls Alkohol zu sich nehmen durfte. Selbst kleinste Mengen schossen ihr direkt den Kopf weg. Es war ihr egal. Hauptsache, sie konnte das, was man von ihr hielt, aufrechterhalten. Und das ging eben mit benebelten Sinnen am besten. Keiner derjenigen, von denen sie sich nur allzu gern anbeten ließ, hatte sie jemals persönlich gesehen. Aber gerade das machte den Reiz aus. Sie konnte behaupten was sie wollte, man glaubte es ihr. Mehr noch: Als sie anfänglich noch ab und zu versuchte, das von ihr virtuell gezeichnete Bild der Realität etwas anzunähern, glaubte es ihr niemand. Sie war die Grande Dame, ob sie wollte oder nicht. Mittlerweile wollte sie. Und sie genoss es.

Wie einfach es doch war, die Massen zu manipulieren. Ein irgendwo geklautes Bild mit Highheels als eigenes ausgeben und veröffentlichen; schon war sie die vornehme Madame, die nur auf hochhackigen Nobelschuhen ihren traumhaften Lebensweg beschritt. Dass sie überwiegend in flachen, abgewetzten Tretern, deren beste Zeiten seit Jahren vorbei waren, durch ihr ärmliches Leben trottete, vor allem, wenn der Rechner ausgeschaltet war, wusste ja niemand. Ihre mickrige Behausung hatte nicht einmal Schränke. In Kartons stapelten sich ihre paar Habseligkeiten, Dank derer sie wenigstens behaupten konnte, überhaupt etwas ihr Eigen zu nennen. Der gebrauchte Kühlschrank, den ein Bekannter ihr, vermutlich aus Mitleid, zur Verfügung gestellt hatte, kühlte ihr Abendessen: Eine Flasche Irgendwas; Hauptsache es knallt. Aber allein ein paar Worte über die große weite Welt in Geschichten, die sie irgendwo gelesen und als Inspiration genutzt hatte, verhalfen ihr zu dem Ruf, als weltgewandte Superfrau in einem wundervollen Appartement zu leben, sofern sie überhaupt gerade mal im Lande war. Dabei wäre es so einfach gewesen, ihr Spiel zu durchschauen: Nie hatte sie etwas von Freunden zu berichten oder von privaten Aktivitäten; eben irgendwas Realem. Wie auch? Natürlich musste sie tunlichst darauf achten, dass niemand hinter ihr Geheimnis kam. Ein intensiverer Kontakt und ihre angeblich so perfekte Welt wäre nur noch Geschichte.

Ihr Hilfsjob in einer sehr renommierten Firma verhalf ihr Dank des Firmennamens zu der Annahme, sie wäre wichtig. Darin sonnte sie sich. Warum auch hätte sie diesen Eindruck zerstören sollen? Allein die Herausgabe ihrer dienstlichen Telefonnummer machte mächtigen Eindruck bei manchen Menschen. Sie hörten auf zu denken, wenn man ihnen etwas richtig verkaufen konnte. Und das konnte sie. Dafür brauchte sie nicht einmal etwas Eigenes zu schaffen oder zu haben. Es genügte, den Eindruck zu erwecken, dass es so sein könnte, wie es andere sehen wollten. Wie andere sie sehen wollten. Warum sollte sie ihnen den Spaß nehmen. Hatte sie selbst doch das größte Vergnügen daran, zu erleben, wie blind und willig manche Menschen das, was man ihnen zum Fraße vor die Füße wirft, bereitwillig in sich hinein schlingen. Im richtigen Moment wohl dosiert, jedoch nur scheinbar, tiefstapeln und schon war alles wieder genau so, wie sie es haben wollte. Berichtete sie von einem Ausflug ans Wasser, wurde daraus eine luxuriöse Kreuzfahrt konstruiert. Sie selbst brauchte kaum noch etwas zu tun, um als Jetsetterin zu gelten. Und das Internet war voll mit Material, das sie stichwortartig unter’s willfährige Volk schmeißen konnte. Sie wurde bejubelt und auf Sockel gehievt. Anfänglich hatte sie sich noch etwas geziert, mittlerweile war es ihr recht. Vielmehr hatte sie ja eh nicht.

Nur dieser verdammte Alkohol … sie konnte einfach nicht damit aufhören. Viel zu abhängig war sie mittlerweile davon. Und das, obwohl sie wusste, dass unter anderem er sie umbringen würde. Geschichten von noblen Genussschuppen und sonstigen Etablissements, die sich die meisten ihrer Fans eh nie leisten könnten, versüßten ihr den Gedanken daran, es gerade mal wieder geschafft zu haben, genügend Geld zusammen zu kratzen, um sich in irgendeinem billigen Discounter eine Flasche Fusel zu besorgen. Nur so war es ihr möglich, mal wieder einen Abend zu überstehen. Der alte Rechner, der in ihrer Behausung stand und seit langem damit drohte, den Geist endgültig aufzugeben, wurde zur technisch neuesten Innovation des Laptop-Marktes, wenn sie ihn hochfuhr. Nur noch einloggen und ein bisschen Präsenz zeigen. Anfütterung der Massen. Es funktionierte immer. Sie kam und der Pulk johlte. Es war ein herrliches Gefühl. Wenn sie wüssten … Aber sie wissen es nicht und sie werden es nie erfahren. Ihren 60. Geburtstag wird sie sowieso nicht mehr erleben. Kurz davor wird sie ihre glamouröse Scheinwelt verlassen. Doch eines wird bleiben: Die Illusion der ewig jungen Grande Dame; die wird sie für einige immer bleiben. Wenigstens dafür hatte sie ausreichend Vorsorge getroffen.

© skriptum ’08

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Wunder

 

Der Glaube an Wunder
ist mitunter
die größte Realität
der man sich stellen kann.

 

© skriptum

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Es klingelte. Das konnte nicht wirklich sein! War ich nicht gerade eben erst zu Bett gegangen?

Schwankend zwischen ungläubig und wütend schmiss ich ein Ohr in Richtung Treppenhaus. Es blieb jedoch unsanft am Türrahmen hängen. Meine dennoch horchend-hoffende Prüfung, ob es jemand anderen im Haus gab, der den Türöffner betätigte, verpuffte rauchfrei und ergebnislos. So drehte ich mich mit dem festen Glauben an irgendeine Werbezustellung um und suchte noch einmal den Tiefschlaf.

Es klingelte erneut. Sollte es sich um eine Zustellung an mich handeln? Nein, das konnte nicht sein. Ich erwartete nichts.

Oder doch?

DOCH!

Blitzschnell flog ich aus dem Bett und sprintete so schnell, wie es mir in einer solchen Situation eben möglich war, zur Tür. Ich betätigte den Summer, horchte angestrengt in die Muschel der Sprechanlage und hörte …

… nichts.

Das mag jedoch daran gelegen haben, dass ich mich meines nach wie vor am Türrahmen gemutmaßt befindlichen Ohrs noch nicht wieder bemächtigt hatte.

Plötzliche Schritte im Treppenhaus ließen mich auf eine seit zwei Wochen überfällige Lieferung an mich hoffen. Sollte es doch noch innerhalb dieses Jahres klappen? Das hätte zwei Vorteile: Ich könnte wieder ins Bett gehen, weil ich den Artikel nicht heute in die Stadt fahrender Weise besorgen müsste und ein Lieferant deutscher Lande würde nicht endgültig eine vor Wut schnaubende und bisher gute Kundin verlieren.

Als ich gedanklich noch völlig nüchtern vor mich hin schwankte, mit was ich wohl in den nächsten Augenblicken beglückt werden würde, öffnete ich die Verriegelungen meiner Kemenaten-Begrenzung und schmiss ein Auge in das Treppenhaus. Wohl wissend, dass ich es anschließend wieder stundenlang würde suchen müssen.

Und als es gerade noch so vor sich hin kullerte, erklomm ein Übergrößenbrief-Zusteller die letzten Stufen. Zeitgleich öffnete meine liebe Nachbarin die Wohnungstür, um den Brief in Empfang zu nehmen, der jedoch weder für sie noch für mich, sondern an meine Übermieterin adressiert war, die ihrerseits entweder noch schlief, was mich geradezu mit Neid erfüllt hätte, oder gar nicht im Haus war.

Mir nun weiter die Füße in den Bauch zu stehen, hielt ich nicht unbegrenzt für sinnvoll. Davon abgesehen wäre mir als potentielle Magenfüllung ein ordentliches Frühstück lieber gewesen.

Voller Enttäuschung und mit der Vakanz auf einen mittelschweren Wutausbruch ging ich zurück ins Bett. Und wer kann schon mit Wut im Bauch schlafen? Ich nicht. Mir die Wut aus dem Kopf zu schlagen, war ich jedoch nicht schon wieder bereit. Die Beulen vom letzten Mal waren noch zu deutlich sichtbar und Make Up ist eben doch nicht in allen Situationen die Wunderwaffe schlechthin.

Also entstieg ich meinem potentiellen Jungbrunnen erneut, indem ich die Decke, die sich selbstredend unauflösbar mit meinen Beinen verknotet hatte, zurückzuschlagen gewillt aber nicht befähigt war, und wechselte nahtlos verwebt in die Nasszelle. Wissend, dass Wasser von oben, und das in derartigen Mengen, nach gerade mal zwei bis drei Stunden Schlaf durchaus die Umstände des verbleibenden Lebens erheblich einzuschränken im Stande sein könnten. Aber solange mir durch meine anschließende Zahnbürsteneinführung nicht konkret der frühe Erstickungstod drohte, war ich bereit, dieses Risiko zu tragen. Noch. Wenn auch etwas widerwillig.

Unleidlich und hundemüde trocknete ich ohne vernehmbare Bellgeräusche das Lebendleder und salbte mein müdes Haupt nebst Restbeweglichkeiten. Jetzt könnte ich eigentlich wieder ins Bett gehen. Zumindest wenn ich nicht in die Stadt müsste, um den nach wie vor nicht gelieferten Artikel im Gewimmel der Großstadt zu erjagen und somit endlich an mich zu bringen.

Doch was wäre, wenn ich nun losführe und just während meiner abwesenheitsbedingten Wandlung versucht würde, den hach so ersehnten Artikel zuzustellen? Hätte ich mir die Fahrerei dann nicht ersparen können? Ebenso wie das Wutgebrabbel in der Straßenbahn, das eh keiner verstehen würde; mich eingeschlossen …

Und was wäre, wenn es den Artikel in der Stadt gar nicht vorrätig gäbe? Warum wurde er nicht längst geliefert? Musste er erst noch hergestellt werden? Gab es ihn überhaupt oder müsste er erst noch erfunden werden? Und wenn Letzteres, könnte ich gegebenenfalls behilflich sein? Wen müsste ich dazu befragen?

Ich entschloss mich, meine Körperlichkeiten textilurant zu bedecken und eines weiteren Klingelns an meiner Tür zu harren. Wunder gibt es ja bekanntlich immer wieder. Und selbst wenn man nicht uneingeschränkt an sie glaubt, drängen sie sich einem doch periodisch auf. Und das ohne zu fragen. Ist aber okay. Ich wurde ja auch nicht gefragt, ob ich vergeblich auf eine Lieferung warten wollte oder aus dem Bett zu kriechen bereit war für einen nicht für mich bestimmten Übergrößenbrief, den ich dann nicht einmal annehmen durfte.

Beleidigt?

Ich?

Nein.

Nur sauer!

Aber wen interessiert das schon? Den Lieferanten, der mich schnöde im Stich lässt? Den Übergrößenbriefzusteller, der vermutlich längst in einem anderen Stadtteil sein Klingelunwesen treibt? Meine Nachbarin?

Letztere vielleicht. Ich müsste es ihr nur sagen. Möglicherweise würde sie mir den nicht für mich bestimmten Brief dann aushändigen. Unter Umständen würde sie mich jedoch einfach für inzwischen komplett durchgeknallt halten. Vielleicht würde sie mich auch besorgt fragen, ob sie irgendetwas für mich tun kann. Ich könnte sie dann bitten, diesen verdammten Artikel zu besorgen.

Könnte.

Würde ich natürlich nicht.

Aber ich könnte!

Ist doch auch schon was, oder?

Das reichte jedoch nicht, um mir den Tag zu versüßen. Auch wenn sich in der Küche das gestern von meinem iranisch-türkischen Obst-Gemüse-und-mehr-Feilbieter mitgebrachte Baklava recht verführerisch auf der Arbeitsplatte rekelte. Dennoch verweilte ich zuckerfrei in die Küche und bereitete mir einen Kaffee nebst Toast und Ei. Wer das um diese Zeit essen sollte, stand auf einem anderen Blatt. Doch da in meiner Küche keine Bäume standen, spielte auch das eine höchst untergeordnete Rolle. Selbst wenn mir unordentliche Quadrate um diese Zeit deutlich lieber gewesen wären. Hauptsache sie hatten keine Übergröße. Wie zum Beispiel der Brief, der gar nicht für mich war.

Beim Anblick meiner Orangenpresse, die mir um diese Zeit ob ihrer Größe eher Angst als Behagen bereitete, fragte ich mich, wer es mit was auch immer schaffte, mittels fachgerechter Anwendung einer solchen Gerätschaft aus irgend etwas Orangen zu pressen. Ich für meinen Teil zog es vor, eine bereits fertige Orange zu teilen und dann zu entsaften. Ein Unterfangen, dessen Gelingen zu diesem Zeitpunkt nur durch das Ziel der Frischgetränkgewinnung getragen und so tatsächlich von Erfolg war.

Und wenn ich das hier alles so lese frage ich mich, warum ich nicht völlig außer Atem bin, obgleich die Zeit rennend an mir vorbei zu fliegen scheint.

Geschwindigkeitsrausch?

Schlafentzug?

Schlafanzug?

Letztendlich löst die Unmöglichkeit der Beantwortung dieser Frage nichts aus. Nicht einmal die Frage selbst. Versteht sich aber sowieso. Die Beantwortung ist schließlich kein Knochen. Die Frage ebenso wenig. Der kalt gekochte Kaffee könnte mir höchstens Sorgen bereiten. Was in mir erneut die Frage aufwirft, ob man aus Schokolinsen Eintopf kochen kann und ob es okay wäre, ihn mit Himbeer-Essig zu würzen. Da ich aber in dem Moment sowieso keinen Hunger hatte, konnte ich diese Gedankengänge in den Flur schieben und sie dort verhungern lassen. Wie mich. In der Küche. Vor einem prall gefüllten Kühlschrank.

Ich war so was von müde. Traute mich aber nicht mehr, ins Bett zu gehen. Was wäre, wenn erneut ein Übergrößenbrief zugestellt werden sollte, der auch nicht an mich gerichtet war? Was wäre, wenn meine Nachbarin, aufgeschreckt von seltsamen Knurrgeräuschen in meiner Wohnung, klingelte und sich nach meinem Befinden erkundigte? Wir hatten immer ein erstklassiges Verhältnis zueinander. Sollte ich das aufs Spiel setzen, nur weil ich wieder ins Bett ging?

An Ruhe war sowieso nicht zu denken, da der ca. 15 Meter entfernte Sportplatz pla- oder sogar betoniert, auf jeden Fall aber entlaubt wurde. Wer das erlaubt hatte, entzog sich meiner Kenntnis. Zumindest war was auch immer dort geschah mit einem Krawall verbunden, der selbst den Rasenmähermann, der unter meinem Balkon grundsätzlich um 6:30 Uhr und natürlich an ausschlaffähigen Tagen anfängt, sein Werk – und damit potentiell sein Leben – zu beenden, in einen Schatten stellte, den es mangels Sonne auch heute nicht gab.

Nein, ich würde ausharren und auf die ausstehende Lieferung warten. Ich könnte aber auch die Firma noch einmal anmailen und mich auf erneute Ignoranz meiner Anfrage vorbereiten. Nur die Nachbereitung dessen machte mir etwas Sorgen. Aber dazu würde es wohlmöglich gar nicht mehr kommen. Bis dahin könnte ich verhungert sein oder einen nicht für mich gedachten Übergrößenbrief in den Händen halten; nach einer Möglichkeit suchend, den nun toten Übergrößenbriefzusteller verschwinden lassen zu können.

Oder ich würde doch wieder ins Bett gehen und die Klingel einfach abstellen. Wenn die Firma innerhalb von mehr als zwei Wochen nicht in der Lage war, mir diese verdammte Lieferung zuzustellen, sollen sie sie doch behalten. In einen Übergrößenbriefumschlag würde der Artikel sowieso nicht passen.

Nachdem dieser Beschluss endlich gefasst war, schlief ich einfach trotzig und stehend an der offenen Wohnungstür ein.

Frisch geduscht und ungefrühstückt, versteht sich.

© skriptum
[13.01.05]

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